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Die neue Welt · 1937-05-26 · Heft 658 (26.5.1937) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 658 (26.5.1937)
Date
1937-05-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 658 vom 26. Mai 1937 -0IE NEUE WELT Seite 7 Die neue Türkei Wirtschaft und Politik in der Türkei — das Werk eines luden Das kemalistischc Regime hat Hervorragendes auf allen Gebieten der Wirtschaft und Kultur geleistet; Atatürk (Kemal Pascha) hatte sich zum Ziel gesetzt, aus den Ruinen der alten, kranken Türkei «inen neuen, modernen Staat zu schaffen. Das große Werk des Aufbaues, das vom Genie Mustafa Kemals inspiriert wurde, wird etappenweise durchgeführt. Allmählich wird es uns klar, daß alle Arbeiten, die auf verschiedenen Gebieten planmäßig durchgeführt werden, Teile eines monumentalen Baues sind, die die große Macht der türkischen Republik Atatürks darstellen werden. Es muß betont werden, daß parallel zu der geistigen Renaissance des türkischen Volkes die physische und ökonomische Entwicklung gewaltige Fortschritte aufzuweisen hat. Man ging von dem richtigen Standpunkt aus, daß ein Volk nur dann gesunden kann, wenn es seine Lebensbedürfnisse aus den Quellen seiner Erde schöpfen kann. Gewaltig sind die materiellen Güter der türkischen Scholle; sie zu verwerten,, das war das Hauptziel der neuen Türkei. Eine gewaltige Aufgabe wurde in kurzer Zeit gelöst; reiche Kupfer-, Blei-, Chrom- und andere Bergwerke wurden in Betrieb gesetzt; die Exploitierung dieser Bergwerke geschah ohne fremdes Kapital. Die berühmten Kupferminen von Ergani sind ein nationales Werk; das ganze türkische Volk opferte seine Ersparnisse, um die große „Kupfer-Anleihe" zu zeichnen. Jetzt-ist man darangegangen, die größten Eisenwerke des Orients ins Leben zu rufen. K a r a b ü k ist der Name, der in allen Winkeln der türkischen Republik mit großem Stolz ausgesprochen wird; ein verlassenes Nest im Herzen Anatoliens, Karabük, wird jetzt in eine Art Skoda- oder Kruppwerke umgewandelt. Hier sind unerschöpfliche Eisenerze . entdeckt worden; die türkische Regierung ging zielbewußt daran, diese Schätze dem Vaterland nutzbar zu machen, die Finanzen des Landes reichten aber nicht aus, um dieses große Werk in kurzer Zeit zu verwirklichen. Da geschah ein Wunder; die große Konzeption eines Juden half der türkischen Regierung, dieses gewaltige Problem zu realisieren. Klarinski, dies ist der Name, der in allen Rcgierüngskreisen Ankaras mit größter Achtung ausgesprochen wird; der Jude Klarinski erwies sich als feiner und tüchtiger Negociateur zwischen Ankara und dem englischen Großkapital; die gesamte türkische Presse reproduzierte das Bild dieses Juden, und Journalisten beeilten sich, diese Persönlichkeit zu interviewen. -Wir Juden waren sehr erstaunt, als wir die Erklärungen Klarinskis in der türkischen Presse lasen, er sei palästinensischer Staatsbürger; aus seinem engeren Bekanntenkreis erfuhr ich, daß er .orthodoxer Jude sei und aus Polen stamme; er soll eine große Anleihe für die polnischen Eisenbahnen in London placiert, für das englische Großkapital die Rolle eines Experten der polnischen Finanzen gespielt ftaben. Dieselbe Rolle übernahm er auch bezüglich der Finanzen der Türkei; er war mehreremale in Ankara, wo er die Finanzen des Landes eingehend studierte und dem englischen Großkapital empfahl, das große Unternehmen Karabük zu finanzieren. Unter großem Zeremoniell legten die Führer der Türkei den Grundstein des neuen Werkes. Minister und Diplomaten fuhren in Extrazügen nach Karabük; in' offiziellen Reden wurde der große politische Wert des türkisch-englischen Bündnisses hervorgehoben; der Ministerpräsident Ismet Inönü erklärte in seiner Rede, er .glaube an die Aufrichtigkeit der englischen Staatsmänner, die den freundschaftlichen Pakt mit der Türkei abgeschlossen haben. Die Tatsache, daß das englische Großkapital 22 Millionen türkische Pfund in das Werk Karabük, ohne Garantien, investieren wird, beweist, daß die gesunde Wirtschaft der modernen Türkei eine der besten Garantien für das ausländische Großkapital darstellt. Karabük ist aber für uns Juden ein politischer Faktor von großer Wichtigkeit. Die Türkei — heute die größte Militärmacht an der Peripherie des Nahen Orients — spielt eine führende Rolle bei der Neugestaltung des .Nahen Orients. Die Bündnisse mit Irak, Iran, Afghanistan beweisen, welche wichtige Rolle der Türkei in diesen Pakten zukommt, daß alle diese mohammedanischen Länder im Kreise des politi- KREUZ-KINO 1, Wollzeüe IV Telephon K-24-2-1Ö Vorstellungen : 4, V*6, Va8, V«10 Peter Lorre ,„ oehverraf U Frcddy Bortholomeo, Mickey Rooney, Jcickie Coopcr in .......... „3 Kieme Gnnsster" 7*4> V«6* 7a8* 7a10 mit J«n Hunter, Pesay Conklin sehen Einflusses Englands stehen. Für uns bedeutet dies Ruhe und Festigung unseres Aufbauwerkes in Erez Israel; die Anerkennung des Status quo in Palästina seitens dieser Mächte. Es ist natürlich, daß England durch den türkischenglischen Pakt die Festigung seiner Lage im Mittelmeer anstrebt; die Türkei zeigt sich hier als mächtiger Bündnispartner. Je zahlreicher die Bundesgenossen Englands im Nahen Orient sind, desto fester wird seine Lage in Palästina sein. Parallel mit England stehen wir Juden in Palästina als aktiver Faktor in diesen politischen Kombinationen. Trotzdem wir noch keine Subjekte dieser Politik sind, können die Bündnispartner Englands keinesfalls an der Tatsache vorübergehen, daß der jüdische FaMor in Palästina bereits etwas bedeutet. Wir haben das größte Interesse, für England aufrichtige und loyale Partner im Nahen Orient zu suchen, bzw. England in dieser Arbeit zu unterstützen. Einem Juden aus Polen, Klarinski, war es beschieden, die Politik der Freundschaft zwischen England und der Türkei durch gemeinsame wirtschaftliche Interessen zu festigen. D. P ard o -(Istanbul). " " e§ eime Rassenftheofirie? Wenn man den Hitler-Leuten ihre gegen die Juden gerichteten R a's sengesetze zum Vorwurf macht, dann verweisen sie auf' das in der Bibel enthaltene "Verbot der Mischehe, als Beweis dafür, daß es auch ein jüdisches Rässengesetz gegeben hat. In einer umfangreichen Abhandlung: „Gibt es eine Rassentheorie in der Bibel?" beschäftigt sich Dr. M. Ehrenkranz "(Jerusalem)'mit diesem Gegenstände und schreibt u. ä.: „Man argumentiert: Die Bibel lehnt doch die Mischehe zwischen Juden und anderen Völkern ab, ist dies nicht in der Erkenntnis der r assis ch en Verschiedenh ei V begründet? Dabei wird geflissentlich jene große.Anzahl von Ehen .mi^^rag'Si^c'hi fremden Frauen .übersehen)' von denen uns - die Bibel ohne jeden Tadei berichtet. Hervorgehoben seien hier nur' einige große biblische Gestalten: Abraham, Josef, Moses und Simson, sie atle ind Mischehen eingegangen. Eine der Hauptfiguren der;'Bibel, R u t h, die Stamm- Mutter des Hauses David, ist keine rassische Jüdin. Gewiß fehlt es anderseits auch nicht in der Bibel" an ablehnender Haltung gegenüber Mischehen. So zum Beispiel verbietet A b r a h a m seinem auf Brautschau ausziehenden Sklaven Elieser nachdrücklichst, eine Heviterin für seinen Sohn zu wählen, dasselbe verbietet dann Isak seinem Sohne Jakob und auch die Söhne Jakobs wollen es Unter keinen Umständen zulassen, daß der Heviter -Schechem ihre Schwester heiratet." „Daß aber diese ablehnende Haltung nicht in einer Rassenfremdheit begründet seih kann, beweist folgendes. Das Eheverbot mit den rassisch fremden Aegyptern bleibt bloß auf die ersten zwei Generationen beschränkt, während die ' Vermischung mit den rasse- und sprachverwandten Moabitern und Ammonitern für immer verboten wird. Das scheinbar widerspruchsvolle Verhalten der Bibel gegenüber der Mischehe erklärt uns die Bibel selbst, indem sie die Vermischung nur mit einigen bestimmten Völkern verbietet und dieses Verbot auch begründet, indem verordnet wird: ,Hüte dich, daß du keinen Bund schließest mit dem Bewohner des Landes, gegen das du ziehst . . . und nimmst von seinen Töchtern für deine Söhne. Wenn seine Töchter ihren Göttern nachbuhlen, so verführen sie auch deine Söhne, ihren Göttern nachzubuhlen.' (Ex, Kap. 34, 12—16; Deut. Kap. 7, 3—4.) Also nicht das B 1 u t m ä ß i g e ist hier das ausschlaggebende, sondern allein die gewollte und gewählte Lebensweise jener Völker war der Grund des Verbotes." ,,Das Ziel Esras und seines Kreises war: Die Wiederaufrichtung eines jüdischen Staatswesens auf den Grundlagen der .Thorat-Mosche' (Lehre Mosis), in welchem die messianischen Ideen der vorexilischen Propheten ihre Verwirklichung finden sollten. Unter diesem Gesichtswinkel sind die Forderungen und. Einrichtungen jener Epoche zu verstehen, einschließlich der Bevölkerungspolitik. Die Bevölkerung, welche die Juden bei ihrer ersten Eroberung des Landes vorgefunden hatten, war längst verschwunden. Nach der Vertreibung der Juden durch Assarhaddon (1711) besiedelte er das Land mit verschiedenen Völkersplittern. Die geistige Haltung dieser Angesiedelten wird im 2. Buche der Könige, Kap. 17, wie folgt charakterisiert: ,So waren diese Völker, fürchtend den Ewigen und dienend ihren Götzenbildern; auch ihre Kinder und Kindeskinder tun, wie es ihre Väter getan hatten.' Während diese Bevölkerung sich selbst als vollgültige Juden betrachtet, da sie a u c h den jüdischen -Kultus angenommen hatte, lehnten sie die. Vorgänger Esras — Zerubabel und Jofcuäab;*' „Die Ansicht der jüdischen Führer ging dahin, daß nur der als Volljude anzusehen ist, welcher sich ausschließlich zum Judentum bekennt. Da jene Bevölkerung ihr altes Heidentum beibehalten hatte, wurde sie zur Beteiligung an dem Tempelbau nicht zugelassen. Die Mischehe mit dieser Bevölkerung Wurde aber geduldet, selbst Priester und Leviten hielten sie für erlaubt, weil diese Völker nicht auf der Liste der Eheverbote im Pentateuch standen. Da kam Esra und beobachtete die schlimmen Folgen jener Mischehen. Er, der große Gelehrte, der es sich zur Aufgabe gemacht hat. .auszulegen die göttliche Lehre, zu verwirklichen und zu lehren in Israel Gesetz und Recht', verstand, daß der Schwerpunkt der mosaischen Eheverbote nicht, im Rassischen, sondern im Kulturellen zu suchen se i." „Nach der Ansicht Esras ist es gleichgültig, wie ein Volk heißt und welcher Rasse es angehört, vielmehr ist wichtig, wie es sich zum jüdischen.Ideal verhält, bzw. welchen Einfluß dieses Volk auf die jüdische Gemeinschaft auszuüben vermag. Sobald Esra feststellen konnte, daß seine zeitgenössischen Bewohner Palästinas sich in ihrer geistigen Haltung von der nichtjüdischen Urbevölkerung kaum unterschieden und daß ihre Lebensweise den Bestand einer jüdischen Kultur ebenso gefährdet (Esra, Kap. 9), verbot er die Mischehe mit ihnen. Aber dieses Verbot resultierte allein aus dem Bestreben, die jüdische Gemeinschaft von den heidnischen Sitten und Gebräuchen und von Unreinem fernzuhalten und war nicht im Biologischen (Rassischen), sondern im Ethischen begründet, wie es auch das ältere mosaische gewesen war." Heise gegen Leon Blum in deutschen Schuf bü ehern Aus Prag (J. T. A.): Die „Nationalsozialistische Erziehung", das Organ des nationalsozialistischen Lehrerbundes, veröffentlicht den .Wortlaut der Einigung der deutschen und französischen Geschichtslehrer über die „Entgiftung" der beiderseitigen Lehrbücher. Unbeschadet dieser „Einigung", erscheint , soeben in der Schriftenreihe „Neuland in der deutschen Schule — Beiträge -zur praktischen Volksschularbeit" ein 9. Heft unter dem. Titel „Die Judenfrage — Stoff und Behandlung in •der Schule", von Dr. Ernst Dobers, Professor an der Hochschule für Lehrerbildung in Elbing. Auf Seite 57 wird ■den.-.Vo 1 k s s c h.u 11 e h r e r n empfohlen, bei der Behandlung-Frankreichs in. der Volksschule, folgendes zu unterrichten: „Der derzeitige Ministerpräsident Leon;Blum .ist Jude. Zwölf Großwürdenträger der Freimaurerei Frankreichs sind Juden. Neben vierzehn anderen einflußreichen jüdischen .Finanzleuten Frankreichs sind besonders bekannt Rothschild, Finaly, Dreyfus, Lazard, Jacob." Ehemalige deutsch-jüdische Frontkämpfer in Paraguay Aus Berlin: Der „Schild", das Organ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, veröffentlicht einen Bericht des früheren Vorsitzenden der Ortsgruppe Koblenz des Reichsbundes, G o 11 s c h a 1 k, der sich einer aus Deutschland ausgewanderten Gruppe ehemaliger Frontsoldaten und Mitglieder des Sportbundes des Reichsbundes angeschlossen hat, um eine landwirtschaftliche Gruppensiedlung in Paraguay zu begründen. 35 Kilometer von Asuncion entfernt hat die Gruppe, die aus 13 Personen besteht, 35 Hektar bepflanztes Land, ein großes Haus und 24 Stück Vieh. Es ist die erste größere Gemeinschaftssiedlung in Paraguay. TABORSTR-48

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