Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 646 (9.4.1937)
- Date
- 1937-04-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712271--6410-2720158- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
R- _ _. _ _ _—. BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, ■DJi fA 0 ■ ■ vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Ko 6.—, vierteljährig Ko 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel« MM II k jährig Dinar 40.—; Bnmänlen monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—» vierteljährig U ■ ■ Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—a VVM/ Bfll Schwele und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. MJt B bejeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IXt Universitätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Amerika gegen den Hitlerismus Der 15. März des Jahres 1937 ist in der Geschichte der Abwehr des Hitlerismus durch Amerika ein historisches Datum. An diesem Tage fand die Demonstrationsversammlung: des freiheitlichen New York im Madison Square Garden statt, an der über 25.000 Teilnehmer ihren Abscheu vor dem Nazismus des Dritten Reiches kundgaben und eine Resolution beschlossen, die eine aktive Abwehr gegen die gefährlichen Attacken des deutschen Nationalsozialismus verlangt. Der Text dieser Resolution Ist so eindeutig und für die Haltung Amerikas so charakteristisch, daß wir ihn — auf Grund einer authentischen Uebersetzung aus dem Englischen — wörtlich wiedergeben. Er lautet: „I. Die Versammlung im Madison Square Garden vom 15. März 1937 findet, daß das Hitler-Regime und die Nationalsozialistische Partei Deutschlands alle Wurzeln der Demokratie, der Humanität und des Fortschrittes in Deutschland zerstört und Gesetz und Ordnung durch ein System der Unterdrückung, das der Barbarei des Mittelalters entlehnt ist, ersetzt sehen wollen. II. Indem sie alle Institutionen der staatlichen Kontrolle an sich gerissen hat, macht die Nazi-Regierung von ihrer Macht weitestgehenden Gebrauch, um a) jede politische Freiheit zu vernichten und die Rechte des Menschentums zu zerstören, b) um alle Rechte der Arbeiterschaft zu zerstampfen und deren Institutionen zu vernichten, c) die Freiheit des Gewissens auszuschalten, das Christentum zu unterdrücken und die Kirchen den üblen Nazidoktrinen zu unterstellen, d) die Frauen ihrer Freiheit zu berauben, ihnen die Früchte der Emanzipation zu entreißen, sie zu versklaven und ihre Söhne ausschließlich zum Kriege zu erziehen, e) die wissenschaftlichen Wahrheiten und die Unantastbarkeit der Kunst zu unterdrücken, indem sie die Wahrheitsforschung unterbinden sowie Kunst und Wissenschaft in den Dienst des Nazi-Regimes zwingen, f) die Bürger zu morden und zu martern und jede rechtliche Norm außer acht zu lassen. g) die jüdischen Bürger Deutschlands Motivierung rassischer Inferiorität zu ■•'"erf. ifl auszubürgern, h) Deutschland in ein Heerlager zu v.. und, während gleichzeitig Friedensversprechungen gemacht werden, die Welt bis an den Abgrund eines neuen Krieges zu reißen. III. Nicht zufrieden, mit der Unterdrückung der eigenen Nation, machen das Hitler-Regime und die Nazipartei überall Vorstöße gegen die demokratische Gesellschaft und versuchen, die Doktrin der Gleichschaltung in der ganzen Welt zu verbreiten. Während sie Mittellosigkeit vorschützen, um die Zinsen der deutschen Schuldpapiere schuldig zu bleiben, verwenden sie Millionen Dollars, welche den Besitzern deutscher Schuldpapiere in Amerika und anderswo gehören, um a) 1 ihre fieberhafte Aufrüstung zu finanzieren, b) antisemitische Gruppen in der ganzen Welt fcu unterstützen, c) 1 die Minoritätenrechte überall zu vernichten, d) 1 freundschaftliche staatliche Verbindungen hier zu suchen, auf daß dadurch die amerikanische Demokratie vernichtet werden könne, 1. indem sie hunderte Agenten nach U. S. A. schicken, um die Loyalität der Deutschamerikaner zu unterminieren und den Samen rassischer und religiöser Zwietracht, wie er im Dritten Reich besteht, bei uns auszustreuen; 2. mittels Millionen Druckwerken, welche aus Nazifonds hergestellt werden, die amerikanischen Einrichtungen und deren Hüter anzugreifen; 3. durch eine großzügige, unterirdische Propaganda in unseren Schulen, durch öffentliche Redner, durch die Presse^ 4. durch den Versuch, Nazigruppen in die bewaffneten Kräfte Amerikas einzuschmuggeln; 5. durch die Umtriebe einer privaten Armee von Sturmtrupps, welche von beurlaubten Nazimilitärs ausgebildet werden. IV. Bei dieser Sachlage erkennt die Versammlung, daß der Hitlerismus die schwerste Bedrohung des Friedens, der Zivilisation und der D e m o k r a t i e darstellt. Diese Gefahr wird so lange andauern, als die Nazi-Regierung und ihre Fürsprecher fortfahren werden, sich des Entgegenkommens, zu dem sie die Regierung und deren Fürsprecher zwingen, zu erfreuen. Deswegen verlangt diese Versammlung von allen Amerikanern, welche an der Erhaltung der Demo kratie in unserem eigenen Lande und an der menschlichen Freiheit interessiert sind, der Nazi-Regierung jene moralische und finanzielle Unterstützung zu entziehen, ohne die sie nicht lange bestehen kann. Zu diesem Zwecke verlangt sie vom amerikanischen Volke, sich zur Isolierung des Nazismus durch Zurückweisung der Erzeugnisse und Dienstleistungen Hitler-Deutschlands zusammenzuschließen und gemeinsam der Erteilung künftiger Finanzkredite an die Nazi-Regierung vorzubeugen. Wir wollen uns der Verstärkung des Boykotts der Waren und Dienstleistungen Hitler-Deutschlands widmen, was wir als friedlichen und nicht gewalttätigen Schutz für Amerikas Demokratie ansehen, und das deutsche Volk vor der Zerstörung retten, zu welcher der Hitlerismus es verdammt hat." Marxistische Antisemiten—Judenfreundlidier Bischof Ein Brief aus Mexiko Ein Freund der „Neuen Welt" schreibt uns aus Mexiko: Mexiko-City, Mitte März. Hier in Mexiko spielen .sich jetzt. Dinge ab, welche für Europa schwer verständlich sein dürften. Mexiko hat eine bolschewistische Regierung, die fast ausschließlich aus marxistisch orientierten Ministern besteht. In Europa ist man geneigt, eine bolschewistische Regierung als eine Judenregierung oder zumindest als eine von Juden beeinflußte und judenfreundliche anzusehen. In Mexiko aber wird die antisemitische Propaganda durch eine rein marxistische Organisation besorgt und eine marxistische Regierung setzt diese Propaganda in die Tat um. Den bis vor zirka zehn Jahren in Mexiko völlig unbekannten Antisemitismus haben deutsche Kaufleute und Aerzte, deren es hier eine beträchtliche Zahl gibt, aufgezogen. Sie wollten auf diesem Wege die einwandernden jüdischen Konkurrenten lahmlegen und beseitigen. Insbesondere nach der Machtergreifung durch Hitler wurden sie auf diesem Gebiet sehr rege. Mit Hilfe der vielen im Lande auftauchenden Hitler- Agenien gründeten sie die Organisation der „Gold- Hemden" — nach dem Muster der deutschen Braun-Hemden. Die „Gold-Hemden" besorgten fortab die antisemitische Propaganda. Da aber die „Gold-Hemden" sich nicht mit dem Antisemitismus begnügten, sondern auch auf Errichtung eines Nazi-Regimes hinarbeiteten, schritt die Regierung ein und löste ihre Organisation auf. Die „Gold-Hemden" waren weg, aber für die Fortführung ihres antisemitischen Werkes wurde Vorsorge getroffen. Es entstand der „Verbandder Arbeitslose n", eine Vereinigung auf antisemitischmarxistischer Grundlage. Bereits in den ersten Proklamationen forderte der Verband „Deportationen aller eingewanderten Juden und sonstiger lästiger Fremder", welche den Eingeborenen die Arbeitsplätze wegnehmen. Der Verband ist auch bald von Worten zu Taten übergegangen. Er stellte „Picketten" auf, d. h. Wachtposten, nicht nur vor jüdischen Geschäften, sondern auch vor nichtjüdischen, welche, nach Ansicht der Führer, zu viel Juden und zu wenig eingeborene Mexikaner (Indos und Mestizen) beschäftigen. Von einem großen Teil der Presse, die hier vielfach unter dem Einfluß Hitler-Deutschlands steht und von dort Geld und Nachrichten bezieht, ist der antisemitische „Verband der Arbeitslosen" ein bedeutsamer Faktor im öffentlichen politischen Leben des Landes, vor allem von Mexiko-City, geworden. Wie groß das Ansehen des „Verbandes" bei den offiziellen Stellen geworden ist, beweisen Vorfälle in letzter Zeit. Als sich die Leitung der hiesigen Jüdischen Handelskammer (Vereinigung der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden) an die Regierungsstellen mit dem Ersuchen wendete, der gewalttätigen i Boykottpropaganda entgegenzuwirken und jüdische Arbeiter und Unternehmer zu schützen, erfuhr sie eine barsche Zurückweisung. Das Justizministerium erklärte, nicht eingreifen zu können, weil keine „gesetzlichen" Möglichkeiten vorliegen (keine gesetzlichen Möglichkeiten, um Straßenaufläufe und gewalttätige Demonstrationen vor Geschäften und Werkstätten zu verhindern!). Hingegen sei es, so fügte man hinzu, unerträglich, daß Unternehmer mehr als 10 Prozent „Fremde" beschäftigen. Wenige Tage nach der Intervention wurde ein Erlaß der Regierung publiziert, in welchem darauf hingewiesen wurde, daß „Fremde" nur als Kapitalisten, Unternehmer und Studenten im Lande erwünscht sind, nicht aber als Arbeiter und Angestellte. Dann wurde eine große Zahl von „Gewerbeinspektoren" ernannt, welche jetzt zu prüfen haben, ob nicht in einzelnen Betrieben zu viele „Fremde" beschäftigt werden. Also eine marxistische Regierung, welche nur jüdische Unternehmer haben will und die jüdischen Arbeiter austreibt! Die Hetze gegen Fremde und Juden ist so populär geworden, daß sie zum Instrument für die Erlangung von Mandaten geworden ist. In Kürze sollen Parlamentswahlen stattfinden. Das hat zur Folge, daß im Jänner und Februar im Parlament heftige Reden gegen Juden und Fremde gehalten wurden. Sie finden in einem Großteil der mexikanischen Presse beifälliges Echo. Es gibt aber im Lande auch Elemente, welche mit der Juden- und Fremdenverfolgung nicht einverstanden sind. Der Staatspräsident hat wiederholt Gelegenheit genommen, seiner Unzufriedenheit mit diesem Kurs Ausdruck zu geben. Vor allem aber hat der Erzbischof von Mexiko in judenfreundlichem Sinne Stellung genommen. Insbesondere hat er die katholische Geistlichkeit angewiesen, in ihrem Wirkungskreise gegen den Antisemitismus aufzutreten, allerdings sind Wirkungsmöglichkeiten dieses Elements im Lande der Kirchenverfolgung sehr beschränkt. Die judenfreundliche Haltung der katholischen Kirche ist nicht zuletzt auf einen Vorfall zurückzuführen, welcher sich vor zwei Jahren abgespielt hat. Damals kam eine jüdische DelegationausdenVe reinigten Staaten nach Mexiko, um die Lage der Juden in Mexiko zu prüfen. Damals war noch eine Verfolgung der Juden in Neigung zu Krampfadern starke Knöchel usw. verlangen das Tragtn eines wirkungsvollen Krampfadernstrumpfes. Sehr empfohlen ist die bekannte Spitzenmarke „PARADRU1T" - Lastex — hauchdünn, äußerst haltbar, höchste Heilwirkung; Der ideale Strumpf für Empfindliche 1 Alleinverkauf: «wmMM^g^ Fachfirma Bondagen-miholgsdi Elektromedizlnische Apparate, auch leihweise) Wien, Tiborttr. 22