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Die neue Welt · 1937-04-09 · Heft 646 (9.4.1937) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 646 (9.4.1937)
Date
1937-04-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 64$ vdm 3. April 193? ÖiU MfitRE WELT gelte t v Israel In Aegypten Die Resultat« der letzten Ausgrabungen Von Dr. Nahum S1 u s;c h z Tn Gesellschaft des jungen Archäologen W. Leibowitsch (Aegypten) besuchte ich kürzlich wieder das große Museum in Kairo, wo in den letzten Jahren zahlreiche neuentdeckte Altertümer hinzugekommen sind. Ein Teil berührt ganz nahe das Problem der jüdischen Herkunft und des Auszuges aus Aegypten. Ich habe mich speziell für die Entdeckungen interessiert, welche zum Judentum in Beziehung stehen und die mir eine Uebersicht darüber ermöglichen, was bisher festgestellt wurde. Unter den Ausgrabungen nördlich von Kairo finden sich ausgegrabene Brunnen, bekannt unter dem Namen „Josefsbrunnen", die eigentlich unterirdische gepflasterte Gewölbe sind, wo man noch heute Weizen, Reste von Getreide findet, die Josef dort verborgen hat. Der Archäologe Duncan hat dort einen Stempel mit dem Namen Pharao Tutmes (Tutankamen) gefunden, der zur Zeit Josefs König von Aegypten gewesen sein soll. Das Siegel befindet sich jetzt im Museum. Auf einem gefundenen Papyrus kann man eine Geschichte lesen, die zweifellos eine Darstellung des Ereignisses zwischen Josef und Potiphars Weib ist. Im Museum findet man auch Reliefs, welche eine Szene darstellen, wie semitische Arbeiter 1700 Jahre v. Chr. unter schweren Mühen Häuser bauen und Feldarbeit verrichten.' In verschiedenen Dokumenten aus späterer Zeit werden semitische Arbeiter mit der Bezeichnung Aphrif, Efraim oder Awadim erwähnt, welche bei den Riesenbauten der Pharaonen beschäftigt waren, denn nicht alle Kinder Israels haben Aegypten unter Moses' Führung verlassen. Es ist Tatsache, daß der Name Israel erst in der Zeit des Mareneftah (13. Jahrhundert) erscheint. Der Pharao rühmt sich, daß er verschiedene Völker in Erez Israel gefangengehalten und insbesondere, daß er „die ganze Nachkommenschaft des Volkes Israel vernichtet" habe. Es ist das erste und einzige Mal, daß Israel in ägyptischer Schrift erscheint; denn genau so wie in Josefs Zeiten wären die Juden weit und breit als Awrim und später als Jehudim bekannt. So erzählt1 der Pharao Schuschok in seiner Beschreibung des Krieges in Syrien, daß er den König von Jehuda, i.Jehüda Hameiech", besiegt habe. Er meint damit Rehabeam ben Schelomo, wie es in der Bibel erzählt wird. •'< ~- —■ - •- - . Wenn man auch wenig schriftliches Material aus der Zeit des Auszuges aus Aegypten besitzt, so findet Bian doch itn Museum und in der Bibliothek eine Menge Material über die verschiedenen jüdischen Jischuwim in Aegypten. Der englische Archäologe Flinders Petrie hat in der Nähe von Tanis (Zoan- Aegypten) die Ruinen von Dafni entdeckt, das unter dem Namen Tachpinchas als eine der fünf Städte erwähnt wird, wohin Jochanan ben Korach die letzten Auswanderer aus Jehuda nach der ersten Zerstörung gleichzeitig mit den Propheten Jeremiah und Baruch Iben Narijahu sowie des Königs Zeekiahs Töchtern gebracht hat. Der Ort ist bei den Arabern als der Kasser-Benith al Jehuda, das heißt, die Festung der Töchter von Jehüda (im arabischen Stil werden so Prinzessinnen bezeichnet), bekannt. Dafni heißt beim Propheten Jeremiah „Tachpinches". Die Ausgrabungen in einer anderen Stadt, wo sich Juden zur Zeit Jeremiahs niedergelassen haben, nämlich in Nif, d. h. Hauptstadt, Memphis, haben uns in den letzten Jahren eine Reihe von Papyros gebracht, welche aus dem königlichen Arsenal in der Zeit der persischen Herrschaft über Aegypten stammen. Aus ihnen ergibt sich klar, daß das Amt des Flottenministeriums von Juden in Syrien besetzt wurde. Unter den verschiedenen Namen, die man dort lesen kann, finden sich jüdische Namen wie Ezrijahu, Beth-Elieser u. a. Auch der Admiral trägt einen jüdischen Namen. Man schließt daraus, daß die persische Herrschaft über Mizraim sich jüdischer Soldaten bedient habe. Interessant sind die aufgefundenen Reste des Beth Hamikdasch, den Chunjo, des Hohepriesters Sohn, in Beth Schemesch, in der Gegend von Goschan, gebaut hat, um alle jüdischen Sekten in Aegypten rings um ein einziges Heiligtum zu vereinigen. Das Beth Hamikdasch ist in der Gemara als das Beth Chunjo bekannt und zählte auch in Erez Israel zu d,en Heiligtümern. Zahlreiche Gelehrte haben die Stelle des Tempels in „Tel Jehuda" gefunden. Sie haben dort Grabungen vorgenommen und schön geschmückte Säle, allerdings ohne figuralen Schmuck, sondern nur mit Blumen-, und Früchtenornamenten, gefunden. Unweit von diesen Ruinen hat man einen griechisch'beschriebenen Grabstein gefunden, wo von einem Juden namens Schabtai, dem Sohn des Teberzithis, befreit von allen Leiden, 30 Jahre alt, die Rede ist. Später hat Flinders Petrie neue Grabungen in Beth Chunjo vorgenommen, den Plan des Beth Hamikdasch rekonstruiert" und eine Menge" Geräte, Vasen, Töpfe sowie den ganzen Dienst von Chorben-Pessach laut der Thora vorgefunden. All die Geräte sowie die Verzierungen, Schlösser und andere Gegenstände befinden eich jetzt im Museum von Kairo, Selbstverständlich finden sich hier wichtige jüdische Altertümer auch aus der späteren Zeit. Die jüdische Gemeinde von Kairo hat bei der Hauptsynagoge ein Museum jüdischer Altertümer eingerichtet. Man sieht dort eine Menge Schriften aus dem frühen Mittelalter, ein Teil stammt aus der früher gefundenen „G'nise" (Verborgenheit), ein Teil aus den alten Schulen von Kairo. Unter den „Schriften" stellte ich den authentischen Urtext des Tanach Hilali fest, der vor tausend Jahren geschrieben wurde und als Quelle für die Ueberlieferung.des hebräischen Originals und des Targum dient; auch fand ich, dort ein arabisches Dokument, das bestätigt, daß der Enkel des großen Gelehrten aus des Gaons Sadja Zeiten, Rabbi Jizchak Hajisraeli, den Posten des Leibarztes und finanziellen Beraters des Sultans bei Beginn des. elften Jahrhunderts bekleidete. Der junge Gelehrte, Prof. Wolfensohn, welcher hebräische Kurse an der Kairoer Universität hält, beschäftigt sich intensiv mit der Erforschung der zahlreichen Dokumente, welche der gewesene Minister und Kultusgemeindepräsident Katawi Pascha für das jüdische Museum bereitgestellt hat. Dank den weiteren Dokumenten werden wir bessere Kenntnis über verschiedene, bisher unbekannte Epochen der jüdischen Geschichte in Aegypten aus den Zeiten Josefs und Mosis bis in die letzten Jahrhunderte erhalten. iut feage fidisiUet Kunst Ein junger Kunsthistoriker stellt uns nachstehende Betrachtug, die er, angeregt durch einen gleichnamigen' Vortrag des bekannten jüdischen Wiener Kunsthistorikers Prof. Dr. Max E i s I e r verfaßt 'hat; zur Ve'rfügug. . Von den Gegnern der Juden und sogar von jüdischer Seite wird die Tatsache jüdischen künstlerischen . Schaffens oft in Frage gestellt. In geschichtlicher, vorrömischer Zeit blühte die jüdische Töpferei, in römischer Zeit die Glasbläserei, später die Teppichweberei, die Goldschmiedekunst, die sich seit Friedrich II. aus Alexandrien über ganz Europa. ausbreitete und die jüdische. Buchillustration, deren B;lüte ins 14'. und 15. Jahrhundert fällt — sie war eine Großtat jüdischen Kunsthandwerks. In der Baukunst, zu der uns von gegnerischer Seite jede-Begabung abgesprochen wird, waren es wahrscheinlich die Juden, die zuerst den Kultbau der Basilika für ihre-Gotteshäuser verwendeten (die Frage ist noch nicht endgültig geklärt) — die Basilika, welche eineder wenigen Bauformen darstellt, aus denen sich die spätere europäische Baukunst entwickelte. ..... . In der Freskomalerei leisteten die Juden in der Synagoge Dura-Europos in Syrien im frühen 4. Jahrhundert Erstaunliches, und es ist möglich, daß dies noch vor der frühchristlichen Freskomalerei geschah. Nichtsdestoweniger muß man zugeben, daß die Juden auf dem Gebiet der bildenden Kunst viel von ihren Gastländern gelernt haben, aber sie müssen sich dessen nicht schämen. Wenn die Juden keine Bilder an die Wände und auf die Leinwand malten, so geschah dies wohl zum Teil deshalb, weil sie andere Ausdrucksmittel für ihre Formbedürfnisse hatten. Sie vertieften sich in die Bibel, und die Welt dieser Bilder in ihrer Buntheit, Zartheit und Intensität lebte in, ihnen und war für sie voll beseeligender Kraft. Im 16. Jahrhundert entwickelten die Juden einen ganz eigenen Zentralbau für ihre Synagogen, die hymnische Kraft der Propheten tönte darin wider und im Streben nach Vergeistigung bildeten sie aus Blumen und Vögeln eine zarte Ornamentik. War die jüdische Kunst bis ins 18. Jahrhundert vornehmlich eine Sakralkunst, eine Gemeinschaftskunst gewesen, so wurde sie mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts eine Persönlichkeitskunst. Nur fünfzig Jahre brauchten die Juden, um sich das technische Rüstzeug für die Kunst ihrer Zeit zu eigen zu machen. P i s s a r o in Frankreich, den Cezanne als den Vater des Impressionismus anerkannte, Josef Israels in Holland und Max Liebermann in Deutschland, die führenden Maler Europas, waren Juden. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts machten die Juden die Entwicklung ihrer Wirtsvölker auf dem Gebiet der bildenden Kunst mit. Ihre Namen gehören der Kunstgeschichte an. Neue Probleme beschäftigen die Juden in Erez Israel. Erich Mendelsohn, den viele für den größten deutschen Baukünstler hielten, arbeitet jetzt dort und die jüdische Architektur in Palästina läßt bereits die Welt aufmerken. Gegen Stürme und Hitze verstanden schon die Araber zu bauen, doch sie sahen in der Gasse mehr eine Kehrichtablage. Nicht so die Juden. Ihre Bauten zeigen schon jetzt Eigenart; an einen jüdischen Stil läßt sich noch nicht denken, solange noch nicht alle Probleme des modernen Bauens am -Lande erprobt werden konnten. Anders steht es um die neue Malerei Palästinas. Man steht trotz einiger Glanzleistungen erst am Anfang. Palästinensisch empfinden und französisch malen — das ist das Kennzeichen ihres Stils. Allmählich wird sich aber Eigeneü entwickeln, das beglückende Gemeinschaftsbewußtsein wird sich zu künstlerischen Taten kristallisieren. Die Kinder in den Siedlungen, die Hoffnung des Landes, scheinen schon den künftigen Stil zu ahnen, wenn sie eine sanfte, leichtwellige Landschaft mit zart windbewegtea Palmen auf die Schultafel zeichnen... Georg Berger. Luftlinie Polen - Palästina Aus Jerusalem: Die Luftlinie ' Polen — Palästina wurde am 5. d. mit dem, Start des ersten Flugzeuges nach Warschau ab Lucld offiziell, eröffnet: Das Programm sieht einen Dienst Warschau- Ludd dreimal wöchentlich vor. (J. T. A.) Die Garnison Palästinas soll verringert werden Aus Jerusalem (J. T. A.): Der Voranschlag für das kommende Jahr rechnet mit der Erhaltung einer gegenüber der jetzigen bedeutend 'verringerten Garnison in Palästina. Insgesamt sollen bei allen Waffengattungen nur 2870 Soldaten in Palästina dienen. Es wird somit vorausgesetzt, daß völlig normale Verhältnisse in Palästina wiederhergestellt werden können. Di« palästinensische Garnison soll umfassen: 2634 Mann Infanterie (drei Bataillone, anstatt der jetzigen acht); 5 Offiziere und 128 Mann des Royal Army Service Corps, 2 Offiziere und 12 Mann des Royal Army Mcdical Corps und verschiedene Mannschaften sonstiger Abteilungen. Eine Anregung Bau eines Kurzwellensenders in Tel-Aviv Es war eine angenehme Ueberraschung für die Judenheit, als sie die Kunde von der Errichtung eines Radiosenders in Jerusalem erhielt, eine Ueberraschung, die jedoch leider zu bald der E nttäus c h u h g weichen sollte. Die weitgehenden Hoffnungen, welche so manche Optimisten in der. Gallith an die Errichtung einer Sendestation in Palästina knüpften, sind nicht in Erfüllung gegangen, weil der Bau des Senders im Sinne der Deckung der lokalen Bedürfnisse erfolgte und nicht zum Zwecke irgendwelcher Sendung nach außen. Schon die g.eringe Energie des Senders, welche nur 20 Kilowatt beträgt, bedeutet die technische Unmöglichkeit einer größeren Reichweite. Dazu kommt, daß der Sender mit der gleichen Wellenlänge arbeitet, wie der North; Regional, gegen dessen 70 Kilowatt der palästinensische Sonder nicht zur Geltung kommen kann. Welche Leute haben der Eröffnung, des neuen .Senders so erwartungsvoll < entgegengesehen? Es isi-.nicht möglich, alle Gruppen aufzuzählen, denn 'die' Verknüpfung der Juden der Gallith mit dem Jischuw in Palästina und mit dem Lande selbst ist so vielfach und so enge gewordert. An dem Wiedererwachen unseres Volkes Anteil zu nehmen, sei uns Juden der Diaspora gegönnt!. Mögen die Aetherwellen, Leid und Freud, unserer palästinensischen Brüder kündend, an das Ohr eines jeden von uns klingen, der solcher Sehnsucht voll ist, möge das jüdische Volk teilhaftig werden der aus den Tiefen der jüdischen Volksseele sich machtvoll emporringenden Kraftquelle! Mit diesen Worten seien die Brüder des Jischuw und der Galuth zu einer bedeutsamen Aktion im Rahmen des Palästina-Werkes aufgerufen, zum- Bau eines Kurzwellensenders in Tel-Aviv. Dr. Gottlieb Stern, Ferch töldsdorf; Di'e arabischen Nachbarstaaten Palästinas Tn kurzem erscheint unter diesem Titel ein Werk von Rabbiner Dr. Israel Zwi Kann er. Durch dieses Buch wird eine Lücke in der zionistischen Literatur' ausgefüllt. Die Kenntnis der Vorgänge in den an Palästina grenzenden arabischen Ländern ist für die richtige Beurteilung der zionistischen Bewegung von Interesse und Bedeutung. Es war ein glücklicher Gedanke Dr. Kanners, das Werk in einem Augenblick erscheinen-zu lassen, da die Angst vor einer großarabischen Föderation in der jüdischen Gasse Platz gegriffen hat Der Verfasser führt diese Angst ad absurdum. Nachdem Dr. Kanhcr alle arabischen Staaten einzeln, in ihrem gegenseitigen Verhältnis und in ihrem Verhältnis zu den Juden und den übrigen Völkern untersucht hat, gelangt er zu dem unwiderleglichen Schluß, daß ein europäisch .ausgerüsteter Juden staat jedem arabischen Angriff entschiedenen Widerstand leisten wird können. Ein bekannter* Historiker des Zionismus hat über das Buch folgendes Urteil abgegeben: Gut, nützlich und aufschlußreich. Das Buch erscheint im Löwit-Verlag und ist dem „Ring der Alt -Herren-Verbände" der zionistischen Verbindungen gewidmet. Rechtzeitige Subskriptionen zum Preise von 2 Schilling sind anzumelden: „Ring", Wien, I., Kohlmarkt 8, Telephon U-23-4-37. Der berühmte Oberkantor Kusiewicki aus Warschau wird Donnerstag, den 15. April d. J., um halb 8 Uhr abends im großen Tempel, Wien, II., Tempelgassc. 5. lithurgische Gesänge vortragen und außerdem Freitag, den 16. April d. J., um 6.45 Uhr abends und Samstag, den 17. April d. J., um .8.30 . Uhr morgens einen Festgottes dienst im Josef städter Tempel, Wien, VIII.. Neudeggergasse 12, abhalten. Eintrittskarten in den Tempelgebäuden, Wien, II., Tempelgasse 5 (Ferdinandsstraße 23), Wien, VIII., Neudeggergasse 12, zwischen 9 und 1 Uhr sowie an der Konzertkassa Hohenberg, Wien, I., Operngebäude, erhältlich. Z. A. V. Bar Kochba. Wien. Samstag, den 10. d. M., um >-j9 Uhr abends findet im Caf6 Central, Wien, Tl., Taborstraße, ein Konvent statt. Alle Bb. und A. H. werden gebeten, pünktlich und zuverlässig zu erscheinen.

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