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Die neue Welt · 1937-05-25 · Heft 657 (25.5.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 657 (25.5.1937)
Date
1937-05-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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185 Titl. Universität- Preis 10 Groschen Mtnftlag, den ftf* Mai HB7 ff ♦ fafctgang f* -557 b* Zeitung vom Verleget versendet Journal expfidiö par Festen*« DIE NEUE WELT R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1*60. vierteljährig Zloty 4.50; Xschecboslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jogoslawlen monatlich Dinar 14.—,. viertel* jährig Dinar 40,—; Buraänlen monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Dentsoluand monatlich Mark 1.—, vlerteljährl« Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich < Lire 5.—, vierteljährig Lire 14»«-a Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer.Francs 2.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. . . . 2Iit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u, Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8,7 ei» A-20-2-78 ".Erscheint Dienstag u. Freitag Wegen des offiziellen Feiertages am Donnerstag, den 27. Mai, erscheint die nächste Ausgabe unseres Blattes Mittwoch, den 2 6. Mai Und ist an diesem Tag bereits in der Kolportage erhältlich. Das Wort „Defizit" Die österreichischen Theaterdirektoren haben in ihrer Generalversammlung einen Notruf ausgestoßen. Den Theatern geht.es schlecht — daran sind die Zeiten schuld; sie sind.zu sehr belastet — daran sind die Behörden schuld. Es sei notwendig, die Theater auf eine gesündere Basis zu stellen. Allerdings könne eine Gesundung der Theaterverhältriisse nur durch, Heranziehung neuen Publikums herbeigeführt werden und durch eine ausreichende staatliche Subvention. Das sind Klagen und Vorschläge, die fast überall und fast alljährlich bei Schluß der Spielzeit gemacht werden. Einen a k tue 11 e n Ton in die Debatte der Generalversammlung brachte .der Direktor Brandtn e r^(Linz), indem er sich nicht bloß auf die ä 11 g erne inen Schwierigkeiten der Theaterführung in der heutigen Zeit bezog, sondern auch die der Z u s a mmehs'e tzün g de s Ense in b!<e s ins rechte;I/ieht rückte.. - ' .1 '■ Der A n tisemi t i s m u s, führte Direktor Brandtner,, der als erstklassiger Theaterfachmann gilt, aus, macht sich in der Provinz derart breit,-daß ein Theaterdirektor es gar nicht wagen darf, Juden zu engagieren.. Alle Darsteller sollen blond und blauäugig sein. -Nun - sind aber die guten arischen Schauspieler, die für d|e, Provinztheater in - Betracht kamen, nach Deutschland gegangen, um; dort Lücken auszufüllen, die durch den Abgang der jüdischen Emigranten entstanden,.sind. Direktor Brandtner gelangt .nun zur Pointe seiner Beweisführung, nämlich zur Begründung der Notlage des, österreichischen Provinztheaters. Mit s c h 1 e c h t e n Schauspielern, erklärt er, dürfe man dem". Publikum nicht kommen. . Wenn nun für, ein bestimmtes. Fach kein guter .arischer Darsteller zu finend sei, hingegen ein halbes Dutzend jüdischer. Schauspieler, die man allerdings reicht engagieren könne, höre sich;jedes seriöse Theaterspielen auf. Und däs Fazit?'Defizit! Die heurige Spielzeit in Linz habe e)n Defizit von 25.000 Schilling ergeben. . Der Mut des Direktors Brandtner ist zu bewundern., - Vor einem Forum, . das die deutsche Theaterku 11ur zu bewahren hat, auf. den wun-, den Punkt der Theaterführung in Oesterreich hinweisen,, nämlich auf den widerspruchslos , geübten 'Arierparagraphen, dazu gehört unter den gegenwärtigen ,.Umständen eine. Charakterstärke, die man bei den Kollegen Brandtners ..schwerlich finden dürfte. Natürlich. wird jeder ernste und gewissenhafte Theaterleiter sich nur solche Kräfte, engagieren, die brauchbar sind, die man, für ein künstlerisches Ensemble benötigt, unabhängig von ihrem Glauben, ihrer Stammeszugehörigkeit und politischen Ueberzeugung.. Aber üim a priori die Möglichkeit rauben, ausschließlich vom geschilderten Gesichtspunkt aus die Engagements vorzunehmen, bedeutet für ihn künstlerisphe und weiterhin wirtschaftliche Drosselung. Wir. verstehen es wohl, daß ein österreichischer Provinzthealierdirektor, dem Milieu Rechnung tragend, sich zunächst nach deutschchristlichem Schauspielermaterial. umsieht. Aber ihm von Haus aus die Schaffung.'eines Ensembles durch Ausschluß jüdischer Schauspieler unmöglich machen, heißt: ihn gegebenenfalls zu.minderen Leistungen zwingen. , Mindere. Leistung bedeutet D e f i z i t. Und für dieses Defizit soll der S t a a t aufkommen. Für die\ Schädigung des Theaterbetriebs durch die nationalbetonten Kreise soll der Staat herhalten. Per österreichische Film ging am Zwang des Ärjerpärägraphen zugrunde. Sollen jetzt die österreichischen Theater drankommen? General Dill protestiert — Weizmann schweigt Zum Plan der Teilung Palästinas Vor einigen• Monaten wurde General Dill als oberster Kommandant der britischen Militärmacht nach Palästina berufen, nachdem man in London endlich erkannt hatte, daß die Palästina- Regierung nicht fähig und nicht willig ist, gegen die arabischen Terroristen . energisch vorzugehen und dem Lände Ruhe zu verschaffen. General Dill, mit außerordentlichen Vollmachten versehen, griff zunächst kräftig, ein. Aber bald hörte man davon, daß die Palästina-Regierung - ihm auf Schritt. und Tritt Hindernisse bereite und seine Maßregeln durch Gegenmaßnahmen paralysiere. Jetzt erweist sich die Stichhaltigkeit dieser bösen Gerüchte. General Dill, der Mann ehrlichen Willens, muß den Intrigen des Zivilgouverneurs W auch o p e weichen. G e n e r ä 1 D i 11 geht — unter Protest. Zur seinem Rücktritt, wird aus London berichtet : Aus gut unterrichteten Kreisen wird über die. Gründe, der .Abberufung des General- * leutnants Dill vonseinem Posten als Oberkommandierender der britischen Streitkräfte in Palästina -folgendes .mitgeteilt: General Dill. ist ein Gegnerder" Teilung P a 1 äst. in a.s. in . Ii) i n z e I s t a a t e n, wie dies von der Kgl. Kom- . mission vorgeschlagen wird. Diese Gegnerschalt begründet er in erster Reihe mit strategischen Erwägungen. Er, vertritt den Standpunkt,, daß - Palästina eine besondere Bedeutung für die Stellung Englands im östlichen Mittelmeer besitzt und daß.es.seine.Bolle nur als ujig.eteilte Einheit erfüllen kann. Eine.Teilung würde die strategische Bedeutung des Landes . herabmindern oder völlig aufheben. Weiter ist General Dill Anhänger einer Politik der s t a r k e n Hand gegenüber den. ar ahls^ne^n Terroristen. Wiederholt soll er gefordert haben, den Truppen die Möglichkeit eines scharfen Durchgreifens zu geben, damit das Land von dem Terror befreit und die Banden entwaffnet werden könnten. Diese Möglichkeit sei jedoch den Truppen von den Leitern der offiziellen Politik nich t gegeben worden. Mit Rücksicht darauf, daß seine Ansichten in beiden Punkten, sowohl was die B e k ä m p f u n g des'Terrors als die Wahrung der territorialen I n t e g r i t ä.tV Palästina s, betrifft, nicht durchdringen konnten, habe General Dill beschlossen, seine Mission in Palästina aufzugeben und seinen früheren. Posten als Kommandant der ersten Infanterie« Division in Aldershot wieder zu übernehmen. Jetzt ist klar, was in und um Palästina vorgeht. Die aus antizionistischen un<| vielfach auch, antisemitischen Elementen zusammengesetzte Palästina-Regierung will die Unruhen! Als Beweis-dafür, daß ein jüdisches Palästina auf . die Dauer nicht zu halten ist. Der teuflischeTPIan der T eilung P älästinas und der Zuweisung eines Zwergstaates an die Juden soll durch beständige Unruhen gefördert werden. Also weg mit dem ehrlichen englis&beii Soldaten Dill, der das verruchte Spiel nicht mitmachen will. Es ist nicht das erste Mal, daß in -Palästina-ein ehrlicher'englischer Soldat den verlogenen/ heimtückischen Bürokraten - weichen mußte. Ais im Jahre 1925 Marschall P l.u m e r als" Oberkommissar berufen wurde und mit unerschütterlicher Energie den von :Sj£inem^üdischen Vorgänger .Sir ^He^bert^Sanaüel: verhätsöhelten,^und. -übermütig; •••;gemaeh^:^'aH^i^äjeii Hetzern entgegentrat,- da. begann ^ie; ähipao^stischei Bürokratieein Kesseltreiben gegen ihn und er, für fünf Jahre •ernannt,.' mußte nach: »wei Jahren seinen Posten r einem Mfanne, Sir ChanceIIo£, räumen, unter dessen Regierung... dann, der^ fürchiter;« liehe Pogrom 1929 ausbrach. Jetzt wiederholt sich das Spiel unter weitaus gefährlicheren Aspekten.' '. j - ... ' * ,, General- Dill;hat das Spiel durchschaut und^erkannt, daß. die Teilung Palästinas nicht nur'einen Bruch des Mandats, also einen Betrug am jüdischen Volke, sondern auch einen Verrat äh denlntrejr* essen seines Vaterls(.ndes England bedeutet. Er. will nicht mittun und protestiert. r Was aber tut der Mann, der berufen ist, die Interessen;^des jüdischen Vortkes zu schützen, was tut der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, W e i z m a n n? Er schweigt! Das Jüdische Nationalheim soll zertrünimert werden. Der Engländer Dill protestiert/, der Jude Weizmann schweigt. In diesem Falle bedeutet Schweigen — Zustimmung. Es kann nicht anders gedeutet werden. Jüdische Minderheit in Gefahr Eine Aktion des Jüdischen Weltkongresses " Aus Genf wird uns berichtet: Nach -der. Volksabstimmung in Oberschlesien und der Teilung dieses Gebietes, zwischen Deutschland und Polen wurde ein deutsch-polnisches Abkommen im Jahre 1922 in Genf abgeschlossen, wonach die Regierungen von England, Frankreich, Italien und Japan als Mitglieder der Botschafterkonferenz das Recht bekamen, im Interesse der Durchführung der von. Deutschland und. Polen übernommenen Verpflichtungen einzugreifen. , ,• Diese Tatsache ermöglichte es dem Exekutivkomitee des Jüdischen Weltkongresses -*» der einzigen, aktiv für Minderheitenrechte ein* tretenden Organisation — die Außenminister der. vier genannten Staaten auf die Gefahren aufmerksam zu mächen, die sich daraus ergeben, daß am 15. Juli d, J* die Minderheitsbestimmungen des Genfer Abkommens, ablaufen. ' In seiner Denkschrift an die vier Regierungen regt das Exekutivkomitee des Jüdischen Weltkongresses an, Deutschland und Polen zu einer Verlängerung der Minderheitsklauseln zu veranlassen oder, falls sich das als unmöglich erweisen sollte, für die Anerkennung der ja weiter« toter« hin geltenden „wohlerworbenen Rechte" nationale Garantien zu schaffen. Weiterhin wird angeregt, die Angehörigender Minderheiten vor; Repressalien zu schützen * und : zu* mindest für ein U e b e r g a n g s r e g irae ' (wie bei der Rückgliederung des Saargebiets an Deutschland)' zu sorgen, das die Auswanderung und Liquidierung des Besitzes ermöglicht. ' v/ •' Deutsch-Oberschlesien ist auf Grund des Genfer Abkommens von der Anwendung der; Rassengesetz* gebung verschont geblieben. Man erinnere sich 'an die Genfer Debatten im. Sommer 1933, wo der Fall B'e rnheim in: antihitleristischem Sinn entschieden wurde, (Der Jude Bernheim, der auf Grund des national«* sozialistischen Arierparagraphen in Oberschlesien als Beamter gekündigt wurde, erhob gegen diese Kündigung in Genf Beschwerde und setzte durch, daß seiner Petition Folge gegeben wurde.) Jetzt besteht die. Gefahr, daß Deutsch-Oberschlesien gleichgeschaltet - wird und . die Juden dem erbarmungslosen Hitler-Regime ausgeliefert werden.

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