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Die neue Welt · 1936-05-29 · Heft 565 (29.5.1936) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 565 (29.5.1936)
Date
1936-05-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite ü DIB NEUE WELT Nr. 565 vom 29. Mai 1936 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH &ien,_l. Bez., Seitenstettengasse 2, W Samstag XL Zentraltriedhof, neb. d. 1. Tor. geschlossen Ein deutscher Prinz — agitiert gegen das Hakenkreuz Von A. A1 m i (New York) Zwei junge deutsche Prinzen bereisen jetzt Amerika. Der eine, Prinz Hubertus zu Löwenstein aus Bayern, weilt schon einige Monate hier und führt eine offene Propaganda — gegen den Nationalsozialismus. Er organisiert die Katholiken gegen Hitler, spricht auf jüdischen Massenmeetings und fordert das jüdische Volk auf, sich mit den Katholiken im Kampfe zu vereinigen. Der andere — Louis Ferdinand von Hohenzoll ern — ist ein Enkel des Exkaisers Wilhelm II. Er ist soeben aus Europa gekommen, wahrscheinlich in geheimem Auftrag, und bringt Grüße von seinem Großvater aus Doorn mit... Er ist in Amerika kein „Grüner", denn er verbrachte seinerzeit drei Jahre in Henry Fords Automobilfabriken in Detroit. Es hieß damals, der Prinz — leiste bei Ford wirkliche Fabriksarbeit, aber gleichzeitig kursierte das Gerücht: Ford unterstütze mit großen Geldbeträgen jene Gruppe, welche sich um die Wiederaufrichtung der Monarchie in Deutschland bemüht!... Es kam auch die Meinung auf, daß der Prinz insgeheim für Hitler arbeite. Genaueres ließ sich damals nicht feststellen. Welcher Mission dient er diesmal? Er selbst erklärt, er befinde sich auf einer Vergnügungsreise, und erzählt dabei, sein Großvater Wilhelm befinde sich sehr wohl und habe ihm eingeschärft, sich ja nicht mit Politik zu befassen. Neu renoviert! Restaurant „Zum Braten" II, Negerlegaste 2 TtS3 streng orthodox Reichhaltige Menüs S —.90 bis S 2.30 Gute Küche / Billigste Preise Diese betonte Versicherung hat den Verdacht bestärkt, daß die Mission des Prinzen eine politische ist, und daß sein Besuch Beziehung zu Wilhelm-Ü.-Deutschland und Amerika habe. Vorläufig wohnt Prinz Louis Ferdinand hier in New York. In einiger Zeit wird er sich auf eine Tournee über das ganze Land begeben, zweifellos nicht deshalb, um Spenden für seine verarmte Familie in Doorn zu sammeln... Nun zurück zu Prinz Löwenstein! Um ihn gibt es keine Geheimnisse, keine Gerüchte, keine Vermutungen. Er erklärt frei aller Welt, was sein Ziel ist: Alle Kräfte gegen Hitler organisieren. Dem hochgebildeten, in seiner Lebensanschauung liberalen Menschen ist das nationalsozialistische Regime ein Greuel. Er ist hier schon mehrmals in jüdischen Versammlungen in den jüdischen „Centers" aufgetreten. Das sind jene modernen Synagogen, die selbst ihre Rabbiner bestellen und erhalten. Unlängst hielt er ein großangelegtes, tiefen Eindruck hinterlassendes Referat im „Brooklyner jüdischen Center", welchem der berühmte Rabbi Israel H. Löwenthal vorsteht. Er machte die jüdischen Massen darauf aufmerksam, daß neue Verfolgungen und Entrechtungen in Deutschland gegen Juden und Katholiken vorbereitet und unmittelbar nach der Olympiade durchgeführt werden. Auch berichtete er von Verfolgungen, Martern, Morden an Juden und Katholiken, die nicht oder nur selten, über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt werden. Er steht in Kontakt mit allen unterirdischen illegalen politischen Organisationen. in Deutschland und in den verschiedenen Ländern um Deutschland und ist über die Ereignisse genau orientiert. Er behauptet, daß die unterirdische Opposition wächst von Stunde zu Stunde und bald ihren Arm zur Vernichtung des Regimes erheben wird. Von besonderer Wichtigkeit sei die Tatsache, daß die Führer der Armee durchwegs Gegner Hitlers sind! Was wird nach Hitler kommen? Eine Militärdiktatur — aber auch diese, erklärt der Prinz, wird sich nicht lange behaupten können. Sie wird entweder durch die Monarchie oder eine demokratische Regierung abgelöst werden. Vorläufig hat der Prinz sich die Aufgabe gestellt, so rasch wie möglich die antinazistischen Kräfte in Amerika zu organisieren und eine mächtige Kampffront zu schaffen — Katholiken, Juden, Radikale, welche gemeinsam mit ähnlichen Organisationen in anderen Ländern der Herrschaft des Hakenkreuzes ein Ende machen soll. Neben Prinz Löwenstein arbeitet — Brüning, der gewesene deutsche Reichskanzler, der gleichfalls die westliche Welt bereist, und auch schon einigemal in Amerika gewesen ist, um sich über die antihitleristischen Kräfte, insbesondere die katholischen, zu informieren. Aber auch die deutschamerikanischen Hakenkreuzler ruhen nicht. Ueber Auftrag Berlins hat die Naziorganisation Amerikas „Freunde des neuen Deutschland" ihren Namen geändert. Jetzt heißt sie „Deutsch- Amerikanische Liga", und ihre Aufgabe besteht darin, alle Feinde Hitlers zu bekämpfen. Sie hat den Beschluß gefaßt, als Mitglieder nur solche Deutsche aufzunehmen, die Bürger Amerikas oder in Amerika geboren sind. Ihr nächstes Ziel: Ein nationalsozialistisches Regime in den Vereinigten Staaten... Gleichzeitig erließen die . antihitleristischen Deutschen in Amerika — 85.000 Mitglieder zählt ihre ■ Organisation <— eine Proklamation, worin; sie feierlich | geloben, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln die Nazipartei in Amerika zu bekämpfen, jene Partei, die ohne die Fonds, welche Goebbels Propagandaministerium auf geheimen Wegen nach Amerika schafft, in sich zusammenbrechen würde. Wie Ooebbels arbeite« Aus Brüssel (J. T, A.): Die deutsche Presse macht gegenwärtig viel Aufhebens von dem Aufsatz eines „hervorragenden belgischen Gelehrten Prof. Doktor E. P. Seyler aus Brüssel". Dieser Aufsatz erschien zuerst in der der antisemitischen Aüslandspropagatida dienenden Zeitschrift „Der Weltkampf", München, Nr. 148, April 1936. Der Artikel ist eine Verherrlichung der antisemitischen Politik des Dritten Reiches im Stile der bösartigsten antisemitischen Literatur jenseits des Rheins. Als man in Belgien den Aufsatz zu lesen bekam, erschien es unverständlich, daß ein belgischer Universitätsprofessor etwas derartig Unwissenschaftliches und Verlogenes schreiben könnte. Man ging der Sache nach und stellte fest, daß es weder in Brüssel, noch sonstwo in Belgien einen „hervorragenden belgischen Gelehrten" mit Namen E. P. Seyler gibt, noch auch einen „Professor" und „Doktor". Dieses Beispiel ist charakteristisch für die Sitten und Methoden jenes Deutschland, das im Interesse der Propaganda den guten Namen der belgischen Wissenschaft kompromittierte. Geistige Nahrung für Schwachsinnige Aus Berlin (J. T. A.): In den Hilfsschulen für minder- und Schwachbegabte Kinder ist folgende Belehrung an die Tafel geschrieben, die die Kinder abschreiben und auswendig lernen müssen: „Als Deutschland in größter Not war, haben Marxisten und Juden das Vaterland verraten. Sie taten alles, was die Feinde wollten. Sie regierten in Deutschland und wollten immer regieren. Das wollte aber Adolf Hitler nicht. Die Juden machten Deutschland arm, so arm, daß viele Millionen hungern mußten, weil die Väter keine Arbeit finden konnten. Deshalb kämpfen die Nationalsozialisten gegen Juden und Marxisten. Dabei wollen wir dem Führer helfen. Wir kaufen nicht beim Juden. Wir gehen zu keinem Juden, wir sprechen nicht mit Juden, wir gucken die Juden nicht an. Dazu sind wir Deutsche zu stolz. Wer beim Juden kauft, wer mit Juden verkehrt, ist ein Lump und Volks verrät er: D}e Juden sind unser-Unglück: Deutschland, sei treu!" Dieser Text ist der neuen „Lehrvorschrift für Minderbegabte" entnommen. Letzte Nachrichten Drohungen der //Schwarzen Hand" Aus Jerusalem (26. Mai): Die Lage im ganzen Land ist außerordentlich gespannt. Die arabischen Terroristen versuchten, die Verbindungen zwischen.den englichen Truppenteilen zu zerstören und sie in Verwirrung zu bringen. In Nablus wurden von der „Schwarzen Hand" unterzeichnete Aufrufe in englischer Sprache verbreitet, in denen die Soldaten gewarnt werden, sich in den Straßen zu zeigen, „wenn ihnen ihr Leben lieb sei". . / In Jerusalem wurden. die Sicherungsmaßnahmen für die Regierungsgebäude und das Wohnhaus des High Commissioner Sir Arthur Wauchope erheblich verstärkt. Die Regierung soll die vertrauliche Mitteilung erhalten haben, daß seitens der arabischen Terroristen Attentate auf den High Commissioner und andere hohe Regierungsbeamte geplant seien. Die Telephonverbindung mit Emek Chef er ist unterbrochen. Die Stadtgemeinden von Nablus und Hebron haben bekanritgegben, daß- > sie ' sich dem arabischen Generalstreik offiziell angeschlossen haben. Dauernde Alarmbereitschaft In einem amtlichen Kommunique werden Mittellungen über eine Aufnihrbewegung in Nablug .(Sichern) gemacht. Englische Truppen sind von allen Seiten von Arabern angegriffen worden. Sie wurden aus den engen winkligen Gassen und von den Dächern her beschossen. Infolge der kritischen Lage waren die Truppen zunächst genötigt, sich aus der Stadt zurückzuziehen. Erst nach dem Eintreffen bedeutender Verstärkungen konnten dio Truppen in dio Stadt einmarschieren und die Ordnung Von v m Wochenraten «r« hallen Sie alle Oegenitünde In größter Autwahl und bester Qualität bis 20 Monate Kredit SCHLESINGER VII, Burggasse 193-124 Telephon B-32-2-24, wieder herstellen. Die Besatzung befindet sich in dauernder Alarmbereitschaft. Auf Befehl der Regierung sind bisher Uber zwanzig arabische Streikführer verhaftet worden. Die Verhafteten wurden sofort zum Zwangsaufehthalthalt unter Polizeiaufsicht in verschiedene entlegene Dörfer gebracht. Aufruf des Waad Leumi Der Waad Leumi hat einen Aufruf veröffentlicht, in dem die Behauptung der arabischen Führer, daß durch die Juden die Existenz der Araber in Palästina untergraben werde, zurückgewiesen wird. Pemgegenüber wird in dem Aufruf gezeigt, daß' die jüdische Einwanderung und Aufbauarbeit den Arabern" viel Nutzen gebracht hat. An die arabische Bevölkerung, wird der Appell gerichtet, mit den Juden in Frieden zusammenzuleben. Wir. sind sicher, so heißt es in dem Auf ruf,'daß es bei gutem Willen und gegenseitiger Achtung möglich ist, einen ger meinsamen Weg zu finden, der weder die jüdischen Itecbie auf Einwanderung und den Aufbau Palästinas, noch die arabischen Interessen und eine freie arabische Entwicklung; beeinträchtigen und Juden wie Arabern in gleichet Weise zum Segen gereichen wird. (J. T. A.) KINO-PROGRAMME KREUZ-KINO 1, Wollzeile 17 Telephon R-24- 2-16 Vorstellungen: 4, %d, V*9, ttlO MADCHEN, MASKEN, MÖRDER EIN GANGSTER-FILM STAFA, VII Mariahilf orstraße 120 Telephon B-33-0-68 Wochentags: s, 7, 9 uht Kay Francis ü. Ricardo Corfez SCHÄ'FFER VI, Mariahilferstraße 37 Telephon B-20-203 deginn: %4, %6, V*8, 'A10 Der M Arzt ehester Morris VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon Ä-18-3-96 Beginn: «, v*s, voo Kay Francis ü. Ricardo'Corfez MineralwassertrlnUkuren. Neben der allgemein verbreiteten Schätzung von alkalischen Säuerlingen als' Genuß-"uria Tafelwasser und deren Verordnung... zu prophylaktischen : u^d diätetischen Zwecken besitzen diese Säuerlinge, als deren bekanntester In Oesterreich wohl der rein natürliche ,,P r e b'l a u e r Sanerbrunn" anzusehen ist,' einen hohen therapeutischen Wert, so daß Ihnen seit altersher ein weiter Indikatlonskrels zukommt: die katarrhalischen Affektionen der Luftwege,1' Erkrankungen des Magens und des Darmes, namentlich hypefazider Natur, der Leber und der Gallenblase, Entzündungen , fler Nieren, des Nierenbeckens, der Harnblase, Konkrementbildungen, Gicht, Diabetes usw. . B CHn lohnender ttnsftog! Sdjeuen Sie nidjt ben 2Beg, er totjnt jid) — Befidjtigen Sie bie fefyensmerten „48 S^oufenfter in ber, £aBorftrai$e 48" — fie aeigen Sutten eine Sülle entjüdenber ,3mprime*Seibenftoffe, 3mprtme%^af#ftpffe uhb ■ 3mprimeVftleiber, bie in Qualität unb Sßreis einmalig unb Befpietfps ftnb. 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SDSatum fotlett Sie t)iel ©elb ausgeben, menn Sie auctj.für toenig (Selb bas fti^tige; 3t)rem ©eförnatt unb' SBebotf Gentjpteäjenbe Befommen. Äommen Sie in biefer SBocije — ber legtenvox ^Pfingften—5u Straßenbahn O, V, C Taborstraße 4f * Eigentümer, (Verleger, Herausgelwu »ind yerjuitwostllcher. Redaktetfr: ^^^^^^^^^^l^g"*" Pruclc: p^cfcwel- und yerlags-A.-G. Ignaa ptelnmaun, beide .Wlftff

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