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Die neue Welt · 1937-04-30 · Heft 652 (30.4.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 652 (30.4.1937)
Date
1937-04-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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187 Ti» rr . - * .-?•«■'■ •: /., * h^ir*th^ Preis 20 Groschen Freitag/ den 30« April 1937 H* Jahrsang Nr* 652 V, b» b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedlö par l'^diteur" BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40. vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, Vierteljahr!* Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—■% Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u.Verwaltung: lX*Vniversitätsstr.8JeLA'20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag REVU S&TU „0 R BIS" z u P FIN G S T E N ««* POLEN CZERN0WITZ Abfahrt: 13. Mai 1937 Auskünlte und Anmeldungen: __ Offfiz. Poln. Reisebttro „ORBIS" l. Kärntnerstrane 41, R-M-i-78 Oesferreichisches Verkehrsbiiro l. FrledrlcHstraße 7. B.S7-300, l. Graben 20, u.m.<M5 Diskussion über die Teilung Palästinas Eine Rede Aus London wird berichtet: In einer vor seiner Abreise nach Palästina hier gehaltenen Rede gab der Vorsitzende der Judenstaatspartei und Mitglied des Präsidiums des Zionistischen Aktionskomitees, MeirGroßmann, bekannt, daß nach ihm erteilten Informationen tatsächlich die Absicht einer Teilung Palästinas besteht. Es lägen verschiedene Pläne vor, die entweder die Schaffung eines jüdischen und eines arabischen Staates oder die Aufteilung des Landes in sechs Kantone .vorsehen,. . , V ' Großrnann stellte fest,'daß die Judenstaatspartei einmütig gegen jede Art einer Teilung Palästinas sei; Nur noch ein Monat Frist sei bis zur Fertigstellung des Berichtes der Kgl. Kommission gegeben. Darum sei es jetzt an der Zeit, die jüdische und die nicht jüdische öffentliche Meinung zu mobilisieren, den Völkerbund, die Mandatskommission und die Vereinigten Staaten von Amerika auf diese Pläne aufmerksam zu machen, damit die Mitglieder der Kommission rechtzeitig erfahren, wie die Welt und Juden über die Absichten der Kommission denken. Das jüdische Volk müsse in diesem Augenblick über seine Rechte wachen. Man erkenne nicht klar genug, daß die verschiedenen Teilungspläne in keiner Weise zur Lösung der Araberfrage oder des Bodenproblems beitragen, sondern nur den Zionismus als nationale Bewegung vernichten und die potentiellen Möglichkeiten Palästinas untergraben würden. Ihre Durchführung würde ein von jüdischen, arabischen und englischen Korridoren zerrissenes Palästina zur Folge haben. Es wäre ein Palästina ohne Jerusalem und Haifa. Wir dürfen nicht deswegen nachgeben, sagt Großmann, weil man uns den Revolver an die Stirn setzt. Von manchen zionistischen Führern wird erklärt, wir könnten vor die Alternative gestellt sein, entweder die Teilung und den Staat in Taschenformat anzunehmen oder in Beschränkungen der Einwanderung und eine Erschwerung des Bodenerwerbs einzuwilligen. Sollte dies der Fall sein, so wäre ich eher bereit, den zweiten Vorschlag anzunehmen. Denn Regierungen und Gouverneure kommen und gehen. Wird aber ein Teil Palästinas abgetrennt, dann besteht keine Wahrscheinlichkeit, daß er jemals zurückgegeben werden wird. Im weiteren Verlauf seiner Ansprache erklärte Großmann: Sollten sioh gewisse zionistische Führer müde und nicht in der Lage fühlen, den Kampf fortzusetzen, oder sollten sie der Meinung sein, daß sie vor einer Mauer angelangt sind, die sie nicht durchbrechen können, dann wäre es richtig, wenn sie zurücktreten und anderen die Fortführung des Kampfes überlassen würden. In der Aussprache fragte ein Zuhörer, woher alle Informationen über eine beabsichtigte Teilung Palästinas stammten. Großmann antwortete: Sie sollten diese Frage jetzt nicht stellen. Ich wäre sehr froh, wenn diese Mitteilungen unbegründet wären. Aber zu meinem größten Bedauern muß ich erklären, daß sie zutreffend sind. Ob sie Zutrauen zu meiner Informationsquelle haben oder nicht, ist Ihre /Sache. Aus London wird gemeldet: Der bekannte politische Mitarbeiter der „Sunday Times", Scrutator, erörtert eingehend die Schwierigkeiten der geplanten Teilung Palästinas. Bei einer Teilung, so schreibt er, müßten Juden und Arabern in ihren Gebieten außerordentliche Befugnisse erteilt werden, die so etwas wie Souveränität bedeuten würden. Die ganze Sache strotze von Schwierigkeiten. Es würde schwer sein, von den Juden die Zustimmung zu einem Zionismus ohne Zion, ohne Jerusalem, in dem sie heute die Mehrheit bilden, zu erhalten. Auch die Araber seien gegen den Plan, insbesondere der Mufti, der befürchte, eine rein arabische Provinz würde unter dem Einfluß des Emir Abdulla geraten, der weit weniger duldsam gegenüber den Ansprüchen und Intrigen des Mufti sein würde, als die Engländer. Der Verfasser weist dann auf die Gefahr hin, daß eine Teilung zu einer Spaltung der zionistischen Bewegung führen und den Ruf Englands bei einem Volk schädigen könnte, das bisher in ihm seinen Retter erblickt hat. Aber nicht nur um eine jüdische Frage gehe es in Palästina, vielmehr sei dieses Land auch von höchster strategischer Bedeutung für das Britische Reich, da es der Schlüssel zum östlichen Mittelmeer und zu dem Weg nach Indien durch den Suez-Kanal ist. Was würde nicht Italien dafür geben, die Stellung Englands in Palästina einzunehmen? Palästina sei mehr wert als ein Dutzend Abessinien und bedeute für das östliche Mittelmeer so viel, wie Spanien für das westliche. Andere englische Zeitungen erwarten, daß die Kgl. Kommission sich für eine Dreiteilung Palästinas nach folgenden Richtlinien aussprechen wird: 1. Palästina wird Dominion. 2. Die Teilung des Landes in einen jüdischen, englischen und einen arabischen Teil wird befristet sein. Nach einer gewissen Zeit sollen sich beide Völker über eine engere Kooperation aussprechen. 3. Die Araber sollen Samaria und das Berglandsgebiet, die Juden die Küstenregion, den größeren Teil Galiläas, die Ebene von Esdraelon und ein Gebiet im Süden erhälten. Eine Viertelmillion Araber dürfte somit auf jüdischem Gebiet bleiben. Die Engländer sollen Jerusalem und die maritime Basis um Haifa als Mandat behalten. (J. T. A.) [eferateauf der A.-€.-Sätzung Aus Jerusalem wird gemeldet: Zwischen den einzelnen Referaten auf der Session des Zionistischen Aktions-Comitees wurde die politische Debatte fortgesetzt. Nach Reden von Suchowizky und Harzfeld hielt der Misrachi-Führer Rabbi I. L. Fishman, Mitglied der Exekutive, ein längeres Referat über Organisation und gab eine Reihe Anregungen zur Stärkung der Zionistischen Weltorganisation. Eines der größten Hindernisse für Straffheit und Disziplin in der Organisation sei die religiöse Situation in Palästina. Schlanke Linie, meine Dame, erreichen Sie nicht durch Hungern. Kuranstalt Helia, Wien, I., Fleischmarkt 7, erreicht es durch physikalischkosmetische Methode verläßlich. In seinem Referat führte Dr. Arthur Ruppin über das kolonisatorische Werk aus: Seit dem letzten Kongreß wurden für reguläre Kolonisationszwecke 197.000 Pfund ausgegeben, dazu kommt eine Summe von 90.000 Pfund, die aus den Obligationen der von der Jewish Agency gegründeten palästinensischen Gesellschaft für landwirtschaftliche Kolonisation eingeflossen sind. Die Obligationen wurden hauptsächlich in Deutschland abgesetzt, wo die Nachfrage das Angebot um ein Fünffaches überstieg. Seit dem letzten Kongreß wurden 1500 Familien in Kwuzoth (kollektivistische Wirtschaft) und Moschawim (individualistische Wirtschaft) angesiedelt, zwei neue Bewässerungsgesellschaften wurden geschaffen, die weiteren 5 0 0 Familien die Ansiedlung im Emek Jesreel ermöglicht haben. Die nationale jüdische Kolonisation hat sich um 100 Prozent vergrößert. Im Jahre 1930 gab es 35 Keren-Hajessod-Kolonien mit 5200 Seelen, heute gibt es 53 solcher Kolonien mit weit über 14.000 Seelen. Diese Kolonien werfen bereits einen jährlichen Profit von 30.000 Pfund ab. Die Palästina-Kolonien weisen einen Rekord an minimaler Kindersterblichkeit auf; es sterben jährlich auf 1000 Kinder 2^ gegen 20 auf 1000 in Aegypten. Mit dem Umsturz in Deutschland kamen nach Palästina 36.000 Juden, von denen über 8000 sich in der Landwirtschaft betätigen, nicht eingerechnet die 1500 Jugendlichen aus Deutschland, die durch die Jugendalija in verschiedenen Siedlungen untergebracht worden sind. Seit Anfang 1934 sind also 10.000 deutsche Juden in der Landwirtschaft Palästinas verwurzelt worden. Das Jewish-Agency-Department für Kolonisierung deutscher Juden hat bisher 400.000 Pfund in der Landwirtschaft investiert, Durch Bewässerung poch nicht urbar gemachten Bodens könnte man weitere 100.000 jüdische Familien auf dem Lande ansiedeln, was bedeuten würde, daß man den allgemeinen jüdischen Jischuw im Lande in absehbarer Zeit auf zwei MiK lionen Seelen bringen könnte. M. M. Ussischkin führte aus: Der Keren. Kajemeth hat in der letzten Zeit 25.000 Dunam Boden im Beisan-Gebiet und 8000 Dunam im Jordantale ausgelöst. Heute steht der Bodenerwerb in O.berg a 1 i 1 ä a im Zentrum der Aufmerksamkeit. Die große Mai-Aktion des Keren Kajemeth wird unter der Losung „In den Galil!" geführt. In den nächsten Wochen werden im Norden zwei neue Kibbuzim, einer der allgemein-zionistischen Jugend und einer des „Hapöel hamisrachi", eingeweiht. Ausführlich entwickelte Agronom Josef W e i t as vom Keren Kajemeth das Programm der neuen Beisan- Kolonisation, die eine große Bedeutung hat, weil hier ein Gebiet mit reichen Wasserquellen erschlossen wird. In diesem Gebiet besitzen die Juden bereits 60.000 Dunam Boden, außerdem hat die Palästina-Regierung versprochen, Staatsboden im Beisan-Gebiet im Umfang von 36.000 Dunam jüdischer Kolonisation zur Verfügung zu stellen. Hier werden in der nächsten Zeit 15 neue jüdische Kolonien errichtet werden, die mit den bereits errichteten Kolonien eine ununterbrochene Kette um das arabische Städtchen Beisan und längs des Beisantals bilden werden. Elieser Kaplan (der Finanzreferent der Exekutive) legte dar, daß Palästina durch die ökonomische Weltkrise nicht entscheidend berührt wurde, Die jüdischen Bankdepositen in Palästina betreffen heute ein Kapital von 17 Millionen Pfund, wovon mehr als ein Drittel in der Anglo-P.alestine Bank, dem Tochterinstitut der Jüdischen Kolonialbank, hinterlegt ist. Immer noch dauert der Zufluß jüdischen Kapitals aus der ganzen Welt nach Palästina an und wird Weiter dauern. In den letzten drei Jahren haben wir nahezu 800.000 Pfund aus den Keren-Hajessod-Fonds und aus den Fonds des Departments für Kolonisierung deutscher Zioni§fenkongreß am 3* Au*|u§! Aus Jerusalem meldet Palcor; Die Organisationskommission des Aktionskomitees hat den Beschluß gefaßt, den 20. Kongreß für den 8. August in die Schweiz einzuberufen. Die Wahl der Stadt, wo der Kongreß abgehalten werden soll, wurde der Entscheidung; der Exekutive überlassen.

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