Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 646 (9.4.1937)
- Date
- 1937-04-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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<% ßöit* 4 DIE NEUE WELT Nr. W6 vom 9. April 1937 AUS ALL Reform des //Joint Foreign Committee" Aus London: Die zur Ausarbeitung eines Planes für die Reform des „Joint Foreign Committee", Ausschuß des Board of Deputies (Verband der Judengemeinden Großbritanniens) und der Anglo-Jewish Association (Politische Vereinigung nichtzionistischer Juden) für die Behandlung von Fragen der Juden im Ausland eingesetzte Kommission hat einmütig die Ansicht geäußert, daß die gegenwärtige Mtgliederzahi des „Committee" zu groß ist und seine Zusammensetzung zu annähernd gleichen Teilen aus Vertretern des Board of Deputies und der Anglo- Jewish Association mit dem Status des Board nicht nie hrimEinklangsteht. In den letzten Jahren habe sich der Zustand herausgebildet, daß die beiden Vorsitzenden des Committee die gesamte Verantwortung übernahmen, während das Committee als solches die Betätigung auf allen vorgesehenen Gebieten so gut wie eingestellt hatte. In dem Bericht der Ueberprüfungskommission wird Kritik daran geübt, daß die beiden Vorsitzenden alle Verhandlungen mit ausländischen jüdischen Vereinigungen und mit Regierungen immer vertraulich behandeln und den Mitgliedern des Committee keine Mitteilungen darüber machen. Die Untersuchungskommission schlägt vor, die Zahl der Mitglieder des Committee von 19 auf 9 zu verringern und diesen die Ermächtigung zu geben, weitere drei Mitglieder zu kooptieren. Das Committee soll Vollmacht bekommen, in allen ausländisch-jüdische Angelegenheiten betreffenden Fragen als Zentralbehörde des Board zu fungieren und die politischen Richtlinien seiner Arbeit festzulegen. Es soll Berichte über seine Tätigkeit nach großen, allgemeinen Gesichtspunkten veröffentlichen und, so dies ratsam erscheint, bekanntgeben, welche politische Linie angenommen wurde. Das Abkommen mit der Anglo-Jewish Association soll in der Weise abgeändert werden, daß den oben erwähnten Verhältnissen Rechnung getragen wird. Die Vollversammlung des Board of Deputies wird zu den Vorschlägen der Untersuchungskommission am 11. April Stellung nehmen. Anm. der Red.: Das „Joint Foreign Committee" ist eine in englischen Regierungskreisen sehr angesehene Körperschaft, welche den verfolgten Juden im Auslande durch Vermittlung des englischen Außenministeriums schon oft gute Dienste erwiesen hat. Der Kampf um seine Reform rührt daher, daß seitens der Zionisten, welche bisher im Committee nicht vertreten waren, eine Vertretung im Committee gefordert wird. Unterscheidung zwischen Bürgein auf Grund der Abstammung ist verfassungswidrig Aus Bukarest: Die höchste juristische Behörde Rumäniens, der „Conciliul legislativ", der die Aufgabe hat, Gesetzesvorschläge, bevor sie dem Parlament unterbreitet werden, auf ihre Verfassungsmäßigkeit zu prüfen, hat festgestellt, daß Gesetze, die eine unterschiedliche Behandlung von Staatsbürgern auf Grund der Abstammung vorsehen, verfassungswidrig sind. Der Legislativrat hatte sich über einen Gesetzesvorschlag zu äußern, demzufolge Landbesitz von Personen nichtrumänischer ethnischer Abstammung in einem hundert Kilometer breiten Streifen an der rumänischungarischen Grenze zugunsten des Staates enteignet werden sollte. Der Antrag war vor einiger Zeit von einer Gruppe antisemitischer Abgeordneter gestellt worden. Es sollten Ungarn, Juden usw., die im Grenzgebiet Besitzungen haben, diese verlieren und durch „r ei n blü t ige" Rumänen ersetzt werden, damit „die Sicherheit des Landes besser gewährleistet" sei. Der Legislativrat erklärt, daß der Gesetzesvorschlag nicht im Einklang steht mit der Verfassung und den internationalen Verträgen, in denen bestimmt ist, daß zwischen Staatsbürgern kein Unterschied der Rechtsstellung bestehen soll, ohne Rücksicht auf ihre rassische, bekenntnismäßige oder sprachliche Zugehörigkeit. Diesem Gutachten des Legislativrates ist angesichts der in Rumänien in letzter Zeit Wachsenden Bestrebungen, durch Gesetze und Verordnungen eine unterschiedliche Behandlung von Staatsbürgern auf Grund von Rasse und Glauben herbeizuführen, besondere Bedeutung beizumessen, Schlaraffia-Leitung und Arierparagraph Aua Wien (J. T. A.): In einer Besprechung in Graz, an der die Österreichischen Ortaverbände der ,vS c h 1 a r a f f i a" teilnahmen, forderten die Vertreter von Stockerau und Wiener Neustadt in heftiger Weise die Einführung dea Arier Paragraphen für die ganze österreichische „Schlaraffia". Der Obmann der All-Schlaraffla, Universitätsprofessor Walko aus Prag, versuchte die Krise dadurch zu bannen, daß er den einzelnen „Reychen" anheimstellen wollte, den Arierparagraphen für den eigenen Wirkungskreis einzuführen. Dies genügte aber den Antragstellern nicht. Es wurde eine Abstimmung veranstaltet, in der die Mehrheit (Ausnahmen bildeten u. a, Wien» Gwiunden vnd Kloster- ED WAF ri T N fw ELI neuburg) für die Einführung des Arierparagraphen stimmte. Gleichzeitig wurde beschlossen, falls die Leitung in Prag nicht auch für die außerösterreichtschen „Reyche" den Arierparagraphen offiziell festlegt, aus dem Verband All-Schlaraffla auszutreten und einen eigenen arischen Verband zu gründen. Ehrenmedaille für Bürgermeister La Guardia Aua New York: Die bekannte amerikanische Wochenschrift „American Hebrew", die alljährlich eine Ehrenmedallle an eine Persönlichkeit verleiht, welche sich um das Judentum besonders verdient gemacht hat, hat für das Jahr 1937 dem Bürgermeister von New York Fiorcllo H. La Guardia die Medaille, zuerkannt. Ein Komitee aus sechzig jüdischen und nlchtjüdischen Persönlichkeiten, darunter Bischof Mannin g, New York, der frühere Kriegsministcr N. D. Baker, Professor John Dewey, Felix M. Warburg und Bernard Baruch, hatte sich für die Ueberreichung der Medaille an La Guardia in Anerkennung seiner „kühnen Initiative" im Kampfe gegen judenhetzerische Strömungen ausgesprochen. Der Oberrabbiner von Tetuan freigelassen Aus Paris: Wie die J. T. A. aus zuverlässiger Quelle erfährt, ist der Oberrabbiner von Tetuan, Rabbi J o 1 f a n, der, wie berichtet wurde, wegen angeblicher Beteiligung an der Verschwörung gegen General F r a n c o verhaftet worden war, nach kurzer Haft auf freien Fuß gesetzt worden. KIN DER PENSION ,AUSTRIA' OLGA KADISCH BAD VÖSLAU, SCHUBERTPLATZ 3 TELEPHON 141 Erstklassige Verpflegung, pädagogische Leitung, individuelle, liebevolle Behandlung, beste Erfolge bei schlecht essenden Kindern. Hofmeister, Kindergärtnerin, Lehrerin im Hause. Musik. Sport. Kein Massenbetrieb. Ganzjährig i^mmmmma^^mmmmm^mmmm Die Jüdischen Gesellschaften in Frankreich Paris, 6. April (J. T. A.): Der Verband der Jüdischen Gesellschaften Frankreichs hat beschlossen, am 23. und 24. April in Paris einen Kongreß abzuhalten. Der Kongreß wird sich hauptsächlich mit der Frage der Koordinierung der Arbeit der Jüdischen Gesellschaften in Frankreich befassen und soll die Schaffung einer die gesamte Judenheit Frankreichs repräsentierenden Organisation beschließen; ferner soll die Lage der Juden in der Welt erörtert und Schritte zur Hilfeleistung an die polnische Judenheit unternommen werden. Erste Jüdische Gemeinde in Albanien Aus Tirana: Die Jüdische Gemeinde in V a 1 o n a wurde von der albanischen Regierung als erste jüdische Gemeinde anerkannt und registriert. Die Jüdische Gemeinde in Valona besteht aus zehn Familien und ist die älteste jüdische Gemeinde in Albanien. Nach der erfolgten offiziellen Anerkennung durch die Regierung wird jetzt in Valona auch die erste Synagoge des Landes errichtet werden. Zu diesem Zwecke sind durch eine Sammlung bereits 350 Goldnapoleone aufgebracht worden. In ganz Albanien leben 3 5 jüdisc/he Familien. Zwei Juden im Stadtrat von Sofia Aus Sofia: Am 28. März fanden in Sofia die Wahlen zum Stadtrat statt, der sich aus 30 Mitgliedern zusammensetzt, von denen 15 gewählt und 15 von der Regierung ernannt werden. Im zweiten Wahlsektor standen zehn Kandidaten zur Wahl, darunter der Jude Joseph Isaac Gu6rchon, der mit Stimmenmehrheit gewählt wurde. Im dritten Wahlsektor wurde der einzige jüdische Kandidat Molse Benjamin Levy gewählt. Zu bemerken ist, daß der dritte Wahlsektor kein jüdisches Stadtviertel ist. In den übrigen Wählsektoren kandidierten keine Juden. 150 jüdisch-türkische Familien von Ausweisung bedroht Aus Sofia (J. T. A.): 150 in Sofia lebende jüdische Familien türkischer Staatsangehörigkeit haben von der Polizei die Weisung erhalten, das Land zu verlassen, wenn sie nicht bis zu einem bestimmten Termin ein vom türkischen Konsulat ausgestelltes Dokument vorlegen können, das ihre Staatsangehörigkeit regelt. Bisher war es den Betroffenen nicht gelungen, ein solches Dokument vom Konsulat zu erhalten. Die bulgarischen Behörden sind bereit, sie als bulgarische Untertanen aufzunehmen, wenn sie ein Dokument vom türkischen Konsulat vorlegen können, das Ihnen gestattet, ihre Staatsbürgerschaft zu wechseln. Das türkische Konsulat verweigert aber auch dieses Dokument, Einer der betroffenen Juden hat sich mit einem Gesuch direkt an Präsident Kemal Attatürk gewandt, in dem er die verzweifelte Lage der in Bulgarien lebenden Juden türkischer Nationalität schüdert und bittet, Anweisungen an das Konsulat zur endgültigen Regelung der Angelegenheit zu geben. Wieder ludenkrawalle Aus Warschau: In Sokolow-Podlaski kam es vor den zweiten Peseach-Felertagen zu schweren antijüdischen Ausschreitungen. Nationaldemokratische Agitatoren benutzten den Markttag, an dem viele Bauern in die Stadt kamen, dazu, eine große Menschenmenge aufzureizen, die jüdischen Geschäfte und Marktstftnde anzugreifen. Die Fenster fast aller jüdischen Häuser und Läden In mehreren Straßen wurden von der Menge eingeschlagen. 18 Juden wurden verwundet. Trotz des Einschreitens der Polizei dauerten die Unruhen von 11 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags. Der Stadtrat von Lodz wurde von den Behörden aufgelost. Die Majorität des Stadtrates bildeten Sozialisten und Juden. * Die Behörden haben die Jüdische Kultur- Liga in Lemberg, die nach den berühmten jüdischen Schriftsteller J. L. Peretz benannt ist, verboten. Im Zusammenhang mit den in der letzten Zeit an den polnischen Hochschulen immer öfter ausbrechenden Exzessen, welche sich nicht nur gegen die jüdischen. Studenten, sondern auch gegen einzelne Hochschulprofessoren und Assistenten richteten, ordnete der Unterrichtsminister die Auflösung aller politischen Studentenorganisationen an der Warschauer Universität, an der Polytechnischen Hochschule und an der Agrarhochschulc an. In Verbindung mit den letzten blutigen Exzessen an der Wilnacr Universität, bei welchen gegen einen Höchschulprofessor auch ein Bombenanschlag verübt wurde, wurden auch hier zwei Studentenorganisationen aufgelöst. An den Warschauer Hochschulen wurden auch alle akademischen Hilfsorganisationen wegen politischer Umtriebe aufgelöst. Juden in Konzentrationslagern — Briefsperrc Aus London: „Manchester Guardian" veröffentlicht einen Brief eines jüdischen Gefangenen in einem deutschen Konzentrationslager an seine Mutter, in dem es heißt: „Entlassene jüdische Schutzhäftlinge haben die menschliche Behandlung, die sie im Lager erfuhren, schlecht gedankt, indem sie im Ausland über das Lager Greuelnachrichten verbreiteten. Die Blätter, die diese von jüdischen Emigranten behaupteten Unwahrheiten veröffentlichten, waren ausgesprochene Judenblätter. Der Lagerkommandant hat darum zunächst allen Juden verboten, Briefe abzuschikken oder zu empfangen. Dies teile ich Dir im Auftrage des Kommandanten mit und bitte Dich, solange Du keine andere Mitteilung erhältst, mir keine Briefe mehr zu schicken." Ritualmordbilder an Schulen und Postämtern Aus Berlin: In der letzten „Stürmcr"-Nummer, deren Rltualmordbllder neuerdings auch an Schulen und Postgebäuden angeschlagen sind, wird von neuem die Ritualmordlegcnde verbreitet und sogar von einem Ritualmord In Deutschland berichtet. In diesem Bericht wird ausgeführt: Ein junger Nationalsozialist „bezeugt", daß der Jude Markus Simon am 19. März 1933 die 10jährige Gertrud Lenhof nach „jüdischem Ritus ermordet" hat. Er gibt an, daß er das Kind einmal gesehen hat, wie es vier Jahre alt war, und später habe er Markus Simon beobachtet, wie er eine Ziege schlachtete. (Die Beweisführung ist kein Aprilscherz. Anm. d. J. T. A.) Zu diesem Bericht werden Bilder gebracht, die häßliche Judengestaltcn zeigen, wie sie junge Mädchen schlachten und Ihr Blut in mit Davldsstemen geschmückten Gefäßen auffangen. „Schwere Erniedrigung'1 Aus New York: „United Press" meldet: Der Nobelpreisträger der Medizin Dr. Karl Landsteiner, gebürtig aus Wien, hat die Herausgeber des amerikanisch-jüdischen „Wer ist's?" auf 10 0.000 Dollar Schadenersatz wegen Aufnahme seines Namens in das genannte Nachschlagewerk verklagt. Da der betreffende Band des jüdischen „Wer ist's?" in Amerika noch nicht erschienen ist, lautet die Klage auf Unterlassung der Eintragung, bzw. Zahlung der Schadenersatzsumme. Landsteiner erklärt, seit fünfzig Jahren der katholischen Kirche anzugehören. Seine Aufnahme ins jüdische Nachschlagewerk bedeute für Ihn eine „schwere Erniedrigung". Rassensdiande mit Staatenlosen Aus Berlin: In der „Juristischen Wochenschrift" wird ein Urteil des Reichsgerichts wiedergegeben, das besagt, daß auch der außereheliche Geschlechtsverkehr eines Juden mit einer deutschblütigen Staatenlosen strafbar ist, wenn die Staatenlose ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat. Wie man Porzellan und Silber nicht mit Sand scheuert, darf man auch die Zähne nicht mit einem groben Material behandeln. Das Putzmittel in der Zahn«: pasta soll nicht härter als der Zahnschmelz sein und möglichst fein und gleichmäßig. Die Putzmasse der Odol- Zahnpasta ist nicht mechanisch zerkleinert, sondern sie wird chemisch gewonnen; sie ist ein mikroskopisch feines Pulver, das jede Beschädigung des Zahnschmelzes ausschließt. Odol-Zahnpasta macht die Zähne blendend weiß und ist außerdem angenehm erfrischend. Die Odol-Zahnpasta wird erzeugt nach den von der W. V. der Zahnärzte Wiens approbierten Rezepten und unter ständiger Rontrolle der Zahnärztlichen und Pharmakognostischea Institute der Universität Wien.