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Die neue Welt · 1937-03-12 · Heft 639 (12.3.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 639 (12.3.1937)
Date
1937-03-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Freitag, den IS. Min »J? ** DIE NEUE * Nr. W V.b.b. ZMtung vom ^Verleget versendet eipddle par rediteur" REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN* .Oesterreich monatlieh S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen* monatlich Zloty-1.5 vierteljährig Zloty 4.50; tfiche<*oslowa&el »onatilch Kc 6.—, vierteljährig Ko 18.—; Jugoslawien' monatlich -Dinar '14.--, vierteljährig Dinar 40.—; Bnmlalen monatlich?iel 60.—, vierteljährig'Lei 150.—; Deutschland monatlich> Mark;. 1.--- yierteljähri» Mark 3.—; Balgarien monatlich Lewa 30.—» vierteljährig Lewa 80.—;' Italien monatiichLire 5.—, vierteljährig Lir*' Schweis, und die übrige* J/Bnder monatlich Schweizer Franca 1.50» vierteljährig Schweizer, Franca 4.50; ,,. „•;„: mit B bdzelohnfttiji Änsseigen BiBiÄ oatgeltlioh, Redaktion u.Verwältung : IX,Universitätsstr.8,l el. A-20-2-78 ■— Erscheint Dienstag u, Freitag SSM*. „ORBIS"-OSTERFAHRT nach POLEN CZERNOWITZ Abfahrt: 24. Mfirx 1937 Auskünfte und Anmeldungen: Offfiz. Poln. Reisebüro „ORBIS" I. Kärntnerstrane 41, R-si-3-78 Oesterreichisches Verkehrsbüro l. Friedrichstrane 7. B.57-300, i. Graban 20, u.29-0-35 Die Freude der Knechte Wie konnte es kommen, daß X. jetzt Hitler- Antisemit ist? Ein gutmütiger Mensch, nicht ungebildet, sein Lebenlang mit Juden geschäftlich verbunden, mit diesem und jenem auch gesellschaftlich, ohne ungewöhnlich üble Erfahrungen gemacht zu haben. Und nun findet, er es selbstverständlich, daß sein Bekannter, sein Geschäftsfreund, sein Gast oder Gastgeber von gestern, der Jude Y., von Staats wegen als gefährliches, blutmäßig verdorbenes Subjekt gezeichnet und jeder Verkehr mit Y. als staatsfeindlich und schändlich erklärt wird. Wie ist das gekommen Förmlich über Nacht! Die Wandlung des X. zum hundertprozentigen Judenfeind, zum Radauantisemiten, ist nicht das Resultat irgendwelcher innerlicher Vorgänge. Sie. ist in der; Hauptsache Folge äußerlicher Veränderungen, welche X. durchzumachen Hatte. 'Früher' hat er als Bürger ein kleineres oder größeres Maß ''än.Freiheit .genossen, konnte sich eine eigene Meinung über Dinge und Personen gestatten und riskierte dabei vielleicht manche Unannehmlichkeit, aber nicht seine Existenz, sein Leben, seine Freiheit. Nun ist eine. Umwälzung gekommen — oder droht zu kommen —, welche den •X. zum rechtlosen Knecht macht. Jeder Junge in TParteiuniform ist sein Herr geworden, der ihn ins Konzentrationslager und an den Galgen bringen kann. Ein skeptisches. Achselzucken genügt und schmutzigblutige Stiefel zertreten ihn und die Seinen. Schweigendes Sichfügen genügt nicht. Er muß die' Führer laut anbeten und ihnen weithin sichtbare göttliche Ehren erweisen. Er ist kein Bürger, er ist ein armseliger, vor jedem Schergen erzitternder Knecht geworden. X. ist in die Tiefe geraten. Wenn er hinaufbückt, schwindet jede Hoffnung. Da blickt er hinunter, und Freude bewegt sein Herz.: Da sieht .er einen, den man noch tiefer hinuntergestoßen hat, den Juden Y. Die Erkenntnis, daß es noch - Erniedrigtere gibt, ist die Freude des Erniedrigten. Die Freude der Knechte! Eine armselige Freude und doch den Knechten lieb und teuer, denn es ist ihre einzige. Sie gibt ihnen die Kraft, sonst unerträgliche Erniedrigung zu ertragen. Um . dieser Freude, willen ist X., der vordem kein Feind der Juden war , oder nur dem üblichen .Wirtshaus- und Gesellschaftsantisemitismus frönte, ein hemmungsloser, jede Schändlichkeit und jede Versündigung an Menschlichkeit und Ritterlichkeit gutheißender . Hitler-Antisemit geworden. Freude der Knechte! 1 * . ,' Vor. mehr als hundert Jahren hat es auch ein i.Neües Deutschland" gegeben, das viel Wesens mit der Judenfrage getrieben und Knechtseligkeit vor drei Dutzend Despoten und Despötchen mit dem Kämpfe gegen das „zersetzende Judentum"-verbunden hat, Damals schrieb Ludwig Börne: „Es ist ein Wunder! Tausendmale habe ich es erfahren, und doch bleibt es mir ewig treu. Die einen werfen mir es vor, daß ich ein Jude sei, die andern verzeihen es mir, aber alle denken daran. Sie sind wie gebannt in diesem magischen Judenkreis, es ' kann Das richtige Bruchband für jeden einzelnen Fall nach modernsten Grundsätzen eigens angepaßt; leicht, ohne Druck, ohne Beschwerdeti, auch fUr sch were Fälle empfohlen: unser „HERN 1ASTAT" - Bruchband FACH FIRMA KranHenhellbehelfe auch leihweiset BnndPoen-mTkalaBch Zur Selbstwehr entschlossen! Aus Jerusalem kommen wiederum Nachrichten über arabische Mordanschläge und Angriffe gegen friedliche jüdische Bürger. Nach der Ermordung des Jehuda Leib Schneursohn bei der Klagemauer gab es Terrorakte in den Jerusalemer Vorstädten,. Steinbombardements, durch welche viele Juden schwer verletzt worden. Seit dem Ende des Streites gab es, wie „Times" melden, keine so starke Erregung wie-in den letzten Tagen. Die arabischen Mhrer gehen den Gewaltakten tatenlos zu. Die hebräische Presse richtet im Hinblick auf die gespannte Lage in Jerusalem und in verschiedenen Teüen des Landes eine scharfe Warnung an die Regierung und fordert sie auf, durch ein sofortiges energisches Eingreifen der weiteren Entwicklung der Terrorwelle .' Einhalt zu gebieten. Uebereinstimmend erklären die Zeitungen, es habe ' die zwölfte Stunde geschlagen und es sei höchste Zeit für die Regierung, eine eindeutig scharfe Aktion gegen den arabischen Terror zu unternehmen. Der über 300 Mitglieder zählende Verband ehemaliger jüdischer Offiziere in Palästina veröffentlicht einen Aufruf, in welchem im Hinblick auf die Erneuerung der arabischen Terrorwelle das elementare Recht-der Juden in Palästina, ihr Leben und ihre Ehre, zu .schützen, unterstrichen wird. In dem Aufruf heißt es weiter: „Ebenso wie wir auf den Schlachtfeldern des Weltkrieges unser-Blut vergießen durften, werden wir, ehemalige jüdische Offiziere, unser Leben auch für unser Vaterland und unser '} Volk in Erez Israel zu opfern wissen. Zwischen Jaffa und Tel-Aviv versammelte Sich eine Menge aufgehetzter Araber, die eine drohende Haltung gegen Juden und Engländer einnahm. Eine Müitärabteilung erschien rechtzeitig an Ort und Stelle und trieb die Demonstranten auseinander. Im Zusammenhang mit den Unruhen in T i b e - rias wurde der Vorsitzende des lokalen Arabischen Nationalen Ausschusses, Sidky Tabbari, mit administrativer Verbannung für ein halbes Jahr nach Ramallah und zur Leistung von 200 Pfund als Bürgschaft für gutes Betragen in Zukunft verurteilt. Die in den letzten Tagen in Haifa - verhafteten arabischen Terroristen, unter denen sich angesehene . nationalistische Funktionäre befinden, wurden laut Beschluß der Regierung für ein halbes Jahr aus Palästina verbannt. ÜBff Risse iii der arabischen Front Im Zusammenhang mit den Unruhen in Palästina wird ständig von der geschlossenen Front aller arabischen Staaten gesprochen. Von jüdischer. Seite besehen, ergibt sich tatsächlich ein Bild der Geschlossenheit. Aber hinter dieser, nicht zuletzt unter dem Einfluß der Berliner Propaganda gebildeten antijüdischen Front machen sich Zersetzungserscheinungen bemerkbar. Der arabische Staat Irak ist bereits aus dem arabischen ins türkische Fahrwasser geraten und in Syrien gibt es schwere Konflikte zwischen den islamitischen und christlichen Arabern. Aus Jerusalem wird gemeldet: Ueber Initiative der Türkei werden in jüngster Zeit Verhandlungen über die Schaffung eines B u ndes der orientalischen Länder geführt. Dem Bunde sind bereits die Türkei, Iran (Persien), Afghanistan und der arabische Staat Irak beigetreten. Man wül auch das Königreich Ibn Sauds gewinnen. Die p an arabische Presse Syriens und des Irak sieht in dieser türkischen Initiative eine sehr ernste Gefahr für den panarabischen.Gedanken. Die arabisch-nationalistischen Zeitungen weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die türkische Gefahr nicht nur die.syrischen Gebiete von.Alexandrette und Aleppo, sondern auch alle arabischen Staaten bedroht, und appellieren an die arabischen Länder, dem Orientbunde nicht beizutreten, sondern sich zur Abwehr der'türkischen Eroberungspläne zu vereinigen. „Die türkische Regierung", so schreibt eine syrische Zeitung, „hat vor der arabischen Einheit Angst und beeüt sich infolgedessen, den Orientbund zu schließen. Dieser Bund wird ein schwerer- Schlag für Syrien und für Irak sein.- Wenn ein solcher 'Bund geschaffen wird, bleibt Syrien völlig isoliert und preis- TABORSTR. 22, R-42-5-40 keiner hinaus. Auch weiß ich recht gut, woher der böse Zauber kommt. Die armen Deutschen! Im untersten Geschosse wohnend, gedrückt' von den sieben Stockwerken der höheren Stände, erleichtert es ihr ängstliches Gefühl, von Menschen zu sprechen, die noch tiefer als sie selbst leben, die sogar im Keller wohnen. Kein. Jude zu sein,' tröstet sie dafür, daß sie nicht einmal Hofräte sind ..." * Erniedrigte und Beleidigte, die nicht Kraft haben, nach oben zu drängen, die nur Kraft haben, nach unten zu treten. Wie vor hundert Jahren. Robert Stricker« gegeben, nachdem es soeben erst seine Unabhängigkeit von der Gnade der starken Türkei errungen hat." Die syrische Presse appelliert an die Regierung Iraks, sie möge sich nicht mit der Türkei verbünden und die arabische Einheit nicht verletzen. Die in Damaskus erscheinende Zeitung „Fata-Al-Arab" teilt mit, daß der Beitritt Iraks zum türkisch-iranischen Orientbund auch in den politischen Kreisen Aegyptens einen 'tiefen Eindruck gemacht habe. Das Blatt betont, daß dieses Ereignis nur durch die letzte Revolution in Irak möglich geworden ist, welche die pan« arabische Regierung gestürzt hat. Die frühere Regierung Iraks hätte sich niemals zu einem Bündnis mit der Türkei und Iran bereitgefunden. „Es unterliegt keinem Zweifel", so schreibt das Blatt, „daß dieses Bündnis den Staat von der arabischen Einheit abtrennen wird,* eine Sache, nach der die Feinde des panarabischen Gedankens, die Türkei und Iran, schon seit langem streben." Das mohammedanische Komitee in Beirut über* reichte dem französischen Oberkommissär ein Memorandum, in dem es gegen die Erklärung der c h r i s t- NACH EREZ ISRAEL von Triest und Genua mit den vorzüglichen Dampfern „NA R C 0 PO L0", „E SP E RIA", „G ALI LE A". „G E R U S A L EMME" ZUPESSACH 250loERMÄSWHg Auskünfte: „ADRIATICA" S. A. Generalagentur Wien I, Kärntnerring und alle Reisebüros

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