Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 645 (6.4.1937)
- Date
- 1937-04-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712270--6408-2720155- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 645 vom 6. April 1937 AUS ALLER WELT Aus Polen Die antijüdische Boykottagitation in Polen hat in den letzten Tagen Formen angenommen, die den vollständigen Ruin der jüdischen Kaufmannschaft bewirken müssen. Die von den Nationaldemokraten betriebene Boykottpropaganda wird von Beamten verschiedener Stadtverwaltungen unterstützt. So hat die Stadtverwaltung von W1 o c 1 a w e k, im Warschauer Distrikt, beschlossen, den Wochenmarkt der Stadt auf die Samstage festzusetzen, um auf diese Weise den jüdischen Geschäftsleuten eine Teilnahme an den Märkten unmöglich zu machen. In einigen polnischen Städten kam es vor, daß Beamte der lokalen Behörden Kaufleute, die zu den Märkten kamen, aufforderten, sich zu legitimieren, ob sie Juden oder Nichtjuden seien. Die jüdischen Geschäftsleute wurden dann einfach verjagt. Bei der in Warschau vor kurzem abgehaltenen außerordentlichen Versammlung des Exekutivkomitees der polnischen Gewerkschaften wurde eine Resolution angenommen, in der die gegenwärtige antijüdische Boykottagitation in Polen verurteilt und gefordert wird, daß die polnische Verfassung, die allen Bürgern des Landes ohne Ansehen der Rasse und der Religion gleiche Behandlung zusichert, strikte befolgt werde. Das Distriktsgericht in Lomza verurteilte 17 Nationaldemokraten,. die an den antijüdischen Exzessen in Sniadowa teilnahmen, zu je sechs Monaten Gefängnis. Neun Angeklagte wurden freigesprochen. Zehn der Verurteilten wurde die Verbüßung der Strafe auf unbestimmte Zeit vertagt. Die anderen sieben wurden auf freien Fuß gesetzt, nachdem sie einen Revers unterschrieben haben, daß sie eine bestimmte Zeit hindurch ihreri Wohnsitz iiiflht verlassen werden. Im Städtchen C h o z o w kam es am zweiten Pessachtag zu antijüdischen Exzessen, wobei viele Juden schwer verwundet wurden. In dem Städtchen Krasnigrad, wo ein vierzehnjähriges Mädchen knapp vor den Pessachtagen verschwunden war, haben nationaldemokratische Agitatoren das Gerücht verbreitet, daß die Juden das Mädchen zu Ritualzwecken ermordet hätten. Durch die Verbreitung dieses Gerüchtes aufgehetzt, nahmen die christlichen Einwohner eine drohende Haltung gegen die Juden ein. Die Behörden mußten eine Absuchung des jüdischen Friedhofs anordnen. Schließlich wurde der Leichnam des verschwundenen Mädchens im Fluß gefunden und es konnte festgestellt werden, daß ein Unfall vorliegt. Die Juden in Südafrika P. T. A. meldet aus London: In der Südafrikanischen Union wurde vor kurzer Zeit ein Antiimmigrationsgesetz herausgegeben, welches der Regierung weitgehende Vollmachten bezüglich der Einwanderung und des Verbleibens von Menschen in Südafrika erteilt. Die Regierung geht jetzt daran, massenweise Ausländer auszuweisen. Ungefähr 2000 Juden, hauptsächlich Flüchtlinge aus Deutschland, welche bisher auf Grund zeitweiliger Erlaubnisse in Südafrika gewohnt haben, werden nunmehr gezwungen, das Land zu verlassen. Der Präsident des jüdischen Gerichts von Tetuan verhaftet Aus London: Wie „Daily Mail" berichtet, befindet sich der Präsident des jüdischen Gerichts von Tetuan, Rabbi Jalfon, unter den Personen, die wegen Anzettelung einer gegen F r a n c o gerichteten Revolte in Tetuan verhaftet wurden. Ueber hundert der Verhafteten wurden bereits erschossen. Zur Lage der Juden in Tripolis Aus Rom (J. T. A.): s Anläßlich des Besuches Mussolinis in Tripolis gab Marschall B a 1 b o, Gouverneur von Libyen, einen Empfang für die ausländische Presse, bei dem er über die Lage der Juden in der nordafrikanisch-italienischen Kolonie sagte: „Ich zähle viele Juden zu meinen nächsten Freunden. Es besteht in meiner Geburtsstandt Ferrara eine angesehene jüdische Gemeinde, die ich sehr schätze. In Tripolis habe ich in den drei Jahren meiner Amtstätigkeit dort der Organisierung des jüdischen Han d wer ke r t u ms sowie der physischen Ertüchtigung der jüdischen Jugend und ihrer Sportbewegung meine Förderung angedeihen lassen. Die jüdische Bevölkerung in Tripolis befindet sich jedoch in, Hinem Kulturzustand wie vor 2000 Jahren. Sie huldigt viel dem Aberglauben -und besonders die 7£ tf*.F * > '* ~zl 1 RegeivMäntel Lack, passepoiliert, Einzel- »Jf.90 stücke S I I 11 90 18 24 r Hubertus- Mäntel Trench- -fasson . . S RaglaivSlipper dunkelgrau, grau S FischgrätySlipper der Schlager- Mantel .....S Mode^Noppen-Slipper guter Schnitt (laut Bild).........S FrühjahrSi»Mäntel englisch gemusterte Stoffe, ganz gefüttert (laut Bild)................S Feine SiippervMäntel aus neuesten Modestoffen ......... S Charmelaine^Mäntel mit apartem Stuart-Kragen, ganz Kunstseiden- Mongol gefüttert.......... . . . S WoIl^Georgette^Mäntel hochaparte Jabotfasson .......... S Mode^KarofSIipper ganz Mongol gefüttert..........S Traditen^Köstüme mit grünen Applikationen ......... S Frühjahrs^Kostüme dunkelblau, Jacke gefüttert ... ..... S HerrenstofkKostürne in tadelloser Paßform...........S WoIlstofMClelder in aparter Westen-Fasson'.........S JäckchervKleider reich plissiert...............S Alles auch für Starke Frauen lagernd! Für den Herrn: 29 29 49 55 69 29 19 28 39 1? 24 Frühjahrs4Jeberro& (Slipper) aus Modenoppen, ganz gefüttert. Mode^StraßenMnzug zarte Sreifen, hell oder dunkel . . . . . s 49 s49 Kunstseiden-Stoffe: Waschseideelmprime «1.25 für Kleider und Blusen, per Meter . . , ,S 1 Indanthren^SeideivZephir -1;50 Streifen und Schotten, per Meter ..... S JL Mättcrepe raye a.90 moderne Streifmuster f. engl. Kleider u. Blusen S V Mongolflmprimes _ ^9° r große Dessin-Auswahl . Mattseide mit Ajourmotiv das aparte, neue Seidengewebe .*••■* . S ♦ . . . s Verkauf für Wien: Crepe-CIoqu6-Imprim6 in hochoriginellen Blumenstreifen, per Meter 1.98 i > i Verb« d* Judenstaafszionisten Oesterreichs Sektion XIV/XV, Schanzstraße 32. Dienstag, den 6. d., halb 9 Uhr abends, Vortrag Emil Huttrer: „Weltpolitik und Palästina". — Donnerstag, den 8. d., halb 9 Uhr abends, Besprechung der Frauengruppe „Deborah". Referentin Frau Dr. Rachel Offner. Judenstaatsjugend. Dienstag, den 6. d., halj» 9 Uhr abends, im Heim, II., Unt. Augartenstraße 88, Plenarversammlung. — Donnerstag, den 8. d., halb 9 Uhr Leilungssitzung. — Samstag, den 17. d., um 33 Uhr Nachtvorstellung im Helios-Kino, H., Taborstraßc. Zur Aufführung gelangt „Das Tagebuch einer Geliebten" mit Hans Jaray, Lilly Darvas und Szöke Szakall in den Hauptrollen. Reichhaltiges Beiprogramm. Brith Hakanaini. Gdud Bamaaläh, XVIII., Semperstraße 19. Samstag, den 10. d., Vortragsabend um 8 Uhr im Heim, XVETI., Semperstraße 19, im Hof links. JUdische Jugendliche, erscheint zahlreich! wmmBmmammmmmBBmmmmmmmmmnmBm alte Generation will die Notwendigkeit von Reformen in keiner Weise anerkennen." Auf die Frage des J.-T.-A.-Vertreters, ob die Bestimmungen über Offenhaltung jüdischer Geschäfte auch am Sabbat gemildert werden sollen, gab Marschall Balbo keine positive Antwort. „Ich verstehe", führte er aus, „daß die Schließung der Geschäfte an zwei Tagen in der Woche für die jüdischen Besitzer von großem Ss-haden ist, aber die Bestimmungen hatten zum Ziel, dem neuen Stadtteil von Tripolis einen mehr modernen Charakter zu geben." Augenblicklich herrscht unter der jüdischen Bevölkerung in Tripolis nach dem Besuch Mussolinis im jüdischen Viertel der Eindruck, daß die Bestimmungen gemildert werden würden. Als günstiges Symptom darf bezeichnet werden, daß die Handelslizenzen, die den jüdischen Geschäftsinhabern, welche nach Erlaß des Sonntagsruhedekrets sich weigerten, ihre Geschäfte am Sabbat offenzuhalten, abgenommen worden waren, diesen wieder zurückgegeben wurden. Biro'Bidsdnan Aus Washington (J. T. A.): Die italienische Nachrichten-Agentur „Oriente" verbreitete kürzlich die Nachricht, daß die Sowjetregierung im Zusammenhang mit dem Kampf gegen den Trotzkismus beabsichtige, die Errichtung eines jüdischen autonomen Rayons in Biro- Bidschan fallen zu lassen. Dazu erklärt der Sowjetgesandte in Washington, Trojanowsky, daß diese Nachricht jeder Grundlage entbehre. Er weist darauf hin, daß die Pläne zur Schaffung eines jüdischen autonomen Rayons in Biro-Bidschan von der Sowjetregierung bereits ratifiziert und in § 20 der neuen Sowjetverfassung inkorporiert worden seien. Deutsches Volkstheater. Wer herzlich lachen will, kann es beim Lustspiel von Bekeffi und Stella „Ko mmen Sie am Ersten" tun. Auf der Bühne werden in einer Inkassantenschule Neulinge unterrichtet, wie man säumige Schuldner durch Hartnäckigkeit und Pfiffigkeit zum Zahlen bringt. Der reizenden Inkassantin — sie wird von Hortense R a k y dargestellt —, die man auf einen arbeits- und zahlungsunlustigen Baron losgelassen hat, gelingt es sogar, ihn nicht nur zum guten Zahler, sondern auch zum ausgezeichneten Ehemann zu machen. Hortense R a k y ist so entzückend, daß man sie immer wieder zum Inkasso bestellt. Hans 01 d e n s burschikoser Humor, Mimi Shorps elegante Routine, Hans Hommas menschliche Wärme finden sich in brillantem Zusammenspiel, das fröhlichste Stimmung und starken Beifall auslöst. e. kr. Die Jubiläumsvorstellung der „Jüdischen Künstlerspiele, IL, Praterstraße 34, am Dienstag, den 6. April, ist ausverkauft und wird mit demselben umfangreichen künstlerischen Programm demnächst wiederholt. Verein zionistischer Hochschülerinnen. Donnerstag, den 8. dM, um 8 Uhr abends, findet im „Ring der Alten Herren", I., Kohlmarkt 8, eine Versammlung statt. Programm: Wochenbericht, Referat, Vorlesung. Referenten: Lagstein, Pomeranz, Tyndel. Akademische Gäste willkommen. Austritte aus dem Judentum Dr. Felix Taussig, Privatier, geb. 20. Juli 1889 Wien, ledig, HI., Czapkagasse 7/4. — Ida Asehermann, Haushalt, geb. 1., Juni 1887 Wien, verh., II., Ausstellungsstraße 21. — Edith Josefa Elisabeth Meisel, Stenotypistin, geb. 1. Oktober 1903 Berlin, ledig, V., Siebenbrunnengasse 65/6. — Alfred Heitler, Bäckergehilfe, geb. 26. Ok* tober 1885 St. Pölten, verh., III., Schlachthausgasse 16. — Edith Kammer, Hortleiterin, geb. 25. Oktober 1914 Wien, ledig, I., Gonzagagasse 13. — Fritz Beran Privatbeamter, geb. 17. Juli 1914 Wien, ledig, III., Adamsgasse 32. — Adolf Huppert, Färber, geb. 1. Oktober 1917 Wien, ledig, XV. Bezirk. — Karl Mautner, Redakteur, geboren 15. Juli 1907 Wien verh., VIII., Lederergasse 16. ' — Rose Margarete Mautner geb. Neustadtel, geb. 20. Februar 1906 Reichenberg, verh., VIII., Lederergasse 16. — Leonhard Hildebrand, mag. pharm., Apotheker, geb. 16. Februar 1886 Storozynetz, verh., XVIII., Ladenburggasse 12. — Edith Back, Haushalt,, geb. 2. Mai 1920 Baden, ledig, XVI., Seitenberggasse 69. — Wilhelm Jasslnger, geb. 19. April 1914 Nove Mesto, ledig. XIII., St. - Veitgasse 2; — Emil Georg Jelllnek, geb. 21. Juni 1911 Wien, ledig, }X., Sobiesklgasse 4a. —- Imre Löbl, Kaufmann, geb. 27. Jänner 1910, Aika, ledig, III., Ungargasse 58. — Helene Eugenie Engel, geb. 1. Februar 1909 Lemberg, ledig, XX., Bäuerlegasse 17/20. — Peter Otto Duschner, Schüler, geboren 28. Mai 1919 Wien, ledig, II., Taborstraße 20/18. -» Eigentümer, .Verleger, HeEaiwgebe* und yerantwortllcner Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker, Druck; Druckerei- und Verlags-A,-G, Jgnaz Steinmann, beide Wien, T^lüi Univeröit&tflfltr&ße &"~9t w *" '