Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 606 (6.11.1936)
- Date
- 1936-11-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 606 vom 6. November 1936 DIE NEUE WELT irill.Kl .1 llrt IUI III Li I I Seite 7 Beschaffenheit des Bodens zu erforschen, den Pflanzenwuchs, den Menschenschlag, die Volkszahl, die festen Städte und die Zeltlager. Bei dieser Pflicht ist es geblieben. Auch heute ist dieses Land, wenigstens für uns Juden, kein Land eilfertiger touristischer Impressionen. Man wird in die Städte gehen müssen und in die Siedlungen, in die Werkstätten und* Ställe, in die Laboratorien der Wissenschaft und in die Ateliers der Kunst, in die Schulen der heüigen Lehre und der weltlichen Bildung. Man wird hinter die Dinge und in die Mensdhen hinein sehen müssen. Man wird verweilen und erkunden müssen. Aber vor allem wird man sich hingeben müssen. Denn auch von dem, der die Wahrheit will, verlangt dieses Land das Vorurteil der Sympathie, die innere Teilnahme, Liebe. Nicht blinde Liebe, Ich kenne einen, der kam zurück, und als man ihn fragte, wie das und jenes beschaffen sei, wußte er im Andrang des Gefühls nichts anderes zu sagen als: „I n E r e z I s r a e 1 i s t a 11 e s schön!" Das kann, wie liebenswürdig er auch sein mag, unser Gewährsmann nicht sein. Unsere Empfindung braucht mehr Weisheit. Sie ist bei den Kindern des Landes zu finden. Eines, aus Rosch Pinah, dem ich begegnet bin, wollte nur Märchen hören, die mit dem Satz beginnen: „Es war einmal in Jeruscholajim . . Ein zweites aus Bet Alfa besang mit dem Hirten Matatiahu um die Wette den Berg Güboah: „Oh, unser Berg, sein Gras so grün wie das Grün der Frösche!" Und am Sederabend in En Charod stellte ein drittes, im Namen aller, an den Aeltesten diese beiden Frägen: „Wann wird unser Land ein einziger blühender Garten?" und dann: „Wann wird es wirklich Erez Israel sein?" An die Weisheit dieser Kinder wollen wir uns halten. Wie sie, wollen auch wir uns ohne Vorbehalt zum Lande bekennen. Wie ihre Märchen, Lieder und Gespräche soll auch unser Bericht beschwingt sein von Hoffnung und Zuversipht. Ja, diese Zuversicht zu besitzen und überzeugend zu verbreiten, erscheint uns fast als die wichtigste Aufgabe des heutigen Abends. Denn in einem Augenblick, wo durch den Ausbruch dunkler Leidenschaften die jüdische Arbeit durch Monate gehemmt wurde, ist es ganz besonders wichtig, die wunderbare, kaum bekannte Höhe des neujüdischen . Kulturwerkes an einigen charaktervollen Beispielen zu zeigen, ist nichts so nötig; als das allgemeine Vertrauen .in diese unvergleichliche„Vqlkstat zu befestigen. Wir glauben und geben unseren Glauben weiter: dieser Aufbau kann angefeindet oder bedroht, aber seine Schwungkraft kann niemals mehr gelähmt, sein Weg nie wieder aufgehalten werden. (Weitere Artikel folgen.) Aus aller Welt Die Leitung des Jiddia.chen Wissenschaftlichen In-„ stituts in Wilna beschloß, den hervorragenden jüdischen Wirtschaftler und Statistiker Dr. Jakob Le stschinsky, wissenschaftlichen Sekretär der Wirtschaftsstatistischen Sektion des Instituts, anläßlich seines 60. Geburstages zu ehren. Die bUjographische Zentrale des Instituts bereitet die Veröffentlichung einer Bibliographie aller Arbeiten von Jakob Lestschinsky vor, die nächste Ausgabe des Monatsjournals des Instituts „JWO-Bleter" wird ganz, dem Wirken Lestschinskys gewidmet sein. . ** * Am 20. November wird in Paris der Kongreß des französischen Reichsverbandes der Internationalen Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus eröffnet. Vorgesehen sind u. a, ein Bericht über die. Tätigkeit der Liga in den Jahren 1935 und 1936 und die Aufstellung eines Arbeitsprogramms für 1937. Der Luftfahrtminister Pierre Cot hat sich bereit erklärt, den Vorsitz auf dem Bankett, das zu Ehren der Delegierten gegeben werden wird, zu führen. * Die Universität Oxford hat an den Wiener Hais¬ und Ohrenspezialisten Prof. Heinrich Neumann, den Arzt des Königs von England, die Einlädung ergehen lassen, an der Universität Gastvorlesungen zu halten. * . Der Unterstaatssekretär im Innenministerium Geoffrey Lloyd, erklärte im englischen Unterhaus auf eine Frage von Vyvian Adams: Die von der Polizei ergriffenen außerordentlichen Maßnahmen haben bewirkt, daß die gröberen Formen der antisemitischen Tätigkeit in.London-Bast End aufgehört haben, allein die Faschisten fahren fort, durch verhüllte Drohun- KINO^PROGRAMME KREUZ-KINO I, Wollzeile 17 Telephon R-24-2-16 Vorstellungen: 4, 'A6, V28, ftlO James Cagney, Patricia Elija und AHain Jenkins STAFA, VII Mari ahiif erstraBe 120 Telephon B-88-0-68 Wochentags: 5, 7, 9 Ulli Show- Boat Irene Dünne Allan Jones Paul Robeson SCHÄFFER rHiNfl.fifliir VI, Mariahilferstraße 37 \ ]| J |] ff \| || |j|J ,J:!tZ^:Z Cooper, Madeleine Caroll VOTIVPARK $hOW IX, Währingerstraße 12 ^■■w.WJ Telephon A-18-3-96 Beginn; 4, tt«, %», Irene Dünne Allan Jones Paul Robeson Verband der Judenstaatszloitisten Sektion Prater, Wien H, BriafstfaJBe 5 Freitag* den 5i November, um 8 Uhr abends im Heim O || C G S C H A O 6 A T Es sprechen: Rabbiner Dr. Q. Horowitz; Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich Gesang Uscher Korn gen antijüdische Stimmungen zu wecken. Die Polizei werde weiterhin alles tun, um dieser vefderblicheti Tätigkeit ein Ende zu machen. Ein Verbot des Tragens von Parteiuniform.en könne erat in der nächsten Session des Parlaments zur Erörterung gelangen. * Die Touristenbüros in Berlin erhielten Von ihren Sehwesterbüros in Palästina die Mitteilung, daß die wegen der Unruhen in Palästina verhängte Sperre gegen Touristeneinreiaen in Paläatina nunmehr aufgehoben wurde. * Verkehrsminister Höre Beils ha ist in den Ratig eines Kabinettsministers erhoben worden. Er ist der e i nz i g e Jude, der gegenwärtig dem englischen Kabinett angehört. Offizieller Boykott Aus Berlin: Auf einer Sitzung der Gauamtsleiter in Berlin teilte, Wie der „Angriff" berichtet, Gauorganisatiohaleiter Schach mit, daß in Berlin die Kenntlichmachung der arischen Geschäfte fortgesetzt werde in Form eines Schildes der DAF-(Deutsche Arbeits-Front-) Mitglieder, das nur arische Geschäfte erhalten. Dadurch, sagte Schach, werde auf diesem Gebiet eine „dringend notwendige Klärung" geschaffen. Letzte Nadhridtfen au§ Palästina Der Hafen von Jaffa Die Tageszeitung „Dawar" meldet aus arabischer Quelle, daß die Palästina-Regierung beabsichtige, den Gütertarif auf den palästinensischen Eisenbahnen um 300 Prozent zu erhöhen. Durch diese JJlaßnahme sollen die Exporteure gezwungen werden, an Stelle des fernen Hafens von Haifa den Hafen von Jaffa zu benutzen. (J. T/ A.) Zum Putsch im Irak; In arabischen Kreisen;in Palästina ist man. sehr beunruhigt darüber, daß sowohl der Führer (tes Militärputsches Im Irak, Bakhrc S1 d k e h, Befehlshaber def & Armee, und der ncrie Premier tflkmath Suleiman, Kurden sind, die ftte eine Politik einer araWschen Föderation kein Interesse haben. (Palcor.) Neue Anleihe für Tel-Aviv Barclay's Bank, London, die vor kurzem eine Anleihe von 100.000 Pf. St. an die Stadtverwaltung Tel-Aviv gewährt hat, erwägt gegenwärtig den Vorschlag einer weiteren Anleihe, die für Wässerversorgung und Kanalisation verwendet werden würden. (Palcor.) Kommunisten verurteilt Das Jaffaer Bezirksgericht verurteilte neun Kommunisten zu je sechs Monaten Gefängnis und Landesverweisung. (Palcor.) ■ Einwanderung im Oktober Wie aus den von der Exekutive veröffentlichten Ziffern hervorgeht; sind währerid - des Monats Oktober 1153 jüdische Einwanderer, darunter 217 Kapitalisten, nach Palästina gekommen. (Palcor.) Abbau der Militärbesatzung 3000 Reservisten, die seinerzeit einberufen worden sind, um als Teil der Militärverstärkungen nach Palästina entsandt zu werden, werden am Samstag an Bord der „Laurentlc" nach England zurückkehren. (Palcor.) Todesurteile Das Kriminalgericht verurteilte drei Araber zum Tode, und zwar zwei von ihnen wegen Schießens auf Militär und Mord eines Sergeanten am 21. Juni und, den dritten wegen Schießens auf Polizei und Mord eines britischen Polizisten am 28. Juli. (Palcor.) An die Freund* des und Le§ev I Wenn Sie der Ansicht sind, daß die „Neue Welt" ein empfehlenswertes Blatt ist, geben Sie uns freundlichst die Adressen von Freunden und Bekannten an. Wir werden denselben die „Neue Welt" durch mehrere Wochen zur Probe gratis zukommen lassen. Wenn wir uns bei der Werbung auf Sie berufen dürfen, bitte dies ausdrücklich zu bemerken. Aus der Zusendung erwachsen weder Ihnen noch den Empfängern irgend welche Verpflichtungen. 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