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Die neue Welt · 1937-03-23 · Heft 642 (23.3.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 642 (23.3.1937)
Date
1937-03-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Dienstag, den ftt* MMn WM ff* 648 V+b*** 186 DIE NEUk Zeitung vom Verleger versende« «Journal e*ptfie par l'Miteur" Titl. Ilmvers; R EVÜ E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.~, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty L60. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.-, vierteljährig Kc 18,-;: JmosUT^en mojoatllch Dinar U>-<*\***1. jährig Dinar 40.-; Bumlbien monaUich Lei 60.-, vierteljährig Lei 150.-; Deutschland monatlich Mark 1.--, vierteljährig Mark 3.-; Bnlgariin monatlich Lewa 30.—. vierteljährig Lewa 80.-; , Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.-* Schwel« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit E bezeichnete.Anzeigen sin.'d entgeltlloh. Redaktion u.Verwaliung: IX,Universitätsstr.8,Tel,A-2Ö-2-78 - Erscheint Dienstag«* frejit % b.qu.mc „Ullllll -OSTERFAHRT "och POLEN CZERNO WITZ Abfahrt: 24. März 1937 Auskünfte und Anmeldungen: Offiz. Poln. Reisebüro „ORBIS" I. Kärntnerstrane 41, R-ü-5-78 Oesterreichisches Verkehrsbüro I. Friedrichstrane 7. B.i7-500, I. Graben 20, ".«.o-is „Die Autokratie des Pöbels'' Ein Vortrag Thomas Manns Im Verein „Kadimah" in Zürich sprach kürzlich Thomas Mann über Judentum und Antisemitismus. Das eindrucksvolle Bekenntnis des deutschen Dichters zu Freiheit und Menschenwürde, zu Kultur und Humanität fand eine Formung, s wie sie' nur einem geistig Großen zu eigen sein kann. Thomas Mann charakterisierte den Antisemitismus, den „Popanz einer Minderheit", als die „Aristokratie des Pöbels", deren Devise sei: „Ich bin nichts, aber der Jude ist noch weniger." „Wir leben in einer Epoche", führte Thomas Mann aus, „da die Freiheitund Menschlichkeit geknechtet und bedrückt werden. Man hat oft seiner Zeit zu verzeihen, aber man muß 'trotzdem der Not zu widerstehen versuchen,. selbst wenn man dadurch . gegen seine Zeit leben, niu.&: Tpenj}|^;(^f^ic^;niiir Repräsentän sein. Der populärste der Mängel, welche, unsere Gegenwart und viele Perioden der Vergangenheit äu verzeichnen haben, ist der Antisemitismus. Das Verlangen, für die Ungunst der Zeit'einen Schuldigen zu suchen und finden, ist etwas Menschliches, aber auch Allzumenschliches. Dem muß man widerstehen.' Man darf nicht einstimmen hv das Gegröhl der Masse, sondern ihm, sein entschiedenes Nein entgegenstellen, per geistige Führer darf nicht, zum Pöbel heruntersteigen, um ihn unter dem Leitwörtder Bluts- und Volksverbundenheit zu veredeln versuchen", denn der Pöbel wird dadurch nicht veredelt, wohl aber — wie viele Gegenwartsbeispiele es beweisen — der geistige 'Adel verpöbelt. Es braucht aber einen Geistesadel, der die große,Masse führt!. . Ich bekenne, daß ich tiefe Abneigung gegen den antisemitischen Dünkel hege, und daß meine Abneigung gegen den Antisemitsmus gewachsen ist, je mehr sich dieser ausgebreitet und an Macht gewonnen hat. Wenn man die Verdienste in Betracht zieht, die die Juden für das kulturelle Deutschland geleistet haben, so ist der Antisemitismus dort überhaupt nicht verständlich . . . Erst mit dem Vordringen des christlichen Glaubens ist < Deutschland in den Kreis der Kulturvölker .eingetreten. Eine, Mischung des vorchristlichen Barbarismus und der christlichen Kultur entstand, welche aber doch nicht so gefestigt war — und ist"! —,'als "daß nicht Rückfälle in die yorkulturelle Barbarei möglich wären, welche stets mit antisemitischen Ausschreitungen verknüpf t, sind...Di© Juden bedeuten für di,e deutsche Atmosphäre eine wichtige und wertvolle, internationale Komponente . mittelländischen Einschlags. Der Antisemitismus wendet , sich nicht nur, gegen d[ie Juden, sondern ganz allgemein gegen die europäische Kultur und gegen .die F r e i h eii. Ein Kulturmensch kann nicht Antisemit sein, denn sonst verstößt, er .gegen die abendländisch-christliche Kultur, und wer diese Kultur verleugnet,' der ist ein verlorener Geist; eine verlorene Seele. Die Juden waren für die Entwicklung der abendländischen Kultur ebenso wichtig wie die Griechen. Was Goethe von den Deutschen s^gte, daß sie ihre Aufgabe auf Erden noch nicht erfüllt haben, kann man wohl auch von den Juden behaupten; denn trotz all den herben Schicksalsschlägen, dem Kummer und Elend, die dieses Volk zu erdulden hatte, existiert und lebt es noch. Als BindungagÜed zwischen der Gegenwart Und tiefsten Vergangenheit büdet es ein Korrektiv unserer heutigen Zeit. Immer, wenn eine antisemitische Welle in Deutschland heranzog, war dies ein Zeichen dafür, daß das Volk sich irgendwie betroffen fühlt, Schlechtes plant und Metzeleien anstellen will, £>oc>• by&ucftt night,. Waffen an jüdische Wehrfähige Beginn des Selbitsdiutxes J. T. A. teilt aus Jerusalem mit: Mit Rücksicht > auf den wachsenden Terror wurde die jüdische Bevölkerung auf Grund eines R eg i e r u n g s b e s c h 1 usses bewaffnet. Die versiegelten Kisten mit Waffen, die in den jüdischen Gemeinden zur Verfügung stehen, werden geöffnet. Die jüdischen Organisationen verhandeln mit der Regierung über die Mobilisierung einer größeren Anzahl jüdischer Wehrfähiger. Aus Haifa wird,gemeldet: ... . Die neue Terrprwelle ist ebenso heftig wie die vorjährigen Unruhen. Die. Terrorbanden verfolgen das gleiche;System des Raubes der Viehherden einzelner jüdischer Dörfer in Verbindung mit der E rmorduiig der Hirten. Das Vieh hat großen Wert, denn es handelt sich um importierte Arten wert- CHESTEH MORUS MADGE EVANS LEOCARILLO, *£P*|NV* SCWEDEH Kino voller Rassen.. Die Milchwirtschaft ist aber offc . di« einzige Erwerbsquelle. Von der geringen Fähigkeit der Polizei und der Verwegenheit der'Räuber geben die Diebstähle von Vieh in ganzen Herden Zeugnis,. . Vor einer politischen Demonstration . Die auf Einladung des Waad Leumi in Jerusalem abgehaltene Beratung der Führer des Jischuw, an der Vertreter der Agudas Jisroel, des Verbandes der' alten Kolonisten, des Landesrabbinats, der Stadtverwaltung von Tel-Ayiv, der jüdischen Kolonien und der jüdischen Industriellen teilnahmen, beschloß neben der Proklamierung einer großen Geldsammlung zur Deckung der Selbstschutzkosten . auch;die Rekrutierung von. Freiwilligen für. den- Sicherheitsdienst in den jüdischen Siedlungen, namentlich derjenigen im Norden des Landes.-, , Die Frage - der Organisierung .einer politischen Demonstration des ganzen Jischuw gegen, die Tolerierung des arabischen Terrors durch die Regierung wurde dem Waad Leumi zur Entscheidung überlassen; dieser wird sich hierüber mit der Exekutive verständigen., Diese; politische Demonstration wird^die Form eines Generalstreiks des gesamten Jischuws annehmen. . Vertreter aus zwanzig;: jüdischen Kolonien des Samariagebietes traten zu-einer dringenden Beratung zusammen,, um Maßnahmen zur Sicherung der Kolonien gegen herums^ Der Jidiuw verlangt Sidietheit und Selbstschutz ( Von der ungeheuren- Erregung ,des jüdischen Jischuws in Palästina,der nach einer verhältnismäßig kurzen Ruhepause nun , wieder vom arabischen Mord- und. Brandterror heimgesucht wird, dringen nur wenige Symptome an die Oberfläche. Nach den verschiedenen Berichten dauert die während der Araberreyplte des Vorjahres geübte „Hawlaga" (Zurückhaltung, Selbstbeherrschung) weiter an, wenn w(icn, hauptsächlich seitens der Jugend, eine energische Stellungnahme gegenüber der neuen Terrorwelle verlangt wird. Vor einigen Tagen unterhielten sich das Exekutivmitglied B e h Our i o n und der Re^hteberater lljBr Exekutive Bernard Joseph mit dem Chefsekretär der Palästina-Regierang, John Hathorn Hall, über die Reform des Sicherheitswesens und das Erfordernis eines jüdischen Selbstschutzes. Ueber das Resultat dieser Unterredung liegt keinerlei Meldung vor, hingegen veröffentlicht. die Zionistische Exekutive, in Jerusalem und London gleichzeitig, eine Erklärung; die zwar dem Ernst der Lage angemessen ist, äber nicht erkennen läßt, welche praktischen Maßnahmen von offizieller zionistischer Seite gegen .die arabischen, vom Obersten Arabischen Komitee dirigierten Mordbanditen und gegen die gefährliche Lässigkeit der Palästina-Regierung (unter der zivilen; Führung des Oberkommissärs Sir Arthur Wauohope und unter dem militärischen Kommando des Generals pill). zu erwarten sind. Die Exekutive führtin■ ihrer Erklärung aus, daß die arabischen Terroristen ihre Gewalttaten in dreister Weise fortsetzen und in den letzten sieben Wochen 19'Juden, 10 Araber und 2 Bürger anderer Nationalität ermordet haben, und schließt: ZUM FROHEN FESTE wird der PESSACH , erst durch die so wunderbaren, delikaten Schmidl-Mazzoth ' V'die Marke des F e i n s c h m e c ker s Verlangen Sie Überall n u r „SCHMIDI."-HailOthI bange .zu sein! Der wirklich-wahre Humanismus ist in den; Gerzen noch stark verbreitet undbüdet den Nyäfyrhodeu'. für die kommende dritte humanistische Periode/ Das Judentum, lebt und wird weiterleben und gemeinsam mit allen Völkern durch Krisen und Hkdernjsee hinweg surn Weltfrieden .«bß^jfc^ „: - „Seit Beginn der Unruhen; hat die Jc'wisch Agency mehrere Male die Regierung auf die immer größer werdende Gefahr aufmerksam gemacht, die sich daraus ergibt, daß die Terroristen aus der bisherigen Hältung der Regierung den Schluß ziehen, daß die Regierung ohnmächtig sei. Die aus England herübergebrachten bewaffneten Kräfte wurden in ihre Heimat zurückgeschickt, ohne daß die Regierung sie vorher zwecks Unterdrückung der Unruhen eingesetzt hat. Das im Lahde eingeführte Kriegsrecht wurde bis'' zum heutigen Tage nicht verwirklicht; es hat lediglich zur Außerkraftsetzung der früheren Bestimmungen betreffend den Ausnahmezustand gedient. Gesete und Gerechtigkeit gelten im Lande immer wehiger. Keiner der wenigen gefaßten Mörder wurde eigentlich zu. der in solchen Fällen anzuwendenden Höchststrafe verurteilt, kaum einige wurden überhaupt vor Gericht gestellt. Die Terrorbanden' sind nicht entwaffnetworden. Obwohl die Regierung starke militärische Kräfte zu ihrer Verfügung hat, blieben diese Banden unfbestraft. Die Judenheit Palästinas ist bereit, sich durch Schaffung eines S e I b s t s c h u t z e s a u.s e i g e n e r 'Kraft gegen den Terror zu wehr'en', falls 'die Regierung in dieser Hinsicht keine Beschränkungen walten läßt. Pflicht der Regierung ist es aber, mit allen zu Gebote stehenden Kräften die Ordnung im Lande zu sichern. Die bisherigen Erfahrungen haben die JewJsh Agency davoji überzeugt^ daß die Sicnerheitslage inj

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