Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 615 (9.12.1936)
- Date
- 1936-12-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite i DttJ NEUE WEIÄ. Nr. 615, Vom 9. Dezember 1936 * Billige nnd bequöme Weihnathtssonderfahrt »M POLEN und (ZERMOWITZ Abf.: lt. Ott. 1936 u. 5. Jann«r 1937, Rückt.: f. jtfnntr 1*17 m. d. „Ctarnowitxar Allgemeinen Zeitung** Anmeldungen au«ichli«ftllch im Reisebüro ^^J^^^^^^^^^JJJJj^JJ^^^^^^^'8"' Rolle bekannt geworden, die er als Verteidiger der Feme mörder Reim und Schulz in den Jahren 1927 und 1928 spielte. Damals vertrat er die Rechtsmeinung, daß jeder Staatsbürger, der einen Notstand des Staates öder Volkes als gegeben erachte, berechtigt sei, Menschenleben zu vernichten, die er in diesem Zusammenhang als schädlich ansieht, das heißt, Morde im strafrechtlichen Sinne 2u begehen. Grimm ist seit 1933 der offizielle Rechtsvertreter, des Dritten Reiches im Ausland. Er trat als solcher zum ersten Male in Kairo im Jahre 1934 in dem sogenannten Kairoer Judenprozeß gegen die Juden auf. Seine Schriftsätze strotzten vor Antisemitismus. Durch die Zulassung Grimms hat das Gericht .den Prozeß zu dem politischen Prozeß abgestempelt, den die Propagandazentrale des Dritten Reiches von vornherein aus ihm machen wollen. - - . Moses Rosenberg und der spanische Bürgerkrieg Die Revolte spanischer Generäle gegen die Regierung hatte, wie alle Welt weiß, einen Krieg zur Folge, der nunmehr zwanzig Wochen dauert und mit einer Erbitterung geführt wird, die sondergleichen ist. Selbst bei höchster Einschätzung des spanischen „Temperaments" war mit solch einem Fanatismus des spanischen Volkes nicht zu rechnen. Europa verfolgt das Ringen in Spanien mit atemstockender Teilnahme. Denn es geht hier nicht bloß um das Interesse am Ausgang dieses Ringens zwischen einer linksrepublikanischen, anarchistischen, vielleicht sogar kommunistischen und einer nationalistisch-faschistischen Bewegung. Nein. Auf spanischem Boden werden auch die weltanschaulichen (sc* wie volkswirtschaftlichen) Interessen der- Gruppe Italien-Deutschland und Sowjetrußland miteinander in Blut und Zerstörung konfrontiert. Sowjetrußland unterstützt die spanische Volksregierung, die faschistischen Staaten den Rebellengeneral Franca — beide, im Rahmen der Niehteinmis;chung.-Jn.Madrid sitzt der Vertreter Rußlands, namens Moses. Rosenberg, und der Chef der spanischen Re^erung.Cab .a.l- 1 e r o. Auf einem Vertrag der beiden Staaten sind — naturgemäß — die Namen Rosenberg und, Caballero zu lesen. Die Wiener „Reichspost" gefällt sich darin, Herrn Moses Rosenberg, der als Privatperson gänzlich un^ interessant ist, zum Symbol des „Antichrist" im spani-. ßchen Bürgerkrieg zu machen, zum völkerverderbenden Juden, ganz im Stil der reichsdeutschen Nazipresse. Sie nennt den spanisch-russischen Vertrag einen Vertrag zwischen Moses Rosenberg und Cabal-, lero; wohlgemerkt Moses Rosenberg und.nicht etwa schlechthin Rosenberg. Nun ist allerdings, Moses ein schöner, würdevoller Name, den man sioh als Hüterin biblischen Erbgutes — und die katholische „Reichspost" sollte sich dieses Gutes nicht schämen — wohl gefallen lassen kann. Die Hervorhebung des Vornamens durch die „Reichspost" dient .• allerdings keinem edlen Zweck. Sie dient der ebenso beliebten wie risikolosen antijüdischen Hetze,' die Jetzt, in Oesterreich seitens gewisser, sich christlich nennender Kreise um sich greift und der rassischen Verleumdung des Nazismus wie ein Ei dem andern gleicht. In der weltanschaulichen Krise „Nationalismus — Bolschewismus" oder „Faschismus — Demokratie" oder „Konservativismus — Anarchismus" spielt Herr Rosenberg, Herr Moses Rosenberg,', eine ebenso geringe. Rolle wie der Ärtikelschreiber der „Reichspost" im politischen Weltgeschehen. Um so drastischer wirkt die Schiebung der „Reichspost", die ihren Zeitgenossen, den christlichen und nationalbetonten, durch eine geschickt stüisierte Titelgebung einzureden versucht, daß der Moses im Rosenberg den spanischen Brand, also den Weltbrand schürt, wobei die „Reichspost" zu erzählen vergißt, daß zu einer. Zeit, da es noch keinen Bolschewiken, keinen Anarchisten und keinen Moses Rosenberg in Spanien gab, dort Kirchen und Klöster brannten und lebende Menschen auf Scheiterhäufen rösteten. * '; Es gibt übrigens genug christliche .Stimmen über die spanischen, Greuel. Die .„Oesterreichische Arbeiterzeitung" (das Organ der christlichen Arbeiterbewegung) schreibt nämlich bezüglich der letzten Ereignisse in Spanien: „Wir empören uns gegen den Mord, gegen die Verbrennung der Kirchen und'gegen die Ausrottung ihrer Diener. Ebenso lehnen wir flammend ab die Greuel von Bajadoz (wo die sogenannten Nationalisten hausten; Anra. d. Red.): dort wurde im Namen Jesu Christi und im Namen der heiligen Muttergottes gemordet. Massen von Arbeitern wurden gemordet in ihrem Namen." — Und in Bajadoz gab es keinen Moses Rosenberg... Sicher! unseren Jischuw lür alle Zukunft I Opfert und werbet für den Juden der Galuth bizzaron HÜWMMMMNM Die Folgen der geduldeten Hetje Die Wiener Montagspresse berichtet von skärida* löse* Vorfällen, die sich im Verlaufe eines Wettspieles des Fußballklubs Hakoah mit einem „arischen" Fußballvereln (Briglttenau) abgespielt haben. Zuschauer berichteten, daß die erfolgreichen Torschüsse der jüdischen Sportler die Anhänger der besiegten Fußballer in Rage gebracht und geradezu Exzesse hervorgerufen haben. Es sei ein beliebtes, in der letzten Zeit häufiges Bild entstanden: Steinwtirfc ins Spielfeld auf die jüdischen Sportler und Angriffe im Zuschauerraum gegen die jüdischen Sportfreunde. Die Sportleidenschaft allein, der Fanatismus, mit dem sich die Wettspielbesucher für ihre Lieblinge und Favörits einsetzen, kann nicht als Motiv für die unerhörten antisemitischen Attacken dienen. Diese um sich greifenden Exzesse sind nichts andere.» als die Folgen einer seit langem betriebe rie ri" un d von den m a ß g ebenden Faktoiren geduldeten Hetze. Wehn, die vaterländisch 'gesinnten Öesterfeicher vom Nazismus öffentlich abrücken, so sollten sie dies hundertprozentig tun, sich auch vom Antisemitismus in jeder 'Form distanzieren. Es gebt nicht an, daß man beispielsweise den hakenkreuzlerischen Rassismus verdammt, aber seinem gefährlichsten Niederschlag, dem aggressiven Antisemitismus, die Mauer macht. Die österreichischen Juden werden bei solcher Haltung der betont österreichischen Organe, wissen, was sie von deren Versicherungen zu halten haben.. PTIKER RUDOLF HAAS & COMP. WIEN II, PRÄTE«STRASSE 32 S P E Z IAL IST FÜR BRILLEN O P T1 K Nobelpreisträger 0§s&ef zky Seine Stellung zum Antisemitismus Aus P r a g (J. T! Ä;)Inf den"?nächsten" Tagen [erscheint im- Europa-Verlag, Zürich, eine Schrift „C a r 1 " v o n— O^s-s-i. e-^tn k*y^,.1" herausgegeben >- vonseinen Freunden^e^^-Bui^ertm^ Kurt:'Singer..; Sie': enthält Aufsätze,!die efer mutige 'Kämpfer* für"*'den> FrSedensgeda^en^unmi 4er Machtergreifung Hitlers verc^enMöht^Ka^^^ Nacht des Reichstagsbrandes,. ' ^Ti ^etacüa^ |d^ -; würde Carl von iOsdilH^y^i^ers-^ic^s drmgend^r^ Warnungen in Berlin "ausharrte, verhaftet. Seither.; wurde er. von Gefängnis, zu GefängninV von Konzentrationslager;zu Kpnsentratiqnslager geschleppt, bis er körperlich zusammenbrach.. Ein schweres Herz- und Lungenleiden .ist, die; Folge der fast vierjährigen .Quälerei, die ihm nicht allein sein Kampf für den. Friedensgedanken, sondern auch sein wiederholt öffentlich kundgetanes scharfes Verdammungsurteil gegen den barbarischen Antisemitismus eingebracht hat. Die erwähnte Schrift zitiert die folgende Stelle aus einem Aufsatz, den Ossietzky kurz vor Hitlers Machtergreifung geschrieben hat: „Zu den Dingen, von denen die republikanische Linke kaum mehr zu sprechen pflegt, gehört aucji der Antisemitismus... Der Antisemitismus ist dem Nationalsozialismus blutsverwandt und dessen bester Alliierter. Die beiden gehören zusammen. Denn ein Volk, das sich ohne Territorium und Öhne materielle Autorität zweitausend Jahre in der Weltgeschichte herumtreibt, ist eine lebendige Widerlegung aller nationalsozialistischen Ieologie, die den Begriff, der Nation ausschließlich/von machtpolitischen Voraussetzungen abhängig macht. Niemals hat der Antisemitismus in der Arbeiterschaft Wurzel gefaßt, er war von je die Sache des, Mittelr Standes und des kleinen Bauerntums; heute, wo sich diese Schichten in ihrer größten Krise befinden, ist er ihnen zu einer Art Religion geworden, mindestens zu einem Religionsersatz. Nationalismus und Antisemitismus bestimmen das innere politische Bild Deutschlands." Weiter heißt es in der Schrift: „Der Antisemitismus war die gefährlichste Waffe der Nationalsozialisten. In demagogischer Weise wurde die jüdische Minorität,, die nur 0,6 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung betrug, mißhandelt, boykottiert und vor das Nichts gestellt. Die Frage der Judenverfolgung ist nur ein Teil des Gesamtkomplexes. O^ietzky sieht, sie auch nur als eine Teilfragö in seinem Kampfe an. Ossietzky, der stets dn Mut zur Unpopularität hatte,: verteidigte, wie immer, die Schwachen gegen den Ansturm des'Antisemitismus. Ossietzky, der wie nur wenige ein klares Bild hatte, wie der Nazismus in ' Deutschland hausen würde, sah auch das besonders tragische Schicksal der Juden. Ihm ist es zu' verdanken, daß noch kurz vor Hitlers Machtantritt übe haupt etwas von sogenannter arischer Seite zi VerteidigungderjüdischenRasse unte nommen wurde. Je . stärker der Antisemitismus i Deutschland anwuchs, desto näher war Hitler seine] Ziel... Es kam das tragische Ende der Deutsche Republik. Deutschland wurde um Jahrzehnte zurücl geworfen und der Mann, der diese Entwicklung, haai fscharf voraussah, war zu schwach, etwas daran ander!zu können." Irak als Mörder=A$yl Aus London: Im Unterhause wurde vom Abge ordneten Wedgwood in einer Anfrage die Haltung de 'Irak zum Palästina-Problem zur Sprache ge ibracht. Ohne den Rebellenführer FauziBey el Khau ik a d y i ausdrücklich zu nennen, wies der Abgeordnet ,'auf die befremdliche Art hin, in der dieser Aufrührer in Irak offiziell gefeiert worden ist. Wedgwood fragt |den Außenminister Eden, ob er mit Rücksicht darauf, daf England 1,5 0 0.0 0t) Pfund jährlich für Streit k r ä f t e ausgegeben hat, um zu verhindern, daß de: Irak an die Türkei zurückfalle, während dort ein< englandfeindliche Einstellung herrsche, wie sioi dies in der Einmischung des Irak in Palästina um dem offiziellen Empfang für den Organisator dei Mordtaten in Palästina zeige, der Regierung des Irafc mitteilen wolle, daß die englischen Luftstreitkräfte aus jenem Lande in naher Zukunft zurückgezogen werdet würden. Bevör die Anfrage formell gestellt wurde, meldete sioh Captain Balf ou r' zum Wort, um die ZulSssigkeit dei Anfrage, anzuzweifeln. Er erklärte-., daß die Anfrage eine d tr e k t e B e s c h u 1 d i g u. n g enthalte und annehme, daß elrae *lNfrson des Mordes schußäig sei, obwohl kein Gericht noch über diese Person geurteilt habe. Dürfe ein solches Urteü. durch einen Abgeordneten in einer Anfrage vorweggenommen .werden?., Daraufhin fragte der Abgeordnete Wedgwood, ob der. Minister gleichzeitig bekanntgeben, wolle, daß, von der Palästina-Regierung ein Preis auf den Kopf dieser.Peraon ausgesetzt wurde. Der Sprecher erklärte, die Anfrage scheine ihm nicht zulässig zu sein. Der Abgeordnete, der sie stellte, müsse die Verantwortung für sie übernehmen. In Beantwortung der Hauptfrage erklärte Außenminister Eden,' er könne nicht die Voraussetzungen akzeptieren, auf denen diese Frage beruhe, und fügte hinzu: Ich beabsichtige nicht, irgendwelche Mitteilungen der erwähnten Art an . die Irak-Regierung zu richten. Weitere Anfragen Abg. .Wedgwood fragte, wann der Kolonienminister glaube, Mitteüungen über den von den Juden in P a 1 ä st i n^a er 1 i11enen S chaden. und. die Frage der Entschädigung machen zu können. Minister Ormsby-Gore antwortete, er erwarte die Antwort auf die Anfrage, die er an den High Commissioner gerichtet hat, Was die Zahlung von Entschädigung betrifft, so könne er seiner am 3. November erteilten Antwort nichts hinzufügen. (Der Minister hatte erklärt, er könne keine Mitteilung zur Frage der Entschädigung machen.) * Captain Plügge fragte den Schatzkanzler, ob er mit Rücksicht auf den bedauerlichen Mangel an spanischen Orangen im kommenden Winter als zeitweilige Maßnahme die freie Einfuhr der Orangen aus dem britischen Territorium- Palästina nach England gestatten-wolle. ■ Der parlamentarische Sekretär des Board of Trade; Dr. Burgin, antwortete, die Frage der Aufhebung des ZoUs für Orangenfür-irgend einen Zeitraum vom 1. September bis 31. März sei eine Sache,, für deren. Beratung der Beirat für Importzölle zuständig sei. Der Abgeordnete Williams fragte, ob England nicht berechtigt sei, Palästina die Präferenz einzuräumen. Dr. Burgin verneinte dies. Sir Neill Malcolm in Wien Ueber Einladung des derzeit in Wien weilenden, vom Völkerbund1 eingesetzten Hohen Kommissärs für die Flüchtlinge aus Deutschland Generalmajor Sir Neill Malcolm haben sich bei demselben zu einer Besprechung von Seite der Kultusgemeinde Präsident Staatsrat Dr. Fried mann, Amtfldirektor Dr. Löwenherz und Amtsvorstand Engel, seitens der Israelischen Allianz Präsident Dr. O rn s t e in und Vorstandsmitglied Ernst Simon eingefunden. Bei dieser Rücksprache wurde die Lage der jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland dargelegt und die in Betracht kommenden Hilfsmaßnahmen erörtert. Der Hohe Kommissär nahm die Mitteilungen der Abordnung mit Interesse entgegen und sagte zu, im Rahmen seines Mandats die vorgebrachten Anregungen bei'den maßgebenden Stellen zu befürworten.