Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 569 (16.6.1936)
- Date
- 1936-06-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2712150-2712194--5843-2719516- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
185 Preis 10 Groschen Dienstag/ den 16» Juni 1016 16* *itl. fit* 569 V« b* b* Zeitung vom Verleger versendet ^tebi**™***1 ekp6al6 par vmtea*t D IE NEUE W tLT R E VU E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig 8 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty _------ . ,^ . ......----~. - vierteljährig Kc 15.— : Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertelvierteljährig Zloty 4.50; Tseheehoslowakel monatlich Ko 6. r ____________„ jährig Dinar 40.—; Bnmänlen monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.- Dentschland monatlich Mark l.~ MarWS.—; Bnlgarlen-monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire 14.—; Sehweia und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u, Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8,7et. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitatt ORBIS?POLEN Abf a h r t: 27. Juni (abends) Anmeldungen: Reisebüro „O R B I S" I. Kärntnerstrane 41, R-si-f-78 Oesterreichisches Verkehrs-Büro I. Friedrichstrane 7, B.57-500, i. Graben 20, U.S9-o.ss faeftU Sdmidi Singt im Rahmen der Wiener Festwochen (Großer Muaikvereihsaal) Donnerstag, 18. Juni, Uhr abends, Einziges Konzert Karten an der Konzertkasse* Dr. Hohenberg, I., Opern- 'gebäüde (Tel. R 27-2-11) und an der Musikvereinskasse Deutschland preist Leon Blum , . Leon Blum . hat in der französischen Kammer seitens der Opposition eine Begrüßung erfahren, die in der Geschichte des französischen Parlamentarismus einzig dasteht. So respektlos wurde , noch keinem neuernannten Regierungschef begegnet. Der Abgeordnete Vallat erklärte unter dem tbsenden Beifäll einer großen Gruppe, daß Blum als Jude unfähig sei, die Geschicke Frankreichs zu lenken. Der- Kammerpräsident Herriotwies wohl den Redner zur Ordnung und erklärte, daß er keine Katholiken, Protestanten und Juden kenne, sondern nur Franzosen, Leon Blum aber sprang fassungslos auf und wollte 'den'-Saal verlassen. Nur mit Mühegelang es seinen Freunden, ihn zum Bleiben zu bewegen. Damit ist aber das Kapitel „Jud" in der französischen Politik nicht abgeschlossen. In weitem Umkreis wird der Ruf Vallats ein Echo .finden und die Stimme Herriots übertönen. Der Antisemitismus wird fortab und geraume Zeit hindurch ein Instrument französischer Tagespolitik sein. Ein verhängnisvoller Anfang. Daß er zu erwarten war, macht ihn nicht besser. Aber noch viel fataler als der Umstand, daß Leon Blum - in Frankreich mit einer Schmähung empfangen wurde, ist die Tatsache, daß Hitler-Deutschland den jüdischen Regierungschef Frankreichs freundlich ■ begrüßt, ja, mit Lob überschüttet. In der „Frankfurter Zeitung" (Besingt der diplomatische Helfer und Berater Adolf Hitlers, der Pariser Korrespondent Friedrich Sieburg, drei Spalten lang den großen Franzosen Leon Blum. Einige Proben: „Das politische Frankreich ist überreich an starken Persönlichkeiten. Leon Blum ist zweifellos eine der glänzendsten , . ." — „Er ist einer Ungerechtigkeit nicht fähig,.." — „Er entstammt der jüdischen •Elite der Stadt Paris. Nie hat er versucht, diesen Ursprung zu verschweigen. Im Gegenteil, er ist heute noch :8tol?,'auf ihn und sieht in seiner Zugehörigkeit zum Judentum eine Garantie für die Leidensfähigkeit und das .Qerechtigkeitsgefühl, das auch seine schärfsten Gegner ,ihm; niejnals abgesprochen haben." — „Jedes seiner Worte zeigt, daß seine Schwelgerei in der Vernunft der menschlichen Natur keineswegs unwürdig ist." — „Zweifeilos hat er sein ganzes Lebens ehrlich darangesetzt, das Volk •kennen zu lernen." — „Daß er imstande ist, ein Land wie Frankreich zu regieren, ebenso gut, wie jeder andere, unterliegt Keinem Zweifel. Ja, er wird es noch besser machen können." u Man liest, reibt sich die Augen und liest noch ein- Die Araber für Jüdisches Nationalhelm Die Londoner „Times" veröffentlichen unter dem Titel „Der Pakt von 1919" einen Artikel von Prof. Weizmann, in welchem die wichtigen historischen Fakten bezüglich der Zustimmung der Araber festgestellt werden, welche diese zur Balfour-Deklaration und zu den zionistischen Aspirationen bezüglich der Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina gegeben haben. („Die Neue Welt" hat in ihrer Nummer vom 11. Juni in dem Artikel „Arabische Politik und arabische Parteien" von Seh. Rosenfeid dieses im gegenwärtigen Augenblick hochaktuelle Thema behandelt und insbesondere jene Details hervorgehoben, auf die sich Prof. Weizmann in seinem „Times-Artikel bezieht.) Dr. Chaim Weizmann gibt den Freundschatsvertrag bekannt, den er 1919 mit Emir F e i s a 1, dem späteren König des Irak, abgeschlossen hat4 und in dem die Anerkennung der Balfour-Deklaration ausgesprochen wird. „Die gegenwärtigen Unruhen in Palästina", schreibt Dr. Weizmann, „haben der Behauptung, daß das Versprechen, in Palästina ein Nationalheim für das jüdische Volk zu errichten, unvereinbar sei mit Versprechungen, die den Arabern im Kriege gemacht wurden, erneut Verbreitung verschafft. Ich möchte hier nur auf eine Seite dieser Angelegenheit hinweisen, nämlich auf die Stellung, die die arabische Delegation bei der Friedenskonferenz zur Schaffung des Jüdischen Nationalheims in Palästina einnahm. Die führende Figur unter den arabischen Vertretern war Emir Feisal, später König des Irak. Er arbeitete mit T, E. La wir e nee; zusammen und erschien vor dem:Oberst-ertiR^rdc^^^ Forderungen; der Araber nach unabhängiger nationaler Existenz unterbreitete. Ich war mit ihm im Juni 1918 An Sonntagen - Sonderfahrten mit „FRANC0P0L" POLEN und Czernowitz Nächste Abfahrten: 27. Juni und 5.Juli „Francopol", Iii, Schwarzenbergplatz 7, Tel.U-16-4-90 „Cedok", 1, Kärntnerstraße 32,. Telephon R-23-4-88 Cerngroß, VII, Mariahilfersiraße 42, Tel. B-38-2-68 in Amman zusammengekommen , und hatte später wiederholt Qelegenheit, Unterredungen mit ihm und Lawrence über Zionismus und Palästina zu führen, Unterredungen, aus denen die jahrelange Freundschaft zwischen König Feisal und mir entstand. Als Feisal 1919 nach Europa kam, legten wir ihm unsere Pläne vor. Sie wurden sowohl von Feisal als von Lawrence gebilligt, _und Anfang 1919 gipfelten diese Verhandlungen in dem abschriftlich beigefügten Freundschaftsvertrag. Der Wortlaut dieses Vertrages wurde von Lawrence, der ihn mit Feisal besprochen hatte, gutgeheißen. Das Abkommen, dessen Original in meinem Besitz sich befindet, wird folgendermaßen eingeleitet: Se. Kgl. Hoheit Emir Feisal, bevollmächtigter Vertreter des arabischen Königreiches Hedschas, und Dr. Chaim W e i z m a n n, bevollmächtigter Vertreter der Zionistischen Organisation, haben sich, eingedenk der Rassenverwandtschaft und der alten Bande, die zwischen dem arabischen und dem jüdischen Volk bestehen, und in der Erkenntnis, daß das sicherste Mittel, die Erfüllung ihrer nationalen Aspirationen zu. er-, reichen, in möglichst enger Zusammenarbeit; bei der Entwicklung des arabischen' Staates und Palästinas besteht, sowie ferner von dem. Wunsche geleitet, das mal und kann es nicht fassen. Das schreibt ein Hitler- Blattüber einen Juden! Glänzend ... ehrlich ____gerecht ... berufen zur Führung Frankreichs! Bis jetzt ist jeder, der auch nur ein gutes Wörtchen über einen Juden sagte oder ohne zu fluchen über Juden schrieb, in Hitler- Deutschland als Volksfeind verfemt worden. Jetzt diese Gunst einem Juden, und einem französischen und einem „roten" Juden obendrein. — Und doch ist die im ersten Augenblick absurd scheinende Sache verständlich, allzu verständlich. Hitler-Deutschland haßt Frankreich und es haßt die Juden. Es beglückwünscht Frankreich zu seinem jüdischen Hinisterpräsidenten, weil es von dieser Wahl' Unheil erwartet, für Frankreich und die Juden. < gute Einvernehmen zwischen ihnen zu festigen, auf die folgenden Artikel geeinigt: Diese Artikel (von denen einige zusammengefaßt" werden), waren: Artikel I. Der arabische Staat und P a? 1 ä s t i n a sollen in allen ihren Beziehungen und Untere nehmungen von herzlichstem Wohlwollen und-Einver* nehmen geleitet sein; zu diesem Zweck sollen ordnungsgemäß akkreditierte arabische und jüdische Geschätsträger in den beiderseitigen Territorien eingesetzt und erhalten werden. Artikel II sah die Festlegung der G r.e n z e n zwischen dem arabischen Staat und Palästina vor. Artikel III. Bei der Festsetzung der Verfassung' und Verwältültf^ Maßnahmen getroffen werden,'die die vollste Gewähr für die Ent-. Wicklung der Deklaration .der englischen Regierung vom 2. November 1917 (B a 1 f o u r-D e k 1 a r a 11 o n) bieten. Artikel IV. Es sollen alie notwendigen Maßnahmen getroffen werden, um die Einwanderung von Juden nach Palästina in großem Maßstab zu ermutigen und anzuspornen und so schnell wie möglich jüdische Einwanderer durch dichtere Siedlung und intensive Bodenkultur auf dem Lande seßhaft zu machen. Bei der Durchführung dieser Maßnahmen sollen die arabischen Bauern und Pächter in ihren Rechten geschützt und bei der Förderung ihrer wirtschaftlichen Entwicklung unterstützt werden/ . Artikel V sah volle Religionsfreiheit vor. Artikel VI. Die mohammedanischen heiligen Stätten sollen unter mohammedanischer Kontrolle stehen. In Artikel VII verpflichtete sich die Zionistische Organisation, dem arabischen Staat mit dem Rate ihrer Wirtschaftsfachleute beizustehen. Sie•'■ erklärte sich in Artikel VIII bereit, vor der Friedenskonferenz in Bezug auf die in dem Vertrag berührten Angelegenheiten diesem Vertrag entsprechend vorzugehen, und in Artikel. IX, jeden Streitfall der englischen Regierung zu unterbreiten. Feisal unterzeichnete den Vertrag in London am 3. Jänner 1919 mit einer Vorbehaltsbemerkung in arabischer Sprache (die englische Uebersetzung der Bemerkung wird in Lawrences Handschrift in der „Times" faksimüiert wiedergegeben), in der er seine Verpflichtungen auf Grund dieses Vertrages abhängig mache von der E rfüllung der Forderungen des arabischen Memorandums vom 4. Juni.durch die englische Regierung. Es ist auch bezeichnend, daß Feisal, als er am 29. Jänner 1919 vor dem Obersten Rat der Friedenskonferenz über die arabischen Forderungen sprach und die Unabhängigkeit für alle arabisch sprechenden Völker in Asien verlangte, in Bezug auf Palästina mit folgenden Worten eine Ausnahme machte: Ich möchte Palästina mit Rücksicht auf ttf R (Li T** unsere beliebten Ferien rc i s e n nach Polen und Czernowitz beginnen am 2*. Juni und 5. Juli. Aufenthalt beliebig bis inklusive September. Wir bitten um ihre Teilnahme. jRur* t£^K&9ia&'ty&*