Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 618 (24.12.1936)
- Date
- 1936-12-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 618 vom 24. Dezember 193C DIE NEUE WELT Seite 3 tootkeksftiegd Schöner Optimismus „Die Vermutung ist nicht von der Hand zu weisen, daß uns Juden diese Kommission neben manch Enttäuschendem, das sicher nicht ausbleiben wird, denn doch auch positive Ergebnisse bringen wird — in stärkerem Maße als frühere Kommissionen. Daß nicht nur Skepsis am Platze ist, wird hier gerade der Skeptiker zugeben müssen — er, der da glaubt, daß sich in Art, Form und Gehalt der Sitzungen, die jetzt in Jerusalem stattfinden, die Beschlüsse spiegeln, die in London längst getroffen sind." Dr. A. Kupferberg (Tel-Aviv), 1936. Der Geist der jüdischen Familie ,J)as Judentum ist nur im gleichen Sinne partikularistisch wie alle Religionen} das heißt, es hat sein besonderes Dogma und seine besondere Eigenart. Dieser legitime jüdische Partikularismus ist die Voraussetzung der Erhaltung des Judentums. Der jüdische Partikularismus ist der Geist der Familie, aber der Zuammenschluß in der Familie bedeutet nicht die Absonderung von der Außenwelt. In dem Geist seiner Religion finden sich Israel und die Menschheit vereint." Aime" Palliere (Paria). Nazistische Geschichtsfälschung „Die Entwicklung des semitischen Puniertums geht, in Verbindung' mit dem Judentum, auf einen ganz bewußten Verzicht eigener Staatenbildung, auf Ausbreitung der einzelnen und Zerstreuung unter die bestehenden Staatengebilde, in der Absicht und mit der Wirkung, diese dadurch allmählich aufzulockern oder gar aufzulösen... Dem ersten Rassenkampf der Weltgeschichte, der in dem Erliegen der Sumerer geendet hatte, war der zweite gefolgt, bei dem die Römer die Punier vor die Klinge gezwungen und sie dadurch niedergerungen hatten." F. F. Zimmermann in „Odal" (Zeitschrift des mitteldeutschen Reichsnährstandes), 1936. ludenfrage — Weltproblem ,iDie Judenfrage bildet vielleicht die dringlichste Ursache für Polens Forderungen nach Kolonien. Die Schichtung der Juden in Polen ist in wirtschaftlicher Hinsicht fehlerhaft. Es besteht einerseits eine Hypertrophie der Intelligenz, daher eine Verarmung in den freien Benifen, andererseits betätigt sich ein überwiegender Teil dieser Juden im Handel, vor allem im Kleinen und Kleinsten, so daß gerade auf diesem Gebiet die Not roächst. Die polnische Regierung will nun geregelte Auswanderungs- und Ansiedlungsmöglichkeiten auch außerhalb Palästinas schaffen und wendet sich an Europa, da sie die polnisclie Judenfrage zu einem Weltproblem gestalten will." „Prager Tagblatt", 20. Dezember 1936. Sonderbare Assimilationstheerie „Seit das Griechentum in Afrasien aufging und Rom in der Barbarei versank, begann die Wissenschaft wieder, als Cartesius die Vernunft in ihre Rechte einsetzte. Was die'Wissenschaft seit dieser'Zeit erreicht hat, erreichte sie auf diesen Spuren; was sie bereinigt hat, bekam sie durch dieses Sieb. Dieser Wissenschaft, wann und wo sie Oberhand gewinnt, vermählt sich im Leben immer Menschlichkeit — und die Juden, die nur als Menschen bestehen können, haben weder menschlichen noch wissenschaftlichen Grund, von Geschlecht zu Geschlecht nicht bei ihr auszuharren und ihr Flämmchen nicht zu nähren, bis es wieder hell emporlodert. Die Pflicht, keine Materialisten zu sein, empfinden nur Juden, bei denen sich der Haß von außen in Neurose von innen umsetzt, wie wenn man aus Furcht, hinunter zufallen, sich vom vierten Stock wirft. Der alte Judengott scheint es in der Tat auf seine Kinder abgesehen zu haben, und wen er von ihnen verderben will, den macht er zum Intellektuellen" Hugo Ignotus, „Pester Lloyd", 6. Dezember 1936. »DIE NEUE WELT« erscheint in der nächsten Woche, wegen der gesetzlichen Feiertage, nur einmal, und zwar Donnerstag, den 31. Dezember. Juden werden ausgepeitscht Weil sie den Sabbath halten wollen Die Pariser J. T. A. meldet schier unglaubliche Vorfälle aus der italienischen Provinz Tripolis: In Tripolis wurden am 16. Dezember auf einem großen Platz der Stadt drei jüdische Führer vor einer riesigen Menge öffentlich ausgepeitscht, bis sie das Bewußtsein verloren. Zwei andere jüdische Führer, die gleichfalls zur Auspeitschung verurteilt waren, entgingen dieser Exekution nur dadurch, daß der Arzt erklärte, ihr Gesundheitszustand lasse eine solche körperliche Tortur nicht zu. 240jüdischeKaufleute sind verhaftet worden. Der deutsch-jüdische Emigrant Dr. Pinn er, fler Zeuge der Auspeitschung war, protestierte gegen diese, woraufhin er verhaftet wurde. Er soll deportiert werden. Die Vorfälle, die unter der jüdischen Bevölkerung von Tripolis ungeheure Erregung und Verzweiflung ausgelöst haben, haben folgende Vorgeschichte: Der italienische Provinzkommissär Vellani hat eine Verordnung erlassen, wonach die Juden gezwungen werden sollten, am Samstag ihre Läden offenzuhalten. Zum Protest gegen diese Verordnung hat das Rabbinat von Tripolis einen Fasttag proklamiert. Nach dem Fasttag hielten die Juden ihre Geschäfte am Samstag zwar wieder geöffnet, doch weigerten sie sich demonstrativ, die Kunden zu bedienen. Deshalb wurden sie verhaftef SINCLAIR LEWIS' weltberühmter Roman' als Film ii Ii DODSWORTH (Die Krise einer Ehe) Ur. und Alleinaufführung: ROTENTURM-KI NO I, Fleischmarkt 1 R-29.1.59 Wie die J. T. A. erfährt, hat der Oberrabbiner von Rom, David P r a t o, sich eilends nach Tripolis begeben. Sie haben ihn laufen lassen Fauzi Kaukadyi will die Engländer hinauswerfen Die Seele des palästinensischen Aufstandes war kein Palästinenser, sondern ein Mann unbestimmter Herkunft, der Aufstände gewerbsmäßig betreibt, heute da und morgen dort: Fauzi Kaukadyi, der erst in Syrien, dann im Libanon und schließlich in Palästina Revolten anstiftete, organisierte und führte. In Erkenntnis der Gefährlichkeit dieses Mannes setzten die Engländer einen großen Preis auf seinen Kopf und als sie ihn hatten — ließen sie ihn laufen. Er ging über die Grenze nach dem Irak und treibt sein Geschäft weiter. * Der Londoner „Daily Telegraph" berichtet aus Bagdad, daß der von den Palästina-Unruhen her be¬ Palästina-Regierung gehandelt, als sie den Fauzi großmütig laufen ließ. Wenn ihn die Engländer wieder fangen sollten, wird es viel Blut — englisches, jüdisches und arabisches — kosten, das man hätte ersparen können. Wieder Terror in Palästina? — Mittel aus Europa Aus London: Londoner Pressemeldungen zufolge bereiten die arabischen Führer in Palästina eine neue Terrorkampagne vor, die gleich nach der Abreise der Kgl. Kommission oder anläßlich des Nebi-Musa-Festes, zu Ostern, einsetzen soll. Der Rebellenführer Fauzi Bey, jetzt als Flüchtling im Irak, leitet den Waffen- E WEOlH U B BE Hinter dem Deutschen Volkstheater c c i je i ■s-w^i-i^i-r*. Konzert / Tanz / Stimmungsmusik re^riagf9-laÄ SY GEIGER Beginn8Uhrabd.. BOrgerlUheP,eh« kannte Bandenführer Fauzi Bey el Kaukadyi, der nach dem Irak entkommen ist, seine Zeit damit verbringe, flammende Reden im Irak zu halten und bewaffnete Abteilungen aufzustellen, die ,,die Engländer in das Meer treiben" sollen. Der Korrespondent des „Daüy Telegraph" bemerkt, wenn auch diese „Bannstrahlen" nicht ernstzunehmen seien, so seien sie nichtsdestoweniger -ein sehr ernster Faktor in der politischen Situation des Irak Die Demonstrationen von Fauzi Bey würden von vielen irakischen Notabein unterstützt. Fauzi Bey beschreibt in öffentlichen Versammlungen in Bagdad seine „Schlachten" in Palästina und nimmt für sich in Anspruch, daß er Hunderte britischer Soldaten in die Flucht geschlagen habe. Diese Versammlungen geben dem Publikum in Bagdad die geistige Nahrung, die es wünscht, nämlich Geschichten von Siegen über den großen imperialistischen „Feind". Alle Iraker glauben, daß Kaukadyi im Sommer die britische Armee geschlagen hat. Er selbst verkündet: „Was ich getan habe, ist nur ein erster Anfang, um zu zeigen, was Araber leisten können. Ich fordere jetzt eine Armee, um die Eng llie sanfte Klinge Die den sprödesten Bart wie im drübergleiten wegwischt, ist nur länder aus den arabischen Landen hinauszuwerfen." Der Korrespondent berichtet, daß in den Moscheen auch eine intensive Propaganda für Vertreibung der Juden aus Palästina betrieben wird. * Im Unterhaus fragte Josiah Wedgwood den Außenminister Eden, ob er von dem englischen Gesandten im Irak einen Bericht über die Entsendung einer Bande von etwa 500 irakischen Arabern unter dem Kommando Fauzi Beys nach Transjordanien zwecks Vorgehens gegen die englischen Truppen in Palästina anfordern wolle. Der Außenminister erwiderte, daß die entsprechenden Untersuchungen durchgeführt werden. * Es ist nicht der erste Fall, daß man in Palästina den unrichtigen Mann hat laufen lassen. Im Jahre 1921 stiftete in Palästina ein junger Mann aus der Familie der Husseini blutige Unruhen. Er wurde erwischt und zu schwerer Kerkerstrafe verurteilt. Aber der damalige Oberkommissär, Sir Herbert Samuel, holte ihn nach einigen Wochen aus dem Gefängnis und machte ihn zum gutbezahlten geistlichen Oberhaupt des arabischen Palästina, zum Graß-Mufti. Sir Herbert wollte keine „Märtyrer" machen und den Feind durch Großmut bezwingen. Seither sind alle Aufstände in Palästina von diesem aus dem Kerker geholten Mufti angezettelt worden. Genau so klug wie damals Sir Herbert hat jetzt die Schmuggel. In ganz Trans Jordanien finden Aushebungen von „Rekruten" statt. Durch die Unruhen soll die Beseitigung der Mandatsherrschaft nicht nur in Palästina, sondern auch in Transjordanien herbeigeführt werden. Die Rekruten erhalten regelmäßigen Sold und Waffen. Der Oberste Arabische Ausschuß soll bereits einen Kriegsschatz von 138.000 Pfund besitzen. Täglich treffen neue Mittel, teils aus Europa, teils „Steuern" ein, die zu zahlen arabische Geschäftsleute gezwungen werden. So müssen die arabischen Orangen-Exporteure von jeder ausgeführten Kiste eine Abgabe leisten. Die Enthüllungen stammen aus Jerusalemer Kreisen, die gewöhnlich gut informiert sind. % Millionen Dunam Staatsboden — verschwunden Aus Jerusalem: Herr Bernard Joseph, Experte der Zionistischen Exekutive in Bodenfragen, begann seine Aussagen vor der Kgl. Kommission mit dem Hinweis darauf, daß die Regierung nicht die notwendigen Schritte ergriffen habe, um ihren Bestand an Staatsländereien zu erhalten. Er führte Ziffern aus Regierungsberichten an, aus denen ersichtlich ist, daß außer der Million Dunam Staatsboden weitere 2 b i s 3 M i 11 i o n e n D u n a m O e.d 1 a n d vorhanden waren, die scheinbar einfach verschwunden sind. Der Zeuge lenkte die Aufmerksamkeit der Kommission auf das noch heute bestehende türkische Bodengesetz, wonach ein Fellache, der behauptet, zehn Jahre lang ein der Regierung gehörendes Grundstück bearbeitet zu haben, Anspruch auf Eigentümerrechte erheben kann. Die Kommissionsmitglieder waren sichtlich erstaunt, zu erfahren, daß der Fellache nur ein vom Dorfältesten und zwei Notabein unterzeichnetes Schriftstück vorzuweisen braucht, um die Wahrheit seiner Behauptung rechtskräftig zu beweisen und das Eigentumsrecht auf das Grundstück zu erwerben. Herr Joseph erklärte, daß diese Praxis auch heute noch üblich sei, und sprach die Vermutung aus, daß die auffallende Verringerung der Staatsländereien, die sich in den von Inu* ausländische Hausbesitzer verwalten ihre I WIENER HÄUSER durch behördlich konz. Realitätenkanzlei | Dr* MA1R PAIS Wien I, Franz Josefs «Kai 1, Tel. R-2T-5-30 Erstklassige Referenzen H