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Die neue Welt · 1937-01-26 · Heft 626 (26.1.1937) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 626 (26.1.1937)
Date
1937-01-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite. 4 ME NEÜE WELT Nr. 626 vom 26. Jänner 1937 AUS ALLER WELT Amerika und England zur Rassenpoiitik Aus Washington (J. T. A.): In der Antrittsrede, die Präsident Franklin D. Roosevelt bei der Wiedervereidigung zu seiner zweiten Amtsperiode als Präsident der Vereinigten Staaten gehalten hat, unterstrich er durch einen besonderen Passus die Gleichberechtigung und Gleichbewertung aller Bürger und Bürgergruppen Amerikas. „Wir sind entschlossen", sagte der Präsident, „jeden amerikanischen Bürger zum Gegenstand des Interesses und der Sorge dieses Landes zu machen. Wir werden niemals irgend eine treue, den Gesetzen ergebene Gruppe innerhalb unserer Grenzen als überflüssig ansehen." In jüdischen Kreisen wird diese Erklärung des Präsidenten als eine Kritik an der Judenpolitik des Dritten Reiches sowie an der in Polen in letzter Zeit den Juden gegenüber verfolgten Politik einer Zwangs aus Wanderung gedeutet, gleichzeitig als eine deutliche Absage an alle judenfeindlichen Bestrebungen in den Vereinigten Staaten. Aus London: Die letzte große Rede, die der englische Außenminister Anthony Eden im Unterhaus gehalten hat, schloß mit folgendem gegen die deutsche Rassenpolitik gerichtetem Passus: „Eine große Nation von 65 Millionen hat die Rasse und den Nationalismus zu ihrem Glaubensbekenntnis erhoben, das sie mit der gleichen Inbrunst praktiziert, wie sie es verkündet. Die Welt frägt sich gegenwärtig, wohin diese Lehren Deutschland und uns alle führen müssen. Europa sucht heute ernstlich die Antwort auf diese Frage, denn Europa kann nicht weiterhin in die Zukunft mit immer mehr Ungewißheit gleiten. Es kann auch nicht zwischen überspitzten nationalen Rivalitäten und Ideologien leben, ohne durch Generationen hindurch Wunden davonzutragen, ohne zerrissen zu werden," Weiße Raben Aus Warschau: Das Oberhaupt der evangelischen Kirche in Polen, Pastor Bursze, hat sich in einem Interview über die Ursachen der Spannung zwischen Juden und Christen in Polen und über die Stellung der evangelischen Kirche zur Judenfrage geäußert. Pastor Bursze erklärte, die Judenfrage verlange dringend nach Lösung. Diese Lösung könne aber nur allmählich, erfolgen. Die Berufszweige, in denen die Juden in Polen hauptsächlich vertreten sind, seien einem dauernden Schrumpfungsprozeß unterworfen. Die Konkurrenz zwischen Juden und Christen im Handel berge Gefahren sowohl für die Juden als auch für die Christen. Die Hauptursachen der Spannung zwischen Juden und Christen in Polen erblickt Pastor Bursze darin, daß man sich von christlicher Seite niemals bemüht habe, der jüdischen Sphäre nahe zu kommen. Das erkläre die starken Vorurteile, die gegen die Juden bestehen. Wenn auch ein Teil der religiösen Jugend antisemitisch eingestellt sei, so rühre das von der nationalistischen Strömung her. Diese Jugend sei bereit, den Kampf gegen die Juden auch unter Anwendung von Ge- waltmitteln zu führen. Das Christentum aber sei entschieden gegen die Anwendung von Gewalt. Aus Krakau: Der Krakauer Schulkurator Galecki veröffentlicht im Amtsblatt des Krakauer Schulkuratoriums einen Artikel über die fortschreitende Demoralisierung unter der Schuljugend. In der Krakauer Wojwodschaft, die Stadt Krakau nicht eingerechnet, wurden 90 Fälle von Aborten christlicher Schülerinnen im Alter von 14 bis 18 Jahren, sowie 200 Feststellungen von venerischen Erkrankungen unter Schülern und Schülerinnen, schließlich viele Hunderte Fälle von Diebstahl notiert. Man muß sich klar sein, daß kaum der zehnte Teil aller solcher Fälle zur Kenntnis der Schulbehö>de gelangt. Die Hauptschuld, stellt Galecki fest, ist darin zu suchen, daß die Eltern ihren Kin- KINO-PROGRAMME # KREUZ-KINO Die Kortnoff- I, Wolkeile 17 JUUf Alfelt Telephon K - 24-2-16 «•«W^IWI Vorstellungen: u,v«6,m,y«io mit MyrnaLoy, SpencerTroey STAFA, VII Marl ahiif erstraße 120 Telephon B-33-0-68 Wochentag»; i, 1, 9 Uht VOTIVPARK IX, Wäbringerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn: k, Vht, VaS, V%10 Der lustige Desperado Nino Mariini, Ida Lupino SCHAFFER Vi, Mariahiiferstraße 37 &fHI Ff flll€I§€0 Telephon B-20-203 Clqrk Gab|e Regina: Vik, Vtt, Va9, 1Aio Jeanette McDonald dem Rassenhaß und Brutalität predigen und ihnen auf diese Weise jeden sittlichen Halt nehmen. Es ist falsch anzunehmen, schließt Galecki, daß man den Glauben im Kinde stärkt, wenn man es lehrt, Anhänger des anderen Glaubens zu verfolgen. Der zweite „Erlösungsmarsch" gescheitert Aus Warschau: Vor wenigen Monaten hatte der jüdische Advokat Wilhelm R y p p e l junge Leute um sich gesammelt, die um jeden Preis einen „Erlösungsmarsch" von Polen nach Palästiha antreten wollten, um durch ihr Unternehmen die Aufmerksamkeit der Welt auf die tragische Lage der jüdischen Massen zu lenken. Dieser Marsch ist damals 40 Kilometer hinter Warschau von der Polizei aufgehalten worden. Die einheitlich gekleideten Abteilungen Ryppels wurden aufgelöst, er selbst mit einigen seiner Unterführer In Haft genommen, nach einigen Tagen jedoch wieder entlassen. Gleich nach seiner Entlassung hat Advokat Ryppel begonnen, einen zweiten „Erlösungsmarsch' zu organisieren. Er fand wieder viele jugendliche, die bereit waren, mit ihm zu gehen. Dieses Mal wurden die Vorbereitungen für den Marsch geheim durchgeführt. Auch der Abmarschtag wurde nicht bekanntgegeben. Vor wenigen Tagen ist Advokat Ryppel mit seinen Leuten von Warschau aus losmarschiert. Er kam aber nur bis zur Stadt P i I e w in der Lubliner Wojwodschaft. Hier stellte sich seinen Abteilungen Polizei entgegen und löste den ganzen Zug. auf. Die Anhänger Ryppels kehrten nach Warschau zurück. Zionistische Sammlungen in Rumänien nodi immer verboten Aus Bukarest: Entgegen allen Erwartungen ist das seit einer Reihe von Wochen bestehende Verbot der Sammlungen für die zionistischen Fonds Keren Hajessod und Keren Kajemeth noch nicht aufgehoben worden. Es heißt, daß bis jetzt von den Behörden gesammelte Gelder in der Höhe von rund einer Million Lei mit Beschlag belegt wurden. Die Versprechungen des Innenministers D i m i trix Iu c a, daß die zionistische Arbeit in Rumänien keinerlei beschränkenden Maßnahmen unterworfen sein werde, ist bis jetzt ohne Wirkung geblieben. , \ . Die rumänischen Behörden erklären, daß die seinerzeit von der. Regierung erteilte Erlaubnis zur. Sammlung für den Jüdischen NationalfQhds und den Keren Hajessod sowie für andere zionistische Fonds, bereit» vor zwei Jahren seitens des rumänischen. Kabinetts zurückgezogen und seither nicht erneuert wurde. Die zionistischen Funktionäre ihrerseits erklären, daß sie offiziell von einer solchen Zurückziehung nicht benachrichtigt würden. Erst in neuerer Zeit sei ein Abkommen zwischen der rumänischen Natiohalbank - und den , zionistischen Fonds getroffen worden, wonach zwei Prozent des Gesamtwertes des rumänischen Exports. nach Palästina in Form von Barbeträgen für die zionistischen Fonds transferiert werden.sollen. . Obwohl die behördlichen Aktionen' sich nur gegen die zionistischen Fonds richten, zögern auch nichtzionistische Organisationen ' mit. der Durchführung der üblichen Sammlungen;- äüs'Fürcnt, daß' die gesammelten Gelder beschlagnahmt werden könnten; Bas neue Kultusgemeindegesetz der Tschechoslowakei Aus Prag: Am Donnerstag, den 21. November, nachmittags, hat das tschechoslowakische Parlament den Gesetzesantrag zur Ergänzung der Organisationsbestimmungen für die jüdischen Kultusgemeihden in den historischen Ländern angenommen. . Das Gesetz soll ' dazu beitragen, die. Judenschaft der historischen Länder (Böhmen und Mähren-Schlesien) zu einer höheren und festeren E i n h e i t zu gestalten, als dies bisher der Fall war. Das Gesetz , wurde bereits vor einigen Monaten vom Senat angenommen. Sinn des neuen Gesetzes ist es, die bisherige. höhere Organisationsform der Gemeinden, die Ku 11 u s g e m e i n d e v e r b ä n d e und den Obersten Rat,, welche freiwillig entstanden sind, nunmehr obligatorisch zu machen und ihnen Vollmachten zu verleihen. Dem Gesetz sind zwei Resolutionen angeschlossen, die vom Verfassungsausschuß und vom Kulturausschuß des Abgeordnetenhauses angenommen wurden. Die erste Resolution fordert die Regierung auf, dahin zu wirken, daß es bald zu einer Vereinigung aller jüdischen Kultusgemeinden Groß- Prags kommen möge. In der zweiten Resolution wird die Regierung aufgefordert, zu veranlassen, daß in allen Kultuflgemelnden aowie in ihren höheren organisatorischen Einheiten ein demokratisches Wahlrecht eingeführt werde. Regelung der FlüchtlJng&Irage in Belgien Aus Brüsael (J. T. A.): Nach Frankreich hat jetzt auch Belgien Ausführungfsbestimmungen au dem (genfer »interataatUchen Abkibnünen vom 4. Juli 3936, betreffend die DeutBcWand-Flüclitlinge, erlassen. Laut königlichem Erlaß vom 5. Dezember 1936, mitgeteilt im „Moniteur" vom J&nner 1937, ist ein amtlicher Ausweis (Cerüflcat d'Identitfi) für die Flüchtlinge aus Deutschland eingeführt worden. Als Flüchtlinge gelten alle Personen: 1. die in Deutschland ansässig waren; 2. die keine andere Staatsangehörigkeit als die deutsche besitzen; 3. bei denen festgestellt ist, daß sie rechtlich oder tatsächlich nicht mehr unter dem Schutze des Deutschen Reiches stehen. Der Ausweis berechtigt den Inhaber, sich in Belgien aufzuhalten; eine Ausweisung könne nur aus Gründen der nationalen Sicherheit und öffentlichen Ordnung erfolgen. Der Auswels dient als Paß für Auslandsreisen. Premiere in den lüdssdien tfünstlerspiefen II., Pratcrstraße 34, Tel. R-45-4-94 Für Freitag, den 29. Jänner, hat die Direktion der „Judischen Künstlerspiele" ein höchst interessantes Bühnenstück angesetzt, und /.war die Komödie mit Musik „Kol Nid reim Golus", von A. Meiacls, dessen nationale Revuen ausnahmslos durchschlagenden Erfolg hatten. Das an Bildern und Liedern reiche Stück, das /um Teil im Golus, zum Teil in Erez Israel spielt, wird zweifellos beim jüdischen Theaterpublikum lebhaftes Interesse finden. Deutsches Volkstheater. Ein hohes Lied auf das Mutterschaftsgefühl ist das neue Stück einer Amerikanerin, Mary Antony, ins Deutsche übersetzt von Heinrich B. Kranz. Charaktere aus den verschiedenen sozialen Schichten werden in dem Schauspiel „Das Leben beginnt" auf die Bühne gebracht. Sie liegen in einem Frauenhospital und warten auf ihre schwere Stunde: die rothaarige Chansonette mit Zynismus, eine Frau, die gemordet hat und vom Gefängnis herübergeschafft wurde, mit Angst und Freude, die mondäne Frau zittert um ihre schlanke Figur, alle aber werden nach der Geburt des Kindes zärtliche und gefühlvolle Mütter. Für alle beginnt ein neues Leben mit neuem Inhalt. Die kleine Gefangene nur bezahlt ihre Mutterschaft mit dem Leben — sie läßt aber dem geliebten Mann ihr Kind als Ersatz zurück. Gespielt wird durchwegs ausgezeichnet. Gusti Huber als schwergeprüfte Frau, die sich ihrem Manne tapfer zeigen will, hat wieder einen ihrer großen Abende. Margrit Weiler, Elisabeth Markus, Frieda Richard, Hans Frank und Kurt Lessen sind ein vorbildliches Ensemble. e. kr. JSÜSenttimer. Verleger. Herausgebet und letfiateOtUlCher Redakteur: .Oberbaurat Robert Stricker. — Druck; Druckerei- und Verlags-AS«G, ignaa Steinmann, beide Wien, u DX, UjüWMttJttMtrafle w

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