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Die neue Welt · 1937-05-25 · Heft 657 (25.5.1937) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 657 (25.5.1937)
Date
1937-05-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 667 vom 25. Mai 19ä7 AUS ALLER WELT Der Staatspräsident von Estland und das jüdische Palästina-Werk Aus Tallinn (J. T. A.): Anläßlich eines Empfanges beim Präsidenten der Republik Estland, Prof. Gonstantin Paets, informierte der Direktor, ifes Keren Hajessod, Leib Jaf f e, den Präsidenten eingehend über die Leistungen und Erfolge des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina. Der Präsident bekundete tiefes .Verständnis für den Palästina-Auf bau und sprach seine Sympathie für die zionistischen Bestrebungen aus. Nach der Unterredung übergab Präsident Paets dem Direktor Jaffe folgende schriftliche Erklärung: Die freundschaftliche Haltung Estlands gegenüber der nationalen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung der Juden findet einen besonders klaren Ausdruck in der den nationalen Minderheiten gewährten Kulturautonomie, die durch die Verfassung- Estlands gewährleistet wird. Dadurch wurde der jüdischen Minderheit in Estland die Möglichkeit gegeben, ihre eigenen autonomen Institutionen für die Entwicklung ihrer nationalen Kultur zu schaffen. Ich bin darum in der glücklichen Lage, feststellen zu können, daß Estland die Leistungen des Keren Hajessod, der sich die Erneuerung der jüdischen nationalen Ideale zur Aufgabe gemacht hat, mit tiefem Verständnis und mit. Sympathie verfolgt. Ich bitte Sie, Ihren Freunden meine aufrichtigen Wünsche für den vollständigen Erfolg ihres großen Werkes zu übermitteln. Boykott in Nordbohmen Aus Prag: Vielfach mehren sich die Klagen tschechischer und jüdischer Kaufleute in nordböhmischen Städten, daß von d^u t scher-Seite systematische Hetzen gegen ihre Läden betrieben werden. Ein Kaufmann in Böhmisch-Leipa, der früher einmal in Prag Geschäftsführer eines großen Kaufhauses gewesen war, vor etwa 15 Jahren in Böhmisch-Leipa ein solides Geschäft aufmachte, wird nun systematisch boykottiert. Während er noch vor fünf Jahren einen Tagesumsatz von etwa tsch. K 10.000 hatte, erscheinen jetzt durchschnittlich drei Kunden am Tage in seinem Geschäft. Der Höhepunkt der Hetze wurde an. einem,; der. letzten Tage erreicht, als er am Morgen an seine? -Ladentür ein Riesenß'child mit der Aufschrift fand: „Achtung! Judel Hier darfst du nicht kaufen!" Aehnliche Aufschriften trugen zwei Kleinläden in .Dittersbach. * In dem Böhmerwaldorte Höritz fand'am Mittwoch eine dort seit 58 Jahren ihr kleines Geschäft betreibende Kolonialwarenhändlerih auf ihrer Ladentüre in Emailfarbe einen großen gelben Kreia aufgemalt, in dessen Mitte das Wort stand? „Jüdische Ware — Teuf eis wäre", ' Ein jüdischer Künstler soll die Londoner Krönungsfeier im BUde festhalten, Aus Saloniki (J. T, A.): Die jüdische Presse, v.on Saloniki meldet, daß König Georg VI. von England den in Paris lebenden jüdischen Maler Jean de Button beauftragt hat, ein Gemälde von den Krönungsfeierlichkeiten in London herzustellen. Jean de Botton ist ein bekannter, aus Saloniki stammender Künstler. Er hat bereits wochenlang in London mit Erlaubnis des Königs an der Herstellung von Skizzenvon den Schauplätzen der Krönungsfeierlichkeiten gearbeitet. Jetzt ist er vom König mi(: der Herstellung eines großen Gemäldes "beauftragt worden. Die Arbeit wird zwei Jahre in Anspruch nehmen. Vermischte Nachrichten aus Palästina Die Frage der Entschädigung Aus Jerusalem wird gemeldet; Ungefähr hundert jüdische und fünfzig arabische Familien, deren Ernährer während der Unruhen gefallen ainü, werden von der Re* gierung entschädigt werden; Dagegen wird für die* jenigen, die bei Ueberfällen auf Militär und Polizei ums Leben gekommen sind, keine Entschädigung gezahlt werden, Insgesamt hat die Palästina-Regierung einen Betrag von Pfund 30.000 für diese Zwecke angesetzt. Die Frage der Kompensation für Sachschäden ist noch nicht geregelt worden. Arabische Stellungnahme zur Teilung Die ägyptische Zeitung „Mokattäm" berichtet; daß das britische Auswärtige 'Amt einen Vertreter in einer besonderen WUwlon in die arabischen Länder entsandt hat, wo er die Haltung zur Palästina- Frage feststellen soll. [Wie das Blatt weiter berichtet, sind sämtliche arabischen Herrscher mit einer, einzigen Ausnahme für eine den arabischen Forderungen entsprechende Lösung und widersetzen sich einer eventuellen Teilung Palästinas. (Palcor.) Erinnerung an den letzten Sultan 'Aua Jerusalem wird gemeldet: Ein Prozeß, mit weitreichenden Folgen hat vor dem Jerusalemer Gerichtshof begonnen. Die Erben des Sultans Abdul Hamid erheben Anspruch auf die früheren türkischen Staatsländereien, die bereits vor dem Kriege von der Regierung der Jungtürken verstaatlicht worden waren. Der Prozeß bildet einen Präzedenzfall, dessen Resultat Millionen Dunam Boden in Palästina, Syrien und Irak, sowie die Oclfelder von Mosul betrifft. Die Staatsanwälte von Palästina und Syrien werden für ihre Regierungen erscheinen, während ein besonderer Rechtsberater des Auswärtigen Amtes aus London eingetroffen ist. Der jüdische Anwalt Dr. Weinschall vertritt die Kläger. (Palcor.) Morris Schwartx in Palastina Wie aus Tel-Aviv gemeldet wird, hat Morris Schwartz, I. I. Singers chassidisches Schauspiel „J o s c h e Kalb" nunmehr auch in Palästina aufgeführt und ist auch als Schauspieler In diesem Stück aufgetreten. In Wien wurde voriges Jahr „Josche Kalb" im Rahmen einer Welttournee vom Morris-Schwartz- Ensemble gespielt. Toscanini wird wieder dirigieren In einer Pressekonferenz in Jerusalem gab der Manager des Palästina-Symphonie-Orchesters, Dr. Walter Simon, bekannt, daß Arturo Toscanini auch in der kommenden Saison mehrere Konzerte des Orchesters dirigieren wird. Bei einem der Konzerte wird auch der Gründer des Orchesters, Bronislav Huberm a n, als Solist mitwirken.: Die Konzerte im kommenden Herbst werden u. a. von Issay Dobrowen, E. W. Steinberg und, Michael Taube geleitet werden. Für den Sommer sind Konzerte im Freien und Kinderkonzerte geplant. Die „Illegalen" Aus Jerusalem: Der englische'Richter in Safed verurteilte 31 Juden, darunter Frauen und Kinder, wegen illegaler Einwanderung nach; Palästina. Die Verurteilten müssen das Land unverzüglich verlassen. Die arabische Zeitung „El Liwaa" teilt mit, daß die syrisch-palästinensische Grenzpolizei während der letzten vier Tage 29 Juden verhaftet hat, die ohne Einreisevisum aus Syrien ins Land gekommen waren. Sämtliche Verhaftete wurden ins Gefängnis von Safed eingeliefert. Die Zeitung fügt hinzu, daß sich in den der syrischen Grenze nahegelegenen Dörfern arabische Komitees gebildet haben, die die Behörden bei der Bekämpfung der illegalen jüdischen Einwanderung unterstützen. In der Nähe von Samach hat die Polizei vier Juden verhaftet, die, aus Damaskus kommend, illegal nach Palästina einwandern. wollten. .• Wirtschaftsverkehr Oesterreich—Palästinas Aus Wien: In den ersten drei Monaten des Jahres 1937 betrug die A u s'f u h r österreichischer Waren nach Palästina S 1,077.00p, hievon Fertigfabrikate S 969.000. Die Einfuhr nach Oesterreich aus Palästina betrug S 242.000, hievon Nahrungsmittel S 181.000, so daß das Verhältnis 1:4,5 betrug. Der Export nach Palästina hat sich im März 1937 gegenüber dem Vormonat verdoppelt. Mosley Propaganda in Palastina PaJcor meldet aus Jerusalem: Es verlautet, daß die .British Union of Fascists, die von Sir Oswald Mosley angeführt wird, eine lebhafte Propaganda unter der britischen Polizei in Palästina entwickelt. Besonders energisch wird die Agitation in Tlberias betrieben. Kein Kommissions«Beridht vor Ende 1937 t Palcor meldet aus Jerusalem: Die arabische Zeitung „Maarat al Schark" behandelt die Frage, ob der Emir' Abdullah, welcher jetzt in Zusammenhang mit den Krönungsfeierlichkeiten in London weilt, von dort als König eines arabischen Staates zurückkehren wird, der in sich auch einen Teil Palästinas einschließen soll. Die Zeitung versichert, daß die englische Regierung beschlossen habe, das Palästina-Problem ohne Rück-« picht auf die Araber und Juden zu lösen, nämlich das Land in zwei Staaten; in einen Jüdischen und arabischen zu teilen, wobei der arabische Teil mit Trans« Jordanien vereinigt werden soll. Ferner versichert das arabische Blatt, angeblich aus maßgebender Quelle, daß die Veröffentlichung des Berichtes der Kgl, Kommission nicht im Monat Juli erfolgen wird, wie kürzlich aus englischer Quelle gemeldet wurde, sondern viel später, wahrscheinlich erst am Ende des laufenden Jahres. Bis dahin werde die Regierung die militärischen Vorbereitungen in Palästina beenden und mit Hilfe der militärischen Kräfte die Araber zur Annahme der angeführten Lösung des Palästina-Problems zwingen, Die Wizo - Bezirkssektion und Brlth Zion XVDÜL veranstalten am Mittwoch, den 26. Mal, 8 Uhr abends im Garten des Kasino Zögernitz ein Frühlingsfest mit Tanz. Es wirken mit: Zilly Wang, Alice Gemeiner, Eugen Hoffmann, Paul Siegner, Bobby Welser, Heiteres Quartett des Jüd. Gesangsvereines, Rudolf Beck und »The Swinglng Serenaders". — Gäste willkommen. —- Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung im Saale statt. KINO'PROGRAMME t CHWEDEN Sttl3ncr nnd sPannender a,s "Wei0e Schj,,en' mmmmmmmm [SNSIDGfliällll a . 49 . o . eo HtBEEBISEHO 7,4, i/,6, 7,8, 7,10 mit Mala Lotus Letzte Aufführungen von Arnold Zweigs //Die Sendung Semaels" Wie wir erfahren, finden diese Woche, Mon« tag bis Mittwoch, die letzten Aufführungen von Zweigs „Die Sendung Semaels" in den Jüdischen Künstlerspielen, II., Praterstraße 34, in der Premierenbesetzung mit Leo Reuß-Brandhofer und Jenny Lovic statt. Wegen des großen Interesses empfiehlt es sich, Karten (auch telephonisch R-45-4-94); reservieren zu lassen. Wenn es die Probearbeit gestattet, dürfte das neue Stück „Zurück zum Volk", von Leo Kobrin, bereits Donnerstag, den 27. Mai, herauskommen. Dieses interessante Bühnenwerk zeigt in drei starken Akten den seelischen Zusammenbruch eines Abtrünnigen und seine Rückkehr in die jüdische Gemeinschaft. Leo Reuß- Brandhofer spielt die Rolle des Helden in jiddischer Sprache, außer ihm treten als Gäste Jenny Lovic, Heimi Lewin und der vom Paul-Baratow-Gastspiel bestens bekannte Charakterdarsteller Michael Pr eiß auf. Die Regie des Stückes hat der bekannte Schauspieler und Regisseur Eugen J e n s e n' übernommen. Montag, den 31. Mai, als Ehrenabend für die beiden verdienstvollen Kräfte der Jüdischen Bühne, Benzipn Sigall und Hermann Tunis, eine Festaufführung von Kobrins „Zurück zum Volk". 1 1 ^Si^ ^V%^ 8*; " # •vi. Qß & »x«^1 e^V*v r *^ ****¥*S^ " rt ^J^^ tte\^*°°* 'Xd? - * .Aet^V^ , ,Y^° * .■e* * ifc* W ^\e^v -xee XeN^eVt At&t** -^28**^ süd ^S>*" 'M&t&fr O^S*"' rf^' 9<*$^' e f >9° 'rf 3* A«Q £o 8 Ae $0r^ A-( ■^>^,^° A & *tä&> , _l & c£fV;-\>n>v Vp^tstffr*' ' »^^.dS*^' ^•Ä^i V^o\^^* QÖ : j>^:^>- o^<£>* wx&tf .* 0a- - V^cto^'°" ,V^xCW" a, <M\o\«°>*: "W** ^^S^.K^ ,<? «*' J - tu &\ 1 & «^ti&P' Mo<»Ä**° * >\>>^ İ4- \>^r^°^ .tok4*> . 0 Ate *-kcfS \k * Eigentümer, Verleger. Herausgebe* yeriuatwor.UIchee Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. — Druck: Dwckerii* und Verlags-A.-G Ignaz Steinmann, beide Wien, lg* Uuiversitätsstraße 9—8,

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