Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 615 (9.12.1936)
- Date
- 1936-12-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712150-2712240--6192-2719911- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 3 DIB SftStftS WELT Nr. 615, vom 9. Dezember 1936 3 x BERQ MAHtl, 1.1 RAB£g«y^jfl3^ HIMMELPFORTB^S KÖLLNERHOFGASSE 1 Große Auswahl und Kinder.Wäsche, Weiß, waren, Bettwische, Strick* und Strumpfwaren usw. usw. in Herren-Modewaren, Hemden, Unterhosen, Pyjamas, Dressinggowns, Trikot-Wäsche, Damen- Kleine Preise Jordanien eine erhebliche Zahl illegaler arabiblscher Einwanderer geliefert hat. Epstein verlangte, daß die Palästina-Regierung die syrische Grenze gegen illegale arabische Einwanderung schließe. * In dem von der Kgl. Kommission ausgegebenen Kommunique" Uber die Vernehmung Mosche Shertoks wird ergänzend mitgeteilt, daß dieser auf eine Frage von Sir Horace Rumbold erklärte, die Jewish Agency tue ihr Möglichstes, um die Einwanderung von Kommunisten nach Palästina zu verhüten. Die nächste öffentliche Sitzung fand Dienstag, den 8. Dezember, statt. So wird'§ gemacht Das „Union"-Blatt verurteilt Einen Tag vor der Kultuswahl — also so, daß eine Berichtigung nicht mehr zeitgerecht erfolgen konnte — wurde Wien mit einer Wahlnummer der „Wahrheit", des Blattes der von den Herren Doktor Oppenheim und Dr. Ticho geführten „Union"-Liste, überschwemmt. Die Nummer war ein Muster der Ehrabschneiderei. An ihrer Spitze prangte in Fettdruck „Robert Stricker als unverbesserlicher Denunziant entlarvt — verurteilt — gekennzeichnet". Hinzugefügt war, daß der Präsident der Kultusgememde, Staatsrat Dr. Friedmann, und Prof. M. Rath als „Mithelfer" bei den Denunziationen den Gerichtssaal „moralisch mitverurteilt" verließen. Jeder Leser mußte erwarten, daß nunmehr ein schrecklicher Tatbestand produziert werden würde. Was aber folgte? Der Abdruck eines im Jahre 1932, also vor vier Jahren, erflossenen Urteils (das Datum hat die „Wahrheit" unterschlagen), mit welchem der Herausgeber der „Neuen Welt", Robert Stricker, wegen Ehrenbeleidigung zu 100 Schilling verurteilt worden war. Von einer Denunziation war natürlich keine Rede! Und die „Mithilfe" der „moralisch mitverurteilten" Herren Präsident Doktor Friedmann und Prof. M. Rath bestand darin, daß sie als Zeugen einige Fragen pflichtgemäß beantworteten. flVÖBEl-UJlNTER für Gel egenh e ] 13käu fe Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraüe Telephon: A-21-5-31 Daraus hatte nun das Blatt der „Union" eine scheußliche Verleumdung gegen im öffentlichen Leben stehende, ehrenhafte Männer zusammengebraut. Hinterlistig, wie der Angriff, war auch die Verteidigung. Man versteckte sich hinter dem „verantwortlichen" Redakteur des Blattes. Die Auftraggeber hielten sich unerreichbar. So blieb nichts anderes übrig, als diesen „Verantwortlichen" zu klagen. Und er wieder schützte vor, er habe den gemeinen Artikel weder gelesen noch zum Druck befördert. Er zog es vor, nicht bei Gericht zu erscheinen und durch seinen Anwalt erklären zu lassen, daß er den Wahrheitsbeweis nicht erbringen wolle. Dem Gesetz folgend, mußte der Richter diese Erklärung zur Kenntnis nehmen und verurteilte den Redakteur der „Wahrheit" zu 180 Schilling Geldstrafe, respektive Arrest. So wird's gemacht. Man verleumdet, und dann läuft man weg. Nur ein „Verantwortlicher" bleibt zur Stelle und der weiß von gar nichts. Die Strafe wird auf Konto „Wahlspesen" verrechnet. Wozu hat man denn reiche Gönner? Verb« der Judensfaalsziomslen Oesterreichs Vortragskalender SektionPrater, II., Erlafstraße 5. Freitag, den 11. d., halb 9 Uhr abends, Oneg Schabath. Vortrag A. Schwertfinger und Gesang. — Am 12. d. im Heim Chanukafeier. Festredner: Rabbiner Dr. M. Patron. Lichterzünden und Gesang: Oberkantor Feuer. Gäste willkommen. S t a d t k i b b u z, I., Rotensterngasse 12. Freitag, den 11. d., halb 9 Uhr abends, Oneg Schabath. Sektion XIII/XV, Schanzstraße 32. Sonntag, den 13. d., Tanzunterhaltung. Musik unter Leitung des H. Schloßbeutcl. Dienstag, den 15. d., halb 9 Uhr abends, Vortrag. Sektion XX. Am 15. d., 8 Uhr abends, im Heim, XX., Staudingergassc 16, Makkabäer-Fcier. Reichhaltiges Programm. Frauengruppe Deborah. Mittwoch, den 16. d., halb 9 Uhr abends, im Heim, U., Erlafstraße 5, Vortragszyklus Josef Frankel: Geschichte des Zionismus. — Am 15. d. beginnen die Turnkurse für Frauen und Kinder. Anmeldungen und Auskünfte täglich im Helm, IL, Erlafstraße 5. — Am 20. Klnder-Chanuka-Feler in der Restauration Lustig, II., Venedigerau. Judenstaatsjugend. Hebräischkurse: Montag, von 8 bis 10 Uhr abends, II., Erlafstraße 5; Mittwoch von halb 9 bis halb 11 Uhr abends, II., Untere Augartenstraße 3. Kursielter Rabbiner Dr. Zwl Schächter. — Montag von halb 7 bis 8 Uhr abends, VII., Halbgasse 1. Kuraleiter: M. S. Brafmann. — Jeden Dienstag Zusammenkunft der Jugend, II., Unter© Augartenatraße 38, Ist Palästina zu klein? Einer der schwerstwiegenden Einwände gegen den Plan der Errichtung eines Judenstaates in Palästina ist die Behauptung: Das Land ist zu klein. Nicht nur Gegner des Zionismus bedienen sich dieses Arguments, sondern auch Zionisten haben es übernommen. Vor allem jene Zionisten, welche an den Judenstaat nicht glauben oder ihn nicht wünschen, welche aus Palästina ein „geistiges jüdisches Zentrum", eine Musterkolonie, die Versuchsstation für eine neue Gesellschaftsordnung oder irgendetwas anderes — nur keinen Judenstaat — machen wollen. Palästina hat ohne Transjordanien, welches im Jahre 1922 wülkürlich abgetrennt wurde, eine Bodenfläche von 26.000 Qudaratküometer (Bevölkerungszahl i. J. 1936 rund 1,2 Mülionen), Belgien hat 30.000 Quadratkilometer (Bevölkerungszahl 8,2 Millionen), Holland hat 34.000 Quadratkilometer (Bevölkerungszahl 8,3 Millionen). Rein räumlich genommen, kommt also Palästina zwei sehr ansehnlichen europäischen Staaten nahe. Es ist daher nur die Frage zu beantworten, ob Palästina vermöge seiner Bodenbeschaffenheit, seines Klimas, der verfügbaren Wassermengen und sonstigen landwirtschaftlichen Vorbedingungen einer Millionenbevölkerung Existenzmöglichkeit bieten kann. Vorerst die Ansicht eines Außenstehenden, des englischen Forschers im Nahen Orient, Sir F1 i nders Petrie, welcher vierzig Jahre in Aegypten und Palästina arbeitete und in engstem Kontakt mit der arabischen Bevölkerung stand. Er schreibt in den „Times" vom 10. August 1936: „Das Hauptproblem Palästinas bildet die Ausnützung des Bodens. Die Araber treiben mit dem Boden Mißbrauch, so daß er zum größten Teil verwüstet daliegt. Der Boden wird schutzlos den Regengüssen preisgegeben, welche ihn ins, Meer schwemmen. Daher kommt, daß das Gebirge und der Süden des Landes gar keine oder nur sehr kärgliche Ernte gibt. Ich dämmte einige Versuchsböden ein, so daß das Wasser nicht abfließen konnte. Ich erzielte damit ganz prächtige Getreide- und Melonenernten. Der Ertrag stieg auf das Fünf- bis Zehnfache. Auf diese Weise könnte Raum für eine viermal so große Bevölkerung geschaffen werden. Der Araber braucht jetzt 30 Acres für eine Famüie, der Jude nur 5 Acres." Nähere Daten über die Erträgnisse der arabischen Landwirtschaft in Palästina liefern die Berichte des palästinensischen Regierungsdepartements für Landwirtschaft. Die Getreide- und Maisernte auf einem von Fellachen bewirtschafteten Bodens gibt per Hektar ungefähr den dritten Teil des Ertrages in dem benachbarten Syrien, mit mittelmäßig fruchtbaren Gegenden Europas verglichen, nur ein Fünftel. In den jüdischen Siedlungen liefert eine Kuh im Jahre rund 3500 Liter Milch, in den arabischen rund 800 Liter. Was die Leistungen in der Geflügelzucht betrifft, so ist festzustellen, daß in den jüdischen Siedlungen pro Huhn und Jahr 140 Eier erzielt werden, wogegen die Legeleistung in den arabischen nur 40 beträgt. Versuche haben ergeben, daß aus einem Hektar 20 Tonnen Tomaten herauszuwirtschaften sind. Der Araber erzielt auf gleichwertigem Boden nur 5 Tonnen. Daraus ist zu ersehen, daß Sir Flinders Petrie nicht übertrieben hat, wenn er behauptet, daß der Boden Palästinas einer vierfachen Zahl von Menschen in der Landwirtschaft ein Auskommen sichert. Heute umfaßt die Landwirtschaft in Palästina ungefähr 700.000 Seelen. Wenn die großen, noch völlig brachliegenden Ländereien (sowohl Privatals Regierungsbesitz) in Betracht gezogen werden, kommt man zu dem Schlüsse, daß 3.V» Millionen Menschen in der Landwirtschaft Palästinas ihr Auskommen finden können. Was aber die städtischen Berufe (Gewerbe, Handel und Industrie) betrifft, so sind die Entwicklungsmöglichkeiten die denkbar besten. Palästina liegt im Treffpunkt dreier Weltteile und nahe an den wichtigsten Schiffs- und Luftlinien. Die bisherigen Erfolge der Juden auf dem Gebiet der städtischen Wirtschaft haben den Beweis erbracht, daß hier die nöchsten Leistungen zu erwarten sind. Die Schätzung, daß neben 3V» Millionen Menschen in der Landwirtschaft ebensoviele städtische Siedler Lebnsraum finden können, ist eher niedrig als hoch. Das heißt: Palästina kann durch die jüdische Kolonisation auf einen Stand von 6 bis 7 Millionen Seelen gebracht werden. (Mit Transjordanien, das doppelt so groß wie Palästina und menschenleer ist und fruchtbaren Boden besitzt, könnten es 10 bis 12 Millionen sein.) Die Behauptung, daß Palästina für die Bildung eines Staates nicht in Betracht kommt, weil es zu klein und zu arm ist, ist also falsch. Ein Staat mit 6 bis 7 Millionen (wenn transjordanien hinzukommt, sind es 10 bis 12 Millionen) und einer Hochkultur kann sich schon sehen lassen. Er kann bestehen. Er wird bestehen. # Die Gegner der Idee vom Judenstaat bedienen sich noch eines anderen Arguments: „Der kleine Judenstaat wird von großen arabischen Staaten umgeben, daher nicht zu halten sein. Die k 1 e j n e jüdische Insel wird vom großen arabischen Meer verschlungen werden!" Die Formel vom „arabischen Menschenmeer" ist in den Wort- und Ideenschatz der Gegner und der Verzagten übergegangen. Wie aber sieht die Wirklichkeit aus? Nachbarn Palästinas sind der Freistaat Syrien mit 1,7 Millionen, Republik Libanon mit 0,8 Millionen. Transjordanien mit 0,3 Millionen. In der Nähe liegen noch Irak mit 2,9 Millionen und schließlich das arabische Großreich Ibn Sauds mit 6 Millionen. Hiezu kommt, daß diese Länder große nichtarabische und nichtmohammedanische Minoritäten zählen, mit welchen ständig nationale und religiöse Fehden zu führen sind. Angesichts dieser Ziffern und Zustände ist es absurd, von arabischen Mächten zu sprechen, denen ein Judentaat wehrlos preisgegeben wäre. Jedem dieser arabischen Staaten und auch einem Bunde dieser Staaten wird ein nach europäischen? Muster organisierter und gerüsteter Judenstaat standhalten können. Die dem arabischen Meere rettungslos preisgegebene kleine Judeninsel ist eine Angstvorstellung, welche durch Tatsachen nicht gerechtfertigt wird. r. st. Mordaltental auf Kinder Aus Jerusalem: Ein feiger Angriff wurde in der Nacht am 6. Dezember auf das Kinderdorf Ben S h e m e n verübt. Eine Bande bewaffneter Araber schlich sich an das Dorf heran und gab Schüsse auf die Häuser ab. Die Kugeln drangen durch die Wände dicht an den Betten der schlafenden Kinder vorbei, die wie durch ein Wunder unverletzt blieben. Die Täter entkamen. Fußspuren führen .nach anliegenden arabischen Dörfern. Zur gleichen Zeit wurden in dem in der Nähe befindlichen H e r z I - W a 1 d mehrere Bäume ausgerodet. Die Täter wurden von den Wächtern durch Schüsse verscheucht. (Palcor.) Ein jüdischer Wächter verhalle! Aus Jerusalem: Seew Sc her man, ein jüdischer Wächter auf KKL.-Boden bei Haifa, wurde von einer Gruppe arabischer Schafhirten mit Steinen bombardiert. Aus Notwehr gab Scherman daraufhin Schüsse ab, wobei einer der Araber leicht verwundet wurde. Scherman meldete den Vorfall dann der Polizei und wurde verhaftet. Vom ferusalemer Stadtrat Aus Jerusalem: Die Jerusalemer jüdischen, Stadträte, die die Hälfte der Stadtverwaltung bilden, haben sich an die Regierung gewandt und in Anbetracht dessen, daß der Bürgermeister K h a 1 d i den jüdischen Vizebürgermeister Auster mit Nichtachtung behandelt, darum ersucht, daß die Regierung einschreite und die Kompetenz des jüdischen Vizebürgermeisters in der Stadtverwaltung garantiere. Zum Zeichen des Protesta blieben die jüdischen Stadträte der Stadtratssitzung fern, die mangels einer beschlußfähigen Mitgliederanzahl nicht abgehalten werden konnte. (Palcor.) Der neue Oberrabbiner von Palästina Aus Jerusalem: Der Rabbinische Rat, der aus 42 Rabbinern und 28 vom Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) ernannten Laien bseteht, wählte mit 37 gegen 31 Stimmen Rabbi Isaac H e r t z o g zum aschkenasischen Oberrabbiner von Palästina an Stelle des verstorbenen Rabbi Jizchak Hakohen Kook. Rabbi Hertzog, der im Jahre 1888 in Lomza (Polen) geboren ist, im Jahre 1899 nach London kam und 1910 sein Rabbinerdiplom erwarb, wurde 1916 Rabbiner in Belfast und 1919 Rabbiner in Dublin, wo er bis zuletzt amtierte. Rabbi Jakob M e i r wurde zum Oberrabbiner der sephardischen Gemeinden Palästinas wiedergewählt. Religiöse Juden und Kgl. Kommission Aus Jerusalem: Der Kgl. Kommission ist eine Denkschrift mit Forderungen der religiösen Judenh e i t Palästinas überreicht worden. Eine Abordnung religiöser Juden, bestehend aus Vertretern des M i s r a c h i und verschiedener religiöser Körperschaften, soll vor der Kommission erscheinen, um Aussagen zu machen; Der Delegation werden Rabbi Meier, Berlin, die Oberrabbiner von Tel-Aviv Rabbi Amiel, Rabbi Uziel, Rabbi Katz aus Petach Tikwa, Rabbi Gold, Rabbi Neufeld und der frühere Sejmabgeordnete H. Farbstein angehören. Geldumlauf in Palästina Jerusalem, 2. Dezember (J. T. A.): Der Geldumlauf in Palästina betrug Ende September 5,464.134 Pfund in Banknoten und 577.000 Pfund in Münzen.