Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 597 (30.9.1936)
- Date
- 1936-09-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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20 Groschen Mfffwodh/ den 30* September 1936 ■•Hfflang 185 Nr« 597 V* b* b» Zeitung vom Verleger veraendet vnnrnaJ expedle par l'editeur1* Titl. Uni vers,^bl,otb R U £ HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN. Oesterreich monatlich 8 1.40, vierteljährig s 4.—, ganzjährig S 16.-; Polen monaUlch Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50: Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jngoslawien monatlich Dinar 14.-, vierteljährig Dinar 40.—; Bamänlen monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Dentsohland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—: Bulgarien monatlich Lewa 30.—. vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweix und die ttbrlgen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anselgen elnl entgeltlieh. Redaktion u.VerwaltanQ: lX,Universitä*sstr.8flet.A-20-2~78 - Erscheint Dienst an u. Fr eHaq ORBIS SPOLEN Abfahrt: Jeden zweiten Sonntag t* Anmel düngen: Po'n. Reisebüro .«ORBIS l. KSrntnarstraße 41, R-ai-5-78 Oasferreichisehes Verkehrs-Büro J. Frledrlchstrane 7. B-87-soo, i. Graben 20, U.M-0.3S Rosch Haschana und Jona Kippur bedeuten für den jüdischen Menschen eine Wende. Ganz dem Geistigen noch hingegeben, beginnt er mit der Errichtung der Sukkah, eingedenk dessen, daß er sich nicht im Persönlichen verlieren darf, daß er dem Volksganzen gehört. Das Sukkothfest ist vor allem ein Fest der ganzen jüdischen Gemeinschaft und der neuen Ernte, es ordnet den Menschen in das größere Ganze der Nation ein. Nach Jörn Kippur stellt sich der Jude wieder ganz in das jüdische Volk hinein und gibt sich der Freude an den Früchten seines Bodens hin. . Sukkoth ist das Fest der Weinlese und der Getreideernte. Es ist also ein Fest des seinen Boden bearbeitenden Menschen. Und gerade im Augenblick, wo die Freude am Besitz, an der gesicherten Heimat am stärksten ist, sollen alle Juden ihre festen Häuser verlassen, um in Hütten zu wohnen, in einfachen Hütten wie zur Zeit der Wüstenwanderung, wo das Volk Israel auf Gottes Fürsorge angewiesen war. Ein Symbol unerhörter Stärke! Die letzten Monate in Erez Israel haben dieses Symbol wieder zeitnahe gemacht. * Am Sukkoth beginnt auch das neue Ernte jähr. Die ersten Regen sind im Begriff, zu fallen und. Vorboten für die kommende Ernte zu sein. Nach der Tradition wird daher, wie am Rosch Haschana über den Menschen gerichtet wird, am Sukkoth die Menge des Regens für das kommende Jahr bestimmt. Man pflegte daher zur Zeit des Tempels an den Tagen des Festes ein Wasseropfer darzubringen. Man tanzte und spielte und freute sich, man sang Lobgesänge ... Aus dem gleichen Grunde wird auch an dem sich anschließenden S ch'ra ini Azereth das Gebet um den Regen gesagt. # Die Reihe der Feiertage wird durch das Fest der Gesetzesfreude abgeschlossen. Das Lesen der Thora wird beendet und gleich wieder begonnen, wodurch die ewige Aktualität und Neuheit des'Gesetzes betont ist. Es gibt kein Ende für das Lesen der Thora. Jedes Jahr schaffe eine jeweils neue Beziehung zu ihr; jedes Jahr gebe die Möglichkeit, immer tiefer in ihr Wesen einzudringen. Wie alle jüdischen Feste, hat auch Simchat Thora einen ernsten Unterton — durch die Erinnerung an den TodMosches noch vor dem Einzug in das Land, der aus dem letzten Kapitel der Thora vorgelesen wird. Mosches Persönlichkeit beherrscht den letzten Tag der Feste. Mosche gibt dem von ihm scheidenden Volk, das nach Erez zieht, den Segen. So steht also am Ende der Feste Mosche als der echte Führer da, lebendig in der Erinnerung des jüdischen Volkes, am Eingang des neuen Jahres, von dem man nicht weiß, was es uns bringen wird.! Stellt euch in den Dienst für den Wahlkampf um die Judengemeinde! Wer noch nicht in seinem Bezirk eingeteilt ist, melde sich ehestens beim Zentralwahlkomitee der „Zionistischen Liste", Wien, I„ Marc-Aurel-Straße 5. Die Welt muß es hören Nach dem „Zentralfoür o.de sJüdischen Weltkongresses" haben nun auch die zwölf Oberrabbiner der größten Judengemeinden und die Alliance Israelite Protest erhoben gegen die Verunglimpfung und Verleumdung des Judentums und des jüdischen Volkes durch die nationalsozialistischen Führer auf dem Nürnberger Parteitag. Die Herren des hakenkreuzlerischen Deutschland haben in ihrem fanatischen Judenhaß jedes Maß verloren und glauben, sich gegen das jüdische Volk alles erlauben zu dürfen. Die Identifizierung des Judentums mit dem Bolschewismus, pathetisch und hysterisch von Hitler, Goebbels und Rosenberg verkündet, wurde anfangs von der öffentlichen Meinung nicht recht verstanden. Man hatte nämlich vom „Parteitag der Ehre" die Ankündigung neuer Gesetze zur Ausraubung und Diffamierung . der Juden Deutschlands erwartet und bekam bloß zu hören, daß es ein Sowjetjudäa gebe, eine internationale Verschwörung des Judentums gegen die zivilisierte Menschheit. Allmählich, -aber wird klar, daß die Gleichstellung „Judentum =7 Bolschewismus" nur ein Vorwand war, um die Judenverfolgung als Staatsnötwendigkeit für a 11 e Völker > hinzustellen. Die Gewaltakte .beginnen, Am 23.; September, einen 'Tag'* vor'Jörn' Kippur,''wurdefi"*meKrer^'i.^'<fiscKe, Persönlichkeiten in Berlin von der Gestapo verhaftet, darunter ein Leiter des Reichsverbahdes jüdischer Kulturbünde, Dr. Benno Kohn. Die Verhaftungen erfolgten angeblich wegen des Widerstandes, den die Reichsvertretung der deutschen Juden den Richtlinien des mit der Betreuung der jüdischen kulturellen Angelegenheiten beauftragten Kommissärs Hans H i nk e 1 entgegengesetzt hätte. Diese Richtlinien besagen, daß das jüdisch-kulturelle Leben allmählich ins rein Hebräische gelenkt werden müsse, da die deutsche Sprache nach Ansicht des Nationalsozialismus lediglich Kulturgut der Deutschstämmigen sein könne. Schon vor einigen Jahren hatte der berüchtigte Julius Streicher gefordert, daß die jüdischen kulturellen Angelegenheiten nicht mehr in deutscher Sprache behandelt werden dürfen. •1 Francopol11 nach Polen und Czernowitz Nächste Abfahrten: II. und tS. Oktober „Francopol". III Schwarzenbergplatz 7 Tel. U-16-4-90 „Cedok", I, Kärntnerstraße 32, Tel. R-23-4-88 OerngroO, Vit, Mariahilfe!straBe 42, Tel. B-38-2-68 Die Verhaftung der jüdischen Persönlichkeiten ist eine Bestätigung der seinerzeitigen Nachrichten, daß nach Abschluß der Olympiade die Judenhetze und Judendrangsalierung in wesentlich verschärfter Form fortgesetzt werden wird. Wie uns aus Deutschland mitgeteilt wird, bekommen seit einigen Wochen die „Nichtarier", welche noch nicht völlig verarmt sind, ein Zirkular ihres Finanzamtes, das folgendermaßen beginnt: „Es kann angenommen werden, daß Sie bei nächster günstiger Gelegenheit Ihren Wohnsitz 1 ins 'Ausland ' verlegen wollen." Weil dem so sei, fordert das Finanzamt die Empfänger auf, ein Viertel ihres Vermögens, das' 1915 zur Vermögenssteuer veranlagt worden war, als „Sicherheit" zu deponieren, widrigenfalls nach Ablauf von acht Tagen die Beschlagnahme des Vermögens'■:zu gewärtigen sei. Vorgeschützt wird zur Begründung des>neuen antijudischen Raubzuges das Reichsfluchtsteuergesetz von 1934. Da die meisten Vermögen nicht flüssig'sind und es überhaupt nicht möglich ist, ein Viertel des Kapitals In ein paar Tagen aus einem Betrieb zu ziehen, so muß die j Enteignung des Kapitals, das sich noch in jüdischen Händen befindet, als bevorstehend angesehen werden. Schon vor lägerer Zeit haben Juden ihre Firmen zum Verkauf angeboten und auch tatsächlich aufnahmsbereite arische Hände gefunden, so daß in dieser Beziehung der neue Raubzug nur mehr eine Fortsetzung der bisher so bewährten schrittweisen individuellen Expropration bedeutet. Es bedarf keiner generellen Finanzaktion. Die jüdischen Firmen fallen von selbst nach und nach den erpresserischen Maßnahmen der Nazipartei zum Opfer. Wenn jetzt in Nürnberg die Parole vom antibolschewistischen Kreuzzug als einem Feldzug gegen das „verbrecherische internationale Judentum" verkündet wurde, so geschah dies zum Teil auch als Rechtfertigung des inneren Feldzuges gegen die letzten Reste jüdischer Vermögen. Die Verknüpfung von Bolschewismus und Judentum sollte diesen Feld-, bzw. Raubzug als eine berechtigte Abwehraktion erscheinen lassen, als eine legale Fortsetzung der rassenpolitischen Maßnahmen des Dritten Reiches, die angeblich bisher nicht genügend in die Breite gegangen sind. Die erwähnten Proteste jüdischerseits werden zweifellos nicht von aktueller, schadenverhindernder Wirkung sein. Aber sie werden bezeugen, daß die Judenheit nicht länger gewillt ist. die seitens der gegenwärtigen Herren Deutschlands gegen sie gerichteten infamen Beschuldigungen stumm hinzunehmen. Ein, großer Teil der Weltpresse hat die Proteste veröffentlicht. Das Wort von den Leiden und Gefahren Unschuldiger jüdischer Menschen muß mächtig widerhallen! Die Welt muß es hören! Die Welt darf es nicht vergessen! o. r. Teilweise? Belagerung^ zustand Proklamation fertiggestellt Aus London wird gemeldet: Schon für die nächste Zeit wird die teilweise Verhängung des Belagerungszustandes in Palästina erwartet. Man rechnet damit, daß nur die Hauptgebiete davon betroffen werden. Bei einer Konferenz mit König Eduard VIII., an der der Außenminister Eden und der Kolonienminister Ormsby Gore teilnahmen, wurden die Entwürfe für die Proklamation des Belagerungszustandes geprüft und genehmigt. Die Absichten der englischen Regierung Aus Genf wird gemeldet: Zu Beginn der Palästina-Aussprache im Völkerbundrat gab der britische Außenminister Anthony Eden eine eingehende Erklärung ab, in der er Entstehen und Verlauf der Unruhen im Mandatsland Palästina' schilderte und auf den Beschluß der englischen Regierung hinwies, eine Königliche Kommission mit Lord Peel an der Spitze nach Palästina zu entsenden, die an Ort und Stelle die Ursachen und die Folgen der Unruhen studieren, die Wünsche und Beschwerden der Juden und Araber, so weit sie sich auf das Funktionieren des Mandats beziehen, entgegennehmen und der Regierung Vorschläge machen soll. Die Kommission werde auch Mittel und Wege suchen, wie das ganze Verhältnis zwischen Arabern und Juden auf eine gesündere Basis zu stellen sei. Leider aber — so fuhr Minister Eden fort — Die JUDISCHE HANDELSSCHULE vei anstaltet aus Anlaß des am ^2. Sept begonnenen Unterrichtes am 12. OKTOBER 1936 im großen Femaat des Hotel Baynschei Hol' eint GROSSE ERÖFFNUNGSFEIER PROGRAMM: Einweihung Se. E Hr. Oberrabbiner Dr. Isr. Tagliclit Oberkantor Frankel mit dem Chor des poln. Tempel Festreden: Herr Staatsrat Piäs. Dr. üesider Fried mann u a. Künstlerischer Teil; Fritz Orünbaum u a. Eintrittskarten in der Dmktion. II, laboistraße 3" bis längstens 7. Oktober erhältlich