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Die neue Welt · 1936-12-18 · Heft 617 (18.12.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 617 (18.12.1936)
Date
1936-12-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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187 Preis 20 dreschen Freitag, den 18« Dciembcr l#I6 *itl DIE NEUE Nr« 617 V, b* b* vom Verleger versendet ' **vM*& PM ^teur" R EVU E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bnmänien monatlich 1*1 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährt* Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa SO.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—,; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redakiion u, Verwaltung: JX, Universitätsstr.8, Tel, A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u, Freitag Das Hakenkreuz droht Nach dem Prozeß Frankfurter Billig« und fl D R I C" Eahvft » d<n Walhnochti bequemt ||U R P I w •rullll Itlerlagan nach POLEN czernowitz wT vlilil« UND BERLIN Abfahrt: 22. Dezember 1936 Anmeldungen: poBn. Reisebüro „ORBIS1' I. Kärntnerstrane 41, R-sj-5-78 Oesterreichisches Verkehrsbüro I. Friedrichstrane 7, D-27-soo, i. (traben 20, U.s«.o-3S Aus der Rede Dr* Curtis Auf den Verteidiger David Frankfurters, Ör. C u r t i, konzentriert sich jetzt ' der Haß Hitler- Deutschlands. Der alte, würdige-christliche Schweizer Anwalt, der hohe Stellen im öffentlichen Leben, seines Landes bekleidet, wird in nicht wiederzugebender Weise in der deutschen Presse beschimpft. Warum? Weil er die an den Juden verübten Greuel im Gerichtssaal besprach. \ 12.000 deutsche Juden, rief Dr. Curti, haben im Weltkrieg ihr Leben gelassen, ihre Namen sind alle in einem Gedenkbuch aufgeführt. Im „Stürmer" vom Oktober 1935 werden Versevon deutschen Kind e r n wiedergegeben, ,wie„-z. B.: „Der Jude ist' dem Teufel gleich — drum braucht ihn nicht. das. Dritte-Reich." „Der Jude läßt'sein Maul nicht ruhn, drum muß man ihn nach Dachau tun." Dr. Curti/legte ■ dem Gericht ein ,Pho t o g r ap,h iealbum vor: Wiedergabe von Schriftstücken, aus denen ungehemmter Judenhaß spricht.''Bilder zeigen f j ü d i- » e c beri-in ä s c h I n e rb; gebniucht'mit 0 s \ w 'g!.n Frifs Igel, III, RadeUkystraße 7 . ' , , Telephon: U-19-4-95 sehe Gräber mit Hakenkreuzen und „Juda verrecke!" . beschmiert. Aus einem jüdischen Waisenhaus an der Lahn sind 50 jüdische Kinder polizeilich abgeführt worden; auch das wird im Bild gezeigt. Dr. Curti zitiert mehrere Stellen aus dem Buch von Rabbiner Max Abraham „Juda verrecke. Ein Rabbiner im Konzentrationslager", welches eine grauenerregende Schilderung' der Mißhandlung von jüdischen Kindern' im Konzentrationslager enthält. Hierauf zitiert Dr. Curti Aussagen von deutschen Juden, die in Konzentrationslagern waren. Sie werden mit Namen genahnt,' es sind meist Aerzte, auch ein früherer Ministerialrat -ist darunter. Ihre Erlebnisse sind eine ununterbrochene Kette sadistischer Prügeleien, Beschimpfungen und Demütigungen; eine schier unerträgliche Flut von scheußlichen Schandtaten. Zweimal bittet der Präsident um Abkürzung, worauf der Verteidiger erklärt, was er vorführe, seinur ein w i n z i g. kleiner Ausschnitt . aus x der großen Hölle der Gegenwart. Der Verteidiger zeigt ein „Bilderbuch für groß und klein" voii Elvira Bauer aus dem „Stürmer"-Verlag, mit auter Fratzen von Juden und judenhetzerischen Versen, mit Pornographien geschmückt. Der Antisemitismus, fuhr Dr. Curti fort, tendiert dahin, die 600.000 jüdischen Deutschen — jetzt sind es nicht einmal mehr 500.000 — mit Stumpf und Stiel auszurotten und, solange dies nicht möglich ist, zu zertreten. Man erklärt in amtlichen Schriften: „Die Juden sind wie die Syphilis", man fabriziert eine Lager-Ordnung, die nicht einmal mit dem „Hexenhammer" verglichen werden kann, und die wird mit der berühmten deutschen Gründlichkeit an den jüdischen Lagerinsassen exekutiert. Spricht man mit einem Deutschen darüber bei uns, dann sagt er: „Das ist nicht möglich, jedenfalls weiß der Führer nichts davon." Sollte das der Fall sein, dann hat hoffentlich dieser Prozeß dazu beigetragen, daß er es erfährt. Der „Führer" hat eine Machtfülle, über die weder Dschingis-Chan noch Napoleon verfügte oder verfügen wollte. „Wenn man sich der hehren Worte der Evangelien erinnert, wo von Menschenliebe die Rede ist, dann greift man sich an den Kopf, daß heute solche Dinge möglich sind ..." Wenn auch der Reflex der Oeffentlichkeit auf das Urteil im Attentatsprozeß Frankfurter nicht einheitlich ist, so kann man doch feststellen, daß das Strafausmaß, nämlich 18 Jahre Zuchthaus, als hart und an der äußersten Grenze der objektiven Gerechtigkeit gelegen, empfunden wird. Das, was von allen Kulturmenschen erwartet wurde, die Anklagerede gegen das hakenkreuzlerische Deutschland und der Appell an das Gewissen der Menschheit, verloren . sich im Aether. Der englische Thronkonflikt nahm die Weltpresse in Anspruch, die Erschießung eines nationalsozialistischen Gauleiters konnte nach der Bartholomäusnacht des 30. Juni 1934 nicht allzuviel Interesse beanspruchen. Auf der politischen Arena bleiben solche Fälle bloß kurze Gefechte. Nur die deutsche Hakenkreuzpresse warf sich mit nicht vorhergesehener Gier auf den Churer Prozeß; nicht etwa deshalb, um der Wahrheitsforschung zu dienen; nein — um der blutgierigen antijüdischen Hetze frönen zu können. Die nazistische Presse verlor jedes Gefühl für. Dimensionen. Sie machte aus dem erschossenen Gauleiter Wilhelm Gustloff die „Inkarnatdon der deutschen Volksseele", um die Tat eines schwerkranken, nervösen,; hysterischen jüdischen Studenten — in ein Komplott des „Weltjudentums gegen 1 das nationalsozialistische Deutschland" umzudichten. Lüge und Verleumdung, die bewährten Waffen des Hitierismus gegen das, jüdische Volk, wurden auch hier bis an die Grenze der Möglichkeit verwendet. Die Substanz des Prozesses, die kriminelle Handlung, ver-; schwand Völlig hinter den Infamien der reichsdeutschen Berichterstattung. Die „Zürcher Zeitun g", das angesehene Schweizer Blatt, sah sich genötigt, am 14. Dezember zu schreiben: Francopol Polen OBUHnm und Rumänien HMMMBMBB Nächste Abfahrt: 22. Dez. 1936 m. 5. Jänner 1937 / Rückfahrt: 7. Jänner 1937 Anmeldungen; Poln. Verkehrsbüro „Francopol", III, Schwarzenbergplatz 7, Tel, lMü-4-90, „CedOk", 1, Kärntnerstraße 32, Tel. R-23-4-88, Gerngroß, VI!, Mariahilf erstratte 42, Tel. B-38-2-6S „Wir haben es in der Schweiz noch nie erlebt- und hoffen, es nicht ein weiteres Mal erleben zu müssen, daß über einen vor einem schweizerischen Gericht zur Verhandlung kommenden Straffall so böswillig verzerrt, so absichtlich tendenziös und falsch für Hunderttausende von ausländischen Lesern berichtet wird, wie dies seitens eines großen Teiles der deutschen Presse im Fall Frankfurter geschehen ist. . . . Die Behauptungen über die geheime Mordzentrale, über die Hintermänner und Auftraggeber, die David Frankfurter aur als „kleines Werkzeug" benützt haben sollen, werden in größter Aufmachung wiederholt. ... Die Begründung, die die deutsche Presse für ihre hartnäckig aufrechterhaltene Komplottheorie anführt, ist von einer erstaunlichen Dürftigkeit." Die „Prager Presse" schrieb am 15. Dezember, also nach dem Churer Urteil: „Das Gericht ist auf einen Gedankengang nicht eingegangen, den die Nationalsozialisten ihm aufzudrängen versuchten: daß Frankfurter das Werkzeug des .„Weltjudentums" sei und daß dieses die Verantwortung treffe. Alles hat ergeben, daß Frankfurter persönlich schuldig ist und allein die Sühne zu tragen hat." Die amtliche „Wiener Zeitung" schloß ihre Betrachtung über das TJrtedl im Frankfurter* Prozeß: „Das TJeberhandnehmen der hakenkreuzlerischen Propaganda in der helvetischen Republik, die schließlich nach dem Tode Gustloffs die Auflösung der NSDAP.« Verbände verfügte, brachte Gefahren mit sich, von denen die eine, das Attentat auf Gustloff, ein fürchterliches Mahnzeichen war. Die Spannung zwischen der Schweiz und dem Beich, wie sie lange Zeit hindurch bestand und sich u. a. im Verbot schweizerischer Zeitungen äußerte, war auf nichts anderes zurückzuführenals auf die Versuche der nationalsozialistischen Gauleitung, auf Schweizer Boden die These von einem alle deutschen Staaten umfassenden Großdeutschland populär und deren Gegner mundtot zu machen. Wenn der Prozeß in Chur» der rings um die Ermordung eines seiner Idee fanatisch dienenden Menschen geführt wurde, nichts mehr gebracht hat. als die Erkenntnis von der Notwendigkeit, jede fremde Einmischung von seinem eigenen Staatsbereich fernzuhalten, dann kann man sogar im Anblick eines toten Opfers einen kleinen Gewinn buchen." Obwohl die Sachlage klar war, geprüft und geeicht durch ein einwandfreies Gericht, wagte der „Völkische Beobachter" am 14. Dezember zu schreiben: „Die politische Seite der Mordtat Frankfurters ist nicht erledigt, aber das ist eine Angelegenheit, die nicht die Schweiz angeht, sondern allein dasnationalsozialistische Deutschland und das Weltjudentum." Wie ernst diese Drohung ist, geht aus weiteren späteren Aeußerungen des Hitler-Organs hervor. Das Blatt befaßt sich nämlich nach längerer Pause wieder mit dem antideutschen Wirtschaftsboykott im Ausland, indem es ihn ausschließlich auf jüdische Agitation zurückführt, ohne zu berücksichtigen, daß beispielsweise in den Vereinigten Staaten die wichtigsten und wirksamsten Träger der Boykottbewegung die katholischen Organisationen und die großen Arb eit erge werks ch>af t en sind. Der. „Völkische Beobachter" nimmt den Frankfurter- Prozeß zum Vorwand, neuerdings die „endgültige Ausschaltung des Judentums in Deutschland" sowie die Beseitigung der noch vorhandenen Rechtsstellung der Juden in der Wirtschaft zu verlangen. Den Juden sollen nach der For«" derung des nationalsozialistischen Blattes die letzten Möglichkeiten der wirtschaftlichen Existenz genpmmen, die Juden sollen mit einem Wort zum Hungertod verurteilt werden. Bei der hohen Stellung des' „Völkischen Beobachters" im Dritten Reich kann man mit der Ankündigung neuer Judengesetze rechnen, die zweifellos die wirtschaftliche Vernichtung der deutschen Judenheit anstreben. Die Drohung des Hakenkreuzes ist .ernstzunehmen. Das nationalsozialistische Deutschland Die nächste Ausgabe unseres Blattes erscheint der gesetzlichen Feiertage halber Donnerstag, den 24. Dezember, in vergrößertem Umfang. KOHLE KOKS ANTHRACIT BÄSCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 - TEL. U-47-5- Inhaber Dr. Richard Bäsch

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