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Die neue Welt · 1936-10-20 · Heft 601 (20.10.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 601 (20.10.1936)
Date
1936-10-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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10 Groschen Dienstag/ den 24« Oktober 1 $36 10* lahrgang 187 Titl- VnlVei Nr« 601 V* b* b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp£dI6 par l^diteur" sitetsbibUothek Wie«, REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4—, ganzjährig ö 16.—: Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierjährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 80.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwel* und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.S0, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätssir. 8, Jet. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag «. Freitag Kandidaten der //Zfloni§ti§dien Liste" 1. Staatsrat Dr. Desider Friedmann, R. A., Wien I. 2. Ing. Robert Stricker, Oberbaurat i. RM Wien I. 3. Rat der Stadt Wien, Dr. Jakob Ehrlich, R. A., Wien XVIH. 4. Dr. Oskar Grünbaum, Inhaber des Eisernen Kronenordens mit den Schwertern und der Kriegsdekoration, R. A., Wien I. 5. Siegfried Graubart, Kaufmann, Wien XIX. 6. Dr. Leopold Plaschkes, R. A., Wien II. 7. Max Schiffmann, Warenhausbesitzer, Wien II. 8. Dr. I. H. Körner, Reisebüroinhaber, Wien VIII. 9. Dr. Isidor Klaber, Arzt, Wien II. 10. Dr. Leo Landau, R. A.-Anw., Wien I, Obmann des Tempelvereines Beth Israel, Präs. d. Verbarides der Wiener Tempelvereine und der konservativen Bethäuser. 11. Kom.-Rat Artur Albers, Kaufmann, Wien XII. 12. Ing. Eugen Buchbinder, Stadtbaumeister, Wien II. 13. Dr. Michael Steinberg, Kaufmann, Wien I. 14. Dr. Mendel Rosenberg, R:$u//Wien I. 15. Dr. Nachmann Frey, Arzt, Wien II. 16. Max Schwarz, Kaufmann, Wien I. 17. Dr. Israel Waldmaniv-R. A., Wien - 18. Dr. Ing. Arnold Karplus, Baurät, Zivü-Äreh.,. Wien, XIII. 19. Rudolf Böhmer, Kaufmann, Wien I. 20. Karl Gutwald, Bankdisponent, Wien IL 21. Julius Katz, Bankbeamter, Wien II. 22. Isidor Herbst, Industrieller, Wien I. 23. I. H. Waltuch, Börserat, Wien I. 24. Dr. Alfred Löwy, Arzt, Wien VIII. 25. Oskar Preminger, Kaufmann, Wien VI. 26. Dr. Leon Preis, R. A., Wien IV. 27. Dr. Srul Osterer, R. A., Wien XVIII. 28. Chaskel Ederer, Kaufmann, Wien XX. 29. Bela Frankel, Obmann des Tempelvereines für den XIX. Bezirk, Kaufmann, Wien XIX. 30. Ob.-Insp. Theodor Engel, B.-B.-Ob.-Insp. i. R., Wien II. 31. Dr. Willi Perl, Verteidiger in Strafsachen, Wien I. 32. Eugen Prager, Kaufmann, Wien I. 33. Dr. Friedrich Klein, Vers.-Beamter, Wien VI. 34. Simon Gaspard, Kaufmann, Wien III. 35. Peisach Wühl, Priv.-Ang., Wien, XX. 36. Dr. Richard Pokorny, R. A., Wien XII. Rabbiner Prinz gcflmfalett Die „Pariser Tageszeitung" meldet aus Berlin: Der Rabbiner Joachim Prinz aus Berlin- Charlottenburg, ein'bekannter Zionistenführer, ist Ende voriger Woche in der Nacht mit seiner Frau und seinen beiden Kindern im Alter von drei und fünf Jahren geflüchtet. Er hatte von der Geheimen Staatspolizei eine Aufforderung erhalten, sich zu stellen. Wie verlautet, soll Prinz kritische Bemerkungen über das Dritte Reich gemacht und sich in Briefen an zwei ausländische Zeitungen ähnlich geäußert haben. * Rabbiner Prinz ist ein ganz hervorragender Redner und als geistiger Führer insbesondere von der jüdischen Jugend anerkannt. Die jüdische Oeffentlichkeit außerhalb Berlins wurde durch eine vielbesprochene Affäre auf ihn aufmerksam. Einige Zeit vor dem Umstürze hat der Vorstand der Berliner Judengemeinde gegen den jungen Gelehrten ein Predigtverbot erlassen, weil seine Reden „zu zionistisch" gehalten waren. Die moralische Seite Im politischen Kampf schreibt oft das Temperament der Partner die Methode vor. Die Substanz des Kampfes, das, um was gerungen, und das, was gebändigt werden soll, macht das Wesen der Kämpfer aus. Im jüdischen Fall, solange wir siebzehn Millionen Juden in der Galuth leben, muß immer das Volkstum und die Volksgemeinschaft als die Grundläge unseres Seins angenommen werden. Sonst hat es keinen Sinn, als Jude zu leben; sonst sind alle Kämpfe und Spannungen nutzlos. Wenn ein Jude sagt, es gehe ihm im politischen Kampf gegen seinen Volks¬ und Schicksalsgenossen nicht um das Jude-Sein, so wird sein Kampf unmoralisch. Er hat kein Recht, eine jüdische Plattform anzunehmen. Kurzum: es gibt auch eine moralische Seite im gesellschaftlichen Kampf. Das soll man bedenken, wenn man sich fragt, welchen Sinn die Führung der Kultusgemeinde, der Judengemeinde hat. Wir sprechen also hier nicht mehr von Politik; nicht mehr von sozialen oder weltanschaulichen Gegensätzen. Vor das Chaos der gegenwärtigen weltpolitischen Lage gestellt, nicht wissend, wie man sich im Erwerbsleben einbauen wird, im Zweifel darüber, in welcher Weise man dem Volksganzen am besten dienen kann, bleibt uns,, und vornehmlich der Jugend, nur e i n e ^Möglichkeit äußeren -Tuns und innerer Befriedigung: das persönliche Schicksal mit der großen jüdischen Zukuhftsaufgabe zu verbinden. Dieser Aufgabe kann man nur dienen, wenn man das wirkliche Leben sieht und die Zusammenhänge erfaßt; wenn man die Wahrheit des Tages erkennt. Diese Erkenntnis steht fern aller Politik. Es ist die moralische Seite der Wirklichkeit und aller geistigen und praktischen Auseinandersetzungen. Natürlich geht es um keine leichte Sache. Groß ist die Verantwortung, nicht minder groß kann der Erfolg sein. Wir Juden sind, seitdem es eine Diaspora gibt, von der Umwelt irgendwie isoliert gewesen. Aus den Arten dieser Isoliertheit setzt sich unsere Geschichte der 2000 Galuth-Jahre zusammen. Wir müssen diese Tatsache anerkennen, aus ihr die Schlüsse ziehen. Heute wieder, wo in Wien die jüdischen Bürger ihre Gemeindeführer wählen sollen, ist die Frage aktuell geworden, in welcher Weise wir uns unser Leben, unser jüdisches Leben, einrichten wollen — nicht in politischem, sondern in moralischem Sinne. Es gibt hier eine Gruppe von Juden, welche noch immer nicht wagt, aus der tatsächlichen Lage der Juden innerhalb der nichtjüdischen Umwelt die Richtlinien des jüdischen Verhaltens zu ziehen. Die „Union" sagt der jüdischen Gesellschaft: Es gibt keine Juden, sondern nur Vereine israelitischer Menschen da und dort in der Welt. Es gibt kein jüdisches Volk, sondern nur zerstreute Gruppen von Menschen mosaischer Konfession. Es gibt keinen Antisemitismus, sondern bloß ein mehr oder minder spürbares Anrempeln von Menschen mit „israelitischem Aussehen". Es gibt keine Judenfrage, sondern bloß eine Erfindung sogenannter jüdisch-nationaler Chauvinisten, die daraus für ihren „zionistischen Wahnsinn" Kapital schlagen wollen. Man kann sich die Widerlegung dieser Absurditäten ersparen. Aber schließlich gibt es noch genug junge Menschen, die solch einer bequemen Haltung erliegen könnten. Welches Verbrechen an einer Jugend, der solch ein Weltbild vorgezaubert wird! Wie schrecklich die Enttäuschung, wenn der junge Mensch mit der Wirklichkeit zusammenstößt! Eine Lüge wird ihm mit auf den Weg gegeben und er findet sich nicht zurecht. Er verliert — vom Alltag eines anderen belehrt — den Glauben an die Menschheit, sein Vertrauen zu den sittlichen Urgesetzen wankt, ein fürchterliches Erwachen gibt es, wie in Deutschland, wenn er erkennt, daß das alles, was ihn die organisierte Assimilation gelehrt hat, windige Illusion war. Solch ein Zusammenprall mit der Wirklichkeit kann, wie gesagt, nicht ohne Erschütterungen abgehen. Die Verbundenheit mit dem ganzen jüdischen Volk und seiner erhabenen Hoffnung Palästina wird seine erkrankte Seele heilen und ihn zu innerem Gleichgewicht zurückführen können. Es wäre Sünde und Verbrechen, wenn wir unsere Jugend, die Zukunft unseres Volkes, vor solchen Illusionen nicht bewahren wollten. Niemals könnten wir es verantworten, unsere Jugend der Lüge ausgeliefert zu haben. Ohne Verantwortung für die ganze jüdische Gemeinschaft, für alles, was im Judentum geschieht, läßt sich keine Judengemeinde führen. Wenn es im schönen Gebet heißt: „Er ist Wahrheit, Seine Thora Wahrheit, Seine Propheten Wahrheit", so bedeutet das für uns die Pflicht, in voller. Wahrh..eit zu leben und zu wirken. Weg mit den'Tllusiörien, für die wir so teuer bezahlen mußten in all den Jahrhunderten'/ Weg mit all den Lügen, welche die Jugend vergiften und ihr an Leib und Seele Schaden zufügen! Weg mit dem Denunziantentum, das vor nichts haltmacht! Weg mit der Schande des Assimilantentums, das die Ehre und Würde unserer Gemeinschaft preisgibt: Diese unsere Gemeinschaft ist in Gefahr geistigen, seelischen, materiellen Zusammenbruchs, wenn man sie mit Lüge und Illusion führen will. Juden Wiens! Hütet eure Gemeinde. Wählet so, daß ihr vor der ganzen Welt sagen könnt: Wir haben, unsere jüdische Pflicht getan! o. r. Die güdasdie Wirtschaft intakt (Palcor-Meldungen aus Jerusalem) Die Jahreskonferenz des Verbandes der Industriellen Palästinas wurde heute abend in Anwesenheit Hunderter von Mitgliedern, der Vertreter der nationalen Institutionen sowie mehrerer hoher Regierungsbeamten eröffnet. Der Vorsitzende des Verbandes Schenkar hielt ein ausführliches Referat, in dem er feststellte, daß die Zahl der jüdischen industriellen Unternehmen 4000 erreicht hat; 30.000 jüdische Arbeiter sind in der Industrie beschäftigt; die Produktionsziffer für 1935 belief sich auf 8 Millionen Pfund. Schenkar wies darauf hin, daß die jüdische Industrie und die jüdische Wirtschaft im allgemeinen nicht, geschädigt worden sind. Der CiftrusvExport beginnt Die erste Ladung von Grapefruit, bestehend aus 750 Kisten, wurde heute an der Mole von Tel-Aviv verfrachtet. Vier Dampfer lagen heute an der Mole vor Anker, wahrend keine Schiffe in Jaffa ankerten, obwohl sämtliche arabische Hafenarbeiter auf ihrem Platz waren. Normales Leben in Jerusalem Schon am frühen Morgen nach Streikabbruch hatten die arabischen Ortschaften und Stadtviertel ihr normales Gesicht angenommen. Sämtliche Geschäfte sind offen, obwohl viele von ihnen keine Ware haben. Der Straßenverkehr ist groß und überall macht sich die Rückkehr zu normalen Bedingungen bemerkbar. Es ist jedoch offensichtlich, daß der Streik eine bedeutende Verarmung der Bevölkerung verursacht hat. Wer Sammlung will und nicht Zerfall, wählt am 8. November die „ZlOltlSfilC

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