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Die neue Welt · 1936-10-16 · Heft 600 (16.10.1936) · page 9

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 600 (16.10.1936)
Date
1936-10-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 600 vom 10. Oktober 1936 DIE NEUE WELT Seite 7 Judentum und Bolschewismus Der Oberrabbiner von Luxemburg, Dokjy ... tor Serebrenik, stellt uns den Text seiner c' ,f / Neujahrsrede zur Verfügung, welchem wir J ' folgendes entnehmen: ' Es ist wahr, daß eine mehr oder minder große Anzahl von Juden in Rußland der kommunistischen Partei angehört und daß einige wenige unter diesen in der bolschewistischen Hierarchie verschiedene Stellungen bekleiden. Aber die Tatsache, daß gewisse Juden sich mit dem Bolschewismus identifizieren, erlaubt ebensowenig den Schluß, daß Judentum nun gleich Bolschewismus gesetzt werden können, wie das Vorkommnis, daß ein Jude sich tauft, die Folgerung zuläßt, daß nun Judentum dasselbe wie Christentum sei. In beiden Fällen — und mögen sie sich tauserid- und zehntausendmal wiederholen — handelt es sich um individuelle Austritte aus dem Judentum, um Konversion, Es ist mir mit dem besten Willen nicht möglich, einen Juden, der sich dem Bolschewismus verschreibt — und das ist ohne eine völlige Absage an das Judentum und ein gänzliches Aufgeben seiner Form und seines Inhaltes nicht' gangbar —, noch als Juden anzuerkennen. ' Ebenso wie ich mich sträube, einen Juden, der einen Glaubenswechsel vollzieht oder das Judentum Abschwört, noch als Juden anzusprechen. Die Uniwelt allerdings, tut dies oft, indem sie auch dann noch von einem bolschewistischen Juden in gleicher Weise wie von einem getauften Juden spricht und beide, aus einem rassischen Gefühl heraus, als „Juden bis auf weiteres" markiert. Für uns ist weder dieser, noch jener ein Jude mehr, denn man kann nicht zwei Göttern auf einmal dienen! * Die Schuld aber an der marxistischen Einstellung vieler Juden in Rußland und — mag sein — auch außerhalb der Sowjetunion trägt nicht das Judentum, sondern einzig und allein der Antisemitismus. Der Judenhaß ist es, der sie in die extremistischen Lager, zu den radkalsten Parteien getrieben hat, wo man sie weder nach Konfession, noch nach! Rasse fragt. Der Antisemitismus ist schuld, daß das Judentum diese Menschen verloren und so eine erhebliche Einbuße an numerischem Gewicht erlitten hat. Denn die Judenfeinde haben sie in dem vorrevolutionären Rußland aus dem Lager der Religion fortgetriehen und ewangsläufig dem Bolschewismus in die Hände gespielt. Sie haben ihnen so sehr und so lange das Leben, als Juden zur Hölle gemacht, bis sie von uns desertierten und dorthin gingen, wö man keine Vorurteile kennt und keine Arierparagraphen, keinen Numerus clausus an den Universitäten und keinen Ausschluß von den liberalen Karrieren und der Besetzung von Staatsämtern wegen des Judeseins. Man hat diese Menschen uns nicht gegönnt, sie aber sind zu keiner anderen Religion gegangen, sondern jeder Religion bis auf weiteres verlorengegangen. Die politische Einstellung der Juden in jedem Lande ist das „Echo der Behandlun g", die mäh Ihnen zuteil werden läßt. Und wenn in Rußland junge jüdische Menschen zum Kommunismus ütfergWgen, so hat •nicht das Judentum und seine Strenge sie zu Bolschewiken gemacht, sondern der Antisemitismus und seine proskribierende Grausamkeit, die ihiißja,.aen. Weg zu einem ..würdigen .und friedlichen :L4ben;; vermauerten... So sieht es in Wahrheit mit der heute so sensationell aufgemachten Gleichsetzung vön Bolschewismus und Judentum aus. Junge Hilfsarbeiterin sucht Stella in Geschäft oder ==rr= Betrieb. Geft. Zuschrifien unter „Gute Jüdin" an die Administration Gegen die jüdischen Aerzte. Aus Berlin wird gemeldet: Der Reichsinnenminister hat verfügt, daß mit sofortiger Wirkung für Kosten, die durch Inanspruchnahme jüdischer Aerzte und Zahnärzte von Apotheken, Krankenheil-, Entbindungs- und Beerdigungsinstituten ■entstanden sind, Beihilfen an die Beamten und ihre Familien nicht mehr gezahlt werden. Zeugnisse jüdischer Aerzte zum Nachweis einer dauernden oder vorübergehenden Dienstunfähigkeit werden nicht mehr anerkannt. Vor der Königlichen Kommission Aus London: Das englische Kabinett tritt am Mitwoch zu einer Sitzung zusammen, die, wie verlautet, der Erörterung der Situation in Palästina gewidmet sein wird. Aus gut informierter Quelle verlautet ferner, daß ,die Mitglieder der zur Untersuchung der Lage in-Palästina ernannten Königlichen Kommission in etwa zehn Tagen die Reise nach Palästina antreten. Inzwischen tritt die Kommission alle paar Tage in London zusammen, um die Vorarbeiten für die Untersuchung durchzuführen und, das notwendige Material zusammenzubringen. (J.T. A.) Deutschblütige Gefahren Nach Meldung der „Schlesischen Tageszeitung" in Breslau hat das Schöffengericht Breslau ein jüdisches Ehepaar zu je 120 RM Geldstrafe oder je 40 Tagen Gefängnis verurteilt. Die beiden Angeklagten hatten seit November 1935 eine deutschblütige Gewerbegehilfin in Ihrem Geschäft. Da Geschäft und Wohnimg aneinandergrenzten, habe sich die Gewerbegelülf in In der Wohnküche aufgehalten und sei auch im Haushalt tätig gewesen. Die Hausfrau habe lediglich jlas Schlafzimmer ab 1. Jänner selbst aufgeräumt. Der Staatsanwalt hatte Gefängnisstrafen von vier Monaten und sechs Wochen beantragt. Antisemitische Gewaltakte in London-WlUtechapel Aus London: Am Sonntag, 11. Oktober, abends, kam es in dem von Zehntausenden Juden bewohnten Stadtteil Whitechapel in London East End zu schweren antisemitischen Gewaltakten. Unbeschadet der Wachsamkeit der Polizei gelang es etwa 150 antisemitischen Faschisten, meist Jugendlichen, überraschend in Whitechapel einzudringen und eine Reihe jüdischer Geiphäfte zu demolieren. In etwa 25 jüdischen Geschäften wurden die Schaufenster zertrümmert, mehrere Ladenbesitzer wurden tätlich angegriffen. Ein Ladenbesitzer und ein kleines Mädchen wurden von den Huligans ergriffen und durch die zertrümmerten Schaufenster zurück in den Laden geworfen. Beide erlitten erhebliche Verletzungen. Ein Auto wurde umgeworfen und in Brand gesteckt. Als die Polizei erschien, ergriffen die Demonstranten die Flucht. (J. T. A.) Antisemitischer Terror in Polen Aus Warschau: Junge nationaldemokratische Huligans überfielen vor dem Warschauer jüdischen Friedhof. einen jüdischen Leichenzug; vier Juden wurden erheblich, mehrere andere leicht. verletzt. In Krcanow (Westgalizien) wurden der jüdische Kaufmann Lipa Szenker samt Frau und Tochter von Banditen ermordet und beraubt. In Fludi bei Warschau wurde der jüdische» Kaufmann Korzeniewskl ermordet. Die „Jugend-Lögion", die einst den Regierungskreisen nahe stand, faßte auf ihrer soeben abgehaltenen Reichskonferenz eine Entschließung, in der e3 heißt: „Die Legion wird einen unerbittlichen Kampf gegen die Juden so lange führen, als noch ein einziger Jude in Polen verbleibt. Hoch- und. Mittelschulen raüssen nur Polen,.keineswegs aber Juden zugänglich sein." (J. T. A.) Die »lüdenstaatäjügend gratuliert ihrem verdienstvollen Vizeobmann, Herrn Fritz Kolb, zu seiner Vermählung mit Frl. Ahny S-trober aufs herzlichste. Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) Oesterreich: Fräulein Lilli — Silhouetten. . England: Wie es euch gefällt. Frankreich: Helene. — Taraß Bulba. Amerika: Mr. Deeds — Schwester Florence — Peter Ibbetson — Der König der Frauen — Der kleine Rebell — Der chinesische Spürhund — Küß nicht im Kino! — Der kleine Lord — Der Mann, der Wunder wirkte — Kampf um die Barbee-Farm — Der letzte Gangster —• Die Matrosen kommen! — China-Gold — Keine Gnade — Die Wunderbar — Wir drei. fslnte unter Arierparagraph Raub der Sabinerinnen — Die letzte Fahrt der „Santa Margareta" — Mädchcnmarkt — Die Fahrt ins Blaue — Boccaccio — Der Holzschnitzer vom Erzgebirge — Befehl Ist Befehl — Mister X. — Der Dämon vom Himalaya — Puppenfee — Die Drei um Christine — Arzt aus Leidenschaft — Der Ilundefaftger — Weiberregiment — Opernring — Der Schlaumeier — Mädchenpensionat — Confetti — Engel mit kleinen Fehlern — Wer ist wer? — Prater — Der Wildfaug — WftMwinter — Kaiser von Kalifornien — Männer vor der Ehe — Allotria — Friesennot — Verräter — Stenka Rasin — Nur du, Maria (Gigli-Film) — Schlcißakkord — Schatten der Vergangenheit — Seine Tochter ist der Peter — Manja Walewsita, ■syjwwtmmtna&tmxsr.iii. »umUli iiihmbbwmbi—BBWBmMi neue Fasson, in Modefarben S 12 Aparte Kasak-Kleider aus Modewollstoffen mit Samtaufputz . . .; ..... . 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