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Die neue Welt · 1936-05-29 · Heft 565 (29.5.1936) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 565 (29.5.1936)
Date
1936-05-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 565 vom 29. Mal im DIE NEUE WELT Seit« 8 Wir müssen kämpfen In Palästina Von untrem peiäetlnensisch en Dr. H ».-Korteepondenten Tei-Aviv, IS. Mai. J&ine Sache ist klar — trotz der ÜeberfäUe, Streik», Zerstörungen, Brandstiftungen, Demonstrationen, Sin» schüchterungen und Drohungen: Es wird ihnen nicht* ntitten! „Palästina wird so jttdUch sein wie England englisch." Und die Jaden werden entschlossen sein, hieherzukommen, mag die« auch anter Leiden und Fährlichkeiten sein. Und just in Hunderttausenden. Und je weiter, in desto stärkerem Tempo. Weil das der einzig© Weg ist, der uns geblieben und weil uns ohnehin Vernichtung und Untergang ereilen würde. Nicht deswegen haben wir das Joch einer zweitausend jährigen Märtyrergesehichte auf unseren Schultern getragen, Ohi an der Schwelle der Wiedergeburt unterzugehen. Aber mit dem ganzen Vertrauen in unseren endgültigen Sieg und in den Sieg der Gerechtigkeit, für welchen wir unseren unerhörten historischen Kampf führen, darf man nicht die faktischen Bedingungen außer acht lassen, unter welchen wir unseren Krieg fuhren müssen. Nicht die feindlichen Kräfte unterschätzen, nicht beim Zusammenstoß mit ihnen die Augen vor Schreck schließen, sondern ganz einfach —r ruhig und aufmerksam und mutig alle jene Störungen betrachten, welche uns im Weg stehen, und ihnen wirksam zu begegnen suchen. Vogel-Strauß-Politik wird uns nicht zum Ziel fuhren. Nur Courage» Offene Augen, und starker Geist werden uns in unserem Kampf beistehen. So gesehen ist die Zeit gekommen, unMre Aufmerksamkeit dem Charakter der palästinensischen Administration zuzuwenden. Und da muß man laut und offen sagen: Es ist eine an tizionistische und an ti jüdische Administration im vollen Sinn des Wortes. Diese Behauptung haben wir Öfters schon gehört, aber immer nur mit gedämpfter Stimme und mit „Aber" und „Dennoch", und darum ist die Zeit gekommen, all die einschränkenden „Aber" und „Dennoch" durchzustreichen. Es ist eine antijüdische Administration! Und „antijüdisch" heißt nicht unaufmerksam oder unfreundlich oder nicht genug behilflich den jüdischen Aufbaubemühungen. „A n t i j ü d i s c h" heißt eine Methode, die permanent und um eines bestimmten Zweckes wegen gegen die Juden und ihre Bestrebungen gerichtet ist. Feuer der niedrigsten Pogrominstinkte des arabischen Pöbels gießt, unsere Zurückhaltung als Gelähmtheit, Kopflosigkeit und Unbeholfenheit ausgelegt wird, Dinge, welche die Hooligans nur noch ermutigen; daß nur ein energischer jüdi scher W id e rstah d heute die Regierung zwingen kann, durch aktive* Eingreifen Ordnung zu schaffen, da, solange der Jude mit der Rolle des schutzlosen Schafes einverstanden ist, das seinen Hals bereitwillig hinhält, die Regierung sich nicht rühren und auf unsere Rechnung „Politik" machen wird; daß unsere Hoffnung, die Unruhe werde sich legen und wir würden durch betonte jüdisch« Passivität eine anständige Zertiflkaten-Schedule bekommen, sich nicht erfüllt habe; daß man sich nicht um die Schedule zu kümmern habe, wo das Mandat an sich in Gefahr sei; daß jüdische Ehre WARNER BROS. PFI NGST-PREM I E R E N : Üoy> fcortcis in Mandalay Regie: Michael Kertesz © P ERN.KIN O, I. S T A F A-K I N O, VII. VOTlVPARK-KäNO, IX. P/ud Jflmi in Hart an der Grenze SCHWEDEN-KINO Votoees tld JU& in Die Courtisane von Versailles BURG-KINO, I. ELITE-KINO, I. .'.*' In Palästina weiß das jedes Kind: Es tet leichter für ein. Kamel, durch ein Nadelöhr durchzukommen als für;., einen Juden, etwas in einem palästinensischen Regierungsamt durchzusetzen. Vor einigen Monaten hatte ich. Gelegenheit, mich im Jaffaer Paßamt aufzuhalten. Von den dreißig Besuchern, die warteten bis sie drankamen, waren ungefähr zwanzig Juden und zwei Nichtjuden. Trotzdem rief der arabische Polizist die NdTm'Mer.n' d£r %e^üdber.;;aüsscKne^lcK'. in ä r a b iscbe t Spräche aus. In dieser Sprache und nur in dieser gab er auch alle anderen Meldungen aus. Zum Glück fand sich unter den Besuchern ein jemenitischer Jude, der leise der hilflosen und nervös gewordenen Menge die stolze arabische Meldung des Polizisten übersetzte... Pässelbe Verständnis für jüdische Würde und jüdisches Recht, dem ihr beim arabischen Postensteher im Jaffaer Paßamt begegnet seid, findet ihr bei den höchsten Betören'des Landes. Vor einem Jahr hat eine Delegation südafrikanischer Juden den Zivilsekretär der Palästina- Regierung besucht und ihn über allgemeine Dinge der Palästina-Politik befragt." Die Antwort des Zivilsekretärs ging dahin, daß die Juden von der Regierung nicht erwarten mögen, sie werde zuschauen, wie sie im Land von Tag. zu .Tag stärker werden und die Araber sdwohl wirtschaftlich wie politisch hinter sich lassen. Die Aufgabe der- Regierung, ließ sich der Sekretär vernehmen, sei es, die Araber so weit zu unterstützen, daß sie nicht hinter den Juden zurückbleiben. Das beißt mit anderen Worten, daß die Juden ihr Land nicht nur gegen die Araber, Wir empfehlen nur: Die sulenPKilliifeÄ: ■Ii Äutö-u.Motorradschu!en : Wi«i 8. Hfeiiilgggergassßiß .'.Vtl. B^ß-Si-f? wnd ■Ullersdorf, H.-ü. sondern auch gegen den systematischen politischen und wirtschaftlichen Widerstand de« Regierungsapparats zu. kämpfen haben, der seine ganze Macht auf die arabische Waagschale gelegt hat.' Deswegen ist die Behauptung der Offiziösen zionistischen Stellen, daß England »ach. Palästina, „unfähige Beamte" schicke, falsch und kindisch; es handelt sich, hier nicht um „Unfähigkeit", sondern ■ um ihre Gegnerschaft zum zionistischen. Werl?,,Auf diesem Gebiet legen sie eine geradezu bewundernswerte F ä h i g k e i t an den Tag. .Seit dem Ausbruch der Unruhen sind vier Wochen verstrichen, Im Verlauf dieser Zeit hört man in jüdischen Kreisen nicht auf, die Frage zu bebandeln, ob die jüdische Zurückhaltung und Kaltblütigkeit am Platz ist oder sine fals<5Jie: Politik. Eft gibt Menschen unter uns ~ und es wächst allmählich ihre Zahl und ihr Einfluß ~-, welche der Meinung Ausdruck geben, q>0 gegenüber dem organisierten arabischen Mord und Raub und Vemlchtungsdrang die jüdische Zurückhaltung ein verhängnisvoller Fehler ist, der uns moralisch wie materiell teuer zu stehen kommen wird; daß bei der Passivität der Regierung, die noch Oel in*. und jüdisches Empfinden nirgends in der Welt verletzt werden dürfen; daß die^ Juden heute den Arabern wirksamen Widerstand leisten können. Darauf kann man von der anderen Seite vernehmen: Würde es sich bloß um die Araber handeln, wären diese Erwägungen richtig. Die Araber könnten wir im Nu zu Paaren treiben. Aber wißt ihr denn nicht, daß wir im' Fall eines Kampfes nicht nur gegen die' Araber., zu kämpfen hätten^ sondern auch — und in der. Hauptsache — gegen die Regieruhgsmaschine, die sie decken wird? Wißt ihr denn nicht, daß die Maschine, die jetzt schlaff und kraftlos . daliegt und mit wunderlicher Gelassenheit dem Rauben und Morden und der Anarchie zusieht, urplötzlich sich zu eiserner Aktivität aufraffen wird, sobald die J u d e n zum Stock greifen? Und, seht ihr, gegen die Araber und die Regierung können wir nicht kämpfen Und man bleibt wortlos vor dieser zynischen Antwort stehen, weil... weil man fühlt, wie viel Wahrheit in ihr steckt... Es ist richtig, die Araber agieren hinter einer eisernen Wand, der Regierungswand. Da sie täglich und stündlich sehen, wie die Regierung sie verhätscheit und sie zum Kampf ermuntert, sind sie bemüht, ihre höhen Protektoren zufriedenzustellen. Ich erkläre in voller Ruhe und in vollem Verantwortungsbewußtsein, daß in kentern Land des jüdischen Golus das möglich ist, was jetzt in Palästina vorkommt: Ich verstehe Pogrome, ich verstehe Verfolgungen. Ich verstehe Streiks. Ich verstehe sogar Machtlosigkeit einer Regierung. Aber daß all das! mit Lächerlichmachung gemischt sein soll, daß das Opfer auch noch Objekt von Witzen und Ironie seitens der Regierungsexekutive sein soll, von bissigen, giftigen, erniedrigenden Witzen und dazu noch inmitten blutiger Angriffe in allen Teilen des Landes — das ist etwas Neues, sogar in unserer reichen jüdischen Geschichte. Schon einen Monat lang bestreuen Araber mit Nägeln die Straßen, um den öffentlichen Verkehr lahmzulegen, und noch immer ist kein-einziger Verbrecher ergriffen wordent bis man schließlich gestern einen Juden packte und ihn auf Grund von zwei'widersprechenden arabischen Zeugenaussagen für Nägelstreuen bestrafte... Ueber diesen Zynismus und ähnliche Taten (so wurde beispielsweise ein Jude in Jerusalem in der Nähe, wo ein Mörd geschah, als eventueller 'täter verhaftet, da bekanntlich arabische Polizisten vor den Mordüberfällen ihrer Stammesgenössen beide Augen zudrücken!) läßt sich nichts weiter sagen. Man läßt uns nicht uns selber schützen. Die aus Aegypten eingetroffenen Truppen greifen nicht eu>. weil sie sich — so erklärt WauchOpe — noch nicht akklimatisiert haben, während : wir dem Hagel arabischer Geschoße ausgesetzt sind... Warum treibt die Palästina-Administration dieses böse und gefährliche Spiel mit uns? Hierüber zirkuliert liier eine Version und sie ist die populärste im Land: - Wauchope rächt sich für seine blamable Niederlage im englischen Parlament betreffs des Gesetzgebenden Rates. #r will die Juden zu solch einer Verzweiflung bringen, daß ei* ihn um meUvital- II am m I ■ « m-Methode und nOnQ-LlSQ Präparate (Modtlllftrftn im lebenden K Ö r p « r) M*» Emmy Rirhclrer, geb. SehleB, Erfinderin der neuen Mona-Uta-Massogemethode, einer Sensen lion der Händetechnik. 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Gr will auch durch die Unruhen in den Londoner parlamentarischen Kreisen beweisen, daß man ohne weitgehende Konzessionen art die Araber heute das Land nicht mehr regieren kann und daß er, der Oberkommissär, der Kluge und Vorausblickende gewesen sei, weil er rechtzeitig den Gesetzgebenden Rat habe einführen wollen. Ob Wauchope dies oder jenes angestrebt hat — eines ist ihm gelungen: die ganze Palästina-Frage einer neuen Behandlung zuzuführen. Wenn nicht alle Zeichen trügen, stehen wir heute vor einer so ernsten Lage wie seinerzeit vor der Bestätigung des Mandats. Ich glaube, daß der Zusammenschluß des nationalen Judentums in allen Schichten und Klassen, aller zionistischen Gruppen niemals so notwendig war wie heute. Der Zionismus wird siegen. Herzls majestätischer Traum wird Wirklichkeit werden. Es wird, ihnen nichts nützen! Aber der Weg zur Verwirklichung liegt nicht in der Selbsttäuschung. Er liegt in der Erkenntnis, in Mut und Kampf. Oesterreich und die deutschen Flüchtlinge Aus Wien. (J. T. A.): In einer Meldung des „Prager Tagblattes" wurde mitgeteilt, daß der Hochkommissär für die deutschen Flüchtlinge, Sir Nein MaicOlm, für den Monat Juli d. J. eine Regierungskonfetena nach Genf einberufen hat,' die sich mit den Fragen der Behandlung der deutschen Flüchtlinge befassen soll, und daß bereits'15 dem Völkerbund angehörende Staaten die Teilnahme an dieser'Konferenz zugesagt haben, nur Oesterreich habe abgesagt, obwohl es an. Deutschland grenze. Auf eine Anfrage beim Bundeskanzleramt, wie es um diese Angelegenheit in Wirklichkeit steht, erhielt der. Wiener J.-T.-A.-Vertreter folgende offizielle Mitteilung: Der Generalsekretär des Völkerbundes hat die Bundesregierung eingeladen, sich an. einer Regierungskonferenz zu beteiligen, die am 2. Juli d. J. auf Grund eines Beschlusses des Völkerbund rates vom 24. Jänner 1936 in Genf zusammentreten soll. Das Außenamt hat diese Einladung Anfang Mai dieses Jahres dahin beantwortet, daß die Bundesregierung zwar nicht beabsichtige, sich bei dieser Konferenz vertreten zu lassen, da die dort zu behandelnden Fragen — namentlich auch wegen der verhältnismäßig geringen Zahl solcher in Oesterreich sich aufhaltenden Flüchtlinge — nicht wesentlich österreichische Interessn berühren. Gleichzeitig wurde aber betont, daß die . Bundesregierung die auf österreichischem Gebiet befindlichen Flüchtlinge der ver- Kl; Gebirssklnderhelm Ronradssut 1250 m, ALPEN-MUCH, AI P EN - B UTTIR, erstklassige Verpflegung. Besondere Berücksichtigung' schlecht essender Kinder. Heimarzt, Spiel, Sport, Gymnastik, Ferialunter« rieht. Französisch. Englisch. Hebräisch. Auskünfte und Prospekte: SCHÜLERHEIM STADTPARK. III. H'a&salgasse 6, Tel. B-&9-86, Dr. E. ALDOR. XVII. Goldscheidgasse 6, Telephon B.40t3-53 timmmm^mmmmmmmm^m^mmmmmmmmaimmmmmmmmmmmmmmmm^ seniedensten Kategorien stets entgegenkommend und nach den Grundsätzen der Menschlickeit behandelt und sieb bemüht hat, im Rahmen des Möglichen ihrer schwierigen Lage Rechnung 2u tragen. Nichtsdestoweniger werde die ' Österreichische Regierung die Arbeiten der Konferenz mit besonderem Interesse verfolgen, und ersuche daher, über deren Verlauf und über, die Ergebnisse der Beratungen unterrichtet zu werden, - Wie der J,-T,-A.-Vertreter auch aus Kreisen des Präsidiums der Wiener Kultusgemeinde . erfährt, werden auch den jüdischen Flüchtlingen, die sich in- Oesterreich aufhalten, von Seite der österreichischen Regierung keinerlei .Schwierigkeiten, gemacht. {Cafe" Ruthmayr OBUMimSäs! LSELiSS ■MM^l^äL^i^Ü Verlangen Sie im Restaurant wie auch int Kaffeehaus ausdrücklich „P reblaue r> C a u e 0» brunn" in der Original-Flasche, das geByjajh«||p fördernde, erfrischende österreichische Uineralwawif, ,

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