Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 615 (9.12.1936)
- Date
- 1936-12-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 Groschen Mtttwodi/ den »♦ »MgwfcM t#M 1#* Mmgaag Nf**f* V«I»*k* Zeitnot vom Verleger versendet .«Jommot «pSdlö par rMitetu** Q| | |* j^U^jjj | Titl. Universitätsbibliothek R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljahrig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel«« jährig Dinar 40.—; Bnm&nien mpnatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lira 14.—ä Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs .4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8,7el. A-20-2-78 — Erscheint Dienstas» u. Freitag Aus dm BucU dee tHäkkabäec Schreiben eines palästinensischen Juden an die Glaubensgenossen'' 'ih^egypten Den Brüdern, den Juden in Aegypten, unsern Gruß! Eure Brüder, die Juden in Jerusalem und in Judäa, wünschen ' Euch - Glück und Wohlergehen. Gott erweise Euch Gutes und sei eingedenk des. Bundes mit seihen treuen Dienern Abraham, Isak- und, Jakob;.. Unter der Regierung des Demetrius im jähreiÖ9 haben wir-Juden an'Euch geschrieben in der Not und in dem Leid, das uns zugestoßen in jenen Jahren, da man die Städte niederbrannte und Unschuldig Blut vergoß. Wir beteten zum Herrn und wurden erhört. Wir dankten ihm dann mit Opfer und zündeten die Lichter an. Und nun feiert die Tage des Einweihungsfestes im Monat Kislew.;. ■ Da wir nun im Begriff sind, am 25. Kislew die Einweihung des Tempels zu feiern, haben wir es für angemessen gehalten, Euch davon , kundzutun, damit auch Ihr das Fest der Einweihung und des Feuers begeht, wie zur Zeit, als Nehemia den Tempel und den Altar erbaute und Opfer darbrachte... Damals betete Nehemia folgendermaßen: „Herrj Herr, Gott, Schöpfer aller Dinge, Erhabener, Starker, Gerechter, Barmherziger, Alleinherrscher und Wohltäter! Du : einziger Helfer und; .Gerechter,; All-, herrscher und Ewiger, der Israel aus allen . Leiden rettet,, der du die Väter aüserwählt und", sie geheiligt hast, nimm das Opfer für dein ganzes Volk Israel wohlgefällig auf und behüte dein Erbe und heilige es. Bring' unsere Zerstreuten in die Heimat zurück, befreie alle, die den Völkern dienen, schau auf die; Gedrückten und Verachteten, auf daß die Völker erkennen,, daß dii unser Gott bist. Züchtige alle,, die uns bedrücken und in ihrem Frevelmut sich überheben. Pflanze ein dein Volk an deinem heiligen Ort, wie Mose verheißen hat." < Francopol - Reisen alle 14 Tage nach und Rumänien Polen Nächste Abfahrt: 16., 22. Dezember / Rückfahrt: 7. Jänner 1937 Anmeldungen; Poln. VerKehrsbüro „Francopel", III, Schwarzenbergplatz 7, Tel, U-ie-4-yo, .„Cedok". I, Kärntnerstraße 32, Tel.. R.23-4-88, Oerngrop,. VII, Mariahilferstraüe 42,, Tel. B-38-2-68 Aus dem Buch Sadiarja Jerusalem nach der Rückkehr aus Babylon 15. : Viele Völker werden sich dem Herrn an jenem Tage anschließen; auch sie werden mein Volk sein. Ich will thronen in deiner Mitte, und du wirst erfahren, daß der Herr Zebaoth mich zu dir gesandt hat. 16. : Der Herr: eignet sieh Juda als seinen Teil an auf dem heiligen Boden; er hat . wiederum Wohlgefallen an Jerusalem. 17. : Still, alle Geschöpfe, vor dem Herrn! Denn er erwaoht ans seiner heiligen. Stätte, Heute beginnt der Prozeß Die Vorgange rings um das Attentat Frankfurter Zürich, 9. Dezember. Am 4. Februar d. J. wurde der nationalsozialistische Gauleiter in der Schweiz, Gustloff, vom jüdischen Studenten der Medizin David Frankfurter in Davos erschossen. Es war ein politisches Attentat. Die Motive lagen klar zutage. Frankfurter stellte sich unmittelbar nach der Tat — er meldete sich telephonisch — der Polizei. Von reichsdeutscher Seite wurde das Attentat zu einer großzügigen antijüdischen und — antisozialistischen Kampagne ausgenützt, die freiheitliche Schweiz und Schweizer Presse, die angeblich gegen den Nationalsozialismus geschürt haben, der Mitschuld am Mord beschuldigt. Oustloff wurde als Märtyrer gefeiert, seine Beerdigung, bei der Adolf Hitler die Grabrede hielt, zu einer nationalen Demonstration gestaltet. Die deutsche Propaganda machte nicht zu Hause halt, sie ergoß sich über die ganze Welt, versuchend, für das Attentat an dem Gauleiter Gustloff eine internationale jüdisch-sozialistische Verschwörung verantwortlich zu machen. Herauszuheben ist hier die Schrift Dieverges „Der Fall Gustloff" und die Korrespondenz „Weltdienst'? des berüchtigten antisemitischen „Sachverständigen" Oberstleutnant Ullrich Fleischhauer (der bekanntlich im Prozeß um die gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion" in Bern eino. jämmerliche Niederlage erlitt und seither auf die Schweiz, nicht gut zu sprechen ist), welche beide den Zweck haben, das,;Sch>w^zcr jl^richyn nationalsozialistischem Sinne zu beeinflussen, bzw. davor zu warnen, daß ein Bild des heutigen Deutschlands im. Rahmen des;PkK zesses entrollt werde. ' ,' .. Die hakenkreuzlerischen Versuche, den Fall Gustloff zu verwirren, den lungenkranken Attentäter als das' Werkzeug irgend einer geheimen Femegesellschaftoder gar als bezahlten Mordgesellen hinzustellen, führten zu den absurdesten Dingen. Wie im Reichstagsbrandprozeß, sollte das Gericht in Chur durch „Zeugen" und „Dokumente" an der Wahrheitsforschung gehindert werden. Am Tage nach dem Attentat kam ein Brief eines * : : Die Haßgesänge des Hitlerismus Aus Zürich wird uns geschrieben: Man erinnere sich daran, daß die Ueberführung der Leiche Gustloffs nach Schwerin zu einer ungeheuren Agitation benützt wurde und daß Hitler selbst die Leichenrede hielt. Er machte das Judentum für die Tat Frankfurters verantwortlich und bestritt gleichzeitig, daß der Nationalsozialismus sich jemals der Gewalt schuldig gemacht habe. Hitler sagte wörtlich: „Ich muß feierlich feststellen: Auf dem Wege unserer Bewegung liegt nicht ein einziger von uns ermordeter Gegner, nicht ein Attentat. Lang aber ist die Reihe der ermordeten Nationalsozialisten. Hinter jedem dieser Morde steht dieselbe Macht, die haßerfüllte Macht unseres jüdischen Feindes, eines Feindes, dem wir nichts zuleid getan hatten, der aber versuchte, unser deutsches Volk zu unterjochen und zu seinem Sklaven zu machen, der verantwortlich ist für all das Unglück, das uns. im November 1918 getroffen hat, verantwortlich für das Unglück, das in den Jahren darauf Deutschland heimsuchte. So ist unser Parteigenosse von der Macht gefällt worden, die einen fanatischen Kampf nicht nur gegen unser deutsches Volk, sondern' gegen jedes freie, selbständige und unabhängige Volk führt. iWir begreifen die Kampfansage und nehmen sie auf." Die gesamte Weltpresse, durch Hitlers Rede zum Widerspruch herausgefordert, brachte in Erinnerung, wie systematisch der Nationalsozialismus den Haß gegen.das Judentum geschürt, die Ermordung von Juden gerechtfertigt und veranlaßt KOHLE koks amthe tACiT liree Stars" Mki^-i BÄSCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 Inhaber Dr. Richard Bäsch kft%l 1 »IHM «IUI« - tel. ü*47'5-40 gewissen Hans R o w a r i k in Chur an David Frankfurteü nach Davos, worin es hieß: „Wie Du mir telephoiüertest, konntest Du den Hund Gustloff noch immer nicht erschießen. Ich hoffe, Billige und f| D B I C" baquams ||U R D I J Enkpl zu den W aihnachtsrdlllB r«lerta9«n nach POLEN CZERNOWITZ ■ W UND BERLIN Abfahrt: 22. Dezember 1936 Anmeldungen: Polll. Reisebüro „ORBIS" I. Kärntnerstrane 41, R-21-5-78 Oesfterreichisches Verkehrsbüro l. Friedrichstrane 7, B.27-soo, t. Graben 20, U.».o-3f daß es Dir heute oder morgen gelingt... Von der Partei sind mir die Fr. 50.000 als Belohnung für Dich in Zürich ausbezahlt worden. Fr. 40.000 habe ich am entsprechenden Ort für Dich hinterlegt." Die Fälschung ist so plump, daß Herr Hans Rowarik bis heute nicht aufzufinden war. Der deutsche Schauspieler Otto Jülich, 57 Jahre alt (in Frankfurt a. M. wohnhaft), sagte aus, David Frankfurter habe schon während seiner Studienzeit in Frankfurt von der Notwendigkeit der Ermordung Gustloffs ge* sprochen.;_ .-,\\:.- .... , Plötzlich ist dieser Zeuge Otto Jülich abgereist und unbekannten Aufenthalts .». rtir •' , -.ffrjy,^: '■ " * Der Gerichtshof in Chur (Graubünden) setzt sich aus Laienrichtern zusammen, nur der Präsident ist juristisch gebildet. Das Straf recht in Graubünden kennt für Mord 15 bis 20 Jahre; nur wenn die Richter von der Affekthandlung des Täters überzeugt sind, kommt Totschlag in Frage. Der Prozeß soll vier Tage dauern und möglichst unter Ausschaltung politischer Momente geführt werden. * hatte. So wurde daran erinnert, daß Adolf Hitler im August 1922 bereits öffentlich erklärt hat: „Der Vorwurf, Rathenau ermordet zu haben, wird die SA. nur noch fester an Leutnant Klintzsch (der der Mittäterschaft beschuldigt gebraucht, mit Garant! e, billigst Rechenmaschinen Fritz Igel, III, Radetzkystraße 7 ■ . .. ' -_Telephon; U-19-4-95 wurde) binden." Erinnert wurde an ein bei den nationalsozialistischen Kampfverbänden besonders beliebtes Marschlied: „Haut immer feste auf den Wirth! Haut seinen Schädel, daß es klirrt 1 Knallt ab den Walter Rathenau, ' Die gottverfluchte Judensau!" Erinnert wurde daran, daß in den Jahren 1919 hiS 1923 in Deutschland durch nationale und nationalsozialistische Täter 354 Morde vollbrächt worden sind. Erinnert wurde schließlich an die Judengesetzgebung des Dritten Reiches, die Hunderttausende um ihre bürgerliche Existenz gebracht hat, viele Tausende grundlos in Zuchthäuser und Konzentrationslager schickte oder zurn Selbstmord trieb. Beachtlich ist auch, daß an die. Ausführungen der konservativen „Kreuzzeitijng!', die diese nach dem Mord an Erzberger veröffentlichte, erinnert-worden ist: „Nichts ist billiger, als die Täter, deren, Motive noch unbekannt sind, zu schmähen. Die Nachwelt denkt manchmal ganz anders, Charlotte Corday, die den Republikaner. Marat ermordete, wurde zwar in Paris guillotiniert, doch haben auch deutsche Dichter sie und ihre Tat verherrlicht.'* Das, ist die Haltung, welche der Hitlerische Nationalsozialismus dem Fememord entgegenbringt. Wer ist Dr. Grimm! Aus Genf wird uns geschrieben: Das Graubündner Gericht hat dem Antrag des deutschen Rechtsanwalts Professor Dr. Grimm, ihn als Vertreter der Zivilpartei neben dem schweizerischen Anwalt, .Ursprung/ zuzulassen, entsprochen. Grimm ist durch die