Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 595 (22.9.1936)
- Date
- 1936-09-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seit* 4 DIE NEUE WELT Nr. 505 S s 1r I i. ]i , I \ " s' Sen HacutU: Das Sclämmsie 1. Es war ein heißer Disput. „Was ist das Schlimmste In der Welt?" So hieß die Preisfrage, die an der Runde des weisen Königs Salomo gestellt wurde. Nochmals vertiefte man sich in die heiligen Werke, nochmals durchstöberte man alle Schriften der Philosophie, nochmals ließ man im Geiste die ganze Geschichte der Menschheit vorbeiziehen, um etwa auf diese Weise die Antwort zu finden. Da — endlich — erhob sich der Aelteste, ein Mann von großer Statur, mit hoher Stirn und feurigen Augen und breitem, weißem Bart, und sprach: „Der Tod!"... Durch die lange Reihe der Gelehrten ging ein Aufleuchten. Jeder fühlte und begriff es... Der Tod..!! Wieder einmal entschied der schweigsame Gelehrte, der Aelteste, den heißen Disput durch zwei kurze Worte: Der Tod...! Alles blickte auf den König. Es bedurfte jetzt nur noch seiner Bestätigung und — die nächste Aufgabe kam zur Behandlung. Der König saß gebeugt, den mächtigen Kopf in eine Hand gestützt, und sann. Langsam hob er seinen Kopf, ging mit dem Blick die Reihe seiner. Räte durch und sagte ebenso kurz und fest: „Nein!" Darob Verwunderung! Nein? Gibt es etwas Schlimmeres — als den Tod? Der weise Salomo scheint zu irren... Erhöhtes Staunen und Verwunderung: „Nein, meine Freunde, der Tod ist nicht das Schlimmste." Der greise Gelehrte wurde stark: „Bedenke, König! Alles Schöne und Erhabene wird durch ihn vernichtet. Das heilige Leben, daß der Ewige dem Menschen, dem Vogel, der Blume, dem Baum, dem Tier geschenkt hat, zerstört er... Bedenk, König, daß nichts auf dieser Welt so viel Böses verursacht wie der Tod. Es ist mein fester Glaube: Er ist das Schlimmste!" > . Der König hörte ruhig zu, dann blickte er nochmals alle an und erhob sich, zart lächelnd: „Es tut mir leid, mein Freund, daß du unrecht hast. Ihr seid zwar gelehrt, aber ohne Erfahrung. Wisset, Freunde, schlimmer noch als der Tod ist das — Weib!" Und damit verließ er den großen Ratssaal.., 2. Die Nacht fiel herein. In die fürchterliche Schwüle fiel ein Blitzen und Donnern, die Erde erzitterte, der Himmel war Feuer und Flamme. Im großen Ratssaal saß König Salomo mit seinen Räten und lehrte sie Weisheit. Sie vernahmen nichts vom Toben, denn sie lebten in der Welt des Geistes. Aber die Decke barst und da stand er plötzlich: der Tod! „Dich suche ich!" dröhnte es und eine lange, dürre Hand wies auf Salomo. Der König erhob sich, stand gerade, aufrecht. „Ich gebiete dir: Schweigen! Hier ist Ruhe und Friede. Wenn du ein Anliegen hast, dann bring* es vor, wie es sich ziemt bis die Reihe an dich kommt!" „Hahaha... Ein Mensch aus Fleisch und Blut wiü niir befehlen... hahaha...! Ich habe die Welt aufgerüttelt. Sie soll über ihren „weisen" König lachen, der sagt, es gäbe Schlimmeres als mich... Ich werde morden und würgen, bis der „weise" König auf den Knien um Verzeihung bitten wird wegen der Schmach und des Hohns, den er mir angetan. Stehe und gib Rede und Antwort! Beharrst, du auf deiner Meinung?" „Ja! Und ich schlage dir vor: Gehen wir zu Gericht, du und ich, und bringen wir jeder unsere Meinung vor." „Gewiß! — Aber vpr das Hohe Gericht." „Abgemacht."; *. Pos Hohe Gericht entschied: Dem Tod wird ein Weib zur Frau gegeben, auf daß er mit ihr einige Jahre auf der Erde lebe und Erfahrungen sammle. Derart werde er selbst erkennen, wem der Vorrang gebühre... So geschah es. Eine Zeltlang lebte der Tod mit seinem Weib in Frieden, aber allmählich begann man zu Btrefte», zu fluchen... K pa gebar ihm das Weib ein Kind, einen Sohn. Ein KINO«PROflRAMME KAEUZ-KINO Ein Unbekannter 1, Wollzeile 17 mmdet Telephon R-24-2-16 VoTwu«pg«Pi wo K°bBrt Mowtaomery, EHwbeth Allan STAFA, VII MarlahHferttraBe 120 - Telephon B-88.0-68 1 - -ffv^8,8' *' 7' 9 Ut" Shlrley Temple rii'iii'lfi*1) VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon, A-18-3-96 Bkfilnn: it. Vit, Vi9, W9 wenig Eintracht kam ins Haus. Aber nach kurzer Zeit brach alles zusammen. Der Tod kapitulierte, glücklich, das Weib losgeworden zu sein. Ein Bittender, kam er zu Salomo. „Hilf mir, o König, befreie und erlöse mich..." Die Ehe wird gelöst, der Tod befreit — aber der Sohn machte seine Rechte vor Gericht geltend. Es kam ein Vergleich zustande, wonach der Vater Tod sich verpflichtete, seinen Sohn die Kunst der Medizinstudieren zu lassen. In der Vergleichsurkunde fand sich folgender Anhang: „Bemerkt du als Medikus im Zimmer des Kranken mich, so kannst du ohne weitere Untersuchung erklären, daß alle Kunst vergeblich sei — auch wenn der Patient an einer harmlosen Krankheit leidet. Wenn du mich aber nicht siehst, dann darfst du mit voller Gewißheit sagen: ,Der Kranke wird gesund werden!" So ist dir Ruhm und Gold gesichert." 4. Und der junge Arzt ging seinen Weg. Man rief ihn wie einen Wundertätigen. Bis eines Tages die Tochter des reichstenindischen Fürsten erkrankte und dieser ihn holen ließ und ihm die Hand der Tochter und Ehren und Nachfolgerschaft versprach, wenn er das Mädchen rettete. Im Prunksaal lag sie, und als er an ihr Bett treten wollte, erblickte er den Tod in einem Winkel. Ein Grauen erfaßte ihn. Es durfte nicht sein. Sein Vater mußte doch begreifen, daß es hier um des Sohnes Glück ging, um alles.... Vergebens. Der Tod rührte sich nicht, blieb starr, unbarmherzig. Wie wahnsinnig lief der Arzt durch den Prunksaal. Man wartete auf seine Diagnose. Da, plötzlich, wie besessen, blieb der Sohn stehen, sah sich zuerst um, ging auf seinen Vater Tod zu, der in einem , Winkel kauerte, und flüsterte ihm ins Ohr: „Vater, wisse, die Mutter kommt sogleich hieher..." . M&n hörte Sausen und Klirren. Der Tod war durchs Fenster geflüchtet! '. , ' '., Die Fürstentochter, die gerettete; ward das Weib des Arztes. vom 22. September 1636 1 -j..... , r ii'|n Musiker für das Huberman-Orchesterin Palästina Aus Warschau: Von den' 40 Zertifikaten, Welche die Palästina-Regierung für Musiker, die dem großen Palästina-Symphonieorchester Bronislav Hubermans beitreten sollen, bewilligt hat* sind seitens des Palästina-Amtes in Warschau dreizehn an Musiker, aus Polen abgegeben worden,. die von Huberman nach Palästina berufen wurden. Die Musiker werden im nächsten . Monat mit ihren Familienahgehörigen die Reise nach . Palästina antreten. Insgesamt wird! durch diese : Zertifikate 32 Personen die Ausreise aus Polen ermöglicht, Sie sagen //Bolschewismus^ ♦ + * Die „Basler Nachrichten" (16. September) schrei* ben im Anschlüsse an die antibolschewistischen RedftR Hitlers in Nürnberg über deren Wirkung auf Oester reich: „Die Parole, die der deutsche Reichskanzler fUfl die Bedürfnisse seiner Innenpolitik ausgibt, wird füll Oesterreich übernommen. Aus denselben politischen Mo« tlven. Aber sie wirkt nicht recht im österreichischen Publikum. Was dagegen wirkt, ist die Propaganda des Antisemitismus, die, gestärkt durch den Akkord des 11. Juli, neuerdings mit Hochdruck arbeitet, offen darf sie natürlich nicht hervortreten. Die Regierung hat bei aller christlichdeutschen Einstellung nicht nUü nicht die geringsten antijüdischen Tendenzen, sondern Mai wacht auch mit schärfstem Auge darüber, daß der Antk semitismus kein Oberwasser bekomme. Aber sie kann! nicht verhindern, daß die sonst Uberaus gemäßigt«) „Reichspost"- eine immer schärfere Tonart gegenüber dem Judentum einschlägt und daß das „Neuigkeits-WeH* blatt" die Rede Adolf Hitlers über den judischen Bolsche* wIsmus in einer Weise aufmacht, die den „Völkischen: Beobachter" absolut zufriedenstellen müßte. Es Ist dahefl begreiflich, daß sich des österreichischen Judentums eJha) immer größere Unruhe bemächtigt. Gewiß, nicht nur die Regierung, sondern auch! weite Kreise, die politischen Einfluß haben, lehnen den! Antisemitismus ab. Weder die Heimwehr noch die kattiö-i lischen Sturmscharen wollen etwas von dieser Parole wissen. Sie fügen sich "in die antibolschewistische Frönti ein, doch sie machen den antisemitischen Kurs nicht mit« Das überlassen sie jenen Zirkeln der alten Christlich-» sozialen,'die vom Bolschewismus reden und schrei« ben und das Judentum meinen." Freitag: Gaal-Film-Premlere im Apollo. Freitag, den 25;'- September, findet im Apollo die Welturaufführung des neuen Franziska-Gaal-Films „Fräulein Lilli" statt. Die männliche Hauptrolle dieses musikalischen Lustspiels, einen, vermeintlichen Hochstapler, spielt Hans Jaray vom Theater in der Josefstadt. Szöke Szakall ist der Reisebegleiter Fräulein Lillis, das die Riviera bereist, um mit Hüfe eines kleinen Tricks — sie verbreitet im geeigneten Augenblick das Gerücht, daß sie durch große Spielverluste gezwungen sei, all ihre Juwelen billig zu verkaufen — den Absatz ihres Chefs, eines betriebsamen Juweliers, entsprechend zu heben. In weiteren Rollen: Karl Ehmann, Richard Eibner. und Karl Paryla/ Das Drehbuch schrieben Ladislaus . Vadnay und Stephan Bekeffy, bekanntlich der Autor des Erfolgsstückes , „Unentschuldigte Stunde". Musik: Fritz' Spielmann, Stephan Weiß und Barbara Bory. Regie: Robert Wohlmut. Auf der Bühne: Frank Eders, der lachende Herkules. KIUCIE IE UTE STRAOISIV : Shlrlay Tampla ^^cv^S^'V- '■••c\^fc>ir ^^■"■5m:v^' «»»v« «i*1 t '^ftCfc *IV*0****- Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwoiWcbejr Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. — Druok; Drucker«!* und Verlag8-A,*G, ignaz Steinmann, beide Wie-o,; » . .... Kniveraitätastraße 6—8, ,