Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 607 (10.11.1936)
- Date
- 1936-11-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 607 vom 10. November 193Ä .................-——-■.. i nn ■« Nur Swoboda AUTOMAT" Oefen, Kamine di« b s t « n t sind XVII!, Jörgerstraßa 10 (Ecke Tharesieng.) Ofentthwamma: IV, LothrlngerstraBö Nr. I (fcef Schwarienbargplihj. Verkaufsstellen: XXI, BrDnnarstraBe Nr» 41, und IV, Größe Neugastt 8 Angst wählte er die Union. Aus Freiheit und Würde wählte er die zionistische Liste. Diesen Tatbestand können nicht einmal die Helden der Unionsliste bestreiten. Dehn sie' waren es ja, welche die Angstparolen in die Welt setzten und sich von ihnen Erfolg versprachen. Die Angstparolen, gemischt mit den beschämendsten Verleumdungs¬ und Denunziationsmanövern, brachten ein Resultat zustande, das der jüdischen Grundstimmung nicht entspricht. Die Herren der „Ujiion" werden bei aller Hoffnung auf die Wirkung ihrer Jauchenspritze erstaunt gewesen sein, daß es ihnen gelungen ist, unschuldige, ahnungslose jüdische Wähler in ihre Laube bekommen zu haben. Die Zionistische Liste baute bei ihrer Wahiv^erbung auf die Einsicht der Wählerschaft, die wohl nichts anderes sagen konnte, als daß die Erfahrung in allen Ländern die Einheit des jüdischen Volkskörpsrs erforderlich mache; daß die Assimilation gescheitert sei; daß der Zionismus für die Kulturwelt die Repräsentanz des jüdischen Volkswülens bedeute. Im Zeichen der jüdischen Ehre und WürdezogendieZionistenindenKampf. Sie spiegelten nichts vor, beschönigten nichts; sie stellten wiedereinmal die Judennot und ihre Lösung auf die Tagesordnung'. Tatsächlich gaben 16.438 Juden ihre Stimme für die Verwalter des Herzischen Erbeä in der Herzl-Stadt Wien ab, um 5242 mehr als beim Wahlgang vor vier Jahren, im Jahre 1932. Zählt man noch die Stimmen der sozialen Arbeitsgemeinschaft hinzu, die ebenfalls als zionistische Stimmen gewertet werden müssen, so ergibt sich die eindrucksvolle Zahl von über 20.000 Stimmen, denen 11.500 Assimilationsstimmen gegenüberstehen. .... Eine Analyse der Stimmen läßt sich heute, unmittelbar nach dem Alpdruck, der .Wahl und ohne detaülierte statistische Behelfe, . nur - oberflächlich geben. Denn es geht hier darum. festzustellen, in welcher Weise von den Parteien das Wählerreservoir ausgenützt wurde. So hat beispielsweise die „Union" aus der stärkeren Wahlbeteiligung (70 Prozent gegenüber 52 Prozent im Jahre 1932) einJPlus yon 1412 Stimmen erzielt, während es der zionistischen Liste gelang, aus dem gleichen Reservoir. 5323 . Stimmen zu gewinnen. Ein anderes Bild wiederum ergibt sich, wenn man die Mandate betrachtet. Im Jahre 1934 erhielt die „Union" (an deren Seite die sozialdemokratischen jüdischen Wähler unter der Firma „Werktätige Juden" standen) insgesamt 15 Mandate, davon 11 eigene, 4 werktätige. Beim heurigen Wahlkampf schienen die Werktätigen als Gruppe nicht auf, so daß man nicht feststellen kann, wieviel werktätige Stimmen in den jetzigen 13 Mandaten der Union stecken. Rechnerisch hat die „Union" trotz ihres Stimmenzuwachses 2 Mandate verloren, da sie diesmal nicht mehr über ihre 15 Oppositionsstimmen verfügt, sondern nur mehr über 13. Als „Union" aber hat sie tabellenmäßig 2 Mandate gewonnen. Anders stellt sich die Lage für die Majoritätsgruppe, für die Zionisten. Sie hatten bisher für ihre nationalen, . zionistischen Volksauf gaben in der Kultusstube 21 Stimmen, bestehend aus den absolut zionistischen Mandataren (17) und dem „ArbeitendenPalästina" (4). In der gegenwärt i g e n Zusammensetzung werden die Zionisten (Zionistische Liste [17], Soziale Arbeitsgemeinschaft [3], Adolf-Stand-Klub [1]) in der Gemeinde über 23 Stimmen, also fast Uber eine Zweidrittelmajorität verfügen. Bis zum Jahre 1932 lag die Führung der Wiener Kultusgemeinde in den Händen der Assimilation. Von da ab entschied sich das jüdische Volk für eine zionistische Führung. Die vier Verwaltungsjahre 1932 bis 1936 haben der Öffentlichkeit bewiesen, was eine zionistisch beseelte Leitung zu leisten vermag. Zwei Drittel der Wiener Judenschaft haben ihren Willen kundgetan, daß ihre Gemeinde weiterhin zionistisch verwaltet werde. Terror, Verleumdung und Denunzierung der Männer, denen sie ihr Vertrauen geschenkt haben, haben nicht vermocht, sie wankend zu machen. Die Wiener jüdische Gemeinde, das soll klar und eindeutig gesagt sein, wird im bisherigen Sinn v/eitergeführt, die großen und wichtigen Aufgaben Wir «eb«-n allen Bekannten, Freunden und ßb. Bb. bekannt' faß umft lieber ä. H. Dr. Josef Schornsteine (Schlot) Advokat in Horavsk* Ostrava am 1. Nov. 103« einem tragischen Soortunfal'e zum Opfer fiel. Das Andenken dieses von uns allen geliebten und geachteten Bundesbruders wird uns unvergeßlich bleiben. Für die AkMvI'a* der J. A. V. »Wria« Für den A..H.»V*rb. dar I. A. V. »Ivril« Dr. Wilhelm Kati Dr. laopold Frladmann f werden erfüllt werden. Die Juden, welche mit über 20.000 Stimmzetteln den zionistischen Mandataren ihr Vertrauen geschenkt haben, sollen nicht enttäuscht werden. Im Gegenteil: Das Wahlresultat wird die zionistischen Mandatare nur noch mehr zur Erfüllung , aller die jüdische Wohlfahrt und Ehre betreffenden | Aufgaben anspornen. Zu dieser Aufgabe wird sich noch die e i n e gesellen, die Judenheit Wiens bis in den verstecktesten Winkel über die Notwendigkeiten des j Tages aufzuklären, ihr zu sagen, wie es um die Judenfrage in der ganzen Welt bestellt ist, ihr dokumentarisch zu zeigen* wie die Judennot wächst, ihr das zionistische Ideal und die jüdische Aufbauarbeit in Palästina als einzigen Ausweg für sie selbst und für ihre Kinder einprägsam vorzuführen. Es darf nicht mehr sein, daß in der Großstadt lebende, Zeitung lesende, in schwerem Existenzkampf befindliche jüdische Männer und Frauen einem Trommelwirbel von Lügen, Verleumdungen, Denunziationen, Terrorparolen ausgesetzt werden, ohne gegen derlei Methoden gerüstet zu sein. Eine neue Jugend, ein starke, nationale, volksbewußte Jugend wächst heran. Sie steht im zionistischen Lager. Diese Jugend wird nun als Wählerfaktor drankommen. Diese .Jugend wird den zionistischen Sieg vollständig machen. Sie wird nicht dulden, daß ehrgeizige und zugleich ehrvergessene Männer, die Spitzenkandidaten der „Union", einen Wahlkampf in eine Schimpforgie verwandeln; dem ohnehin schon mit genug Lügen arbeitenden Antisemitismus weiteres 'Lügenmaterial liefern, die Besetzung der Kultusratsstellen zur Besudelung ehrenhafter jüdischer Männer ausnützen; ahnungslose Wähler einzuschüchtern und in Angst zu versetzen. Nein, das darf nicht mehr vorkommen. Dafür werden die Männer und Frauen mit jüdischem Selbstbewußtsein sorgen. Sie werden den schimpflichen und schäbigen Attacken gegen die jüdische Volksehre mit den entsprechenden Mitteln begegnen. Zum Glück besteht die Arbeit in der Gemeinde nicht aus Wahlkämpfen. Mit Schimpfen, Terrorisieren, Verleumden und Denunzieren kommt man nicht weiter. Es gilt, ernst zu arbeiten. Die Führer der „Union" haben, wenn man ihren Wahlkampf zum Maßstab nimmt, nicht viel Recht, eine tatsächliche Mitarbeit an den Geschäften der Gemeinde zu verlangen. Sie haben eine Moral an den Tag gelegt, mit der man in der Kultusstube keinen Staat machen. müBEL-UJiNTER für o el egenheitskäufe Wien VIII, Sta dtbahnvladukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon; A-21-5-31 Die jüdischen Gemeindemitglieder, welche der zionistischen Liste ihre Stimme gaben, haben ihre Pflicht getan. Sie haben sich als die wahren österreichischen Patrioten erwiesen, als diejenigen, welche innerhalb des christlich-deutschen Mehrheitsvolkes als hundertprozentige jüdische Oesterreicher leben und wirken wollen. Die zionistischen Mandatare werden in vollem Bewußtsein ihrer schweren Aufgabe die österreichische Judenheit weiterführen, ihren sozialen, erzieherischen, humanitären und nationalen Bedürfnissen Rechnung tragend — zum Wohl des österreichischen Staates und des jüdischen Volkes. o, r. liste der Gewählten* Zionistische Liste: Staatsrat Dr. Desider Friedmann, Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich, Rechtsanwalt Doktor Oskar Grünbaum, Siegfried Graubart, Kaufmann, Dr. Leopold Plaschkes, Rechtsanwalt, Max Schiffmann, Kaufmann, Dr. I. H. Körner, Reisebüroinhaber, Dr. Isidor K1 a b e r, Arzt, Dr. Leo Landau, Rechtsanwaltsanwärter, Kommerzialrat Arthur AIbers, Kaufmann, Ing. Eugen Buchbinder, Stadtbaumeister, Dr. Michael Steinberg, Kaufmann, Dr. Mendel Rosenberg, Rechtsanwalt, Dr. Nachman Frey, Arzt, Max Schwarz, Kaufmann, Dr. Israel Wald mann, Rechtsanwalt, Baurat Dr. Arnold Kar plus, Zivilarchitekt, Rudolf Böhmer, Kauf mann. Union: Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, Dr. Josef Ticho, Rechtsanwalt, Baurat Wilhelm Kempler, Geza Kl ing er, Fabrikant, Dr. Leonhard Mayer, Rechtsanwalt, Dr. Ernst Fei daher g, Prokurist, Dr. Maximilian S t i g 1 i t z, Rechtsanwalt, Kommerzialrat Moritz Leitner, Fabrikant, Börserat Heinrich Popper, Prokurist, Kommerzialrat Sigmund Feldmann, Kaufmann, Jakob Weig e r, Prokurist, Friedrich Feuer, Zimmermaler, Max Weiß, Installateur. „Arbeitendes Palästina": Dr. Saul S o k a 1, Rechtsanwalt, Dr. Eduard Bloch, Beamter, Salem Mayer, Kaufmann Stand-Klub: Dr. David Kreppel, Rechtsanwalt, Bloß 1800 Zertifikate Es soll kein Pt&iuAit geidiaffeti werden Aus London wird gemeldet: In der Sitzung des Unterhauses am Donnerstag abend gab der Minister für die Kolonien OrmSby-Gotfe dte Vota Premierminister Baldwin für diese Sitzung angekündigte Regierungserklärung über die englische Politik betreffend Palästina ab. Minister Ormsby-Gore teilte zu Beginn seiner Erklärung mit, daß der High Commissioner für Palä« stina, Sir Arthur Wauchope, der Jewish Agenef for Palestine einen Schedule für die Arbeiter« einwanderung im Halbjahr Oktober 1936/AprU 1937 in der Höhe von 1800 Zertifikaten zur Verfügung stellen wird. Die englische Regierung, fügte Ormsby-Gore hinzu, halte eine vorübergehende Einstellung der Einwanderung in Palästina für die Dauer der Untersuchungsarbeit der Kgl. Kommission nicht für richtig. Es soll kein Präjudiz geschaffen werden. Eme Einstellung der Einwanderung lasse sich weder mit wirtschaftlichen, noch mit anderen Gründen rechtfertigen. Doch werde man darauf sehen, daß ein Ueberschreiten der Einwanderungsquötö nicht eintrete. OFFENBACH-SftAl, IV, Treitlstraße 3_ Donnerstag, 12. November 1936, 8 Uhr abends Vortrag Kurt Blumanfeld, Jerusalem .Schicksal und Gestaltung1 Eine Rede über das Judentum unserer Tage Kar tan von $ 1.- bis S 5.- Kartanvorvarkouf: Konzertkassa Dr. Arthur Hohenberg, t. Operngebäude, R-27-2-11, Buchhandl. R Löwlt. LWollzelleO R-25 4-S3, Buc handl.R'cli. Lanyi. I, Kärntnerstr. 44, B 26-a-83. Bücherstube M. Rath. H.Taborstr. 20a. R-45-305, lüd. Kulturstelle. I, Kai 3. R-28-2-36 1500 NeftfOffZerffäkale Aus London: In seiner Erklärung im Unterhaus führte der Minister für die Kolonien, Ormsby-Gore, noch aus, der der Jewish Agency bewilligte neue Schedule für das Halbjahr Oktober 1936/März 1937 in der Höhe von 1800 Zertifikaten schließe 300 Zertifikate ein, um die Registrierung von 300 deutschen Juden als Einwanderer zu ermöglichen, die bereits in Palästina weilen und Uber ein Kapital von je mindestens 1000 Pfund verfügen, aoer nicht in der Lage waren, innerhalb der vorgeschriebenen Frist von zwölf Monaten das Vorzeigekapital aus Deutschland herüberzubringen. Demnach werde die Gesameerhöhung der jüdischen Bevölkerung durch Einwanderung, absolut genommen, 1500 nicht überschreiten. Es ist darauf: hinzuweisen, daß der Schedule April 1935 8000, Oktober 1935 3250, April 1936 4500 Zertifikate einschloß. Zu bedenken ist dabei, daß auch andere Personen einwandern können, die nicht Zertifikate auf Grund des Arbeiter- Schedule erhalten. Es kommen folgende Kategorien von Einwanderern ins Land: Kapitalisten mit einem Mindestbesitz von 1000 Pfund und ihre Angehörigen; Personen, die Zertifikate aus dem Arbeiter-Scheduie erhalten; Personen, die bereits in Palästina leben und nachträglich als Einwanderer registriert werden. Auch wenn man alle diese Formen jüdischer Einwanderung in Betracht zieht, wird die Gesamteinwanderung im Halbjahr Oktober 1936/März 1937 beträchtlich unter der Einwandererziffer der vorangegangenen sechs Monate liegen. Williams fragte, ob diese konservative Schätzung der Aufnahmefähigkeit des Landes für Neueinwanderer für eine kurze Periode oder für die Dauer der Arbeiten der königlichen Kommission gelten soll. Ormsby-Gore: Für die Periode der Arbeiten der königlichen Kommission, der Prüfung des Berichtes dieser Kommission durch die Regierung Sr. Majestät und der Festsetzung der zukünftigen Einwanderungspolltilc der Regierung. (J. T. A.), Wieder ein judisches Todesopfer Aus Jerusalem: Im Krankenhaus von Petach- Tikwa ist der bei Nathanla von arabischen Terroristen verwundete jüdische Arbeiter Jlzchak Kascher seinen Verletzungen erlegen, Kascher, der 37 Jahre alt geworden ist, stammte aus Rußland. Er hinterläßt eine Frau und zwei Kinder. Er ist das 92. jüdische Todesopfer seit Beginn der Unruhon. (J. T. A.) Herbert Lehman — Gouverneur des Staates New York Aus New York wird gemeldet: Gleichzeitig mit der Wiederwahl von Franklin D. Roosevelt zum Präsidenten der Vereinigten Staaten, erfolgte auch die Wiederwahl von Herbert H. Lehman zum Gouverneur des Staates New Hork, des bedeutendsten Staates der U. S. A., mit sehr großer Stimmenmehrheit. Im jüdischen Leben New Yorks und der Vereinigen Staaten spielt Gouverneur Herbert H. Lehman eine führende Rolle. Seit vielen Jahren steht er mit an der Spitze des Joint Distribution Committee und mehrerer sozialer und philanthropischer jüdischer Gesellschaften. Als ein warmer Freund des jüdischen Aufbauwerks in Palästina beteiligt er sich stets aktiv an der Aufbringung der hohen amerikanischen Quoten für die zionistischen Fonds und gehört auch den leitenden Organen der Palästina-Körperschaften in den U, S. A. an. (J. T. A.)