Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 591 (4.9.1936)
- Date
- 1936-09-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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/ Preis 20 Groschen Freitag/ den 4* September 1436 * Jahrgang Nr* 591 V. b* b« die neue: Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par VMltewt" 186 Titl. Universitätsbibliothek Wien, I. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN? Oesterreich monatlich 8 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Ko 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa SO.—, viertel jährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwel« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60. vierteljährig Schweizer Franca 4.60. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlieh. Redaktion u.VerwäUung: IX, Universitätssir.8,7eLA-20-2-78 - Erscheint Dienstag a. Freitag <1 *J typ:. \ m ORBIS 3POLEN Abfahrt: Jeden zweiten Sonntag Anmeldungen: Poln. Reisebüro „O R BIS" l. Kärntnerstraße 41, R-M-5-7« « Oesterreichisches Verkehrs-Büro I. Frledrichsftrane 7. B.ay.soo, l. Graben SO, U-aff-oos Noch keine Entedheidung Ergebnislose Ministerratssitzung Aus Lohdon wird uns u.. d. 3. September gemeldet: Zum erstenmal seit Beginn der Ferien wurde Mittwoch, den 2. September, eine Kabinettssitzung abgehalten. Obwohl eine Reihe wichtiger Fragen, darunter der spanische Bürgerkrieg und die arabische Revolte In Palästina, auf der Tagesordnung stand, waren nur 12 Kabinettsmitglieder anwesend. Es fehlten u. a. der Ministerpräsident Baldwin und Ramsey MacDonald. Auch Hoare, Neville, Chamberlain, Lord Hallfax und Lord Hailsham waren abwesend. Bei Außenminister Antony Eden wurde ein leichter Anfall von Schafblattern festgestellt. Die Sitzung dauerte vier Stunden. Bezüglich des Palästina-Konflikts würde kein Beschlußijgef:aßt Man spricht In London davon, daß man die entscheidende KaBfriettSsitzüng'' absichtlich verzögert habe, um eine ernste Diskussion über die schwebenden Fragen vor der Session des Völkerburidrates am 18. September zu vermeiden. Da auch die Vermittlungsyerhandlungen in Pa lästina zu keinem Ergebnis geführt haben, bleibt die Frage der jüdischen Einwanderung weiter in Schwebe. Ämerikafiiisdie Senatoren im judi§che§ Palästina Aus Washington meldet die J. T. A.: Eine Gruppe von elf bekannten amerikanischen christlichen Senatoren mit Senator Börah an der Spitze hat an den amerikanischen Außenminister Cordell Hull ein Telegramm mit der Aufforderug gerichtet, daß die amerikanische Regierung durch Vorstellungen bei der englischen Regierung auf eine Beendigung der Unruhen in Palästina hinwirke. - Die unterzeichneten Senatoren verlangen, daß von der amerikanischen Regierung dem englischen Botschafter in Washington gegenüber die Hoffnung ausgesprochen werde, daß England als Mandatarraacht für Palästina vor Terrorakten und Gewalttaten der Araber nicht zurückweichen und die Verpflichtungen erfüllen werde, welche die ihr gestellte Aufgabe der Schaffung eines jüdischen Nationalheims bedingt. In dem Telegramm wird weiter gefordert, daß von der englischen Regierung nichts zum Schaden des jüdischen Volkes unternommen werde, dessen einziges Streben es sei, Palästina als fortgeschrittenes Kulturland aufzubauen. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß die. Gerüchte über die Möglichkeit einer Einstellung der jüdischen Einwanderung unbegründet sind. Zum Schluß wird die amerikanische Regierung aufgefordert, die englische Regierung darauf aufmerksam zu machen, daß keine Maßnahmen getroffen und keine Beschlüsse gefaßt werden sollen, die die Terroristen ermutigen und die jüdische Bevölkerung Palästinas beunruhigen. : Das Telegramm wurde von folgenden Senatoren unterzeichnet: William G. McAdee (Kalifornien), David I. Walsh (Massachusetts), Harry F. Byrd '(Virginia), Morris Sheppard (Texas), Joseph J. Davis (Pennsylvania), Sherman Minton (Indiana) und Millard E. Tydings (Maryland), die durchwegs der demokratischen Partei angehören; ferner von den der republikanischen Partei angehörenden Senatoren William E. Bor ah (Idaho), W, Warren Bar.bour (New Jersey), Arthur Capper (Kangas), und Charles M c N a r% iO&&pX< ■ -:; . 1 Jüdisches Recht auf Palistina Ein Manifest Das Zionistische Aktionskomitee hat seine Tagung in Zürich mit der Ausgabe eines Manifestes „Das Recht des jüdischen Volkes auf Palästina" abgeschlossen, in welchem es heißt: „Seit nun mehr als vier Monaten ist das Mandats territorium Palästina der Schauplatz eines wilden Ter rors, den gewisse Elemente der arabischen Bevölkerung gegen die die Gesetze achtenden Bürger des Landes üben. Leben und Besitz sind nicht mehr sicher. Kinder werden, während sie sich dem Spiele hingeben, niedergemetzelt, Frauen werden bei der Arbeit niedergeschossen. Brand Stiftung und Mord gehören im Lande zu den täglichen Ereignissen. Einzig die Entschlossenheit der jüdischen Siedler, sich weder durch Blutvergießen noch durch Ver nichtung der Früchte jahrelangen harten Pioniertums ein schüchtern zu lassen, hat den völligen Zusammenbruch jeder normalen Tätigkeit im Lande verhindert. Zar Minsen Sonderfahrt nach Itaifen <„„ 5. Scp.cn*« 1,36 ^ÄÄ;S-3U^ e i s e=l i r e!^l;:^;ri^ tu mm £** Touristenverkehrsbüro der F CB 9 Riunione Adriaticadi Sicurtä Wien I, Tegetthoffsfraße 7 / Tel. R - 20 -5-90 besorgen Sie Ihre Der Ansturm der Terroristen ist gegen Gr oßbritannien und gegen das Jüdische Nationälheim gerichtet. Die Terroristen verfolgen das Ziel, die Regierung zu einer Einstellung der jüdischen Einwanderung zu zwingen; alles, was in den fünfzig Jahren jüdischer Aufbauarbeit in Palästina vollbracht wurde, zu zerstören; jede weitere jüdische Tätigkeit im Lande unmöglich zu machen; schließlich und endlich Großbritannien zu zwingen, sein dem jüdischen Volke gegebenes Versprechen zu brechen und die im Mandat für Palästina niedergelegten und von den Mächten anerkannten jüdischen Rechte auf Palästina zu annullieren. Die Regierung hat versagt Die Juden Palästinas haben gegenüber der andauernden Provokation eine heroische Zurückhaltung geübt und sich aller Vergeltungsakte enthalten. Aber die Palästina-Administration hat — wir bedauern, es sagen zu müssen — in ihrer Aufgabe, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten, versagt; durch ihre Unentschlossenheit, ihre Schwäche und ihr Zaudern hat sie die Terroristen zu dem Glauben ermuntert, daß fortgesetzte Ausschreitungen sie, die Administration, veranlassen werden, vor der Gewalt zu kapitulieren. Viel kostbares Blut von Engländern, Juden und Arabern hätte durch eine rechtzeitige und entschlossene Aktion seitens der Administration nicht vergossen werden müssen. Gebrochene Versprechen Der High Gommissioner in Palästina und der Kolonienminister im englischen Parlament haben die jüdische Disziplin und die hohe jüdische Moral während der jüngsten Ereignisse gerühmt und dabei erklärt, daß die Regierung Sr. Majestät sich durch Gewalt oder Jeden Sonntag — billige Sonderfahrten mit 1« Francopol" nach Polen und Czernowiti fftsJÄJSÄi..»» „Francopol". Ul, Schwarzenbergplatz 7. Tel. U-16-4-90 „CedoK", I, Kärntnerstraße 32, Tel. R-23-4-88 aerngrof), VII, Mariahilfe Straße 42, Tel. B-38-2-C8 Antisemitismus nicht von ihrer Politik wird abbringen lassen. Allein trotz dieser feierlichen Zusicherungen wurde mit den für die unglückliche Situation in Palästina verantwortlichen arabischen Führern verhandelt; im Resultat dieser Verhandlungen droht jetet die Einstellung der jüdischen Einwanderung und die Gefährdung der Politik Großbritanniens mit Bezug auf das Jüdische Nationalheim, all das als eine Belohnung für terroristische Verbrechen. Wir erklären, daß die Administration in Palästina — indem sie verbrecherische Gewalt als ein politisches Argument akzeptierte und es zuließ, daß die Öffentliche Ordnung und die fundamentalen Rechte des jüdischen Volkes unter dem Mandat Objekte eines Kuhhandels werden — die Autorität der Mandatarmacht in Palästina unterminiert hat. Die Kapitulation vor dem Verbrechen und die seitens vieler arabischer Mitglieder der Administration offen gezeigte Sympathie mit den terroristischen Zielen 'haben das Vertrauen des jüdischen Volkes zur Palästina-Regierung erschüttert. Das FaJäjstinainandat hat der Mandatarmacht die I Verpflichtung auferlegt, die Errichtung des Jüdischen | Nationalheims gemäß der Balfour-Deklaration zu erleich« , tern. Auf Grund dessen haben 400.000 Juden Palästina zu ihrer Heimat gemacht, und das ganze jüdische Volk hat seine Energie, seinen Opfermut und seine finanziellen Hilfsquellen in den Dienst des Wiederaufbaus Palästinas gestellt. In einer Zeit, in der die Juden vieler Länder physischer und seelischer Tortur unterworfen sind, moralische Demütigung, politische Verfolgung und wirtschaftliche Vernichtung über sich ergehen lassen müssen, sieht das jüdische Volk seine Rettung in der Rückkehr in das Heilige Land, das Gelobte Land der Bibel und der Propheten, das Land, mit dem die Judenheit seit viertausend Jahren seine Hoffnungen und Gebete verknüpft, das Land, das immer in der Erinnerung der Judenheit lebt und dem das jüdische Volk in den dunkelsten Tagen seines langen Exils stets zustrebte. Großbritannien übernahm das Mandat im Angesicht der zivilisierten Menschheit; dio im Völkerbund vertretenen Regierungen der Welt und die Vereinigten Staaten von Amerika betrauten Großbritannien mit dieser Aufgabe in Anerkennung der historischen Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina und seines Rechtes, dort sein Nationalheim aufzubauen. Das Recht der Juden auf Einwanderungnach Palästina bis zur Grenze der Aufnahmefähigkeit des Landes suspendieren; hieße das Mandat gefährden und der Judenheit grausam Unrecht tun zu einer Zeit, da der Kelch jüdischen Martyriums zum Ueberfließen voll ist. Die Welt darf nicht gleichgültig dieser Agonie zusehen, sie darf um der Millionen unschuldiger Mähner und'Frauen willen sich ihrer Verantwortung nicht begeben. Niemand kann das Recht der Juden auf ihr Nationalheim leugnen. Wir können nicht glauben, daß die Regierung Sr. Majestät eine Zurückziehung des den Juden gegebenen Versprechens erwägen kann. Wir appellieren an das Gewissen Großbritanniens und der zivilisierten Menschheit, die große Hoffnung des jüdischen Volkes auf sein Nationalheim nicht zuschanden zu machen. ^Bekannt billige |ft 4^ I gE£ IkS Reisen nach fr Hb ggji Abfahrten: 13. und 27. September 1936 ReS"Vlfür ^Kelsen zu JOSW^TOWIIW Auskünfte: Dr. $. Tockar, Reisebüro „IN DIE WELT" (W. M. Renner). Wien )X, Liechtensteinstr. 2, Nähe Schottenring. Tel. A-14-504 Den Juden Palästinas aber sagen wir: Ihr habt in diesen Monaten des Leids unermeßliche Tapferkeit und Würde an den Tag gelegt. Ihr habt bei Tag gearbeitet und nachts gewacht. Auf den Feldern habt Ihr Euch der Gefahr entgegengestellt, auf den Wegen habt Ihr die Verbindungen, den Lebensnerv Palästinas, mutig aufrechterhalten. Ihr habt am Strand von Tel-Aviv, im Selbstschutz der Siedlungen Euch bewährt. Das jüdische Volk sieht in Euch die Verwirklicher seines nationalen Ideals und wird Eurem Beispiel der Standhaftigkeit und der konstruktiven Kraft nacheifern. An das jüdische Volkinder ganzen Welt appellieren wir, der jüdischen Tragödie Verständnis entgegenzubringen. Unsere nationalen Hoffnungen sind mit Großbritannien und den Weltvölkern verknüpft, aber der jüdische Wille gibt den Ausschlag. Unsere Macht liegt in dem moralischen Gehalt unseres Ideals und in unserer Bereitschaft, diesem Ideal zu dienen. Heute ist es Zeit zu einer erhebenden nationalen Anstrengung und zu individuellem Opfer, Wir fordern von Euch jede mögliche Anstrengung in der Verteidigung unserer nationales Rechte. Wir appellieren an Euch, mit allen verfügbarer» wirtschaftlichen Hilfsmitteln zum Schutze dessen, was wir in Palästina bereits besitzen, und zur Ermöglichung des weiteren Aufbaus des Nationalheims bereit zu stehen. Von der Antwort des jüdischen Volkes auf diesen Appell hängt der Erfolg unseres Kampfes ab." Em jüdasches Todesopfer Palcor meldet u. d. 2. September: Ein durch das Sharon-Tal fahrender Autobus war bei Sarona heute abend einem heftigen Kugelregen von beiden Selten der Chaussee ausgesetzt. Der Chauffeur Joseph Avner wurde durch eine Kugel sofort getötet, während ein Mann und eine Frau durch eine zweite Kugel leicht verletzt wurden. Josef Avner ist der 83. jüdische Tote seit Beginn der Unruhen. Einzige Jüdische Handelsschule für Knaben und Mädchen. Unterricht laut Normallehrplan für Handelsschulen. Abendkurse: Für kaufmännische Fächer, Sprachen usw. Wien II, Taborstraße 39. Tel. A-45-6-57. Prospekt gratis! i