Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 589 (28.8.1936)
- Date
- 1936-08-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 589 vom 28. August 1936 Regelmäßiger Refsedlentt der „Cxern. Allg. Ztg." 5 na« POLEN und CZiRNOWITZ I Nächste Abfahrten: SO. Aufait und lt; f'«pt»!Ttt>«r IM* ■ Anmeldungen a u * i c h 11 « f l l < (1 Im Reliebüro I „MarianbrUck«•*, l, Rotenturmttr. 26, R-24-2-86,87 ■ Reservieret jetzt ichon Plätze für die Reisen iu den höheti I Fclirfaffen t ■ Neue Hefte t //Rassische Vertilgung" Nach einer kürzen Pause, welche die Olympiade erzwang, hat das Dritte Reich wiederum zu einer Offensive angesetzt. Es gilt dort als Brauch, weltpolitische Ereignisse des Tages mit den eigenen Interessen zu verknüpfen, d. h. .jedes Geschehen im innerpolitischen Leben eines Staates zu einer großangelegten, nationalsozialistischen Propaganda zu verwenden. Hiebei wird von Berlin aus —es ist dies ein Dogma ties Goebbels-Apparats — jede Verwirrung innerhalb eines Volkes auf „jüdische Umtriebe" zurückgeführt und dadurch jede Maßnahme gegen die eigenen Juden legitimiert. Vor kurzem war es Spanien, das für Deutschland eine „schimmernde Wehr"; notwendig machte; jetzt ist es Sowjetrußland als Exponent des Bolschewismus. Hitler hat durrv einen Erlaß die aktive Dienstpflicht der Wehrmacht auf 2 .-ahre erhöht. (Die Welt ist berunruhigt. Das nachbarliche - Frankreich, der „Erbfeind", ist nervös. Deutschland wird die stärkste Militärmacht Europas.) Die Nationalsozialistische Korrespondenz" (Berlin) veröffentlicht aus diesem Anlaß einen Artikel, in welchem auf die „ungeheuren Rüstungen des bolschewistischen Militarismus" und auf die Bedrohung der europäischen Kultur durch die „Rote Armee" hingewiesen wird. Aber darum allein geht es dem Hakenkreuz nicht. Es geht ihm, wie überall in seinen Emanationen, um die Verhetzung, um die antijüdische Kampagne. Es heißt nämlich in dem erwähnten Artikel: „Eine ziffernmäßig kleine, aber infolge ihrer rassischen Verfilzung einen mächtigen Einfluß ausübende internationale Hetzgruppe ver- ' sucht, die Welt in das Chaos des koinmunisti- -; sehen Zusammenbruchs zu stürzen." Und weiters: „Der Nationalsozialismus hat Deutschland seit drei Jahren vom innern Ansturm der. bolschewistischen Brandstifter und M o r d- •hetzer befreit." Das nationalsozialistische Deutsch-; land brüstet sich, also wieder vor der zivilisierten' Welt; als Befreier vom „bolschewistischen Chaos". ' . Man kennt unsere, Stellungnahme zum Bolsche- ■ wismus. Wir halten ihn für eine Gefahr, fttr eine' Gefahr ersten Ranges. Denn . wir haben seine Bekanntschaft u. a. in Rußland und in P a 1 ästina geihacht. In Rußland hat er jede nationaljüdische Regung erstickt, in Palästina die blutigen arabischen Terrorakte mitverschuldet. In vielen Ländern der Zerstreuung hat die kommunistische Lehre einen Teil der jüdischen verzweifelten Jugend ergriffen und dem Judentum völlig entfremdet.. Unsere Haltung: zum Bolschewismus ist daher eindeutig, nicht mißzüverstehen. Nichtsdestoweniger lassen wir uns nicht den Unsinn von der „rassischen Verfilzung", den die Berliner Machthaber von sich geben, widerspruchslos aufschwatzen. Die Welt wird sich nicht bluffen lassen. Geradezu grotesk wirkt der Hinweis auf die „rassische' Verfilzung" der Moskauer Politik an demselben Tage, an welchem Stalin die bolschewistische Führung in Sowjetrußland durch Vollstreckung des Todesurteils an der Oppositionsgruppe radikal von Juden gereinigt hat. Nicht weniger grotesk mutet die Erwähnung der „Brandstifter" und „Mordhetzer" in den Spalten der nationalsozialistischen Presse an, die sich scheinbar an die Reichstag-Brandstifter und die Braun- und Schwarzhemden erinnert hat, welche die Mordhetze durch Singen der schönen Lieder, wie „Schlagt ihn tot, den Rathenau, die gottverfluchte Judensau", und „Wenns Judenblut vom Messer spritzt..." betreiben. „Bolschewistisch-jüdische Bedrohung" — diese Ueberschrift in den reichsdeutschen Blättern wird die Welt von der richtigen Einschätzung des nationalsozialistischen Imperialismus nicht abhalten. Die polnischen Zioniftfen an Dizengoff Aua Warschau: Das Präsidium• der Organisation der Allgemeinen Zionisten in Polen sandte an Bürgermeister Meir Dizengoff in Tel-Aviv ein Telegramm, in welchem ihm Dank und Huldigung für die würdige und stolze Haltung, die er in seinem Appell an die Palästina-Regierung und das. englische Volk eingenommen hat, ausgedrückt und erklärt wird, daß die Allgemeinen Zionisten Polens sich mit seinem Aufruf solidarisieren in der Ueberzeugung, daß er die Gefühle " " des ' ganzen jüdischen, Volkes verdolmetscht. (J. T. A.) ■ ' Frankreich hat das Flüdillmgsatalul in Krall gesetzt Aus Paris: Die französische Regierung hat als erste das von der intergtaatlichen Konferenz in Genf bejBChJossene FlUohtlingsstatut. in Kraft gesetzt. Das Statut sieht u. a. die Schaffung einer Identitätskarte und eines Reisezertifikats für deutsche FlUchlinge ' vor. <J. T. A.) „Gäbe es keine Juden in Palästina Aus London' wfrd 'berichtet: in den „Sunday T.raes" Unterzieht der bekannte Publizist Scrütator das „Fü* Und Wider" des-Pälästina-Problems im Licht der gegenwärtigen Unruhen einer eingehenden Betrachtung. Dem jüdischen Aufbauwerk in Palästina wird in dem Artikel hohe Anerkennung gezollt. Der Verfasser erklärt, dieses Werk sei die einzige wahre Kolonisation, die im 20. Jahrhundert durchgeführt worden sei. Das Bündnis zwischen England und dem Zionismus, schreibt Scrutator, war nicht eine Schrulle Balfours, sondern Ist ein großer Versuch zu einer segensreichen Leistung des englischen Imperialismus im Nahen Osten. Der Verfasser warnt davor, das Palästina-Problem als einen bloßen Streit zwischen Arabern und Juden, aufzufassen. Es sei vielmehr notwendig, sich der Auffassung zuzuwenden, daß ein Werk, welches für England als Macht im Osten so vielversprechend sei, zurri Erfolg geführt werden müsse. (tettatirantStefanie tebfekte Hugo u. Julie Herlinger geb. Zollner )WJ ||, Taborsiraße 12 •Bekannt pure Küche, gepflegte Getränke, aufmerksamste Bedienung, zeitgemäße Preise, reichhaltige Menüsj. sowie alle Spezialitäten, schöner schattiger Garten Was zionistische Energie an diesem Werk schaffen konnte, sei geschehen, aber der englische Partner, von dem man eine bedeutende Rolle erwarten konnte, scheine nachzuhinken und zu zögern. Gäbe es keine Juden in Palästina, dann wäm es für England am ratsamsten, das Land zu verlassen. Gäbe es dort keinen Zionismus, dann müßten wir ihn entweder erfinden oder zu dem Schluß kommen, daß es sich nicht lohnt, Palästina zu halten, trotz seiner wundervollen strategischen Lage. . ' . / Der gegenwärtigen Lage sich zuwendend, pro» 'testiert der- Verfasser ' gegen den Gedanken einer •zeitweiligen Einstellung der Einwände»- r u n g während der Untersuchungen der Königlichen Kommission: Die bloße Eittäetaüüg einer Königlichen Kommission, schreibt er, zeigt, daß man etwas für verkehrt hält. Der außergewöhnliche,Vorschlag, daß Während der Arbelt der Kommission die ganze jüdische Einwanderung aufhören soll, könnte den Gedanken nahebringen, daß der Fehler nicht bei jenen — vermutlich eine kleine Minderheit darstellenden — Arabern liegt, die, oft durch sehr verweltliche Mittel, versucht haben, den Fortschritt des Landes aufzuhalten, sondern bei den Juden, well sie ihn gefördert haben. Es ist gewiß unvorstellbar, daß die Kommission damit beginnen sollte, dem Verbrechen alles," was es verlangt hat, wenn auch nur vorübergehend, zuzugestehen, und die diejenigen; die in einer Arbeit, die ebenso diejenige Englands als ihre eigene ist, so. viel Energie und Zurückhaltung bewiesen haben, dafür,-wenn auch nur vorübergehend, zu bestrafen. Scrutator weist darauf hin, daß die palästinensische Beamtenschaft sich niemals zü der Höhe der Reichspolitik in Palästina erhoben habe. Sie habe zunächst geglaubt, daß am Zionismus nichts daran wäre, und später, daß zu viel an ihm sei. Von Anfang an habe es in diesen Kreisen ein gewisses Maß von Antisemitismus gegeben, eine gewisse Scheu vor dem neuen Bund zwischen den Juden und der englischen Orientpolitik. Dadurch hätten die Araber den. Ein-, druck empfangen, daß es England bei seinem Mandat nur halbernst sei. Scrutator stellt es in Abrede, daß es einen unüberbrückbaren Gegensatz zwischen arabischer und jüdischer Wesensart gebe, und schreibt zum Schluß: „Was der Jude für den Araber getan hat, ist, daß er für Ihn Palästina ebenso entdeckt hat wie wie Indien für die Inder entdeckten. Die Erfolge der Juden haben in den Arabern Ambitionen wachgerufen, die sie unter der türkischen Herrschaft nicht kannten. Tatsächlich hat der arabische Nationalismus danK den Juden die besten Aussichten auf Erfolg. Sie sind; nicht natürliche Feinde, sondern natürliche Verbündete; eines Tages wird ein Araber aufstehen, der genug..politisches Verständnis besitzt, um danach zu handeln." kdüff rri an für Ja hrzehnfe! 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Der Kongreß soll weiter die 'Konfiskation : aller - unbeweglichen Güter von Juden beschließen. Der Berliner Korrespondent der United Press erfährt, daß für Juden in Deutschland eine Sonderpaßregelung getroffen werden wird; Juden werden,kurzbefristete Pässe erhalten,.damit Ihr Auslandsaufenthalt verkürzt und erschwert wird. Ferner wird in''einflußreichen' Kreisen vdn einer Eigehtumsbeschrankung für Juden gesprochen, ju. a. sollen, Juden keinen Grundbesitz erwerben können. Ginige Gerüchte wollen sogar wissen, daß die Juden in Zukunft überhaupt nicht mehr Grundbesitz werden haben dürfen. Bekanntlich hat vor einigen Tagendas Prager Hauptorgan der tschechischen Agrarier „Venkov" ernst, zu nehmende Informationen über eine geplante teilweise Enteignung jüdischer Vermögen in Deutschland wiedergegeben. Alle diese Informationen finden ihre Bekräftigung in Andeutungen des Blattes der obersten SA.-Führung in Deutschland ,,D e r S A.-M a n n". Im Anschluß an eine — übrigens allzu hoch gegriffene — Schätzung der heute noch in Deutschland Im Eigentum von Juden befindlichen Vermögen auf zwanzig Milliarden (!<) Reichsmark schreibt dos Blatt: . . „Die Judenfrage läßt sich nicht einfach durch Auswanderungen oder Ausweisungen lösen. Es wird vielleicht sogar in manchen Fällen besser sein, ein- Jude steht, unter Aufsicht des Reiche«, als daß er im Ausland gegen sein ehemaliges Wirtsvolk hetzt, das ihn und seine Ahnen durch Uber ein Jahrtausend mit einer unglaublichen Duldsamkeit und Großzügigkeit in seinem Land hat leben lassen! Wir haben auch wenig Verständnis dafür, daß Jüden schwerbeladen mit erschlichenen, ergaunerten, erpreßten und erwucherten Reichtümern Uber die Grenze ziehen. Es handelt sich wahrhaftig nicht darum, die Juden bloß hinauszulassen. Wir würden die Judenfrage sehr schlecht gelöst haben,"* wenn wir bloß alle in Deutachland lebenden Juden ausgewiesen hätten, damit diese dann im - Ausland. Gelegenheit haben, Uber uns herzufallen, wie das Beispiel in Spanien deutlich zeigt. Der Jude muß für unser Volk unschädlich gemacht werden. Auf welchem Wege dies geschieht, ob wir fUr die Juden, ein« Konzentratiooskolonle schaffen, ob wir sie nach Hoskau schicken oder ob wir sie einmal nach dem Mond expedieren, ist zunächst nicht aktuell. 5 ' Höchst aktuell ist, daß jeder Volksgenosse gegenübert der jüdischen Zersetzungssucht immun wird.... .. Wenn der Jude isoliert ist, wenn der Jude nur mit Juden Geschäfte machen kann, wenn der Jude für seine' Ein-« flüsterungen nirgends ein williges-Ohr findet, dann haben wir zunächst innerhalb unserer Grenzen die Judenfrag* gelösti" . Schwache Hoffnungen auf Biro-Bidschan . Aus Paris: Die Zentralyerwaltung der Gesellschaft ORT zur Verbreitung von Handwerk, Industrie und Landwirtschaft unter den Juden, veranstaltete zu Ehren des Leitungsmitgliedes der New-Yorker Almalgamated Bank Adolf Held, der soeben von einer:Studienreise durch Biro-Bidschan und die jüdischen ■",Kolonien in Südrußland zurückgekehrt ist, einen Empfang.. Adolf Held sprach Über seine Beobachtungen und stellte, fest, daß an die Stelle der früheren etwas künstlichen Kolonisationaärbeit für Biro-Bidschan, in das damals deklassierte und schiffbrüchige Elemente eingewandert seien, nunmehr ein gesunder Zuzug von Siedlern aus den Kleinstädten im europäischen Rußland getreten sei. Die: Regierung mache ernste Anstrengungen, die fernöstlichen Gebiete durch Erhöhung der Zahl der jüdischen Siedler und Hebung des Lebensstandards in Biro-Bidschan zu bevölkern. Wenn das Aufbauwerk in Biro-Bidschan auch Förderung verdiene, so sei es doch wesentlich, unter den Juden außerhalb" Rußlands keine Hoffnungen zu erwecken, .die sich nicht verwirklichen lassen. Für die nächste Zukunft müsse sich die Arbeit darauf, beschränken, drei- bis viertausend Juden in Biro-Bidschan anzusiedeln. (J.T.A.) 4000 Kandidaten in Warschau Aus Warschau: Der bevorstehenden Neuwahl vdn Leitung und Repräsentanz der Warschauer jüdischen Gemeinde, der -größten Judengemeinde Europas, wird, von der Warschauer jüdischen Bevölkerung mit außerordentlichem Interesse entgegengesehen. Emen geradezu grotesken Ausdruck findet die Zersplitterung der jüdischen öffentlichen Meinung in der Tatsache, daß "bisher zu dieser *Wahl nicht weniger als 41 Wah 1 Vorschlag e — drei bloß fiktive Listen nicht miteingerechnet — mit' einer Gesamtzahl von etwa 4000 Kandidaten' angemeldet worden sind Verb» d. Judenstaatszionislen Oesterreichs Judens taatjugend. Dienstag, den 1. September, halb 9 Uhr abends, im Heim, II., Erlafstraße f», Plenarversammlung. Erscheinen aller Mitglieder Pflicht. * XVI. Sammhing durch Frau Dr. Friederike R i f « c z e s im Altersheim des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft zugunsten 'des Hechalüz Haleumi S 22\Ö0. Allen. Spendern her«Wchster Dank.'