Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1936-08-07 · Heft 583 (7.8.1936) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 583 (7.8.1936)
Date
1936-08-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2711613-2712150-2712208--5945-2719632
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Preis 20 Groschen freifeg/ den 7* Ailglisi 1#36 16« Jahrgang Nr* 583 b* b« Zeitung vom Verleger versendet „Journal expediö par rfidfteür" *?ÄV-^ - «*r?«*«*«i62l0t t-hek R E VU E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER ORBIS H POLEN Abfahrt: Jeden Sonntag Anmeldungen: Poin. Reisebüro „ORBIS" I. Kärntnorstrafle 41, R-st-5-78 Oesterreichisches Verkehrs-Büro I. Friedrichstrane 7, B.27-500, i. Graben 20, U.tt.p.js Vor Eröffnung de§ Jüdi§dien Wellkongresses Rabbi Dr. Stephen Wise Wie aus Genf gemeldet wird, ist der Vorsitzende des Komitees für den "Jüdischen Weltkongreß, Dr. Stephen S. Wise, in Genf eingetroffen. lieber die-Stärke der einzelnen Ländervertretungen auf dem Kongreß gibt das Komitee bekannt, daß die Vereinigten Staaten 75 Delegierte entsenden werden. Von diesen wurden 52 Delegierte auf der in Washington im vergangenen Monat abgehaltenen Reichskonferenz gewählt, die übrigen werden von den großen Organisationen nach einem von der Organisationskommission des Weltkongresses festgelegten 'Schlüssel nominiert. England wird durch 16, Jugoslawien durch 3, Argentinien durch 5 Delegierte vertreten sein. Die Delegation aus Kanada umfaßt 4 Vertreter. Die Sc h w e i z hat eine dreigliedrige Delegation unter der Führung des Präsidenten des Verbandes der Jüdischen Gemeinden, Sally Mayer, angemeldet.' Spanien, Portugal, Danzig und Chile haben je einen Vertreter. In Oesterreich und in der Tschechoslowakei wurden je 8, inPrankreich 10 Delegierte gewählt. Aus Marokko und Algerien kommen je 4, aus Tunis 3 Delegierte. Litauen entsendet 5, Belgien 4, Italien und Libyen ebenfalls 4, Griechenland 3 Vertreter. Je zwei Delegierte wurden in Bulgarien und Brasilien gewählt, aus Uruguay, Estland und Finnland kommt je ein Delegierter, Dänemark, Schweden und Norwegen werden durch Beobachter vertreten sein. Die Judenheit Polens, die größte,Judenheit Europas und zweitgrößte der Welt, die etwa 3 Millionen Seelen umfaßt, schickt eine Abordnung von 60 Delegierten zum Kongreß. Aus Rumänien, wo es eine Million Juden gibt, kommen 30 Delegierte. Die Judenheit Palästinas bereitet die Entsendung einer zehngliedrigen Delegation vor. Sie wird von M. M. U s s i s c hkin geführt und umfaßt die folgenden Namen:' Dr. B. Z. Mossinson, Direktor des Hebräischen Gymnasiums in Tel* Aviv, Rabbi Mejr Berlin, Präsident des Misrachi, Joseph S p r i n z ak, Berl L o c k e r und ~ Zalman Rubaschow, die die Jüdische Arbeiterpartei Palästinas vertreten; Rabbi Ben'2äon U z i e 1, J. Grünbaum, A. Elmaleh.und M. Schapira. Der Aibeitsbereidi des Kongresses Die endgültige Tagesordnung des Weltkongresses wird im Verlaufe der Sitzungen des Exekutivkomitees festgelegt werden, das in Genf am 5. und 6. August beraten wird. Die Arbeiten des Kongresses werden folgende sein: Am 7. August nachmittags wird ein Presseempfang für die internationale und jüdische Presse vom Exekutivkomitee veranstaltet. Die Eröffnungssitzung des 8. August abends wird unter dem Vorsitz von D» Stephen S. Wise stattfinden. Nach Anhören von Begrüßungsreden seitens der Vertreter der Schweizer Behörden und der Genfer Israelitischen Gemeinde und nach Verlesen anderer. Begrüßungsschreiben wird Dr. Wise seine Eröf f m ungsr'ede halten, Dann BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig ö 4.~, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zlotj» 1,»), vierteljährig Zloty 4.5Ö; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.^-. vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien, monatlich Lewa; 80.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire ß.-n, vierteljährig Lire 14.-*-; Schweis und die-übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60. vierteljährig Schweizer Francs 4.B0. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltung: IX, Universitätsstr,8,lel.A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u.Freitag Wird die zionistische Wahrheit siegen? Aus London wird uns geschrieben: Noch immer ist bezüglich der Liquidierung der Araber-Revolte keine Entscheidung gefallen. Die Bestrebungen der arabischen Delegation gehen dahin, zu beweisen, daß ohne diö Erfüllung ihrer Forderungen die erregten Massen rricht beruhigt werden könnten, während von zionistischer Seite auf die im Mandat verbrieften Rechte und die ungeheuren Folgen im Falle britischer Nachgiebigkeit hingewiesen wird. Die öffentliche Meinung ist nicht einheitlich. Der arabischen Propaganda sind politische Kreise erlegen, die bisher die arabische Revolte als gegen Englands Prestige im Vorderen Orient gerichtet ansehen; weniger um der arabischen' Vorteile willen, als um die Schwierigkeiten in Palästina beseitigt " zu sehen. Man sieht in denselben Kreisen die Ernennung der kgl. Kommission als einen Versuch zur Beruhigung der arabischen Nationalisten an, j_ zumal diese Kommission in ihrer Zusammenstellung als araberfreundlich gilt und. auch, von der hier weilenden inoffiziellen Jerusalemer Delegation als „u n p £r t e i i s c h" angesehen wird: Im Mittelpunkt aller Diskussionen steht allerdings, der schon mehr als hundert ,Tage dauerndem S t re i k. verschärft. Es ist zu befürchten, daß das Urteil des Obersten Gerichts, in Palästina, wonach die Kollektivstrafen über einzelne Dörfer ungesetzlich seien,., die Terroristen zu neuen Exzessen ermuntern wird. Hiesige, dem Kolonialamt nahestehende Kreise nehmen an, daß der Oberkommissär schon in den nächsten Tagen gezwungen sein wird, den Belagerungszustand über das ganze Land zu verhängen, um jene gesetzlichen Mittel in die Hand zu bekommen, die nach Ansicht der Mandatsmacht zur Herstellung der Ruhe und Ordnung im Lande erforderlich sind. Denn eines ist klar: Die Kommission wird"auf keinen Fall in einem von Terror heimgesuchten' Land amtieren. Die Frage der Verhängung des allgemeinen Belagerungszustandes ist auch dadurch aktuell geworden, daß das Oberste Gericht — wie bereits erwähnt — wiederholt Kollektivstrafen der Palastina? Verwaltung' als ungesetzlich aufgehoben und damit der Regierung eines ihrer wirksamsten Repressivmittel gegen 'die Terroristen und ihre Beschützer" ent- Jeden Sonntag—billige* Sonderfahrten mit Ufld CZGTnOWitZ Nächste Abfahrt: 9. August frlih „Francopol", III, Schwarzenbergplatz 7,Telephon U-16-4-90 „Cedok", I, Kärntnerstraße 32, Telephon Rr23-4-8S Gerngroß, VII, Mariahilferstraße 42, Telephon B-38-2-68 Vor einigen Tagen hielt der Oberste Arabische Ausschuß in Jerusalem eine außerordentliche Sitzung ab, in der beschlossen worden sein soll, als Antwort auf die Einsetzung der kgl. Kommission das Ende des Streiks für Ende dieser Woche zu proklamieren. Mehr als dieses Gerücht drang nicht aus den verschlossenen Türen. Hingegen verlautet, daß ein Bruder des Jerusalemer Bürgermeisters Dr. Chaldi sich nach Damaskus begeben habe, um dort gemeinsam mit dem arabischen Historiker Mohammed Kurd Ali die Beschwerdeschrift für die Kommission auszuarbeiten.' Daraus ist zu ersehen, daß im arabischen Lager keine Einmütigkeit bezüglich der Einstellung des „friedlichen" Streiks herrscht. Die arabischen Führer haben sich gegenüber dem Oberkommissär Sir Arthur Wauchope geäußert, daß sie, sollte die Palästina-Regierung nicht . nachgeben, kaum mehr in der Lage seien, die revoltierenden Massen im'Bann zu halten, so daß "mit weiteren Terrorakten zu rechnen sei. Diese Drohung fand ihr Echo in der Praxis. Die Attentate haben nicht aufgehört, sogar die britische Pipe Line wurde angegriffen, so daß jetzt auch auf trans jordanischem Boden Sicherungsmaßnahmen efforderlich geworden sind. Seit der Einsetzung der kgl. Kommission haben sich in einzelnen Gegenden die Angriffe der arabischen Banditen wird der Kongreß am gleichen Abend das Referat von Dr. Nahum Gold mann über ^die Lage der Juden in: der Welt anhören. Die zwei nachfolgenden Tage werden durch die Referate Lestschinskis über die wirtschaftliche Lage der Juden in den Ländern' Osteuropas, Jeffroykins über die Probleme des jüdischen Hilfswerkes, Tartakowers über die Probleme der jüdischen Migration, Dr. Wises über das deutsch-jüdische Problem und Kubowitzkis über das Problem der Organisation der jüdischen Weltgemeinschaft ausgefüllt sein. Eine besondere Sitzung wird der Darstellung der Läge in Palästina gewidmet sein, wobei als Referenten die am Kongreß teilnehmenden Mitglieder der palästinensischen Delegation das Wort ergreifen werden. Nach Anhören dieser Referate wird eine öffentliche Generaldebatte stattfinden, die wohl drei bis vier Sitzungen in Anspruch nehmen wird. Sollte sie Mittwoch beendet sein, so werden Donnerstag und eventuell noch Freitag die Kommissionen in geschlossenen Sitzungen die Entschließungsentwürfe ausarbeiten, die dann dem Plenum des Kongresses ab Samstag abends zur Abstimmung unterbreitet werden. Spätestens Sonntag soll der Kongreß geschlossen werden. zogen hat. Solche Erwägungen der Regierung lassen die Schwierigkeit der Lage erkennen. Die Feststellung des Kolonienministers Ormsby-Gore, daß die Frage des M a n d a t s außer Diskussion stehe, genügte nicht, um den jüdischen Jischuw und die zionistische Welt zu beruhigen. Die letzte Erklärung Ormsby-Gores im Unterhaus, daß die.Frage der v o rüb e r g e h ende nEinstellungder jüdischen Einwanderung hoch offen bleibe, da die Regierung über sie noch keinen Beschluß gefaßt habe, wurde in Palästina durch Radio mitgeteilt und hat in allen Kreisen des Jischuw tiefe Unzufriedenheit und Erregung hervorgerufen. Es wird darauf hingewiesen, daß solch eine Erklärung den Arabern die Aussicht eröffnet, ihren Kampf gegen die jüdische Einwanderung erfolgreich zu führen; solche Aussicht sei dazu angetan, die Araber zur Fortsetzung ihrer Aufruhrtätigkeit zu ermutigen.' Die Erklärung Ormsby-Gores stehe auch in Widerspruch zu vorausgehenden strikten Erklärungen der Regierung, daß sie Gewalt und Terror nicht weichen werde und insbesondere nicht an eine Einstellung der jüdischen Einwanderung denke. Inzwischen geht die Pressekampa £ n o für und gegen die jüdischen Interessen in Palästina weiter. Die arabischen Forderungen, welche eiher Lahmlegung der Mandatsverpflichtungen gleichkommen, haben sich in der letzten Zeit eher noch verschärft. Die arabische Delegation verlangt jetzt nicht nur die Einstellung der jüdischen Einwanderung, sondern auch die Freilassung der in Anhaltelagern untergebrachten Agitatoren und Streikführer sowie die Installierung einer nationalen Regierung» d« n. einer Verwaltung mit arabischer Vorherrschaft. Diese Forderungen werden im Zusammenhang mit der zu beginnenden Tätigkeit der kgl. Kommission gestellt. Während „Times" und „Manches t e r Guardian" die „Unparteilichkeit" der Kommission in den Vordergrund rücken, schreibt der konservative „Spectator" ganz offen: „Insbesondere sollten die Araber in Anbetracht dessen, daß alle Kommissionsmitglieder völlig frei sind von jüdischen Verbindungen oder Einflüssen, erkennen, daß ihrer Sache vollste Gerechtigkeit widerfahren wird, und einsehen, daß es durchaus in ihrem Interesse liegt, den Arbeitsbeginn {

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.