Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 646 (9.4.1937)
- Date
- 1937-04-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 646 vom 9. April 193T f Simonsbrot n tto$ immer unerreitf)t als ©efuttb&etts. uttb fttoft- 1 brdh Mäch an beit fo wichtigen Wäfjrfal$en. @et>t bequem: 6imon§6tüt*®rf}itittenpäcf(f>ett in Stanniol, tfriityenbrot: Aufbau» nnb SDarm.föeüutotor. flu b. nteit in geinfoft^anblungen nnb in uielett 53ä<fereien. ^^fmonSbrotfabrif SQ3ien*$agrcm 65. tägl. ^offner}., Mexiko, speziell von seile« der Regierimg, nicht festzustellen. Das hat die jüdische Delegation nach ihrer Rückkunft in Washington berichtet. Sie hat es sich aber nicht nehmen lassen und für ihre Pflicht erachtet, zu berichten, daß die katholische Kirche schwere Verfolgungen zu erleiden hat. Diese Haltung der amerikanischen Juden wurde in den katholischen Kreisen dankbar vermerkt, um so mehr, als die Washüigtoner Regierung auf Grund des Berichtes der jüdischen Delegation der mexikanischen Regierung Vorstellungen wegen der Verfolgung der katholischen Geistlichen und Gläubigen machte, die auch der katholischen Kirche einige, wenn auch nicht große Erleichterungen brachte. In den europäischen Zeitungen wird viel über die bolschewistische Judenherrschaft in Mexiko und die Verfolgung der katholischen Kirche durch die verjudete Regierung geschrieben, In Wirklichkeit Hegen die Dinge so, daß eine marxistische Regierung antisemitisch ist und vor allem die jüdischen Arbeiter verfolgt, und ein katholischer Erzbischof den Juden Sympathien entgegenbringt. Das wird vielen Europäern „exotisch" vorkommen. Vom Jüdischen Weltkongreß Das Pariaer Büro des Jüdischen Weltkongresses berichtet: England: Die British Section des J. W. K. hat für den 6. April die führenden englisch-jüdischen Organisationen zu einer Konferenz nach London einberufen, die sich mit der polnisch-jüdischen Situation ^befassen wird.. Die Führer der englischen Judenheit sowie eine Reihe hervorragender englischer Parlamentarier werden diese Konferenz begrüßen. Die British Section des J. W. K. entfaltet eine rege organisatorische Tätigkeit, und ist jetzt damit beschäftigt, . in den wichtigsten Provinzstädten Englands -Regionalkomitees einzurichten. Die Mitglieder der British Section unternehmen zu diesem Zwecke Reisen in die verschiedenen englischen Provinzstädte, in denen sie über den Verlauf des Ersten Jüdischen Weltkongresses und Uber die Arbeiten des J.. W. K. seit dem Kongreß berichten. Im Anschluß an diese Vorträge erfolgt dann die Gründung der Regionalkomitees. Die Exekutive der Federation der englischen Zionisten empfing eine Deputation der British Section, bestehend aus den Herren Reverend, M. L. Perlzweig und Dr. N. Barou. Auf Grund eines Berichtes der beiden Herren über die Tätigkeit des J. W. K. hat die Federation der englischen Zionisten einstimmig beschlossen, dem Fonds der British Section für den J. W. K. einen Jahresbeitrag zur Verfügung zu stellen; ferner wurde von der Federation der englischen Zionisten eine Resolution angenommen, die alle zionistischen Gruppen Englands auffordert, der British Section des J. W. K. in ihrer Aufgabe, eine englische Landesorganisation für den J. W. K. aufzubauen, ihre volle "Unterstützung zuteil werden zu lassen. An der Sitzung der Federation der englischen Zionisten nahmen Prof. S. Brodetsky und viele andere Führer der englischen Zionisten teil. Einen Umschwung der jüdischen öffentlichen Meinung Englands zeigt die Annahme einer Resolution, die durch Freunde des J. W. K. Im „Board o f D e p u t i e s" auf dessen letzter Sitzung eingebracht wurde. Der eingebrachte Antrag sah die Einsetzung einer Kommission vor, die eine Untersuchung über die Verfassung und Fuktion des Joint Foreign Com- ■mittee durchführen und hierüber Bericht erstatten soll. Dieser Antrag wurde gegen die Opposition der führenden Mitglieder des Board of Deputier angenommen, über die Verfassung und Funktion des Joint Foreign Com- Dieser Wechsel in der jüdischen öffentlichen Meinung Englands ist auf die Aktivität des Jüdischen Weltkongresses in bezug auf seine Behandlung der laufenden politischen Fragen zurückzuführen. R u m ä n i e n: In Bukarest hat sich ein Regionalkomitee für die Altrumänen für den J. W. K: gebildet. Im Präsidium sind vertreten: Adv. M. Segal, Ph. Rosenste in und Adv. S. Frank. Weitere führende Mitglieder sind die Herren Horia Carp, Dr. S. Singer, Adv. Misrachi, Dr. M. Cotic, M. Leiba, Dr. Beider usw. Indien: Anläßlich des Aufenthaltes des' Delegierten des Jüdischen Weltkongresses, Dr. Maurice Laaerson, in Indien wurden in den folgenden Städten Komitees für den J. W. K. gebildet: Bombay (Präsident Meyer Nissin), Kalkutta (Präsident Sir David Ezra), Cochin (Präsident S. Köder). Ferner gründete Doktor M. Laserson auf seiner Reise durch Britisch-Arablen ein Komitee in Aden unter dem Vorsitz von M. Bentob Um die Kinder aus der Hölle zu retten Im Londoner „J e w i s h C h r o n i c 1 e" ist eine Reihe von Briefen einer jüdischen Frau aus Berlin abgedruckt, die ein grelles Licht auf das Leben der Juden in Deutschland werfen. Im ersten Brief wird geschildert, wie hoffnungslos und trostlos sich das Leben der Juden gestaltet, in deren Hirn die eine Frage rumort: „Wie lange noch werden wir das aushalten können?" Die Brief schreiberin schildert weiter die Verarmung des jüdischen Mittelstandes, der allmählich aus allen Berufszweigen hinausgestoßen wird und keine Möglichkeit eines Ausweges vor sich sieht. Man spart, wie weit man kann, man rückt zusammen, mehrere Familien sitzen in einer Wohnung, wobei eine vor der anderen ihr Elend zu verbergen sucht. Es gibt noch Juden, welche verdienen, aber das sind Ausnahmen. Die Mehrzahl lebt von ihrem letzten Besitz, d. h. vom Verkauf der Wertsachen und sogar der Wohnungseinrichtung. Der ausländische Besucher kann noch auf zahlreichen Firmenschildern jüdische Namen lesen, aber es ist nur Schein: die meisten sind bereits in ..arische" Hände übergegangen, und die Schilder sind deswegen geblieben, weil die früheren Pjuswh iskskm - Smmetikf. jüdischen Eigentümer Vertrauen bei den Kunden genossen. Die Juden stützen einander, indem sie gegenseitig in jüdischen Geschäften kaufen, aber das geht nicht immer. Die Verarmung der Juden geht mit Riesenschritten weiter. Ferner erzählt die jüdische Briefschreiberin von der Hölle der deutschen Juden außerhalb des Hauses. Man kommt in ein Geschäft mit einem jüdischen Schild, aber mit einem bereits „arischen" Besitzer. Man wendet sich an die Verkäuferin. Sie schweigt. Man wendet sich noch einmal an sie — sie macht sich nichts hören. Man beschwert sich beim Geschäftsführer. Er zuckt mit den Achseln und murmelt zwischen den Zähnen: ,,Ich kann die Ver- Wir empfehlen die guten, modernen ■ imm ^tO'ü.Hotorrädschulen ieiiiHeutteggerg .:f«r.;;B^fr5-12- *ntf.!rfrirsdorf, £-6: käuferin nicht zwingen, eine jüdisch« Kundschaft zu bedienen..." „Manchmal", so erzählt die Briefschreiberin weiter, „müssen wir uns beim Kaufen anstellen. Wie fürchterlich unsere Pein, wenn wir .Bemerkungen' auf unsere Kosten hören und dazu schweigen müssen! Was das für .Bemerkungen' sind, kann man sich denken, wenn man die antijüdische Hetze kennt, die seit vier Jahren mit den schändlichsten Mitteln betrieben wird ... Nicht nur auf der Gasse sind wir in Gefahr, son" dern auch zu Hause, zwischen den eigenen vier Wänden. Auch hier muß man vorsichtig sein, jedes Wort abwägen. Zu unserem Unglück gibt es auch unter den J u den einzelne Spione und Angeber ... Darum der oberste Grundsatz: Schweigen. Es gibt noch einzelne Optimisten, die noch nicht die ganze Hoffnung aufgegeben haben und auf bessere Zeiten hoffen. Andere wieder haben das fürchterliche Leben nicht ertragen können und haben Selbstmord begangen. Die meisten leben und kämpfen nur mehr i h r e r K i nd e r w e g e n. Man sucht nach Mitteln, die Kinder aus der Hölle zu retten. Die freundlichen Beziehungen zu Nichtjuden haben gänzlich aufgehört. Nicht deshalb etwa, weil es keine ehrenwerten und anständigen Deutschen mehr gibt. Im Gegenteil. Viele sympathisieren mit uns, fühlen mit uns. Aber sie können nicht helfen. Im übrigen wird ihre Zahl immer kleiner, besonders unter der Jugend, die durch den Hitlerismus völlig vergiftet ist. In den kleineren Städten, wo jeder den ganzen Ort kennt, vermeiden die Juden die Begegnung mit Nichtjuden. Man weicht einander aus. Die Juden tun alles, um „nicht gesehen zu werden". Untereinander versucht man sich zu helfen und zu stützen, einer wahrt die Würde und Existenz des anderen. Wenn man jemanden besucht, bringt man etwas zum Essen mit, um dem Bekannten keine Auslagen zu machen ... Die Beziehung zu den Regieruugsbeamten, insbesondere zu den älteren, ist eine korrekte und anständige. Eine Episode: Einer meiner Bekannten verletzte eine Verkehrsvorschrift. Sofort ging ein Polizist auf ihn zu und nahm sein Notizbuch heraus, um üin aufzuschreiben. Als er den jüdischen Namen des Angehaltenen hörte, steckte er das Notizbuch ein und sagte leise: »Gehen Sie nach Hause — Sic haben ohnedies genug zu tragen!' " Oe§terrei'dhi'§die Landsmanns schafft in Palästina Hitachduth Olej Austria (H. 0. A.) Aus Jerusalem wird uns berichtet: Von den drei, zu einem losen Landesverband gruppierten Vereinen der H. 0. A. in T c 1 - A v i v, Haifa und Jerusalem konnten die beiden ersteren ihre gesellige und Hilfstätigkeit trotz der Unruhen des letzten Jahres und der verminderten Alijah in Gang erhalten. Die Abteilung Jerusalem hat nach längerer Pause kürzlich begonnen, sich zu ralliieren. An jedem Dienstagabend finden in dem Herrn Schapira, einem Wiener, gehörigen „Cafe Europe", Jaffa Street, zwanglose Zusammenkünfte statt, die sich guten Besuches erfreuen. Für den 23. März war die Vollversammlung angesetzt, welche durch Teilnahme der Herren Generalkonsul Dr. Ivo J o r d a und Dr. Paul B e r g e r, Vizepräses des Zionistischen Landeskomitees Wien, besondere Bedeutung gewann. Vereinsobmann L. A. R obitschek schilderte die Bemühungen des abtretenden Vorstandes, durch landsmannschaftlichen Zusammenhalt die Einordnung der Olim zu erleichtern, und skizzierte die Aufgaben des nächsten Vereinsjahres. In den -tuen Vorstand wurden einstimmig gewählt : R o b i t s c h e k, Dr. E. M. Z w e i g, Dr. M. Kiwe, Dr. F. Morgenstern, Dr. Z. Wieselb e r g und Frau Thilde Weiner-Bernheim. Der Herr Generalkonsul beglückwünschte den Vorstand und erklärte sich gern bereit, ihn wie die Schwestervereine tatkräftig zu fördern. Die Einführung von Amts wegen in Tel-Aviv und Haifa habe sich bewährt; die Befürwortung in Einwanderungs- und Transferfragen wolle er fortsetzen. Nachdem hiefür der Vorsitzende den wärmsten Dank ausgesprochen hatte, hielt Dr. Zweig ein Referat über die politische Lage in Erez Israel. Er wog die verschiedenen Machtfaktoren, die sich auf diesem vielumworbenen Boden messen, ab und trat unbeschadet scharfer Kritik an der schwankenden Haltung des Colonial Office für Festhaltung der proenglischen Linie ein. Auf jeden Fall werde der aus Not und Begeisterung genährte Auftrieb der Weltjudenschaft alle Hemmnisse überwinden und das um so rascher, wenn wir reif genug sind, Einigkeit und nationale Disziplin zu bewähren. Diese Thesen fanden reichen Beifall. Dann gab Dr. Berger auf Anfragen über die Zustände in Oesterreich und deren Auswirkung auf uns Juden freimütig Auskunft. Er anerkannte, daft die Regierung die aus dem Dritten Reich planmäßig verbreiteten antisemitischen Tendenzen nach Möglichkeit eindämme und daß die Nationalbank unseren Olim und Palästina-Touristen entgegenkomme. In der Wiener Kultusstube werde die so erwünschte Eintracht leider noch vermißt. Bei seiner jetzigen Fahrt durch Erez habe er sich von der unerschütterlichen Festigkeit des Jischuw überzeugt; um so mehr seien die — meist tendenziösen — Sensationsberichte über die hiesigen Unruhen bedauerlich, zumal sie den Touristenverkehr empfindlich stören. In die Diskussion griff auch Herr Generalkonsul ein, indem er seinerseits die schädlichen Folgen jener Berichterstattung dartat; zugleich ergab sich, daß Toscanini, der heuer den Salzburger Festspielen das Gepräge leihen soll, ein frisches kulturelles Bindeglied zwischen Oesterreich und Palästina knüpft. Mit Erörterung der Frage, wie die Handelsbeziehungen beider Länder zu beleben wären, fand der interessante Abend seinen Abschluß. Lord Lloyd in Palä§ti'na Aus Jerusalem: Der ehemalige High Commissioner für Aegypten, Lord Lloyd, der vor kurzem in Palästina weilte, hatte vor seiner Abreise nach Zypern eine Reihe von Unterredungen mit führenden englischen Persönlichkeiten, unter ihnen General McNeill in Akko. Im Zusammenhang mit dem Besuch Lord Lloyds sind in Palästina, wie die arabischen Zeitungen melden, verschiedene Gerüchte verbreitet, deren Wahrheitsgehalt sich schwer ermitteln läßt. Diese Gerüchte besagen ün wesentlichen, daß in dem gegenwärtigen Regime Palästinas und in der Verwaltung des Landes demnächst einschneidende Veränderungen vorgenommen werden sollen. Es sollen zahlreiche höhere Regierungsbeamte von ihren Posten entfernt und durch Beamte ersetzt werden, die über langjährige Erfahrungen in orientalischen Ländern und englischen Kolonien verfügen. Der Jerusalemer Korrespondent der ägyptischen Zeitung „El Massri" verzeichnet das Gerücht, daß Sir Arthur Wauchope als High Commissioner Palästinas zurücktreten und an seiner Stelle Lord Lloyd zum High Commissioner. ernannt werden soll. Vorher aber soll Palästina mit Trans Jordanien vereinigt werden. Gleichzeitig, mit der Einsetzung eines mit umfassenden Befugnissen ausgestatteten Legislative Council soll eine Einschränkung der Einwanderung vorge* nommen werden, (J. T, Ä.)