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Die neue Welt · 1936-12-09 · Heft 615 (9.12.1936) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 615 (9.12.1936)
Date
1936-12-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 615, vom 9. Dezember 1936 DIE NEUE WELT Seite 5 Englische Staatsmänner gegen Hiflef*Deutsdtlands Judenhetee Die vor kurstem unter Führung prominenter englischer Staatsmänner in England gegründete Vereinigung 2ur „Verteidigung von Freiheit und Frieden" hielt am 3. Dezember in der Albert Hall zu London ihre erste große Kundgebung ab. Viele tausende Angehörige aller englischen Parteien waren erschienen. Alle Redner widmeten den Hauptteil üirer Ausführungen der Judenverflgung in Deutschland. Sir Walter Citrine, der Generalsekretär des Gewerkschaftskongresses, leitete als Vorsitzender die Kundgebung mit folgenden Ausführungen ein: „Das deutsche Volk, welches — mit Fug und Recht — eine faire und gleiche Behandlung seitens anderer Nationen verlangt, sollte in erster Reihe darauf sehen, daß in dieser Beziehung in seinem eigenen Hause Ordnung geschafft wird. Schlecht steht es um die Argumente eines Volkes, welches innerhalb der eigenen Grenzen einen Vernichtungsfeldzug gegen seine jüdischen Mitbürger führt, gegen andere Nationen aber Klage erhebt. In welche Tiefen sind die Nationalsozialisten hinabgestiegen, wenn sie Menschen schmähen und schlagen, sie aus allen Stellen und Berufenvertreiben und sie dem öffentlichen Schimpf und Spott preisgeben, nur weil diese Menschen Juden sind. Man muß schon an die brutalsten Grausamkeiten des Mittelalters zurückdenken, will man eine geschichtliche Parallele zur Verfolgung der Juden im heutigen Deutschland finden; eine Verfolgung, die die deutschen Juden mit heroischer Tapferkeit erdulden. Man kann nur hoffen, daß die jetzigen Beherrscher Deutschlands früher oder später einsehen werden, daß sie durch ihre Judenpolitik das eigene deutsche Volk einer seiner bedeutendsten Aktivposten beraubt haben, und zwar nicht nur auf geistigem und kulturellem Gebiet, sondern auch auf dem Gebiet des Handels und der Industrie in der Welt. Kein vernümV tiger Mensch zweifelt daran, daß der antisemitische Feldzug der deutschen Nazisten mit einem beschämenden Fiasko enden wird, aber um weichen Preis an menschlichem Leid und Elend wurde dieser Feldzug geführt! Die.■.Nationalsozialisten, die vorgeben, ihren Nationalismus über alles in der Welt zu stellen, und die von diesem Gesichtspunkt aus eine internationale Kooperation verhöhnen, lassen trotzdem keine Gelegenheit vorbeigehen, ohne ihren rassistischen ..und,, antisemitischen Glauben .in anderen Ländern zu propagieren. So ist es nun gekommen, daß der Antisemitismus zum Glaubensbekenntnis auch der Faschisten in England geworden ist. Wir haben es im East End von London erlebt, wie man auch bei uns den Rassenhaß zu erregen versuchte. Kein Mensch in diesem Lande kann und darf die aus einer so aggressiven Politik erwachsenden Gefahren übersehen. Wir in England haben keinen Bedarf an Diktaturen, welcher Farbe oder welchen Glaubens sie auch seien." Als zweiter Redner sagte der Earl of Lytton: „Wenn in England eine Menschengruppe sich für berechtigt hält, die Juden zu verfolgen, weil anderswo ebenfalls Juden gehaßt und verfolgt werden, so muß solchen Bestrebungen mit allen Mitteln des Staates entgegengetreten werden. Wir unterstützen die Regierung durch Erteilung jeglicher Vollmacht zur Verhütung von Attentaten auf die persönliche Freiheit." Lady Violet Bonham-Carter sprach Worte der Verdammung gegen die Staaten, wo der Mensch geistig in die Zwangsjacke gesteckt wird wie ein Irrer, wo ein Kunstwerk nicht kritisiert werden darf, wo Bücher auf Befehl geschrieben, auf Befehl gelesen, auf Befehl verbrannt werden, wo Hassen patriotische Pflicht ist, wo die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse auch einem 'hilflosen. Kinde als ein Verbrechen angekreidet wird, das durch unsagbares Leid und Demütigung gesühnt werden soll. Und die Leute, die dafür verantwortlich sind, wollen die „europäische Kultur und Zivilisation" retten, wollen uns einreden, daß wir "uns durch Japan gegen die Gefahr des Kommunismus schützen müßten. Wo ist denn der Unterschied zwischen Nazismus und Kommunismus? Beide basieren auf der Verleugnung der Menschenrechte, für beide ist kein Platz in diesem Lande. Als letzter Redner sprach Winston Churchill: „Ich halte es für die Pflicht des Einzelnen und des Staates, den Menschen in Schutz zu nehmen und Gegner von Intoleranz in welcher Form immer zu sein. Wir wollen alle Erscheinungen rassischer und religiöser Verfolgung bekämpfen. Ausbrennen wollen wir die Spuren jener abscheulichen Judenhatz, die einige Menschen bei uns aus dem Staate jenseits der Nordsee zu importieren versuchen. Unsere Ahnen haben sich nie vor einem einzelnen Menschen gebeugt und haben sich gegen eine solche Zumutung stts mit den Waffen zur Wehr gesetzt. Der Genius des britischen Volkes wird sich auch in Zukunft nie vor einem einzelnen Menschen in sklavischer. .Götsenanbetung beugen." Sensationell wirkte die rücksichtslose Verdammung der Politikdes englischen Faschistenführers Sir Oswald Mosley durch Churchill: „Sir Oswald Mosley", sagte Churchill, „ist fasziniert durch das Schauspiel brutaler .Gewalt, er kriecht vor dem Nazidiktator Und mutet uns zu, daß auch wir vor ihm kriechen sollen. Mosley und seine Leute sind bereit, die Kolonien, die England vom Völkerbund als Mandat erhalten hat, gegen die Wünsche der Eingeborenen der betreffenden Kolonialländer der Naziherrschaft auszuliefern. Sir Oswald Mosley zeigt eine auffällige Eile, seinem brutalen Herrn und Meister den Tribut m entrichten." Her Bischof von lies den und Winsion CliurdiiH Aua London (J. T. A.): Der Bischof von Willesden sprach als Hauptredner* auf einer in London- Cricklewood vom Jewish Peoples Council veranstalteten Kundgebung gegen den faschistischen Antisemitismus in England, der mehrere hundert Personen, unter ihnen zahlreiche Nichtjuden, beiwohnten. „Ich bin hierhergekommen", sagte der Bischof, „um dem jüdischen Volk, welches heute in einigen Ländern schweren Verfolgungen ausgesetzt ist, mein Mitgefühl auszusprechen. Ich verabscheue jeden Versuch, antisemitische Stimmungen zu politischen oder anderen Zwecken zu erregen. Ich spreche diese Worte als ein britischer Bürger, der eine Position in der christlichen Kirche innehat." Der Bischof von Willesden wies auf die von der Diözese gefaßte Resolution hin, daß Juden und Christen Kinder eines Gottes und darum Angriffe auf Juden zu politischen Zielen zu verdammen seien, und schloß: „Wir alle beten, daß Friede und guter Wille jedem zuteil werden, welchem Glauben und welchem Lande er auch zugehört." Winston Churchill, der am Erscheinen verhindert war, schrieb an die Veranstalter der Kundgebung: „Außerordentlich gerne hätte ich der Kundgebung beigewohnt, da mir das Thema .Antisemitismus in England' sehr nahegeht; schulden doch wir Menschen aller zivilisierten. Länder dem jüdischen fortschrittlichen Denken sehr viel." , . 3«fc«belag ift efrenfo ipptdj h>ie gefälftrltdj» ©er mi&färuige ßahn&etag, bet nach unb nad) ben Sahn» fcfjmelä angreift, Hann auf bie emfadjfie Sttt entfernt toerben. Morgens als Erstes bte'ßäfjjrie grünbtid) mit (Sljtorobont hufcen. ©fjlorobont, bie fjerrlid) erfrifdjenbe ^fefferminägafjntoafte, mad)t burdj tfire ftarfe, aber unfcfiäblidje tfietnt* aung§fraft bie $aty\t Menbenb? weifj unb baburd) jebe§ 2tntli§ anfbreefienb unb feftön; ■ Abends als Letztes cor bem (Schlafengehen unkbingt bie ©hetferefte au§ ben 3a6nö^f^en^"«ten buret) nocfimalige grünbttc^e Üiemigung mit £&torobont*3ciIjnnafte entfernen. S&Iorobont, fdjäumenb ober nicfitfcfiäitmenb, oeibe Qualitäten ftnb gletd) gut. Sube S —.90. DefterretdjifcbeS ©r^eugniS. 3 Spitzer Ghlorodont-Mündwasser in das Mundspülglas erhöhen die erfrischende Wirkung der regelmäßigen Zahn- und Mundpflege mit Chlorodont. Stephen Wise an die dwBsftlBdhen Kirchen Aus New York (J. T. A.): Auf einem vom Amerikanischen Komitee für. Sicherung der Rechte der religiösen Minderheiten veranstalteten Dinner hielt Stephen S. Wise, der Präsident der amerikanischen Zionisten, als der Repräsentant der jüdischen Religion eine Ansprache, in der er ausführte: „Die Juden haben ein religiöses und ein nationales Recht auf Palästina. Werden die Tore von Palästina ganz oder auch nur teüweise gegen die Einwanderung von Juden gesperrt, dann bedeutet das eine Verletzung der jüdischen Rechte. In allen Ländern sind die Juden eine Minderheit. In vielen Ländern werden ihre Bürgerrechte und ihre Rechte als religiöse Minderheit mit Füßen getreten. Wird da nicht die jüdische Jugend zwangsläufig zu einer destruktiven Kraft umgewandelt? Soweit das Christentum eine solche Politik duldet oder sie gar fördert,,begeht es das Verbrechen der Selbstzerstörung." Wise forderte die Liga der Religionen in den Vereinigten Staaten auf, sich gegen die Verletzung der Minderheiten rechte, in welchem Lande immer sie geschehe, zu wenden. VERBAND DERJUD3UTAATSZI0NlfTEN _ SEKTION PRATER 1 11 1 1 .....• i. i — Samstag, den 12. d. M.; um V&d Uhr abends findet im Heime, II, Eriaf Straße 5, eine CHANUKA-FEIER statt Programm: Lichterzünder: Oberkantor Josef Feuer / Festrede: Rabb. Dr. M. Patron / Klaviervorträge: Frl. Lilly Halpern / Violine: der neunjährige Virtuose Freddy Reif / Gesang: Oberkantor Josef Feuer ■■■■^^^nl Erstes jlödlschcsUolhsllGtlGrpotpourri Diese Platte enthält die schönsten jiddischen Volkslieder, gespielt von den Sid Kay*« Fellows unter Leitung von 5. Fetruschka, Gesang: Ferrls Gondosch. Die Bearbeitung und Instrumentierung dieses Potpourris ist einzigartig. Inhalt: 1. Olfn Pripetöchok. / 2. Bei mein Rebbn is gewen a Genelve. / 3. Amol is gewen a Masse. / 4. Wenn der Rebbe lacht. / 6. Amul Is gewen a klein Jiddele. / 6. A Briefele der Mammes. / 7. Hot Haschern Jisborach arupgeschikt a Hintele. / 8. Frägt die Welt a alte Kasche. / 9. As der Rebbo Abblmelech. Da» Emek-Lled, alle neupaiästtnenstschert Horra's erhalten Sie nur durch Musikhaus EXCELSIOR, Wien, I., Fran*-,Io8cfs-Kal 15. Großes tager von neuesten Schlagerptattcn, Radioapparaten au billigsten Preisen. Aus der Tsdiedtoslowakei Aus Prag: Der Abgeordnete der Jüdischen Partei Dr. Angelo Goldstein hat sich an den Schulminlster und an den Nationalverteidigungsminister mit folgenden Fragen gewendet: 1. Von verschiedenen Seiten wurde ich darauf aufmerksam gemacht, daß bei Ausfüllen der Personaldaten an tschechischen und slowakischen Schulen von selten der Lehrerschaft auf jene jüdischen Schüler, die sich zur jüdischen Nationalität bekennen, ein gewisser Druck ausgeübt wird, dies nicht zu tun. Ich frage den Herrn Minister für Schulwesen und Volkskultur, was er zu tun gedenkt, damit Remedur geschaffen wird und sich in Zukunft solche Fälle nicht mehr wiederholen. 2. In den Formularen, welche dem Militär zum Ausfüllen gegeben werden, sind bloß Rubriken für tschechische, deutsche, polnische und ungarische Nationalität, aber keine für die jüdische. Die jüdischen Soldaten können sich also nicht zur jüdischen Nationalität bekennen. Ich frage den Herrn Minister, was er zu unternehmen gedenkt, damit sich in Zukunft solche Fälle nicht v/iederholen. ♦ Im Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses erklärte der Abgeordnete der Jüdischen Partei Dr. Chaim Kugel, daß die Juden Verbündete aller jener sind, die sich auf die Lehre Masaryks stützen und für den Sieg der Menschlichkeit gegen Gewalt kämpfen. Leider werden die Gedanken des Gründers des Staates vielfach verletzt und es dringen auch zu uns Losungen, die das Zusammenleben der jüdischenMiriderheit mit dem Staatsvolk vergiften. Diese Lügenpropaganda dringe bis in die Administrative. Nach der Behauptung der antisemitischen Presse beuten die karpathorussischen Juden ihre Mitbürger aus, in Wirklichkeit leben 90 Prozent dieser Juden in größtem Elend. Redner verlangte die Verstaatlichung der bestehenden und die Gründung neuer jüdischer Schulen, Demokratisierung des Wahlrechts in den Kultusgemeinden und sprach sich gegen die Sonntagsruhe im Osten der Republik aus. * Im Jahre 1890 lebten in Böhmen 94.479 Juden, das sind 1,62 Prozent der gesamten Landesbevölkerung. Das Verhältnis änderte sich im Jahre 1900 auf 1,27, 1921 auf 1,19 und 1930 auf 1,07 Prozent. Im Jahre 1890 lebten in Prag 23.473 und 1930 35.463 Juden, das sind 46,45 Prozent aller Juden Böhmens. Da aber auch die Gesamtbevölkerung Prags zugenommen hat, sank der Anteil der jüdischen Bewohner Prags von 5,91 Prozent im Jahre 1890 auf 5,31 Prozent im Jahre 1910 sowie auf 4,18 Prozent im Jahre 1930. Die Zahl der Juden Böhmens sank somit während vierzig Jahren um fitwa 20 Prozent. * Aus Teplitz-Schönau: Die Direktoren des deutschen Gymnasiums und der deutschen Realschule erließen ein Verbot der Mitgliedschaft und Teilnahme an den Uebungen des Turnvereins „Eiche", dessen Ehrenvorsitzender Konrad Henlein ist. Das Verbot ist auf den Umstand zurückzuführen, daß der Turnverein „Eiche" nur reinarische Mitglieder aufnimmt und dadurch gegen die demokratische Staatsauffassung der tschechoslowakischen Republik verstößt. Aus Prag: Die „Prager Presse", das deutsche Organ der Regierung, schreibt: „Die Brünner Blätter berichten über die Neueinstudierung des Goetheschen „Egmont" auf der Bühne des Brünner Deutschen Theaters. Die Premiere soll am 7. Dezember stattfinden und das Haus haben die Vereine Bundesbezirk Brünn des Bundes der Deutschen und die Sudetendeutsche Volkshilfe für sich durch Ankauf der Plätze belegt. Dabei haben sich jedoch die beiden Vereine in dem Sinne verständigt, daß sie nur solche Schauspieler auftreten lassen werden, die rassisch denken und auch den rassischen Grundsätzen persönlich entsprechen. Die Leitung der beiden Vereine habe aus diesem Grunde reichsdeutsche Schauspieler als Gäste eingeladen. — Wenn dies die wahre Ursache des Vorgehens der genannten Vereine ist, so ist es ganz natürlich, daß die Brünner Kulturorganisationen scharf protestieren. Denn man muß mit aller Energie allen Versuchen entgegentreten, die fremde Grundsätze auf den Boden der Tschechoslowakei, die keine Rassen-, Klassen- oder Konfessionsunterschiedo kennt, zu verpflanzen suchen. Das Vorgehen der beiden deutschen Vereine wäre jedoch auch ein erster offener Beweis dafür, daß sie und die Partei, die hinter ihnen steht, via facti Arier-Paragraphen huldigen. Was natür«. lieh gegen die Grundlagen der tschechoslowakischen Verfassung verstößt.'!

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