Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 589 (28.8.1936)
- Date
- 1936-08-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 2G Groschen Freitag, den 18. AnflMI WM REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN! besterreich monatlich S 1.40, vierteljährig 8 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50« vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Ke 6.—, vierteljährig Ko 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlieh Lewa 30.—, viertel jährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnet! Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX,Universitatsstr,8,leLA-20-2-78 — Erscheint Dienstag u.Freitag ORBIS POLEN Abfahrt: Jeden Sonntag Anmeldungen: Poln. Reisebüro „O R BIS" l. Kärntnerstraße 41, R-si-s-78 Oesterreichisches Verkehrs-Büro I. Frletfrlchstrane 7, B.i/.joo, i. Graben 20, U-w.o.s Die Tagung des Akffon§kommitee§ Iii der Eröffnungssitzung keine politischen Richtlinien — Gefahr einer Einstellung der Einwanderung Ein Fonds für rettende Aufbauarbeit? — Für eine zionistische Einheitsfront Aus Zürich berichtet die J. T> A.: Bei Anwesenheit der Mitglieder des Zionistischen Aktions-Komitees aus allen Teilen der Welt eröffnete Präsident Dr. Chaim Weizmann am Dienstag, den 25. August, in der Zürcher Tonhalle die diesjährige ordentliche Session des Zionistischen Aktions-Komitees mit einer , Ansprache, in der er einen Ueberblick über^die gegenwärtige tragische Situation in Palästina gab und auch die Situation der zionistischen P o 1 i t i k, in der Gegenwart umriß. „Bs ist", sagte er, „die Tragik des Zionismus und des,. Jüdischen Nationalheims, daß/die' Anstrengungen des jüdischen Volkes zum Aufbau seiner Heim* Stätte im Lande der Väter in eine Zeit des Verfalles des Geistes'des Liberalismus fällt; dieser geistige Verfall und das Aufkommen national-egoistischer Tendenzen überall wirken einschneidend auf den Gang des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina ein.,, Dr. Weizmann gab in seinem Eröfl'nungsreferat keine Richtlinien über die zionistische Politik.'in der gegenwärtigen kritischen zeit. Es wird aber, erwartet, daß er solche Richtlinien in der geschlossenen Sitzung der Politischen Kommission darlegen wird. Nach der Rede Weizmanns hielt der Präsident der Palästina-Exekutive der Zionistischen Organisation, David Ben Gurion, ein politisches Exposö, das ebenfalls eine gewisse Zurückhaltung zeigte. Er gab einen Umriß der politischen Situation des Zionismus seit der mit dem Wiederauftauchen der Frage des Legislative Council begonnenen kritischen Epoche. Er betonte die Notwendigkeit, bei der Behandlung der politischen Fragen in der Oeffentlichkeit wie überhaupt in der zionistischen Politik die arabischen Kräfte in Palästina und außerhalb Palästinas ins Kalkül zu ziehen, wies auf die politischen Vorgänge hinsichtlich Palästinas in London und in Jerusalem (wo gegenwärtig Vertreter der arabischen Herrscher weilen)' hin und erklärte, man müsse sich gegen die Gefahr einer Einstellung der jüdischen Einwanderung in Palästina rüsten. Vor, während und nach der Eröffnungssitzung des A.-K. herrschte in den Couloirs ein sehr reges Leben. Zionistische Führer aus allen Ländern erwägen in zwangslosen Gesprächen und in arrangierten Beratungen den Ernst der Situation. Man ist allgemein der Ansicht, daß der ■ Schwerpunkt der politischen Erörterungen vorerst nicht in das Plenum, sondern in die PolitlscheKommission verlegt sein wird. Der jetzigen Tagung des Aktions-Komitees wird eine weit größere Bedeutung als manchen bisherigen Tagungen beigemessen; man erwartet, daß diese Tagung Anstoß geben wird zu einer Kristallisierung der jüdischen Meinung und Haltung Überall in der Welt im Zusammenhang mit der jetzigen ernsten Lage in Palästina. Es werden Pläne zur Stärkung der jüdlschon Position in Palästina erwogen werden, auch wird die Haltung der Juden ge- Bravo Dlzengoff! Aus Palästina, dem heute beunruhigten, dem arabischen Terror ausgelieferten, tonnen Worte tiefsten Vertrauens zu unserem Glauben an den jüdischen Jischuw. Das Land ist scheußlichen Verbrechen ausgesetzt, die für die Ordnung Verantwortlichen, die offiziellen Hüter des Friedens und des Gesetzes, wollen nichts sehen und hören: sie verbergen ihre Verlegenheit hinter Worten, die sie selbst nicht ernstnehmen..." In der nächsten Zeit wird gemäß einem Beschluß die Vertretung des jüdischen Palästina, die Assefath Haniwcharim, in einem Memorandum an das .englische Volk und an die Araber eine Darstellung der Situation geben. Dieses Memorandum wird selbstverständlich sachlich, logisch, beweiskräftig gehalten sein: ein Dokument staatsmännischer Zurückhaltung. Jeden Sonntag — billige Sonderfahrten mit „Francopor nach Polen und Czernowitz ..Pt. „Francopol". III, Schwarzenbergplatz 7. Tel. U-16-4-90 „Cedok", I,; Kärntherstraße 32, Tel. R-23i4-88 ' - OerngroP, VII, MariahilfegtraBe 42. Tel. B-38-2-68 .. ... Inzwischen aber .hat Meir Di z e n g o f f in einem Offehen Brief'an die Palästina-Regierung seinen Gefühlen Ausdruck gegeben, die sich-in. ihm seit dem arabischen Terrorfeldzug kristallisiert haben. Zum erstenmal wird von jüdischer, jüdisch-palästinensischer Seite v inJ aller Oeffentlichkeit die Mandatarmacht in einer Weise kritisiert, wie es nicht einmal nach den blutigen Unruhen von 1929 und nach dem sich daran anschließenden Passfieldschen Weißbuch für möglich gehalten worden wäre. Meir Dizengoff, der Begründer der jüdischen Stadt Tel-Aviv, fühlt sich mit Recht autorisiert, seine Meinung über das Verhalten der Palästina-Regierung zu äußern. Sein Appell ist nicht etwa der Ausdruck des Unmuts über ein Regime, das die ihm anvertrauten Aufgaben auf schändlichste mißachtet; sein Appell ist eine fürchter- Einzigo Jüdische Handelsschule für Knaben und Mädchen. Unterricht laut Normallehrplan für Handelsschulen. Abendkurse: Für kaufmännische Fächer, Sprachen usw. Wien II, Taborstraße 39. Tel. A-45-6-57. Prospekt gratis! liehe Anklage — die Summe der Empörung der zionistischen Welt darüber, daß die Mandatarmacht das jüdische Nationalheim einem verbrecherischen. Mob ausgeliefert hat und nicht den Mut aufbringt, sich zu den bereits vorbereiteten und in Aussicht genommenen antizionistischen Plänen offen zu bekennen. Dizengoff erklärt, daß er allein für seinen Offenen Brief verantwortlich sei. Das ist gewiß der Fall. Er kann aber sicher sein, daß alle Zionisten, alle Freunde des jüdischen Aufbauwerkes, alle ehrenhaften Menschen, alle Engländer, denen das Prestige des britischen Imperiums am Herzen liegt, mit seiner Kritik an dem palästinensischen Regime einverstanden sind. Ein befreiendes Gefühl durchdringt die Brust bei dem gelungenen Vorhaben Dizengoffs, das Spiel Wauchopes und seiner Beamtenschaft zu demaskieren. Die Palästina-Administration wird niemanden mehr zu täuschen vermögen. Das historische Verbrechen, sich den. arabischen Terroristen gefügig gezeigt zu haben und um-ihres Wohlwollens willen die Versprechungen und Verpflichtungen des Mandats . und der Balfour- Deklaration zunichte zu machen, wurde vor aller Welt enthüllt. Dizengoffs. offene Worte haben allerorts, tiefen Eindruck gemacht. Die Zionisten Polens haben an ihn ein Telegramm geschickt, worin sie sich mit seinen Ausführungen . s o 1 i d a r.i s c h erklären. Auch die Zionisten der anderen Länder fühlen, daß Dizengoff ihnen aus dem Herzen gesprochen hat. Das heuchlerische Vorgehen der Palästina-Administration ist demaskiert. Von nun ab wird es dem Herrn Wauchope und seinen Beamten nicht gelingen, die Welt mit ihren scheinheiligen Argumenten zu täuschen. Jetzt weiß man, woran man ist. „Das Natio n alh.eim wird von jenen aufgebaut werden, die dazu berufen sind!", ruft Meir Dizengoff aus. Also nicht von der Palästina-Regierung, nicht von den Königlichen Kommissionen, sondern vom . jüdischen Volk, das den Glauben an sich und seine Zukunft nicht verloren hat. 0. r., Das Actions-Comite, das zur Zeit in Zürich tagt, wird sich ohne Zweifel auch mit den Tatsachen beschäftigen, die der mutige Bürgermeister der jüdischen Stadt Tel-Aviv in seinem Offenen Brief sowohl den Engländern als auch den Arabern zur Kenntnis gebracht hat. genüber der Mandatarmacht G r o ßbritannien und gegenüber den Arabern Palästinas klargelegt werden. Eine der praktischen Hauptaktionen des Aktions- Komitees wird wohl die Proklamierung eines Fonds für rettende Aufbauarbeit'in Palästina sein. Es wird ein Appell an die Judenheit in der ganzen Welt zur Stützung dieses Fonds, aus dessen Mitteln die während der Unruhen entstandenen Schäden repariert werden sollen, erlassen werden. (Der Plan eines Appells an die Judenheit der Welt, für einen Rettungsfonds zu sammeln, scheint angesichts der Tatsache, daß die J ü d i s c h e Nationalversammlung Palästinas (Assefat Haniwcharim) in ihrer letzten außerordentlichen Tagung auf Ersatz der durch die arabische Revolte entstandenen jüdischen Schäden seitens der Palästina-Regierung bestanden hat, ein wenig deplaciert, Herr Wauchope ist ohne Zweifel für die den Juden zugefügten Schäden verantwortlich.) Wie die J.T.A. weiters mitteilt, besteht das zentrale politische Problem in der Bildung einer geeinig* ten Front aller zionistischen Gruppen gegenüber der Royal Commission, die die britische Regierung nach Palästina senden will. TJeber die einzunehmende Haltung herrschen noch Meinungsverschiedenheiten. Eine Reihe Führer ist gegen die Zusammenarbeit mit dieser Kommission, die Mehrheit der A.-K.-Mitglieder scheint aber diesen Standpunkt nicht zu teilen. Das Aktions-Komitee soll nun eine Basis finden, auf der es den Juden möglich sein Könnte, vor der Royal Commis&ion zu erscheinen. Den Vorsitz in der A.-K.-Sitzung, die für sechs Tage anberaumt ist, führt der Präsident des Jüdischen Nationalfonds M. M. Ussischkin. Außer David Ben Gurion wird auch der Leiter des Politischen Departements der Jewish Agency in London, Prof. S, Brodetzky» ein politisches Expose" halten. Der Präsident der Zionistischen Organisation Arne» rikas Dr. Stephen S. Wise nimmt an den Sitzungen nicht teil, da er nach Amerika zurückberufen wurde. // SIMPL // täglich halb 9 Uhr „GANGSTER "WIEN" mit frlli arOnbaum, Karl Parka«, Mlmi Shorp und dem übrigen Simpl-Ensemble