Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 628 (2.2.1937)
- Date
- 1937-02-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 628 vom 2. Februar 1937 Angola, Hitler und die Juden In Berlin spricht man jetzt viel von dem Plan der deutschen Regierung, sich Kolonialgebiete in der Form der Pacht für D9 Jahre zu beschaffen. Die Meldung über •He bereits vereinbarte Pachtung der portugiesischen Kolonie Angola wird zwar dementiert, doch wird halb zugegeben, daß Verhandlungen über die Sicherung des Bezugs von Rohstoffen aus Angola für Deutschland mit der portugiesischen Regierung geführt werden. Interessant ist. daß Angola einst als Ziel für jüdische Einwandern n g und Schaffung eines autonomen jüdischen Territoriums ins Auge gefaßt wurde. Auf Betreiben der von Israel Zangwill geführten Jewish Territorial Organization (I. T. O.) wurde Anfang 1912 der portugiesischen Regierung eine Denkschrift überreicht, die sich mit dein Plan der Ansiedlung von Juden in Angola und Mas£amedes in Westafrika befaßte. Der Antrag wurde am 6. Februar 19 12 im portugiesischen Parlament behandelt und zunächst günstig aufgenommen. Die I. T. O. entsandte darauf eine Kommission unter Führung des englischen Professors der Geologie, Dr. Gregory, nach Angola. Der Bericht der Kommission erschien 1913 und lautete nicht sehr gut. Trotzdem machte die I. T. O. für dieses Projekt weiter Propaganda, bis es schließlich klar wurde, daß die portugiesische Regierung die Sache hinziehe und ihre anfangs gegebenen Versprechungen nicht aufrechterhalten wolle. Die vor einiger Zeit gegründete neue jüdische Territorialistische Organisation, die ihren Hauptsitz in Paris hat und die in den Fußtapfen Zangwills wandelt, hat neben anderen Siedlungsplänen auch den Angola-Plan in den Bereich ihrer Erwägungen gezogen. Die jüngsten Bestrebungen der Hitler-Regierung, Angola zu erwerben oder sich zumindest seine Rohstoffe zu sichern, werden wohl diesen jüdischen Plänen d e f i n i t i v ein Ende machen. „In Tyktin — Totenstille" Das Warschauer Organ der National-Radikalen, „ABC", stellt triumphierend fest, daß infolge des Boykctterrors ganze jüdische Städtchen zugrunde gehen. „In Tyktin" — schreibt ein Berichterstatter — „einem jüdischen Städtchen, herrscht Totenstille. Die Läden sind geschlossen, kein Käufer zeigt sich. Mitten auf dem Markt steht ein junger Bauer. Ich frage ihn, was er hier zu suchen hat; er antwortet, er wache hier, damit sich keiner in einen jüdischen Laden verirrt. Er hat leichte Arbeit, denn keiner verirrt sich. Die jüdischen Händler haben alle ihre Kunden verloren. Von den 40 jüdischen Läden wurden 16 bereits liquidiert, 20 stehen in Liquidation. An ihrer Stelle sprießen wie nach einem Frühlingsregen rein polnische Läden auf; bis jetzt sind es 14. Auf dem Markt erscheint ein Bauerngefährt mit Kartoffeln. Wie hungrige Vögel stürzen die, Juden aus ihren Wohnungen auf das Gefährt, in der Meinung, sie könnten sich mit Kartoffeln versorgen. Doch das Bäuerlein lacht sie aus: er verkauft nicht an Juden, redet mit ihnen nicht einmal. Die Juden schleichen zurück in ihre Wohnungen, sitzen weiter an' die Fenstersimse gelehnt und schauen hinaus, ob sich nicht etwa eine Gelegenheit bietet, sich mit Brennholz oder Kartoffeln zu versorgen. Aber es bietet sich keine.". Christus — Nichtjude Aus Paris: Der Berliner . Korrespondent des Havas-Büros teilt mit,' daß die nationalsozialistische Verwaltung von Anhalt das Verhältnis des Nationalsozialismus zum Christentum definiert hat. In der Anordnung heißt es im wesentlichen: Die für den Nationalsozialismus begeisterte Jugend hat sich v o m Christentum entfernt. Der Nationalsozialist kann jedoch nicht ohne Religion sein. Daher ist es notwendig, daß der Religionsunterricht die Uebereinstimmung des Nationalsozialismus mit dem Christentum zeige. Das Alte Testament, das der typische Ausdruck des jüdischen Geistes ist, wird nur nach ausgewählten Auszügen gelehrt werden. Im Zentrum des Neuen Testaments wird Jesus „Der H e 1 d o h n e Furcht" sein, der unerschütterlich gegen den jüdischen Geist kämpft. Christus ist vom rassischen Standpunkt aus als Nichtjude zu werten. ****4Z. Der Mord an Natvaschin Aus Paris (J. T. A.): Die französische Öffentlichkeit beschäftigt sich immer noch mit dem geheimnisvollen Mord an dem hervorragenden Volkswirtschaftler Dimitrij Nawaschin, der als Russe geboren wurde und später die französische Staatsbürgerschaft angenommen hat. Manche Kreise bringen den Mord mit dem neuen Trotzkisten-Prozeß in Moskau in Zusammenhang, andere wieder behaupten, die deutsche Geheimpolizei habe ihre Hand im Spiele. Nawaschin, dessen Mutter Jüdin war, sei ihr im Wege gewesen, weil er den Geheimnissen der Hitler-Propaganda im Ausland nachgegangen sei vind ihr namentlich in Rumänien, Polen und der. baltischen Staaten entgegengearbeitet habe. „Populaire" betont, Nawaschin konnte nur von der deutschen Geheimpolizei beseitigt werden, er habe an der Spitze des Ausschusses zur „Verteidigving der Rechte derlsrae- 1 i t e n in Mitte)- und Osteuropa" gestanden und habe auch einen großen Kongreß zur Reorganisation der in der Tschechoslowakei, Bulgarien, Jugoslawien und Frankreich lebenden russischen Jugend zwecks gemeinsamen Kampfes gegen die Extreme von links und rechts vorbereitet. Frau Bundespräsident Miklas beim Konzert eines jungen jüdischen Dirigenten Anläßlich des ersten Konzerts des jungen Dirigenten Siegmund Löwenherz, des Sohnes des Amtsdirektors der Wiener Kultusgemeindc, Dr. Josef Löwenherz, fand sich auch die Gattin des Bundespräsidenten Miklas ein, die den jungen Dirigenten, unter dessen Leitung der Wiener Orchesterverein Stücke von Bach, Mozart und eine Uraufführung eines jüdischen Komponisten Hugo Kauder brachte, zu seinem großen Erfolge beglückwünschte. Sind SiV Feinschmecker? Dann müssen Sie die mit Recht so beliebten delikaten „S c h m i d 1 - M a z z o t h" versuchen. Dieses österreichische Qualitätserzeugnis ist mit anderen Mazzoth n i c h,t zu vergleichen, weil diese sie in Hygiene, Bekömmlichkeit und erlesenem Geschmack nicht erreich e n. Der ausgezeichnete Ruf, den die „Schmidl-Mazzoth" seit Jahrzehnten genießen, hat sich in den letzten Jahren zu einer Popularität und Beliebtheit gesteigert, die nicht nur alle Bezirke Wiens, sondern auch viele Proviiifcorte umfaßt. Es ist dies das Verdienst des neuen Inhabers der „Schmidl-Mazzoth"-Fabrik, Herrn Nathan Brodetzkys, den Wiener jüdischen Hausfrauen seit Jahrzehnten als der liebenswürdige und tüchtige Chef der großen Lebensmittelhandlung, II., Leopoldsgasse 43, bekannt. Elegante neue Badeanlagen, eine durchgehende Reinigung und Adaptierung der Fabriksräume bieten Gewähr für unbedingte Reinlichkeit und einwandfreies Kaschruth. Die religiösen Vorschriften werden unter Aufsicht des Herrn. Oberrabbiners Babad strenge eingehalten.. Die Wiener Juden werden heuer mit den beliebten „Schmidl-Mazzoth",, insbesondere mit der bekannten Spezialmarke „N. B."- Mazzoth, -Grieß und -FarVe 1,, besonders zufrieden sein. " G. W. W&^£l^laaciiae^M '^^u^mJp^ Weißwaren-Reste: 5ä>äfch>3Be6en 74—80 cm, Stefte bis 6 m S —.79, —.65 . . . .......S —59 gttröige 2M}d)e s Dpale 110 cm, S —.98, «Batiftc 80 cm..........S—.79 gatBiges Sctt3cug 80 breit (SReftrocuen 4—10 m).......... . . S —.7« i£Bäid)cs5Be6en fiefannte 3ttarfenroarc, 80 cm (2—8 m)............S—.98 Settüdjers9Uiie 2—0 m, 140 cm S 1.29, 120 cm S —.98 £ojengrabeteKe|te 80 Breit (2—8m) . . . S—.98 Wasch St off-Reste (bis 5 Meter) per Meter: Ätetort, ftlanell, Steile, Otntermäße . . . . S—.50 WoMtutomc, «Ölaubrucf, Dsforb, Grcuc . S—.59 SBeloursflanett gemuft., für Äleiber u. SBäfäje, BoimtU Blau, 3nbantfjren s sfjautungs SHips gttron...........S—.69 2Bafrf>famt glatifnröig, 2>hnt>U3e\>f)it, Vßc* Bitfts^ttJcbette, ipniamcu^oneline . . . S— .95 Vorhang-Abteilung: Tupfbatiste v/eiß und färbig . . per Meter ab S — .36 Indanthren-Vorhangstoffe gestreift, 75 cm . . S —.65 Vorhang-Batist 112 cm breit . . .per Meter S —.95 Phantasie-Voile 150 cm S.145, 110 cm . . . 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(£repcsSatins2:a»t3fteiber (ftnnftfeibe) . . . >4Bmtet*!Jnäntel<|siit gJelj, Stfjalfr., gern,} gef. a3oucl^(Sape*9WänteI mit 2 sJteil)en echter ^el^üerbrämuno, flan3 ilttongol gefüttert . -.50 -.98 1- 1.51) 1.50 1.75 1.98 2.50 2.90 2.90 —.01) —.29 —.21) —.59 ~M -7.05 —.05 —.25 —.02 —.25 —.59 —.98 2.50 (».DO S S 8.— S 8.90 S 9.80 S 12.— S14.— S 14.— S19.— S29.— S 49." Eigentümer Verleger. Herausgeber und yerwtwo*tlicaer, Redakteur; Oberbaurat Robert Stricker. Druck: Druckerei-, und yerlags-Aj-G, Ignas Steiniaann, beide Wien, ' Ujiiyerflittttsstr&ßo 6—8, .