Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 571 (23.6.1936)
- Date
- 1936-06-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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.Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 571 vom 23. Juni 1936 Verb» d« Judensfaafcxioirfsfeti Oesterreichs Sektion Frater, II., Erlafstraße 5. Donnerstag, den 25. d., halb 9 Uhr abends, Ausschußsitzung. Judenstaatsjugend, Sektion II. Untei-e Augarten- Straße 38. Mittwoch, den 24. d.. Va9 Uhr abends, Vortrag Dr. Walter Einhorn: Zur Psychologie des jüdischen Witzes". Der Verband der Judenslaatszionisten gratuliert seinen Mitgliedern Heinrich Steiner und Frau zur Verlobung ihrer Tochter Käthe mit Herrn Emil Hochmann. Wa§ in Poleis vorgeht War schau. 19. .Tun5.. (J. T. A.) Bei Beratung des Gesetzes über die Vollmachten an die neue von General Slawoj S3ladko\vsky gebildete Regierung führte der Deputierte Dr. Sommerstein 5m Namen des Jüdischen Parlamentsklubs im Sejm aus: „Die jüdische Bevölkerung in Polen hat nicht mehr die Sicherheit für Leben, Gesundheit Und Habe. Jeder Tag bringt eine neue traurige Liste von Ueberfällen, Zerstörung und Raub. Mehrere Juden haben bereits ihr Leben lassen müssen. Das alles ist nicht Resultat der Krisis und der allgemeinen Notlage ' und Unzufriedenheit, sondern einer planmäßigen Aktion, die von einem oberen Stab geleitet wird und ' der Arsenale und Laboratorien zur Bombenerzeugung zur Verfügung stehen. Die Bewegung hat eine eigene Presse und sie beherrscht die Jugend bis zur :Volksschule hinunter. Die judenhetzerische Agitation " darf in Tageszeitungen, Wochenschriften, Flugblättern und Kalendern vollkommen straflos getrieben werden. Die jüdische Religion wird auf die gemeinste Art ge- achmäht, die jüdische Geschichte wird als eine Kette von Verbrechen hingestellt, den Juden wird die Schuld an allem Unglück zugeschrieben. Gegenüber den Juden wird das schreckliche, ..bisher nur bei barbarischen Völkern geltende Prinzip , der kollektiven Verantwortlichkeit angewendet. Die Ermordnung des Wachtmeisters B u j a k In Minsk-Mazowieck war erwiesenermaßen ein persönlicher Racheakt eines jungen Juden, aber es wurde an der gesamten 600Uköptigcn jüdischen Bevölkerung der Stadt Rache genommen. In dieser Stadt blieb keine einzige Fensterscheibe in jüdischen Häusern und Synagogen ganz. Viele Häuser und Läden wurden demoliert und ausgeraubt, eine Reihe Häuser wurden niedergebrannt, zahlreiche Juden wurden barbarisch mißhandelt, 20 von ihnen liegen noch heute schwer Verletzt darnieder, einige starben. Die furchtbare Pogromatmosphäre hat zwei Drittel der jüdischen Einwohnerschaft In die Flucht getrieben, der Rest hielt sich wochenlang in verbarrikadierten Wohnungen und Keilern ohne Nahrungsmittel, Licht und Wasser verborgen. •Auch in Lemberg wurde an der jüdischen Bevölkerung auf Grund eines unbestätigten Gerüchtes, daß ein Juden einen Polen geschlagen hat, Rache genommen, viele Jude einen Polen geschlagen hat, Rache genommen, viele beamt« Rosen mann starb eines furchtbaren Tod e s. In dieser Atmosphäre voll Hetze und Haß hielt sogar : -die ■ offizielle Polnischen Telegraphen-Agentur (P. A.T.) nicht davor zurück, Legenden gegen Juden zu verbreiten. Wann wird die Regierung gegen die Schuldigen solch unerhörter Provok-a tiohen, die die Bestie im Menschen wecken, vorgehen? Ist das nicht psychologische Vorbereitung einer neuen Pogrom-Offensive? Die Behörden gehen nicht rechtzeitig gegen die Hetzer und Terroristen vor. Wo dies geschieht, zeigt es sich, daß man einen 'beginnenden Exzeß im Keim ersticken kann. Die Regierung beurteilt solche gemeinen Judenexzesse ala „politische" Taten, die unter Amnestie fallen, so daß auch die wenigen Schuldigen, die gefaßt werden, schließlich straflos ausgehen. In dem Grodnoer Prozeß hat erst d,as Appellationsgericht die Strafe für die Schuldigen am Tode einiger Juden erhöht. Aber der berühmte Przytiker Held K o r c z a k, der zweimal vom Erstrichter wegen Judenhetze bestraft wurde, wurde immer wieder durch das Kreisgericht in Radom freigesprochen. So wird der Eindruck geschaffen, daß das Schlagen von Juden eine nationale Tat sei, daß der Jude außerhalb des Gesetzes stehe, daß man ihn töten dürfe, mindestens seine menschliche Würde mit Füßen treten und ihm seinen Besitz nehmen könne; bei den Juden aber' entsteht eine Stimmung ständiger Unsicherheit, die jede Tatkraft lähmt. Ist nicht Sicherheit von Leben, Gesundheit und Habe das Minimum, das jeder Staat jedem Bürger garantiert? Der Jüdische Klub wird zum Zeichen des Protestes gegen das Ermächtigungsgesetz stimmen." Ferien 1036 in Polenlür Juden. Wie alljährlich, werden auch in diesem Jahr unzählige jüdische Familien ihre Ferien in Polen verbringen, teils um ihre Angehörigen zu besuchen, tella um Jn d$n billigen polnischen Sommerfrischen Erholung und Vergnügen zu spottbilligen Preisen zu finden. Wenn man bedenkt, da»,'man in polnischen Sommerfrischen ab S 3.— täglich gut leben' kann, so wundert man sich nicht, daß Ferienreisen nach Polen beim judischen Publikum beliebt sind. Es Ist uns gelungen, sehr, günstige Arrangements mit einer Reihe von jüdischen Häusern in I^rynJca, Zakopane, Iwonicz, Truskawiec usw. abzuschließen. Alle näheren Auskünfte Uber diese Reisen erhalten Sie bei Dr. 8- Tocker „In die Welt". IX.. Liechtensteinstraße 2, wo Ihnen der Genannte bereitwilligst zur Verfügung steht. E ttteuts Schwad* m B(ic$edUealu Charly Chaplin mit Morris Schwärt/ in der Rolle des Njeschawer Rabbi („«lösche Kalb") Vor genau zAVölf Jahren, im Juni 1D24, kam Morris S c h w a r t z mit seinem Ncvv-Yorker Ensemble zum ersten Male nach Wien, wo or im Carltheater den grandiosen Stil seiner Aufführungen in einer Reihe jüdischer Bühnenwerke zeigte. Seither mit sich der Radius seines Wirkens nach allen Seiten erweitert. Di« Anforderungen an die Qualität der Aufführungen sind noch größer geworden, zumal die Stücke selbst, welche Morris S c h w a r t z in der letzten Zeit inszenierte, ein Mehr an technischem und szenischem Aufwand erfordern. In dieser Hinsicht nimmt J. J. Singers „Joschc Kalb" einen besonderen Platz ein. Hier handelte es sich um dje Hersteilung einer künstlerischen Einheit von Wort, Geste, Musik, Plastik und Licht, wobei die rein schauspielerischen Aufgaben restlos gelöst werden mußten. So entstand csn gewaltiges Bühnenwerk, eine Aufführung voll Bild- und Tonkraft, ein Ricsengcmälde, auf welchem die einzelnen Figuren und Schicksale sich dem Ganzen wiliig unterzuordnen haben. »Josche Kai b", in der dramaturgischen und szenischen Behandlung von Morris Schwartz, gelangt im Rahmen der Welttoumee ab Freitag, den 26. Juni, im Wiener Bürgertheater zur Aufführung, »er Karten Vorverkauf an der Theaterkasse, in den Jüdischen Künstlerspielen, Praterstraße 34, bei Oskar Gronner, I., Graben, und in allen Kartenbüros hat bereits begonnen. jubsBäumt //Die Grenze'' Donnerstag, den 25. Juni, V^O Uhr, findet im Jüdischen Kulturtheater, I., Franz-Josefs-Kai 3, die 75. Aufführung des Schauspiels „Die Grenze" in der Premierenbesetzung statt. Sämtliche Vorstellungen dieses erschütternden Stückes (Bearbeitung von A. Ganze rt, Regie Walter Steiner) waren bisher ausverkauft. „Drei Walzer." Die neue Operette von Oscar Strau s, die ihre Wiener Aufführung im Rahmeni der Festwochen im Ronacher eriebte, knüpft an die klassische Wiener Operette an, nicht allein durch Verwendung der Musik von Johann Strauß Vater und Sohn, sondern auch durch den vornehmen musikalischen Stil des Ganzen. Ein erstklassiges Operettenpaar stellten Paula B r o s i g und Karl Pistorius, neben innen in wirkungsvollen Rollen die überaus begabte und anmutige Grete Bäck, die flotte Lizzie Perry, die amüsanten Goldner und Von t& Ab Wochenratan er« halten Sie alle GSegemsSände in größter Auswahl unis bester Qualität bis 20 Monate Kredit VII, Burggaose 122*124 Telephon B-32-2-24, B-35-6-55 Trenk-Trebitsch, ferner Max Brod, Otto Langer, Jcsef Victora, Fritz Spira und Helene Lauterböck. Die Festvorstellung hatte durchschlagenden Erfolg, neben dem Ensemble wurde der persönlich anwesende Oscar Straus stürmisch gefeiert. —ld. Polnische Gäste in Wien. Auch in dieser Woche hält der Reiseverkehr aus Polen trotz der augenblicklich vorhandenen Beschränkung an. Ein Beweis dafür, daß Oesterreich nach wie vor das Reiseland Europas geworden ist. Sonntag kamen auf dem Ostbahnhof mit einer „Francopol"-Gescllschaftsrcise 76 Gäste aus Polen an, die vier Wochen lang ihren Urlaub in Oesterreich verbringen wollen. Die Gesellschaftsreise bringt die Fremden nicht nur nach Wien, sondern auch nach Pörtschach, Bad- und Hofgastcin usw. Im übrigen dürfte bereits in der allernächsten Zeit das polnisch-österreichische Abkommen bezüglich des gegenseitigen Reiseverkehres günstig abgeschlossen werden. Freitag: „217 Tage Abessinicn". Der mit größter Spannung erwartete einzige abendfüllende authentische Filmbericht vom afrikanischen Kriegsschauplatz, „217 Tage Abessinien — Von Rom bis Addis Abeba", gelangt Freitag im Gartenbau-, Kärntner-, Busch-, Haydn- und Kolosseum-Kino zur "Uraufführung. Durch die Geschlossenheit der Darstellung erzielt dieser Film eine dramatische Wirkung, die weit mehr gibt als nur eine Wiederholung der bekannten und militärischen Vorgänge. Es ist der Vorteil des Films, daß er —-ausschließlich aus Originalaufnahmen bestehend — erlebt und nicht gespielt oder gestellt ist. KINO*PROGEtAMME STAFA, Mariahilf erstrafle 120 Telephon B-S3-0-68 Wochentags: J, 7, 9 Uht mit Joan Crawford SCHKFFER VI, Mariahilferstraße 37 Telephon B-20-203 tietfinn: 3AU, V»ft, V*8, WO Vom 23. bis 25. Juni . VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn: 4, %6, ViB, 'A10 mit Joan Crawford TABORSTR.48 . .„«w;w ■ ••. ■^'Mmim .. /x> &Mmkl«1 JBJfWltUmer, Verleger, Herausgeber und yerjurtwoctUfibec Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. — Druck? Dnckvrfeb - IX., UjtUYefflitätßfltEaße e^8, , und yer.lags-Ai-G, Igaaz, Steinmarua, beide. Wleo,