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Die neue Welt · 1936-08-07 · Heft 583 (7.8.1936) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 583 (7.8.1936)
Date
1936-08-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 583 vom 7. August 1936 DIE WELT- Seite 7! AL W WT T-f1 ^■v^äi jp"9RHl JoV^J ^kV^ «HL Der Begriff „Galut" erscheint dem Judentum als Symbol für seine Leiden seit der Zerstörung des Tempels, des Reiches. Die Galut hat also ihren Platz in der Geschichte, das Martyrium der Galut erscheint als Vorstufe Mir Rückkehr ins Heimatland. Im nachstehenden veröffentlichen wir das Geschichtsbild der Galut aus der Feder eines judischen Schriftstellers und eines nicht* jüdischen Kulturforschers. Zunächst ein Abschnitt aus der Neuerscheinung der Schocken-Bücherel Nr. 61 (Berlin), aus dem Buche „Galut", von J. F. Baer: Das Wort Galut umfaßt eine Welt von Tatsachen und Vorstellungen, die sich in jeder Epoche der jüdischen Geschichte erneuert, vertieft oder verflacht haben. Politische Knechtschaft, Zerstreuung, Sehnsucht nach Befreiung und Wiedervereinigung, Sünde, Buße und Versöhnung: das sind, die großen Linien, die das Wesen der Galut bezeichnen, solange sich überhaupt noch ein wirklicher Sinn mit dem Worte verbinden läßt. Das Bild differenziert sich bereits wesentlich zur Zeit des zweiten Tempels. Noch besteht der nationale Staat in Erea Israel und das Heiligtum, dessen sühnende Kraft der ganzen Menschheit gilt. Das Ziel ist, die gesamte Menschheit unter Leitung des jüdischen Volkes und im Anschluß an seine Religion zur Erlösung zu führen. Die Diaspora ist nicht nur Folge der politischen Versklavung, sondern sie d,ient auch der Verbreitung der wahren Lehre in der Welt. ■Der. gegenwärtige politische Zustand des jüdischen Volkes ermöglicht freilich nicht die Erfüllung des Ideals. Versklavt, verachtet und verstoßen über die ganze Erde, er- .7io//£ das jüdische Volk die politische Wiedervereinigung ,auf seinem Heimatboden und dessen vollkommene Wiederbesiedlung. Erst dann ist eine volle Erfüllung des Gesetzes möglich. Denn Politeia (Gesetzes- und Lehrverfassung), Volk und Boden gehören zusammen. So sind in der hellenistisch-römischen Diaspora bereits alle wesentlicluen Züge der mittelalterlichen Galut gegeben. So gibt es auch bereits den Antisemitismus, Er ist die notwendige Folge des hohen Bewußtseins, das die Juden von ihrer religiösen -Ueberlegenheit und Sendung gegenüber den Völkern haben; dieses hohe Bewußtsein wirkt um so aufreizender, als es im Gegensatz zur tatsächlichen Machtlage steht. Problematik des Judeseins ist mit der 'Galut-unlöslich verbunden. Ein wesentliches Merkmal der ■Gxtini Sind jetzt schon Verfolgung, Schimpf und Rechtlosigkeit,-- die durch scheinbare Privilegien nicht aufge- Tiöten'wird. Das Leiden ■•g&s'töi&'Wt aber für den Glauben. •jJDenn um Deinetwillen werden wir jeden Tag gemordet, werden wir dem Schlachtvieh gleich geachtet." Darum ist die Nation so stolz auf ihre Märtyrer, weil die ganze Nation im Grunde ihn Loben dem Martyrium geweiht, das 'Jöciide'sr Götieh^eichesauf ■ sich genommen hat. Dazu ~ge)fi'öpr^raber auch das Leiden für die Einheit und Freiheit des 'YoVfes.' Die iixesslanische Hoffnung der Vereinigung des Volkes ist selbst bei Philo so stark und drückt sich bei ihm in denselben Worten aus wie bei den späteren Prophetdn und wie bei jedem mittelalterlichen Juden. Mit einem.' Schlage, von einer geistigen Kraft gerührt, werden die Juden von allen Enden der Welt nach Palästina zusammengeführt werden. •■ Durch die Zerstörung des Zweiten Tempels erweitert sich der Riß in der Geschichte, und es vermehrt sich der Schatz der national-religiösen Kleinodien, um deren Verlust getrauert wird: der Tempel mit seinem Kult, die verstümmelte heilige Verfassung, die nationale Autonomie, der der Nation immer mehr entzogene heilige Boden. „Die Gerechten sind beigesetzt und die Propheten entschlafen; wir aber sind aus unserem Lande gezogen, und Zion ist uns fortgenommen, und wir haben nun nichts mehr als Gott und seine Thora." Darum wird das immer gewaltiger - anwachsende System der > Ausdeutung der Thora zum bestimmenden Faktor im Leben des Volkes. Aber die Thora ist doch nur ein Übriggebliebener Teil des heiligen Qefüges von Volk, Verfassung und Land, das mit der bevorstehenden Erlösung wieder zusammenzuwachsen bestimmt ist. Die Garantie für die baldige Erlösung ist gegeben durch di& Verheißungen der Propheten uixd durch ein im' Hirzen der Nation lebendes Geschichtsbild, das im Anschluß an die Bibel von Generation zu Generation neu durchdacht und erioeitert wurde. Professor Friedrich Wilhelm Foerster, der große Pädagoge und Ethiker, veröffentlicht in der „Pariser Tageszeitung" den zweiten Teil seiner Ausführungen anläßlich des am 8. August in Genf zu eröffnenden Ersten Jüdischen Weltkongresses unter dem Titel: „Der jüdische Kulturfaktor und seine weltpolitischen Aufgaben." Während der erste Aufsatz (siehe ,,Die Neue Welt" Nr. 581) den jüdischen Genius darstellt, versucht Fr. W. Foerster im zweiten Aufsatz, die Juden davon zu überzeugen, daß sie sich in ihrem Kampfe gegen den Nazismus nicht auf Proteste und auf die «ngeren Aufgaben der Hilfeleistung an die Opfer des Nazismus beschränken sollten, sondern daß sie sich in die Front der fortschrittlichen WTelt im Kampfe gegen die Reaktion zu stellen haben. „Die Behandlung der Juden * durch das neue Deutschland", schreibt Fr. W. Foerster, „ist das letzte logische Ergebnis einer fast hundertjährigen Abirrung des deutschen Geistes von seinen besten Traditionen. Diese Abirrung ist noch nicht an ihrem Ende. Sie kann noch riesige Verwirrung in der Welt stiften, die sich dann schließlich immer auch in irgend einer Form der Verfolgung des Judentums äußern wird; darum wird es von größter Bedeutung sein, daß die große jüdische Weltbewegung, die sich, zur Verteidigung gegen jene Barbarei und zur Fürsorge für ihre Opfer organisiert hat, sich nicht bloß auf die Vertretung unmittelbar bedrohter jüdischer Interessen beschränkt, sondern sozusagen eine neue jüdische Außenpolitik von sehr weitschauender Orientierung betreibt, das. heißt also, ganz allgemein an dem Kampfe gegen die Weltpolitik und die Weltpropaganda des deutschen Nationalsozialismus teilnimmt. Kann es zum Eeispiel dem Judentum inder Welt gleichgültig sein, ob Hitler sich des. europäischen Südostens bemächtigt? Man stelle sich \doch: nur vor, was geschehen würde, Wenn das nationalsozialistische. Deutschland Oesterreich und danach' ü^ev/r:deu£gchi^:^ annektierte: -danni würde ' doch* dem ■ Judentum, des ganzen europäischen Südostehs: .unfehlbar ein:- ähnliches: Schicksal bereitet werden wie den deutschen Juden. Die jüdischen Hilfskassen würden* zehnmalüberlastet werden, das Problem der Unterbringung . der Vertriebenen würde inmitten des gegenwärtigen Weltaustandes-alle vorhandenen Kräfte und Möglichkeiten übersteigen. Besteht also für das gesamte Weltjudentum nicht der Anlaß, die jüdische Außenpolitik in ganz neuer Weise an die Seite aller Bestrebungen zu bringen, die eine neue, planmäßige Gegenwirkung und Aufklärung gegenüber dem hochorganisierten Vorgehen des -Hitlerschen Deutschland ins Auge fassen:..? Palästina ist ein. großes Ziel, seine Zukunft- und seine Sicherheit aber sind — wie wir heute deutlich erkennen — doch aufs engste mit allen Problemen der allgemeinen Friedenssicherung, der europäischen Verständigung, der Eindämmung der deutschen Gefahr verknüpft. Kurz, das Judentum, das ausgeht, die jüdische Frage zu lösen, muß erkennen, daß gerade II E 1 U A T Sympathischer, intelligenter Mann, 25 lahre alt, mit Zertifikat, sucht hübsches, junges Mädchen von 18 bis22Iahren mit etwas Geld zwecks Fahrt nach Palästina . Zuschriften unter Chiffre „ErezIsrael" an die Administration des Blattes c 111 Ii i n mu i u m 1111 u 11111' m ■ i n 111 m i ti 111 m m 1111 n m 111111 ui i t 111 m i r ■ m i m 11 tu ui 11 nu t u 111 u 1111 m i M1111111 til r 111111 tu 1111 m ii 111 rt IM111 diese Frage keine bloße philanthropische Frage oder Kolonialfrage ist, sondern mehr als alle anderen von dem Triumph der moralischen Mächte in der gesamten gegenwärtigen Weitschwierig* k e i t abhängt." Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) Oesterreich: Heut' ist der schönste Tag in meinem Leben. — Schulter an Schulter. England: Die Dubarry. Frankreich: Wenn ich Rothschild war' — Liebe — Leidenschaft. i Amerika: Die Courtisane von Versailles — Mandaley — Hart an der Grenze — Der junge Arzt —- Rendezvous — Die tolle Marietta — Schenk uns die Nacht — Zum Küssen geboren — Broadway-Melodie 1936 — Top Hat — Desire — Schwarze Fahnen über China — Die neue Zeit — Wuschelkopf — Der schwarze Engel — General Sutter — Lerne lieben, ohne zu weinen —• Musik um Mitternacht — Mädchen von heute — Ich lebe mein Leben — Der unsichtbare Strahl — Habe die Ehre — Ich hin eine anständige Frau — Das gelbe Gift —- Wir leben für Liebe — Liebeskadetten — Reiche Herren bevorzugt — Unter der Peitsche — Ketten — Das Rätsel von Zimmer 309 — Die Schreckensinsel im Pazifik — Fräulein Wirbelwind — Schlafwagen Paris—Toulon — Der größte Gauner des Jahrhunderts — Seitensprünge — Tom Mix räumt auf — Coriandoli in 1000 Farben — Staatsanwalt unter Mordanklage — Männer ohne Namen. — Der Weg ins Ungewisse — Rex, der König von Arizona — Schuldige Hände — Ihre letzte Nacht — Das Gericht der Totengräber — Rätsel um eine Frau — Desperados — Liebe vor dem Frühstück. Filme unter Arierparagraph Wenn Menschen reif zur1; Liebe werden — Die lustigen Weiber — Die weiße Hölle vom Piz Palü — Der seltsame Gast — Der schüchterne Casanova — Der müde Theodor — Der König lächelt, Paris lacht— Die letzte Galavorstellung im Zirkus Barsony — Im Trommelfeuer der Westfront — Krach im Hinterhaus — -Fährmann Maria — Rendezvous in Wien — Liebes-Intermezzo' —- Flitterwochen — Durch die Wüste — Der Außenseiter — Jana — Wenn der Hahn kräht — Ihr Freund, der Heiratsvermittler — Kaub der Sabinerinnen — Die letzte Fahrt der „Santa Margareta" — Mädchenmarkt — Die Fahrt ins Blaue Boccaccio —Der Holzschnitzer vom Erzgebirge^ ^- Befehl ist Befehl —. Mister X.:^. Der Dämon vom Himalaya Puppenfee •—. Die Drei; um Christine. 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