Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 584 (11.8.1936)
- Date
- 1936-08-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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! Seite 3 DIE NEUE WELT Nr. 584 vom 11. August 1036 macht hin, nichtjüdische Rechte zu schützen, und fragen, ,wie diese Verpflichtung, die Völker der Mandatsgebiete zu bevormunden, erfüllt worden sei. Es ist dies die erklärte Politik Englands, eine Politik, die vom Völkerbund selbst akzeptiert wurde, diesen beiden Verpflichtungen gegenüber Juden und Arabern „gleiches Gewicht" zu geben. Hätten wir die gegenwärtige Lage im Heiligen Lande, wenn diese Politik treulich erfüllt worden wäre? Das ist — so wird in dem Artikel welter ausgeführt — nur eine der vielen Fragen, die die Kgl. Kommission zu beantworten haben wird. Sollte sie z. B. erklären, daß die in letzter Zeit stark vermehrte Einwanderung der Juden durchaus berechtigt war und fortgesetzt werden soll, dann werden wir auf alle Fälle wissen, wo wir stehen, und vermutlich wird die Regierung einem solchen Rat entsprechend handeln. Sollte die Kommission andererseits eine wesentlich verringerte Einwanderung anraten, so wird man das ebenfalls hinnehmen müssen. Zum Schluß wird in dem Artikel betont, daß der Aufbau eines Jüdischen Nationalheims auf Grund der Balfour-Deklaration nur ein Experiment darstellt und die Möglichkeit einer Neuorientierung der englischen Palästina-Politik angedeutet. Diese Kgl. Kommission — schreibt „Great Britain and the East" — ist vielleicht nicht dem Wesen nach, bestimmt aber nach Aufbau und Prestige verschieden (von früheren Kommissionen) . Es handelt sich hier um eine wirklich große Sache, von der es kaum zuviel gesagt ist, daß die Regierung von ihr das Durchschneiden des gordischen Knotens erwartet. Ueberblickt man das Problem aus großer Perspektive, so wird man sehen, daß das, was in Palästina seit dem Kriege geschieht, ein Experiment ist. Der Urheber der Balf our-Deklaration hat in der Tat mehr als einmal den Aufbau eines jüdischen Nationalheims als ein Experiment bezeichnet. Experimente aber können in der Politik ebenso wie in der Wissenschaft nur auf dem Wege von Versuch und Irrtum durchgeführt werden. Nach dem Ergebnis zu urteüen — und welches andere Kriterium gibt es? — haben wir geirrt. Sollen wir Geschehenes ungeschehen machen, die Uhr zurückdrehen, eine neue Linie ziehen? Wir werden es nicht wissen, bevor nicht die Kgl. Kommission ihren Bericht erstattet und die Regierung diesen' Bericht geprüft hat, (J. T. A.) ' •'" Vernünftige Warte an die Gegner des Zionismus Aus London wird berichtet: In einer Zuschrift an die „Times" polemisiert James A. Malcolm gegen die Heranziehimg der Meinungsäußerungen des verstorbenen Munitionsministers und Staatssekretär für Indien, Edwin S. Montagu, durch J. M. N. Jeffries zur Stützung seines antizionistischen Standpunktes. Montagu, der, obwohl Jude, sich dem Plan 'der Errichtung eines Jüdischen Nationalheims in Palästina widersetzte, weil er befürchtete, daß die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden in den anderen Ländern dadurch erschüttert werden könnte, habe offenbar, irrtümlich geglaubt, daß er mit seiner Stellung zum Zionismus dem großen Disraeli nacheifere; in Wirklichkeit aber sei der Zypern-Vertrag, der einer von Disraelis Erfolgen war, unter anderem auch als Fassade für ein zionistisches Palästina gedacht gewesen, ein Projekt, zu dem der Sultan im geheimen seine Zustimmung gegeben habe und das lange, bevor Herzl davon träumte, verwirklicht worden wäre, wenn nicht hinter den Kulissen der Vatikan und der Botschafter des Sultans in London, Rustem Pascha, der ein Levantiner italienischer Herkunft mit . angenommenem türkischem Namen war, dagegen interveniert hätten. Religiöse Vorurteile hätten damals natürlich weit mehr Geltung gehabt als heute. Malcolm befaßt sich sodann mit den Einwänden, die Jeffries gegen die Verbindlichkeit der Abmachungen zwischen Dr. Weizmann und Emir Feisal erhoben hatte, und fragt: Rechneten die Verbündeten nicht mit Feisal? War Feisal nicht tatsächlich die zentrale Figur und der zusammenfassende Punkt für diejenigen Araber, die sich erhoben hatten oder die zur Erhebung zu bringen man durch Freigebigkeit mit englischem Gold versuchte? Wer sonst als Feisal sprach für die Araber bei der Friedenskonferenz in Paris und anderwärts? War es nach der Niederlage der Türken nicht-notwendig, von Zeit zu Zeit gegen jene „verbündeten" Araber Krieg zu führen, die weiterhin gegen die englischen Truppen kämpften? Nach der Feststellung, daß König Hussein und Emir Feisal die Bestimmungen der Balfour- KINO'PROGRAMME STAFA, VII Mariahilf erstraße 120 Telephon B-S3-0-63 Wochentags: 5, 7, 9 Uhr Carole Lombard SCHAFFER VI, Mariahilferatraße 37 laMtettde Telephon B-20.203 CRAWfORP Beginn: Vat, %f, %10 VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn: 4, Vit %10 I Carole Lombard Deklaration vor und nach ihrer Verkündung bereitwillig akzeptiert hätten, und daß der I r a k unter Feisal sich dem Völkerbund bedingungslos angeschlossen habe, ohne daß von irgend einer späteren Abmachung die Rede war, durch tiie Sinn und Wortlaut des englischen Palästina-Mandats irgendwie hätten aufgehoben werden können,, weist Malcolm darauf hin, daß die arabische Haljafhsel stets nur einen Bruchteil der Bevölkerung aufwies, die auf ihr hätte Platz finden können. Es bestehe daher nicht die Gefahr, daß die Juden von diesem Gebiet so viel besetzen könnten, daß die Araber verdrängt werden, auch wenn sie, wie man hoffe, in großer Zahl einwandern. Zum Schluß wird der Hoffnurtg Ausdruck gegeben, daß Leute, die einen starken Einfluß auf die öffentliche Meinung haben, die Ethik der zionistischen Bewegung sorgfältig in Betracht ziehen und die sehr ernsten Folgen berücksichtigen werden, die für Europa und die Welt eine Sabotage der „Wiederherstellung des Jüdischen Nationalheims in Palästina" hätte, auf die die Judenheit zweitausend Jahre lang mit Geduld und verzweifelter Sorge gewartet hat und die mitten in einem wachsenden Sturm des politischen Antisemitismus für Millionen Juden besonders in Mittel- und Osteuropa d i e einzigeHoffnung auf Rettung zu sein scheine. Petition an den Völkerbund Aus Genf wird berichtet: Acht große französische und amerikanische Organisationen haben sich zusammengetan, um an den Völkerbund zu appellieren und die bevorstehende 17. Vollversammlung des Völkerbundes zu veranlassen, sich der der Vernichtung preisgegebenen deutschen Juden anzunehmen. Die Petition an den Völkerbund, die sich auf das engste an den bekannten Brief anlehnt, dert der ehemalige Hohe Kommissar für die deutschen Flüchtlinge James G. MacDonald bei seiner Demission veröffentlichte, ist von acht großen Organisationen unterzeichnet. Die Petition stellt zunächst fest, daß die Diskriminierungen und Verfolgungen, deren Opfer die Juden, die „nichtarischen" Christen, die Katholiken und Protestanten u. a. m. durch die Gesetzgebung der deutschen nationalsozialistischen Regierung geworden sind, und das Weitertreiben dieser Maßnahmen in den anderen Ländern, wo die Flüchtlinge Schutz zu suchen gezwungen waren, weitgehende Folgen gehabt haben, und stellt, folgendes fest: ' / ■ „Die deutsche; nationalsozialistische Regierung kann, um die Berechtigung dieses Schrittes der internationalen Oeffentlichkeit bezüglich der Diskriminierungen und Verfolgungen in Zweifel zu ziehen, nicht einwenden, daß es sich um eine .innere Gesetzgebung' oder um Hoheitsrechte handelt., Der Völkerbund hat die Macht und Kompetenz, um diese Frage von Grund auf zu behandeln, und zwar nicht nur aus. Gründen der Menschlichkeit, sondern auch, weil die Taten und die Gesetze der deutschen nationalsozialistischen Regierung unmittelbare Auswirkungen haben, die die territoriale Souveränität der anderen Staaten berühren und gleichzeitig eine Verletzung ihrer Rechte darstellen und so Verpflichtungen und Verbindlichkeiten des internationalen Rechts brechen." „Die deutsche Regierung verletzt, indem sie die Diskriminierungen und Verfolgungen gegen die zu .Nichtariern' gestempelten Individuen zum System erhebt, ausdrücklich die feierliche Erklärung, die sie auf der Friedenskonferenz im Juni 1919 den alliierten und assoziierten. Mächten gegeben hat. Darüber hinaus hat die nationalsozialistische Regierung den Nachbarstaaten und anderen Ländern bewußt durch die Schaffung des Flüchtlingsproblems eine Belastung auferlegt, und die Entwicklung dieser Gefahr fällt unter die internationale Kompetenz. Die deutsche Regierung hat tausende Personen nach ihrer Einwanderung und Seßhaftmachung in den Nachbarländern ihrer Natio- M^mm Von S 2 Wochanrafan erhallen Sie alle Gegenstände In größter Auswahl und basier Qualität bis 20 Monate Kredit SCHLESINGER VII, Burggasse 122*124 Telephon B-32-2-24, B-35-6-55 nalität beraubt. Sie droht mit noch rigoroseren Maßnahmen. Ein ganzes System der Spionage und des Terrors ist zur Verfolgung der aus Deutschland gekommenen Flüchtlinge organisiert und scheint unter die Verantwortlichkeit der deutschen Regierung zu fallen." Dem Memorandum ist ein Anhang beigefügt, der die historischen Begebenheiten au^jführt und auf die Rechtsgründe für eine internationafcjr*Ak* tion des Völkerbundes hinweist. Austritte aus dem Judentum Ernst geb. Schiffres Lilly, Handelsangestellte, geb. 5. Dezember 1909 Wien, verh., XIX., Saileräckergasse 39. — Prager Lili, Hilfsarbeiterin, geb. 2. Oktober 1916 Wien, ledig, Vit., Siebensterngasse 46. — Stauber Lenke, geb. 2. Oktober 1898 Szombath/ely, ledig, II., Praterstraße 50. —- Schlesinger Kurt, Schüler, geb. 20. Dezember 1920 Wien, II., Friedensgasse 2. — Jaenike Erich, Kaufmann, geb. 1. Dezember 1900 Breslau, verh., XIII., Lainzerstraße 88. — Varga Ludwig, Schildermaler, geb. 31. Juli 1895 Oedenburg, ger. gesch., IV., Hauptstraße 10. — Lindenmann Hans, akadem. Maler, geb. 25. November 1905 Wien, ledig, I., Karlsplatz 2. — Krott Dr. Eugenie, Zahnärztin, geb. 2. Juni 1891 Wien, getr., XIV., Langauergasse 4. — Holub geb. Kantuscher Katharina, geb. 23. Oktober 1895 Waasen, verh., XHI., Hütteldorferstraße 230. — Holub Max, Kaufmann, geb. 20. März 1894 Neulengbach, verh., XDX, Hütteldorferstraße 230. — Weiß Paul, Konsul, geb. 28. April 1901 Wien, ger. getr., XIII., Ghelengasse 11. — Klein Anna, geb. 9. September 1916 Wien, ledig, XIII., Hauptstraße 20. — Koritschoner Edith, Realschülerin, geb. 27. Februar 1922 Wien, ledig, XH., Neuwallgasse 49. — Nacht Sofie, Kunstgewerblerin, geb. 28. Juni 1911 Jaroslau, ledig, VI., Linke Wienzeile 40. — Goldberg Karl, Handelsangestellter, geb 17. Jänner,.1617 Wien, ledig, IX., Sechsschimmelgasse 27. — Schönwälder geb. Kohn Paula, geb. 30. August 1891 Wien, ger. gesch., XIX., Hungerberggasse 1 a. — Jokl Ernst, Kaufmann;' geb. 10. April 1891 Wien, ger. gesch., XVII., Taubergasse 32. — Drucker Emilie, geb. 16. Mai 1875 Wien, Tullnerbach- Lawies. — Abeles Max, Tischlergehilfe, geb. 2. September 1917 Wien, ledig, II., Zirkusgasse 30. — Schober geb. Kardegg Berta, geb. 5. April 1913 Wien, Mauer bei Wien: — Brichta geb. Kornitzer Helene, Private, geb. 18. Mai 1901 Wien, verh., IV., Schönburgstraße 52. — Klein Johanna, Hilfsarbeiterin, geb. 6. Juli 1902 Wien, ledig, XVI., Ärltgassa 38. — Dreiblatt geb. Liewehr Emilie, Haushalt, geb. 27. Juni 1904 Wien, verh., XXI., Verbindungsweg 5. — Steiner geb. Löwy Sidonie, Private, geb. 18. September 1897 Wien, g. g., IL, Reichsbrückenstraße 28. — Fischer geb. Schwarz Ida, geb. 7. Oktober 1893 Wien, g. getr. TX., Nußgasse 12. — Baum Dr. Gustav, Direktor, geb. 31« März 1886 Wien, Weißenstein. bas neue 58erIaufss(Ereignis bei Sd)iffmann. Unter triefet 3)eoife oettaufen totr von 2Jtontag Bis greif ag nod) Billiger hei gleid) guten Qualitäten Ccinaelftücfc in Sommers£ieibern, 3>irnbln, Uehergongs*2Könteln unb ^aletnts, Sdjo&en, Jölufen, (Sinaelpaate in Sdjuhen, iUSäftfje unb £üte, fotöie XBafä>, Seiben* unb IDitnbIftoffe, £iet einige ^reisbeifpiele: '& ■ ÄinbetsÄleiber ober sEitnbln, ©röfoe 45—50, p. 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