Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 586 (18.8.1936)
- Date
- 1936-08-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 10 Groschen Dfentfag« den IC« Angurt HM DIE NEUfc Jahrgang Nf ♦ 58^ 186 ____ V* b, b* Zettmigvom Verleger versendet „Journal exp&Ue par rediteur" REVUE HBRAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40. vierteljährig 8 4.—. ganzjährig S 16.—; Polen monaUlch Zloty 1.50» vierteljährig Zloty 4.50; «schechoslbwakel monaUlch Kc 6.-, vierteljährig Kc 15.—; Jngöslawlen monatlich Dinar W.-, vierteljährig Dinar 40.—; BornSnien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 130.—; Deutschland monaUlch Mark 1.—, vierteljährig Mark5 £-> Bnlgarien Stllch Lewa 30.-. vierteiiährieLewa^SO.-: ItaUen monaUlch Lire 5.-. vierteljährig Lire 14.-; Schwel« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit H bezeichnete Anzeigen sind entgeltlieh. Redaktion u, Verwaltung: IX, Universitätssir, 8,7el,A-20~2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag ORBIS'H1 POLEN . Abfahrt: Jeden Sonntag Anmeldungen: Poln. Reisebüro „ORBIS" I. Karntnerstraße 41, R-M-s-rs Oesterreichisches Verkehrs-Büro l. Frl«dfIchstran« 7, B-ar-soo, I. Oraben ao, u-m-o-is Den richtigen Weg gefunden Nach dem Ersten Jüdischen Weltkongreß r: ::■ Als sich vor vier Jahren ein Gruppe jüdischer Vertreter verschiedener Länder in Genf zusammenfand und die Einberufung eines Jüdischen Weltkongresses beschloß, da stieß ihr Beginnen auf viele Widerstände. Vorerst auf die Gegnerschaft jener Juden, welche den Bestand einer jüdischen Nation und die jüdische Schicksalsgemeinschaft leugnen. Was haben die in Sicherheit geborgenen, in ihren Ländern gut angesehenen Juden des Westens mit den bedrängten und verf olgj$Pf> j.n, ganz anderen Kulturen lebenden-mittel- und osteuropäischen oder gar asiatischen und afrikanischen Juden gemein? Ein religiöses Bekenntnis,, das höchstens zu 'materieller TJnteff' Stützung■ verpflichtet;^s^3^.;UI^.^'^e.- eine oder andere Judehscnäft eine Katastrophe 7Eerembribhtjv -mehr nicht. .Dazu braucht man' keinen Kongreß. Ein Komitee, für Sammlungen und einige Beamte, welche die < Verteilung besorgen,, genügen. Dann standen die einhundertfünfzigprozentigen Patrioten auf, welche in der Ableugnung jeder nationalen Gemeinschaft mit den , Juden anderer Länder ein Mittel erblicken, die eigene kaut zu schützen.. Diese schreckten nicht davor zurück, den Jüdischen Weltkongreß als ein gefährliches Unternehmen hinzustellen, gefährlich für die Juden und die ganze Welt. Schließlich erhoben sich Stimmen — und diese waren die gewichtigsten — aus. :dem zionistischen Lager. Von dieser Seite wurde der geplante Jüdische Weltkongreß als ein Konkurrenzunternehmen gegen den Zionistenkongreß und eine Ablenkung von der Arbeit für das jüdische Natiönälheim in Palästina angesehen. ' Vier Jähre haben die Vertreter des Kongreßgßdankensgegen diese Widerstände angekämpft, bevor sie es unternahmen, ihre Idee zu verwirklichen. Schließlich aber hatte es sich erwiesen, daß diejenigen, welche dem Plane gegenüber in Gleichgültigkeit oder Feindschaft verharren, keine maßgebende Rolle im jüdischen Leben spielen, und daß man "über, die unbelehrbare Minderheit hinweg handeln kann und muß. Von besonderer Bedeutung aber war der Umschwung der Meinung im zionistischen Hager zugunsten des Jüdischen Weltkongresses. Es -vyär gelungen, die Widerstrebenden zu überzeugen, daß die politische Arbeit in der Diaspora die Palästina-Arbeit nicht stört, sondern fördert. Der Zior/istenkorigreß 1935 hat sich auch einstimmig zum Jpdischen Weltkongreß bekannt und die Förderung der .Kongreßidee allen zionistischen Gruppen zur Pflicht gemacht. ' * . Die Stimmung Unmittelbar vor dem Kongreß war wenig wohlwollend und wenig zuversichtlich. Daß die Gegner ein Debakel voraussagten, war. Selbstverständlichkeit. Aber auch die treuesten Anhänger und Mitarbeiter sahen dem Kongreß bang entgegen. Der so lange, vielleicht allzu lange dauernde Kampf gegen die Widersacher und die hiedurch bedingte Verzögerung der Einberufung hatten zermürbend gewirkt. Aber der Kongreß ist über die hämischen Voraussagen der Feinde und über den Skeptizismus der Freunde hinweggegangen. Er hat alle Fehler in der Taktik und Regie überwunden und seine Lebensnotwendigkeit bewiesen. Eine würdige Und fruchtbare Tagung. , ■ •' '• * .Was hat der Kongreß dem jüdischen Volk gebracht? Viele Beschlüsse und Pläne, die, richtig Abschluß des Jüdischen Weltkongresses Genf, Mitte August, Während in den Kommissionen gearbeitet wurde, nahmen die öffentlichen Verhandlungen ihren Fortgang. In der Nachmittagssitzung vom 11. August beleuchtete in der Generaldebatte Ing. A. Reiß (Polen) im Namen der polnischen Poale Zion die Arbeit des Joint Distribution Committee in Polen, die er als ungenügend bezeichnete. Er verlangte vom Kongreß, daß er die Demokratisierung durchführe, darauf hinweisend, > daß in der polnischen Delegation verschiedene politische Parteien vertreten seien. Hierauf wurden nach Schluß der Debatte die bereits von uns bekanntgegebenen Kommissionen eingesetzt. . * Die PaSästmasDebafte Der Weltkongreß widmete seine Abendsitzung vom 11. August der ersten öffentlichen Behandlung der gegenwärtigen Situation in Palästina seit dem Beginn des Aufruhrs. In einer besonderen Sitzung beriet er die sich aus der Bestellung einer Königlichen Kommission durch England ergebende Sachlage und die Möglichkeit einer Einwanderungssperre sowie deren Beziehung zu den Garantien des Palästina-Mandats. Es sprachen: J. G r ü n b a u m, Mitglied der Exekutive, B. Locker, B. Mossinson, Louis Lipsky (U. S. A.), NtJBurou XEngland), Schalom Asch, Doktor Bub er (im Nameri^er polnischen' Delegierten), D< Pinsk i, der Rev. Perlzweig (London). Die Redher entwarfen ein eindrucksvolles Bild von der gegenwärtigen Situation in Palästina, die durch den barbarischen Mordterror der Araber gekennzeichnet ist. Sie-wiesen die Anschuldigungen der arabischen Extremisten mit großer Überzeugungskraft zurück und unterzogen die englische Palästina-Politik einer eingehenden Untersuchung. I. Grünbaum charakterisierte den Mut des jüdischen Jischuws in Palästina, der sich stündlich von mörderischen Angriffen bedroht sieht. Dr. N. Baron von der britischen Arbeiterdelegation sagte unter anderem: „Wir glauben, daß jede Beeinträchtigung der jüdischen Rechte in Palästina und jeder Versuch, selbst n ur vorübergehend die jüdische Einwanderung zu sperren oder auszusetzen, einem tödlichen Angriff gegen' die Lebensinteressen des gesamten Judentums gleichkomme. Wir protestieren mit aller Kraft gegen die Spitzfindigkeiten jenner, die behaupten, daß die jüdische Einwanderung der arabischen Bevölkerung in Palästina Schaden bringe. Die Tore Palästinas müssen der jüdischen Einwanderung offenbleiben. Und die wirtschaftliche und soziale Gesetzgebung des Landes muß sich die Emanzipation des arabischen Bauern zur Aufgabe machen.'1 Was Palästina verlangt In semer Rede führte Dr. Mossinson (Tel-Aviv)j aus: Die Angriffe, deren Opfer in letzter Zeit die jüdische Bevölkerung in-Palästina geworden ist, sind ein Angriff auf die Seele selbst der gesamten Diaspora, die aus dem in Palästina errichteten Werk die notwendige moralische Kraft schöpft, um gegen den Ansturm des Hasses ihre Würde aufrechtzuerhalten. Die Ereignisse haben aber auch einige Vorteile mit sich gebracht — sie haben die Bevölkerung geeinigt und einen bisher unbekannten nationalen Körper festgefügt. Die jüdische Bevölkerung des Landes hat gelernt, ihren Bedürfnissen selbst zu'genügen: steigende Beschäftigung jüdischer Arbeit in den Siedlungen, steigende Produktion von Nahrungsmitteln, die Entwicklung des Verkehrsnetzes, die Errichtung des Hafens von Tel-Aviv, der heute einen hohen Wert besitzt, die Uebersiedlung der Regierungsbehörden nach Tel-Aviv. Wir fühlen das Bedürfnis, die Flüchtlinge einer schöpferischen Tätigkeit zuzuführen. Die jüdische Bevölkerung in Palästina hat ihre Aufgabe erfüllt, sie arbeitet am Tag und in der Nacht steht sie Wache. In drei Tagen wurden 70.000 palästinensische Pfund für die Errichtung des.Hafens von Tel-Aviv gesammelt, Jetzt ist es die Aufgabe der Diaspora, die notwendigen Geldmittel für die Unterstützung und die Festigung aufzubringen. Berl Locker erklärte, daß eine Einwanderungssperre der größte Schlag .gegen die zionistischen Bemühungen ^sein.'würde." Rabbi Stephen S. W i s e 'hob in elner^ Ansprache 'hervor, daß das Mandat an Großbritannien weder um seinetwillen, noch um der Araber willen vergeben worden sei. Es sei an Großbritannien nur zu dem < einen Zweck gegeben worden, die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims zu überwachen und zu fördern. Die Juden in der Welt seien auf das" Verhalten der Juden in Palästina sehr stolz, der Jüdische Weltkongreß grüße sie mit Achtung. Louis Lipsky sagte, daß diese Nachtsitzung nicht eine Protestversammlung darstelle, sondern daß sie das Problem der jüdischen Rechte betrachten, und sich darüber klar werden wolle, welche Schritte in dieser Hinsicht er* griffen werden könnten. Protest müsse gegen die wachsende Indifferenz unter den Nationen erhoben werden. Schalom Asch und David P i n s k i, die vor kurzem in aPlästina geweüt haben, hielten ebenfalls Ansprachen an den Kongreß. Schalom Asch führte in einer sehr eindrucksvollen Rede aus, keine Macht in der Welt werde der jüdischen Arbeit in Palästina Einhalt gebieten können. David Pinski sagte, er lege Zeugnis dafür ab, daß die Juden Palästinas nicht nur für sich, sondern für alle Bewohner des Landes aufbauen. Diese Aufbauarbeit sei so weit fortgeschritten, daß nichts mehr sie hemmen kann. Prof. Nathan Isaac appellierte an die Juden der Welt, sich geschlossen zu der Forderung zu stellen, daß die jüdische Einwanderung keinen Augenblick lang einge* stellt wird. Die Arbeit der Ausschüsse Aus Genf: Die verschiedenen Ausschüsse begannen am 13. August mit ihren Arbeiten.. Einige Ausschüsse haben diese schon beendet. Der Ausschuß für den Kampf gegen den Antisemitismus beschloß, den Jüdischen Weltkongreß einzuladen, die entsprechenden Vorbereitungen für den Kampf gegen den Antisemitismus zu treffen. Der Ausschuß für die Organisierung des Schutzes der jüdischen Interessen beschloß, den Kongreß einzuladen, den wirtschaftlichen Boykott Deutschlands zu unterstützen. Der Organisations¬ und Verfassungsausschuß befaßte sich mit der Organidurchgeführt, Nutzen und Erleichterung bringen werden. Aber nicht darin liegt seine. große Bedeutung. Er hat in einer fürchterlichen Zeit getagt, fürchterlich für alle Völker, fürchterlicher für die Juden. In einer Zeit des höllischen Ringens der Mächte um die Weltherrschaft. In dieser schrecklichen Zeit hat er die Juden der einzelnen Länder vom entsetzlichen Gefühl trostloser Vereinsamung befreit. Er hat ihnen gezeigt, daß es ein jüdisches Zentrum gibt, wo jeder Hilfe heischen und Hilfe leisten kann. Und er hat den Weg gewiesen, den das jüdische Volk fortab zu gehen hat: den Weg, der nicht nach links und nicht nach rechts führt, den geraden Weg, den jüdischen Weg, an allen Drohungen und Lockungen vorbei, rv st» sierung des Jüdischen Weltkongresses, der zu einer ständigen Einrichtung werden soll. Der Finanzaus* schuß befaßte sich mit der Beschaffung der hierzu erforderlichen Geldmittel. Die politische Kommission setzte mehrere Unterausschüsse ein, die sich speziell mit Deutschland, Palästina, dem Minderheitenrecht, dem Zionismus und den Ziondstenverfolgüngen in Rußland befaßen. Der Unterausschuß für die Erörterung der Lage in Deutschland suchte praktische Mittel zur Lösung der durch diese Lage geschaffenen Probleme ausfindig zu machen. In dem Resolutionsentwurf, der zur Fortsetzung und Intensivierung des Antinaziboykotts überall in der Welt auffordert, wird Nazi-Deutschland als „Feind Nummer 1 der Weltjudenheit" bezeichnet; alle freiheitlich fühlenden nicht jüdischen Elemente' in der Welt werden aufgerufen, den Antinaziboykott zu intensivieren. Die Resolutionsentwürfe des Organisatioas- und Verfassungsausschusses lehnen sich an das Referat Kubowltzkis an. Der Kongreß soll alle zwei Jahr© zusammentreten. Beim Sitz der Leitung des Kongresses Schöne, billige Ferienreisen nach Polen und Czernowitz am 33. August. - Rückfahrt: so, August und 13. September Bolaebürft ff I R U T" |, Karlsplati 1, Tel» Xl.44.fi.rc