Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 599 (13.10.1936)
- Date
- 1936-10-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 10 Groschen Dienstag, den II« Oktober 1936!•< Nr* S*# V« b* b* Zeitung vom Verleger versendet Toornal exp6dle par rfedlteur" REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN; Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig 8 4.~, ganzjährig 8 IB.—; Polen monatlich Zloty 1.80, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ko 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vlerieljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Dentgchland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire ß.—, vierteljährig Lire 14.—j Schwell und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 160. vierteljährig Schweizer Tranes 4.60. Mit B bezeichnet« Anaeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel. A-20-2~78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Denke* an Eure Bruder in Deutschland ■ Wählet am 8. November die Denket an die Zukunft Eurer Kinder i Zionistische Liste! Zwi Perez Chajes <£T:f ■ .* J'"'. Zum 60* Geburtstag . In den neun. Jahren, die seit dem Hingang unseres ^n^erjgi^Ubh^n/.pben>abbU),ers.i2S^ Perez Chajes ver-. gangen; sind, hat das jüdische Wien zutiefst empfunden, was ihm die'Persönlichkeit dieses hervorragenden. Mannes gewesenist. ' \ ' ' r " In Zwi Perez _ Chajes fanden sich höchste Religiosität, i natürliche Sittlichkeit, zionistisches Fühlen. Und Handeln in: seltener Harmoniezusammen. Chajes, .WjenaL größter Oberrabbiner, bewies durch sein Löben, -| daß ihmdie Pflege des hationaljüdischen Gedankens,; der? zionistischen Idee auch vom Standpunkt seines rabbiriischen - Führertums höchstes Gebot war.1 Isräelitische Kultusgemeinde - war ihm identisch mit jüdischer Yolksgemeinde — und darum fand er auch Verständnis, wo diesem die einzigartige Form desjüdischen Kultus für fremde Schranken setzt. .... I ..'Chajes' Erbe gilt es zu wahren! Es wäre eine Versündigung am Andenken'• dieses, edlen Mannes, : dieses großen Sohnes seines Volkes, wenn die Juden Wiens, die er einst führte, sich nicht verpflichtet fühlen sollten, in seinem Sirine die jüdische Gemeinschaft Wiens/ die Wiener Kultusgemeinde, weiterzuführen'. , Juden Wiens! Feiert das Andenken an den ünver-' geßlichen religiösen und geistigen Führer Zwi Perez Chiles in würdiger Weise! Feiert ihn als den echt jüdischen Sohn des jüdischen Volkes, im Sinne seines - Lehrmeisters Theodor Herzl. Kommen die Oktober» Zertifikate? Aus Jerusalem raejdet die J. T. A.: 55ur?eit werden Verhandlungen zwischen der Zionistischen Eexkutive und der Paüls,tina-Regierung bezüglich der Zertifikaten-Ausgabe für das Halbjahr Oktober 1086 b'n März 1937. Im Gegensatz zu den bisherigen/'Meldungen verlautet, daß die Exekutive bisher der Regierung noch keinen Zortifikatenvorschlag unterbreitet hat. Aus Tel-Aviv meldet die J. T. A.: Nach der üblichen Prozedur sollte die Palastina- Regierung schon in wenigen. Tagen den Schedule für ÖaAHalbjahr Oktober 1036 bis März 1037 der Jewish Agency £Ur;yer£Ugyng stellen. Die Exekutive hat bereits ein begründetes Ansuchen der Regierung unterbreitet, in welchem darauf hingewiesen wird, daß es in Palästina heute kaum 4000 arbeitslose Juden gibt, und daß bereits in den letzten Wochen ein Mangel an Arbeiterhänden, besonders jn.den Kolonien, besteht. Wie die Arbeitertageszeitüng „pawar" ausführt, rechnet man in jüdischen Kreisen <3^amit, daß die Regierung, wenn auch nicht offiziell, ap fl&ch faktisch dl© Ausgabe des Schedule zurückhalten IffiiJ&i - Zionismus oder Unionismus? Zu den Wiener jüdischen Gemeindewahlen In Wien, der Geburtsstadt des Zionismus, der Stadt Theodor Herzls, finden jetzt die Wahlen in die Judengemeinde statt, und zwar unter der Parole: Zionistisch oder antizioriis tisch. Diesmal gibt es keine Zersplitterung. Die Front verläuft gerade. Zionismus steht gegen Antizionismus, die zionistische Liste gegen die Liste der „Union". Dem Wähler bleibt nur eine Wahl: Zionistisch oder antizionistisch,. für die jüdische Einheit in der Diaspora oder gegen sie, für e%.e jüdische, nationale Heimstätte in Palästina oder gegen sie? > ■ ' ■ ... *. . . Als Theodor Herzl vor vierzig Jahren der Welt .seinen->,Juderis müs äüfrief; da1 stieß lüir ein: 'kleines-' SuNxE^in' -Vdh Männern zu ihm. Ge^en ihn' stellte sich alles, was Rang und Namen im Judentum hatte. Man stempelte ihn als Verbrecher, als „Zerstörer des Judentums und denunzierte ihn bei den Regierungen als „Landesverräter" und Verführer der Jugend. Führerin in dem Kampf gegen den Zionismus war die „Union". Theodor Herzl ist zur Lichtgestält geworden, zum Gegenstand der Verehrung für Juden und Nichtjuden. Die „Union" aber ist geblieben, was sie war, die Organisation jener, denen das Verständnis für jüdische Größe fehVt.die nichts lernen können und wollen, die weiter lästern und denunzieren. Während die große jüdische Welt mit pochendem 'Herzenden grandiosen Kampf verfolgt; den der Zionismus und die Judenschaft Palästinas um das jüdische Nationalheim führen, schreibt das: Blatt der „Union" vom „Zusammenbruch der Palästina-Illusionen" und verzeichnet hämisch, daß der/Versuch der Gründung eines Judenstaates „verunglückt" sei, und fügt wörtlich hinzu: „...dem Himmel sei Dank"... *' -""Die „Union" ist geblieben, was sie vor vierzig Jahren war. Soll die Judenschaft Wiens, welche der "V^elt einen Theodor Herzl gab, Unionisten zu Führern wählen? .' " ' * - Wenige Jahre sind. verstrichen, seit Palästina der jüdischen Einwanderung geöffnet wurde, und schon sind mehr als 400.000 Juden dorthingezogen Und;haben ein Werk geschaffen, das.in der,Geschichte, der Kolonisation in aller Welt ohnegleichen dasteht. Aus einer Wüste und Scharen gehetzter Menschen ist ein blühendes Land voll Zufriedenheit geworden. Das vom Zionismus geschaffene Palästina hat aber nicht nur Hunderttausende gerettet und glücklich gemacht, es ist Lichtstrahl in der Nacht der Bedrängnis, die Hoffnung für siebzehn MUlionen geworden, die, von brutaler Feindschaft enger unischlossen und ärger bedroht als je, ohne den Zionismus in vernichtende Verzweiflung verfallen müßten. 60.000 Juden hat Hitler bis jetzt aus Deutschland vertrieben. 2Q.ÖÖ0 irren noch in aller Welt umher als lästige, kaum geduldete Eindringlinge, 40.000 hat das von der Assimilation geschmähte und von der „Union" als „verunglücktes Experiment" herabgesetzte Palästina in mütterliche Arme aufgenommen und sie leben glücklich und frei. Hunderttausende aus dem Osten, sind unsagbarem Elend entronnen. Und auch In Mitteleuropa/auch in Wien gibt es kaum eine FainiUe, die nicht einen Sohn, eine Tochter, einen Angehörigen, einen Freund in Palästina, hätte und. dort zufrieden .und glücklich wüßte, Das alles hat der Zionismus geschaffen und ist bemüht, dieses glückbringende Werk auszugestalten und zu vergrößern, damit aus den Hunderttausenden MUlionen werden, und es zu festigen und gegen seine Feinde zu schützen. Die Menschen aber vom Schlage und der Denkart der „Union" sind abseitsgestanden und haben geschmäht und gehindert und begrüßen jeden Hieb gegen das jüdische Palästina mit niedri» ger Schadenfreude. Sollen - diese Menschen Führer des jüdischen Wien sein? * Der Zionismus hat dem Judentum größte Ehren gebracht. Alle Staaten, die großen Mächte voran, haben der Idee des erwachenden alten Judenvolkes > ehrende- Anerkeimu^ -Saunt, einen Staatsmann von Bedeutung, der nicht ein Bekenntnis zum Zionismus abgelegt hätte. England, Frankreich und die Vereinigten Staaten5 haben nach.Beendigung des Weltkrieges , ihre . Macht dafür eingesetzt, daß Palästina zum jüdischen Nationalheim bestimmt, werde, und ihnen schließt sich eine unabsehbare Reihe von Regierungshäuptern und höchsten Würdenträgern an, die . der zionistischen Bewegung Respekt erwiesen und Förderung zugesagt haben. Aber die Unionisten sagen und schreiben unermüdlich, daß nur Antisemiten Freunde des Zionismus sein können. Die Unionisten sägen auch, daß Zionismus und Vaterlandstreu'e unvereinbar seien, und streuen die giftige Verleumdung aus, daß die Z i.onisten keine guten Patrioten sind., Wie aber urteilt die große nicht jüdische Welt? Lord Melchett, der Kämpfer für den Zionismus, war drei* mal englischer Minister. Der Führer des amerikanischen Zionismus, Louis Brandeis, ist Oberster Richter der Vereinigten Staaten, der französische Ministerpräsident I^eon Blum hat sich zum Zionismus bekauint,. In vielen Staaten bekleiden Zionisten hohe Staatsstellen und auch in Oesterreich wurden zionistische Führer in den Staatsrat und in den Rat der Stadt Wien berufen. Hätte man all diese Bekenner zum Zionismus auserwählt und beruf en, wenn man sie nicht als wertvolle Bürger des Staates und Männer von unzweifelhäfer patriotischer Treue ansehen würde? Aber die „Union" setzt sich über alle Welt hin-. weg und denunziert die Renaissancebewegung des jüdischen Volkes als Verrat am Vaterlande, treue Diener für die jüdische Sache als Feinde des Staates und die Mehrheit der österreichischen Juden als unzuverlässige Bürger. Sollen d i e s e Menschen das jüdische Wien führen? Der Zionismus hat dem jüdischen. Volk seine Jugend gerettet. Theodor Herzl trat gerade in dem Zeitpunkt auf, als unter der jüdischen Jugend, insbesondere unter der studentischen, der Abfall grassierte und Verleugnung alles Jüdischen der leitende Gedanke war. Herzl prägte den Satz: „Aus Judenjungen sollen junge Juden werden", und er und sein Zionismus rissen die schon verlorene Jugend an sich und führten sie dem Volke zu, dem sie nun seit vierzig Jahren in Treue anhängt. Erziehung der Jungen zu stolzen Juden war das Hauptprogramm des Zionismus und ist es bis heute geblieben. Der Zionismus hat den Großteil seiner Kraft und Mittel dieser Aufgabe gewidmet. Der Zionismus ist vor allem „Bewegung der Jugend und tausende und tausende junger Menschen