Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 656 (20.5.1937)
- Date
- 1937-05-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 656 vom 20. Mai 1937 DIE NEUE WELT 'iT "■■'-Ii ■»^-'^-^-——^- weite 7 Palastina und die Könfgskränuno. Aus Jerusalem: Die von der Stadtgemeinde Tel-Aviv im Gan Hanewiim (Prophetengarten) veranstaltete Festversammlung anläßlich der Krönung des englischen Königspaares nahm einen glänzenden Verlauf. 800 führende jüdische Persönlichkeiten nahmen neben den Vertretern der Distriktsbehörde und der Militär- und Polizeibehörden teil. Bürgermeister Rokach hielt eine Ansprache und verlas eine Huldigungsadresse, deren Inhalt dem Königspaar telegraphisch übermittelt wurde. Darin heißt es: „Dias jüdische Volk wird stets des Andenken des glorreichen Königs Georg V. gleich dem des Königs Cyrus hochhalten. Er hat der Judenheit ihre dritten Froiheitsakte geschenkt. Wir hoffen und glauben, daß jedur Herrscher auf dem britischen Thron es als Auszeichnung und Ehre betrachten wird, ihm auf dem wahren Wege der Gerechtigkeit zu folgen imd das Israel gegebene Versprechen nichtzubrcchcn. Wir hoffen, daß in der Lebenszeit das Königspaares und in der uiiserigen die Wictlcraiil'crstchung Israels in seinem historischen Land im Umfang seiner historischen Grenzen verwirklicht werden wird." in Palästinas Handel mit Deutschland Aus Berlin: Die Zeitschrift des Deutschen Orientvereines „Orient-Nachrichten" bringt einen Aufsatz über den Orienthandel des Deutschen Reiches 1936, in dem auch über Palästina eine Reihe von Angaben gemacht werden. Der reine Warenverkehr der deutschen Einfuhr aus Palästina betrug im Jahre 1936 2,1 Millionen Reichsmark, während, er im Jahre . 1935 5,1 Millionen Reichsmark betragen hatte. Die Höchstzahl war im Jahre 1934 mit 11,9 Millionen Reichsmark erreicht. Die deutsche Ausfuhr nach Palästina betrug im Jahre 1936 im reinen Warenverkehr 18,4 Millionen Reichsmark gegen 1935, das mit 21 Millionen Reichsmark den. Höchststand gebracht hatte. Der Ausfuhrüberschuß Deutschlands nach Palästina betrug 1936 demnach 16,3 Millionen Re''tehsmark und erreichte damit das Höchstsal'do zugunsten Deutschlands. Der Anteil Palästinas an der deutschen Einfuhr in Prozent der deutschen Gesamteinfuhr betrug 1936 0,1 Prozent und veränderte sich damit gegen 1935 nicht. Der Höchststand war 1934 mit 0,3 Prozent erreicht. Der Anteil .Palästinas an der deutschen Ausfuhr in Prozenten der deutschen Gesamtausfuhr betrug 1936 0,4 Prozent, während 1935 der Höchststand mit 0,5 Prozent erreicht wurde. An der Spitze der Einfuhrwaren stehen Südfrüchte mit, 1,8 Millionen Reichsmark. Auf der Ausfuhrst te stehen Eisenbalbzeug und Eisenwaren an erster Stelle. Vom Hafen an Tel«Aviv Aus Tel-Aviv: Die Oesellschaft für den Ausbau des Hafens von Tel-Aviv hat ihre Generalversammlung für den 13. Mai einberufen. Der Generalversammlung wird der Antrag unterhreitet werden, das Gesellschaftskapital durch Ausgabe neuer Aktien im Betrage von 150.000 Pfund auf eine V i c r t e 1 m i 11 i o n Pfund zu erhöhen. Dem soeben veröffentlichten Bericht der Gesellschaft ist zu entnehmen, daß außer Aufwendungen für verschiedene Nebenarbeiten für den Ausbau der Hauptanlagen des Hafens bisher Investitionen in der Höhe von 68.000 Pfund gemacht worden sind. m Im Hafen von Tel-Aviv legte das britische Handelsschiff „Sca Legion Prince" an, das einen großen Warentransport direkt aus London mitfühlte. Die Ladung wurde im Hafen gelöscht. Es ist dies das erste englische Schiff, das im Hafen von Tel-Aviv angelegt hat. Das Budget von Pctach Tikwa Aus Jerusalem: Die Verwaltung der vor kurzem zur Stadt erhobenen Kolonie Petach Tikwa hat für das erste Finanzjahr der städtischen Selbstverwaltung ein Budget ausgearbeitet, das Einnahmen in der Höhe von 30.000 und Ausgaben in der Höhe von 33.000 Pfund vorsieht. Die Obsternte Aus Jerusalem: Laut Berichten, die der Kolonistenverband von den wein- und obstbautreibenden Siedlungen im Norden des Landes erhalten hat, wird die nächste Ernte dieser Siedlungen auf 60.000 Kisten Weintrauben und 8000 bis 10.000 Kisten Aepfel geschätzt. Zweierlei Maß Aus Jerusalem: Die Zionistische Exekutive veröffentlicht folgendes Kommuniquö: Anfang Februar 1937 wandte sich die Exekutive an den High Commissioner Sir Arthur Wauchope mit der Bitte, sieben Juden, die im Zusammenhang mit den Unruhen des Jahres 1936 zu insgesamt 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden waren, zu begnadigen. In seinem Antwortschreiben teilte der High Commissioner mit, daß inzwischen zwei Juden auf freien Fuß gesetzt worden seien und bei einem dritten Verurteilten die Strafe auf ein Jahr Gefängnis herabgesetzt wurde, bezüglich der restlichen .vier Verurteilten Araber beflaggen nicht Zu den Krönungsfeierlichkeiten in Tel-Aviv waren auch Araber in großen MajMen herbeigeströmt, da in dem benachbarten Jaffa keine derartigen Feiern stattfanden. Nur die dortigen Regierungsgebäude waren mit britischen und arabischen Flaggen geschmückt. Vielfach waren jedoch diese Flaggen während der Nacht heruntergerissen worden. Das Gebäude der Anglo Palestine Bank in Jaffa hatte eine jüdische Flagge gehißt, die aber, nachdem arabische Jugendliche eine feindselige Kundgebung vor dem Gebäude veranstaltet hatten, auf Weisung des Distriktskommissärs Crosby wieder eingezogen würde. # Nazi reißen britische und jüdische Fahnen ab Di# Polizei ertappte einige jugendliche Nazi aus der deutschen Kolonie Sarona bei Tel-Aviv, als sie gerade dabei waren, mehrere anläßlich der Krönungsfeierlichkeiten in Jerusalem an offiziellen Gebäuden angebrachte britische und jüdische Fahnen herunterzureißen. Mehrere der Täter wurden verhaftet. müsse er von einer Begnadigung absehen. Im Kommuniquö heißt es weiter, daß auf Grund einer Verordnung des Distriktskommissars Keith-Roach auf administrativem Wege achtzehn Araber, die ebenfalls im Zusammenhang mit den Unruhen verurteilt worden waren, auf freien Fuß gesetzt wurden. 10,6 Prozent Dividende der Anglo-Palestine-Bank Aus London: Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, hat der Aufsichtsrat der Anglo-Palestine Bank beschlossen, für das Jahr 1936 eine Dividende in der Höhe von 10.6 Prozent zur Verteilung zu bringen. iiEPt ^y^sELT Hungertod eines Flüchtlings aus Deutschland Aus Stanislau: Im Stadtgarten von Stanislau wurde der 66jährige Mark.Steinkorn aus Deutschland in völlig er Er schöpf un g aufgefunden. Man brachte ihn ins Krankenhaus, wo er bald nach der Einlieferung starb. Steinkorn, der mehrere Jahrzehnte in Deutschland gelebt hatte, war vor einem Jahr gezwungen, das Land zu verlassen. Nachdem er in Deutschland sein ganzes Vermögen, verloren hatte, und es ihm nicht gelungen war, sich als Flüchtling ..eine, Existenz, zu schaffen, zog er nach Stanislau, um dort bei Verwandten eine Stütze zu finden. Er mußte, jedoch feststellen, daß seine Verwandten nicht mehr.in Stanislau lebten. Steinkorn trieb sich zwei Tage und zwei Nächteohne Nahrung in den Straßen herum, bis er erschöpft zusammenbrach. Zum AfesdiBuß geSangf . ♦ ♦ Aus Berlin:. Zum Erlaß des Reichserziehungsministers betreffend das Verbot der pokt'orpromotion von Juden schreibt die „Jüdische Rundschau": Diese Anordnung beendet eine Entwicklung, die in vieler Hinsicht für die Judenheit Deutschlands charakteristisch war. Eine der wesentlichsten Errungenschaften der Emanzipation war für die Juden der freie Zugang zu den Hochschulen, von dem sie in — uns selbst oft allzu groß erscheinenden Umfang Gebrauch machten. Der akademisch gebildete Sohn war das Ideal einer Reihe von Generationen, und der Doktortitel erschien in gewissen Kreisen beinahe wie ein Teil des Namens — der „jüdische Vornam e", wie man gelegentlich scherzweise sagte. Mit dem weitgehenden Ausschluß der Juden von den Hochschulen durch die Einführung der Zulassung entsprechend ihrem Anteil an der Bevölkerungszahl, hatte diese Erscheinung ihr Ende 'erreicht. Die Zahl der jüdischen Studenten an deutschon Hochschulen war in den letzten Jahren bereits sehr gering. Nun ist durch die Anordnung, daß Juden hinfort keine Doktor-Diplome erhalten, die ja als akademische Würde immer noch eine besondere Bedeutung besitzen, diese Entwicklung zum Abschluß gelangt. Frankreich und die jüdische Massen» aus Wanderung aus Polen Aus Paris: Die Unterredung zwischen; dem französischen Kolonienminister Marius Moutet.und den Mitgliedern der polnischen Mad a.g a s k a r-K o mmission wurde in einer Erklärung zusammengefaßt, welche der Minister der J. T. A. übergeben hat. Aus ihr geht, hervor, daß die französische Regierung, zwar. die Durchführung einer Untersuchung durch eine; polnische Kommission in Madagaskar gestattet,, daß aber die Bereit schaft der französischen Behörden, eine Ansiedlung kleinen Umfanges in Madagaskar zuzulassen, keineswegs In dem Sinne ausgelegt werden dürfe, daß sie damit den Anstoß' zu einer Massen au b.w. anderung von Juden aus Polen geben wolle. Der Minister sagte wörtlich: „Die polnische Regierung hat bei der französischen Regierung angefragt, ob es ihr eventuell möglich sein würde, einer bestimmten Zahl polnischer Bürger die Niederlassung in französischen Kolonien zu gestatten. Unsere Antwort lautete, daß wir grundsätzlich in einem solchen Vorschlag Vorteile für beide Seiten erblicken können, vorausgesetzt, daß den Anzusiedelnden ausreichende Mittel zur Verfügung gestellt werden und daß sie zu landwirtschaftlicher Arbeit geeignet sind. Wir stehen Kolonisationsexperimenten in Madagaskar freundlich gegenüber, weil wir eine liberale Haltung gegenüber befreundeten Nationen einnehmen, die keinen Kolonialbesitz haben, in dem sie ihre Bürger ansiedeln könnten. Dies darf aber nicht in dem Sinne ausgelegt werden, daß wir einen Exodus von Menschen hervorzurufen wünschen." Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) Ungarn: Der kleine Kavalier. Frankreich: Roman eines Schwindlers Die Perlen der Krone — Der geliebte Vagabund. Amerika: Brutal — Tarzans Flucht — Frisco, Stadt ohne Gesetz — Matura — Tanzende Piraten — Die Glückspuppe — Mord in Sing-Sing — Gier nach Gold — Der geborene Verkäufer — Zwischen Haß und Liebe — Menschen im Hotel — Liebe eines Fremden — Die Polizei greift ein — Die Insel ohne Sünde. Filme unter Arierparagraph Ernte — Der Herrscher — Die Kreutzersonate — Vor Liebe wird gewarnt — Der Hund von Baskerville — Sein Modell — Der verkannte Lebemann — Männer im Dunkel — Man spricht über Jacqueline — Der Scheidungsgrund — Susanne im Bade — Condittieri — Zurück in die Heimat — Die ganz großen Torheiten — Amtsschimmel — Entführung an der Riviera — Schwindeln ist keine Sünd'... KREUZ-KINO DIE POLIZEI r , - 7tT l GREIFT EIN Telephon R-24-2-lb Vorstellungen: 4, %6, VtZ, V*10 mit Gloria Stuart und Lee Tracy Scfilner und spannend« als „WeiBe Schatten" A - 49 O " 60 7*4, VA VA- Vsio HfflESiMES mit Mala Lotus ________Der neue Chevalier-Film mit Musik von Darias Milhaud. Freitag, den 21. d., gelangt im Apollo der neue Maurice-Chevalier-Film „Der geliebte Vagabund , nach dem gleichnamigen, soeben auch in deutscher Sprache erschienenen Roman von William J. Locke, zur Erstaufführung. Chevalier verkörpert hier einen P ariser Strizzi, der mit seiner unkonventionellen, kecken Lebensauffassung in die. vornehme Gesellschaft de« englischen Landadels einbricht, um sich aus seiner Mitte die geliebte Frau zu holen. Die Musik schrieb Darius Milhaud. 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