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Die neue Welt · 1936-09-16 · Heft 594 (16.9.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 594 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE NEUE WELT Seite 3 Kunerol ist vollständig reines Fett aus Kokosnüsse^ es ist nahrhaft, leicht verdaulich, unbegrenzt haltbar und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschlußsiegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. KB31 Das10Ö%reirieKokosn u ßfett Nur echt in OriginalpackungS An die Zionisten I Nr. 594 vom 16. September 1836 Eine Studie VON DR. ISRAEL ZWI KANNER Es ist Brauch, daß die Juden dm Nachmittag nach dem Minchagebet des ersten Neujahrsfestes oder — falls dieses auf einen Sabbat fällt (da am Sabbat die Mitnahme von Brot und Gebetbuch nicht gestattet ist — des zweiten sich zu einem fließenden Gewässer (es sei ein Bach, ein Fluß, ein Strom oder ein See) begeben, Brotkrumen hineinwerfen und Gebete verrlchten... Am 1. Tis ehrt versammelte sich eine geringe Zahl, die aus der Gefangenschfta Babylons in das Heimatland zurückgekehrt war, und legte den Grundstein zum Wiederaufbau des Tempels. Damit begann das zweite jüdische Reich. Nehemia versammelte die Zuriickgekehrten zu einer öffentlichen Feier auf dem Platz vor der Sogenannten Wasserpforte (Schaar Hamajim) zu Jeni' sateni. Man las die Thora und hielt einen Gottesdienst ab, der vom Tagesanbruch bis zum Mittag dauerte. (Nehemia 8, 2, 8.) Dieses Ereignis hat seine Spuren bis auf den heutigen Tag zurückgelassen. Noch immer ist es Brauch, den halben Tag des 1. Tischri dem Gottesdienste zu widmen, und in vielen Gemeinden hat sich auch die Sitte erhalten, wie damals an der Wasserpforte, nun in der Nähe eines Stromes, Gebete zu verrichten. Das wird wohl die historische Entwicklung des „Taschlich" sein. Nun kommt eine ganze Menge folkloristischer, agadischer und erbauender Auslegungen hinzu. Ihr Kern ist folgender: Aus dem örtlichen Umstand wurde ein exegetischer gesohaffen. Während man au Nehemias Zeiten bloß zufällig am Wassertor stand, wurde später eine Absicht untergeschoben. Man zitiert dabei Micha 7,19 („W't as chl.ich bimzuloth jam kql chatotam" Du wirst in die Tiefe des Meeres alle ihre Sünden werfen, das heißt, daß Gott unsere Sünden in Vergessenheit bringt), dem die Namensgebung „Taschlich" (du wirst werfen) entnommen ist und dessen offenbaren Symbolismus man wörtlich auffaßte, nämlich, daß Gott unsere 8 ü nden in die Fluten werfen wird. Daß dieser Brauch kein hohes Alter hatf geht daraus hervor, daß weder im Talmud noch in den Schriften der Gaonim davon Erwähnung geschieht. Erst im Zeremonialbuch Minhagim, wo viele Ortsbräuche angeführt werden, finden wir Kunde hievon, indem es heißt: Manche skrupulös Fromme gehen zu einem Fluß, worin sich lebendige Fische befinden, um daselbst den Vers: ,JDu wirfst unsere Sünden in die Tiefe des Meeres" usw. su sagen. Später wurde dieser Gebrauch allgemein und die Kabbalisten ordneten aus gewissen geheimen Gründen an, diese Verse aus Micha dreimal zu wiederholen. Wenn dieser Brauch sich nicht auf eine biblische Andeutung stützen würde, könnte man ihn für einen heidnisch-germanischen Brauch ansehen. Bemerkenswert ist, daß Petrarca in Köln beobachtet hat, wie die Deutschen am Johannisabend an den Rhein gehen und tinter Gesängen oder leise gemurmelten Sprüchen Kräuter hineinwerfen, in dem Glauben, daß der Fluß mit diesen Kräutern auch alles Unheil des nächsten Jahres davontrage. Daß die Erioähnung des „Taschlich" sich &>.im erstenmal bei Maharil findet, gibt zu denken. Er stammt aus der Rhein gegend (geboren 1855 in Mainz, gestorben 1427 in Worms). Die exegetische Auslegung ging schließlich in die homiletische über. Die späteren jüdischen Quellen brachten den Brauch mit den Fischen im Fluß in Verbindung. Wie diese durch das Wasser den Blicken entzogen toerden, so möge der Mensch durch Gottes Schutz vor dem bösen Blick bewahrt bleiben. Wie die Fische unvermutet ins Netz geraten (Pirke Aboth 8, 16, und Koheleth 9, 12), so werden die Menschen oft plötzlich aus diesem Dasein abberufen. Auch an die Fruchtbarkeit der Fische u. a. m. wird erinnert. Die Behauptung, daß durch diesen Brauch die Juden der Wasservergiftung angeklagt wurden, scheint keine unbegründete Hypothese zu sein, da mit dieser Zeremonie der kindische Gebrauch, Brot ins Wasser zu werfen, verbunden war. Folgende, in allen Machsorim (Gebetbücher für die hohen Feiertage) zu findende Erklärung ist unmotiviert: Man pflegt zu einem Fluß zu gehen zur Erinnerung an die 0 p f e r un g I s aks, auf die sich die Juden an diesem Tage beim Bitten um Verzeilmng der Sünden berufen (Akedath Jizchak). Als uwer Vater Abraham am j, Tischri ging, um seinen Sohn Isak »i* binden, da führte ihn der Satan ins Wasser bis zum Halsf so daß Abraham schrie: „Rette mich, Gott, denn das Wasser stie g bis zum H als e.« Um also jenen Akt ins 'Bewußtsein zurückzurufen, sollen wir uns an diesem Tag zu einem Fluß begeben, damit sich der Ewige unserer erbarme und unsere Sünden verzeihe. „Taschlich" hat auch ins Sprichwort Eingang gefunden: Ein Bad ist wie T a schlich. So wie Taschlioh die Seele von Sünden reinigt, so reinigt das Bad den Körper vom Sphmutz... Unsere Leser werden auf die Buchhandlung Hermann Tuchuer (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher (auch antiquarisch) zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Groschen täglieh. Keine Nebengebühren. FUr Anfragen Telephon Nr. E Nach einer Periode des Aufschwunges, in welcher sich die schöpferische Kraft jüdischer Arbeit herrlich offenbarte, ist über Erez Israel Unglück gekommen. Mit Mord, Brand und Terror trachten verhetzte Araber das Fundament des jüdischen Nationalheimes zu zerstören. Die britische Verwaltung des Landes, deren Pflicht die Sicherung von Ordnung und Ruhe ist, erweist sich als judenfeindlich und regierungsunfähig. Sie hat durch Unentschlossenheit und sträfliche Passivität die Terroristen zu Schandtaten förmlich ermutigt. Sie ließ es geschehen, daß bewaffnete Banden teils in Palästina gebildet, teils von auswärts kommend, das Land beherrsichen. Ueberdies gab sie ihre Bereitwilligkeit kund, die Forderungen der Terroristen ganz oder teilweise zu akzeptieren: Einstellung der jüdischen Einwanderung, Verbot des Bodenkaufes durch Juden, Schaffung eines Parlamentes mit arabischer Majorität etc. Hinter dem Rücken der Juden werden Verhandlungen geführt, "welche die Preisgabe des jüdischen Nationalheimes als Prämie für Mord und Brand zum Inhalte haben. Einzigartig ist der heroische Widerstand des jüdischen Palästina. In eiserner Selbstbeherrschung und Disziplin setzt es seine Arbeit fort und läßt sich nicht zu Racheakten und nicht zum Bürgerkrieg provozieren. Aber es entsteht die große Frage: Wird diese jüdische Standhaftigkeit, werden diese jüdischen Leiden belohnt werden? Wie eine dunkle Wolke liegt die Angst vor Verrat über dem jüdischen Palästina. Eine Angst, die nicht unbegründet ist. Die Geschehnisse sind nicht allen Zionisten überraschend gekommen. Wir Judenstaatszionisten haben vorausgesehen, daß eine schwere Erschütterung kommen muß. Wir haben uns durch den wirtschaftlichen Aufschwung, durch die „Prosperity" nicht blenden lassen. Wir haben Jahre hindurch auf die gefährdete politische Lage hingewiesen. Noch vor einem Jahr, auf dem Kongreß in Luzern hat die Juden s taatspar t ei davor gewarnt, den Aufbau ohne politische Sicherung zu führen und hat gefordert, daß das zionistische Ziel klar formuliert werde, daß man für Schutz gegen Ueberfall sorgen müsse. Leichtsinnig haben die durch die „Prosperity" verblendete zionistische Führerschaft und die Majorität diese Warnungen in den Wind geschlagen. Sie setzten unbekümmert eine Politik fort, die auf Zufall und Wunder baut. So trafen die blutigen Ereignisse nicht nur eine unvorbereitete Palästina-Regierung, sondern auch eine unvorbereitete zionistische Exekutive an. Politisch, ökonomisch und militärisch unvorbereitet. Alle Fronten offen, ungeschützt. In diesen Monaten schwerer Leiden und Gefahren hat die zionistische Opposition mit ihrer Kritik an der Exekutive und der herrschenden Majorität, welche bis zu einem gewissen Grade für die heutige Lage verantwortlich sind, zurückgehalten. Sie hat sich vielmehr in jüdischem Patriotismus und in Treue zum Zionismus erboten, mitzuhelfen, mitzuarbeiten und die Verantwortung zu teilen. Wir forderten die Mobilisierung aller zionistischen Gruppen, eine Verbreiterung der jüdischen Front, um einen energischen politischen Kampf für die zionistischen Grundsätze, ohne Kompromisse und verhängnisvolle Nachgiebigkeit, führen zu können. Wir forderten die Einberufung des Aktionskomitees, damit ein Ausweg aus der katastrophalen Lage gebahnt werde. Die Sitzung des A. C. hat in Zürich stattgefunden. Alle Zionisten, ja, man kann sagen, der überwiegende Teil der Weltjudenschaft hat ihren Verlauf mit Spannung verfolgt. Mit tiefem Schmerz müssen wir feststellen, daß diese Sitzung eine bittere Enttäuschung war. Die Exekutive und die Mehrheitsparteien haben bewiesen, daß sie weder vom Ernst der Lage durchdrungen sind noch daß sie die heilige Unruhe des Volkes begreifen. Ohne Vorschläge, ohne jeden Plan sind sie in Zürich erschienen. Ja noch mehr, sie haben das A. C. an der Fassung von Beschlüssen und Erzielung politischer Direktiven dir e k t ge hi nde r t. Ja, das A. C. ist durch die Leitung daran verhindert worden, die geschaffene Lage gründlich zu behandeln und zu beschließen, was in der nächsten Zukunft getan werden muß. Die zionistische Exekutive und die Majorität haben das A. C. den Beschluß fassen lassen, nichts zu beschließen! Auf Fragen, welche die zionistische Oeffentlichkeit seit Monaten schwer beunruhigen, hat das A. C. überhaupt keine Antwort erteilt. Die Exekutive und die Majorität haben bewiesen, daß sie die Größe der Gefahr in diesem Moment nicht erfassen. In Zürich herrschte auch der gleiche Mangel an Toleranz und Verständnis für die Minorität und Andersdenkende wie in Prag und Luzern. Die ausgestreckte Hand blieb in der Luft. In blinder Engherzigkeit befangen, haben die Mehrheit und die Führung nicht erkannt, daß die Bildung einer alle zionistischen Kräfte umfassenden Einheitsfront oberstes Gebot der Stunde ist. Sie haben jene weggestoßen, die mitarbeiten wollen, es bleibt bei der alten engparteiischen Führung. Der Jischuw und die Volksmassen bleiben wie bisher außerhalb der Kampffront. Alle Vorschläge der Judenstaatspartei betreffend die Stellung zur königlichen Kommission, die Schaffung einer politischen Kommission, welche alle zionistischen Kräfte in sich vereinigt und der Exekutive zur Seite steht und mit ihr die Verantwortung trägt, die Gründung einer Machlakath Haganah (Abteilung für Selbstschutz), die Reform des Waad Leumi, alles wurde abgelehnt oder vertagt. Alles bleibt, wie es war: Eine längst bankrotte Politik der Passivität und des Wartens auf Zufälle und Wunder. Der Mangel jeglicher Aufklärung. Die Isolierung der zionistischen Führerschaft. Die Vereinsamung des Jischuw. Die ständige Gefahr, daß man auf Verzichte und Kompromisse angewiesen bleibt, um plötzliche Gefahren abzuwenden. Das ist die traurige Bilanz einer Sitzung der obersten zionistischen Behörde, auf die man mk so großen Hoffnungen gewartet hat. Im letzten Augenblick hat ein Zufall eine gewisse Erleichterung, die Rettung vor unmittelbarer Sperre der Einwanderung gebracht. Die englisch« Regierung hat die Erklärung abgegeben, daß sie dexa Terror nicht weichen will. Gott ge^-.,, daß es so seS6 Es ist eine Atempause eingetreten. Aber verantwortungsvolle treue Zionisten dürfen sich dadurch nic^ wieder verblenden lassen. Wir wissen aus bitterste^ Erfahrung, daß auf die Palästina-Hegierung, die trotf \

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