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Die neue Welt · 1936-05-29 · Heft 565 (29.5.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 565 (29.5.1936)
Date
1936-05-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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_DIE NEUE WELT__ 8ftlt* 8 Blutige Zusammenstöße in Stadl und Land Nr. 365 yam 26. Mai 1S36 tÜA*Lai**i*iaAAä ^^^W»JW(^J^^(Fpi^VSjr^P^Hr Vom polnifdien ludcnfuiti Die Regierung fördert mit alten ihr zu Gebot* stehenden Mitteln die Entstehung eines nichtjüdischen kaufmännischen Mittelstandes. Die Kolonisierungspolitlk der Regierung, die in den von polnischen Elementen we<nlg. bewohnten östlichen Randgebieten Pölen ansiedelt, läßt unter Ausschaltung der dort ansässigen jüdischen Bevölkerung einen polnischen Mittelstand entstehen. Eine Umgehung des jüdischen Kleinhandels wird auch von der in Karteilm zusammengefaßten Schwerindustrie geübt, die ihre Erzeugnisse zu den gleichen Preisen wie der Kleinhandel direkt an den Bauern liefen. Die jüdisclien Unternehmen, die das Bauerntum zu bedienen pflegten, gehen auf diese Weise mgrunde. So oft ein größeres nicht jüdisches Unternehmen zusammenzubrechen droht, greift der Staat hei' fend ein. Jüdische Unternehmen dagegen erhalten so gut toi« keine Staatskredite. Diese Tatsachen geben ungefä,hr eine Vorstellung von den Schwierigkeiten, mit denen das jüdische Dasein in Polen zu kämpfen hat. „Isr. Famtlienblatt" (Berlin). Freiheit für jede Nation ,J$s ist ein böswilliger, gemeingefährliciiSr Wahnsinn, von der besonderen Bestimmung oder ueberlegen- Jieit Irgend einer europäischen Rasse zu sprechen, jede Station hat ihre Licht- und Schattenselten, die durch Boden, Klima und Geschichte bedingt und entstanden sind, jede hat Ursache, auf irgendetwas stolz zu sein, und jede hat Grund genug, demütig und bescheiden zu sein. Jede nationale Individualität hat ein Anrecht auf kulturelle Autönomle und auf die Freiheit ihrer Selbstbestimmung.<e Der österreichische Justizminister, Mai 1936. Herz!§ jftdi'$<he Gestalt Unter unseren nationalen Gestalten war Herel seiner Natur nach die menschlichste; ■ da er ein so vollkommener Mensch war, so war er auch ein großer Jude, loh würde sagen, daß er die Metamorphose eines alten Juden darstellte, der die Fehler und Schwächen der Ju4en der Galuth nicht kannte. Er war' die Verwirke liötiuhg hoher menschlicher Kultur In jüdischer Gestalt... Alis Nabum Sokolows „Ischim". Die einzige Methode Der gegenwärtige Augenblick, so unendlich schwer für unser Volk, gibt nicht nur das Recht, sondern legt die Pflicht auf, den polltischen Gedanken zu besprechen und zur Diskussion zu stellen. Die einzige Metliode einer friedfertigen Auseinandersetzung ist das Wachstum an Kraft,; Zahl-und Wohlstand in*-Palästina; das einzige Heidentum ist dds des freien kulturellen werktätigen Pioniers. Ein nervöser, empfindsamer, bis zu Tränen wegen des Verlustes des Vaterlandes gerührter Patriotismus wird ums nicht helfen, denn er ist nicht fähig für das Land und sein Gedeihen in einer Weise zu arbeiten, die den Bedürfnissen des Alltagslebens entspricht. Unsere Armee besteht nicht aus Tasso-Rittem, die ausziehen, Jerusaiemi, zu erobern in schimmernder Wehr, behängt mit brokätenen Zieraten, in deren Mitte Engelstrompeteii schmettern, sondern unsere. Armee ist unsere arbeitende Jugend... Nahum Sokolow, 1929. Von jü.disdier Religiosität ' Die Flucht aus der Religion ist nicht durch die Naturwissenschaften und Aufklärung entstanden. Auch im Mittelalter gab es aufklärerische Perioden, in denen die Menschen dennoch beim Judentum blieben, weil es ihnen eben selbstverständliche. Lebensgmndlage war. Das verlorengegangene Bewußtsein der Unlösbarkeit geschichtlicher Zusammenhänge ist der Grund für die Flucht .aus dem Judentum.. Darum, ist P alästina der beste Boden für das Wiedererstehen jüdischer Religiosität: weil dort eine Lebensgemelnsclvaft heranwächst, die die natürliche Grundlage für religiöse Gefühle sein wird. Nur duroh diese Rückkehr zu volkliaften natürlicliett Lebensformen vermögen wir die Sentimentalität des 19. Jahrhunderts zu überwinden und zu einer einheitlichen Gelst'eshaltung zurückzufinden. Dr. M. Wiener, „Natürliches und sentimentales Judentum" (Berlin). Ein« jemenitische Stimme „Der arabificlxe Streik fordert von uns die Att«pan» nung alter Kräfte, aber wir dürfen dabei nicht der Juden vergessen, die in verschiedenen Ländern unter arabischer Eerrsclutft leben. Sogar in friedlichen Zeiten war ihr Los schwer, um wieviel mehr ist es das jetzt. Wir müssen der Propaganda der palästinensischen Araber in den anderen arabischen Ländern unsere angespannteste Aufmerksam-, keit schenken. Wir müssen versuchen, soweit es möglich ist, einem Unglück vorzubeugen. Wir dürfen nicht vev gessen, daß unsere Brüder in diesen Ländern völlig schutzlos sind. Sie Imben noch ivicht einmal eine Verbindung durch Post oder Telegraph. Sie können uns nioht einen wahrheitsgemäßen Bericht über ihren Zustand zu- Tconvmen lassen. Wenn wir nicht von hier aus Wege /in- , den, um mit ihnen in Verbindung zu kommen, so werden wir nichts über ihre Lage erfahren. Wir dürfen das nioht vergessen, und uns auch in dieser Stunde der Not nicht unserer Pflicht gegen unsere Brüder entziehen." Britf eines Jemeniten im „Dawar", Mai 1936. I AUS Jerusalem (26. Mai). Die Spannung in Palästina hat sich zu Anfang der Woche äußerst verschärft. Ed zeigt sich, daß die arabischen Terroristen, durch die bisher nur zögernd vorgenommenen Gegenmaßnahmen der Regierung ermutigt, hellen Aufruhr im Lande entfachen. Am Sabbatabend ist es wieder zu blutigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Arabern gekommen. In den größeren Städten sammelten sich nach den Abendgebeten in den Moscheen große Menschenmengen an, die versuchten, ungeachtet der Polizeistunde in den Straßen zu bleiben. Die Polizei mußte energisch einschreiten. In Akko wurde die jüdische Streichholzfabrik „N u r" in Brand gesteckt. Es wurden große Anstrengungen gemacht, um den Brand zu lokalisieren. Das Arabische nationale Streikkomitee hat die Bevölkerung von neuem aufgefordert, den Streik fortzuführen und auszudehnen, bis die bekannten Forderungen erfüllt sind. Das Streikkomitee bemüht sich, den Streik auch im Haifaer Hafen durchzusetzen, da der Durchbruch der Streikfront in Haifa sehr drückend auf die Stimmung der arabischen Bevölkerung wirkt. Man will die Hafenarbeiter in Haifa durch dreitausend Streikposten davon abhalten, zur Arbeit zu gehen. Die Regierung hat entsprechende Maßnahmen getroffen, um jede Streikagitation in Haifa zu verhindern. Im Laufe des Sonntags ist es infolge eines arabischen Angriffs auf das Gefängnis Nur el Schemesch bei Tulkarem au einem blutigen Zusammenstoß zwischen Arabern und englischem Militär gekommen. Der Angriff Am aller Welt Mali Picon int Film Mali Picon, die bekannte amerikanisch-jüdische Schauspielerin, hat kürzlich ein Gastspiel am Pariser „Ambassador" absolviert und hält sich zurzeit in London auf. Eine Warschauer jüdische Filmgesellschaft hat mit ' der Künstlerin einen Vertrag geschlossen, durch den sich Mali Picon verpflichtet, im Juni in Warschau die Hauptrolle in einem neu zu drehenden jüdischen (jiddischen) Tonfilm zu übernehmen. — Der erste jiddische Tonfilm . „Alchet" läuft bereits in Polen. Schach in Amerika Die Schachmeisterschaft der Vereinigten Staaten hat heuer der ehemalige polnische Schachmeister, der Jude Samuel Reszevsky, gewonnen. Die Leistung Reszevskys ist um so höher einzuschätzen, als Amerika in Fine, Kupschik und Kashdan hervorragende Vertreter der Schachkunst besitzt. Reszevsky hat sich bereits in Polen als Wunderkind im Schach einen Namen gemacht. Der Stratege Mose» In Zagreb (Jugoslawien) ist aus der Feder des Oberleutnants Zunkovic eine Abhandlung erschienen,' die den Titel „Moses, der verwegenste Stratege der Weltgeschichte" trägt. Der Verfasser gelangt zu diesem Urteil dadurch, daß er als Soldat den Auszug der . Kinder Israels aus Aegypten, insbesondere' dessen Vorbereitung und Erfolg, würdigt. Das neue italienische Kaisertum In der Großen Synagoge in Rom fand ein feierlicher Gottesdienst für das neue „italienische Kaisertum" und den Kaiser Viktor Emanuel statt, dem Vertreter der Armee und der Regierung beiwohnten. Die Festrede hielt Oberrabbiner Dr. L a 11 e s, der auch einen Kranz vor der Gedenktafel für die gefallenen Juden niederlegte. Von lehudi Menuhim Der berühmte Geiger Jehudi Me n u h i m war kürzlich Gegenstand eines verwegenen MenscbenraubverBucnes. Eine amerikanische Gangsterbande wollte den jungen jüdischen Geiger aus dem Haus seines Vaters entführen. Das Attentat wurde im letzten Augenblick entdeckt. Jehudi Menuhim wurde von seinem Vater nach San Francisko (Kalifornien) gebracht, wo das Wohnhaus der Frille zu einer Festung umgebaut wurde. wurde von Truppen abgewehrt, die aus Chedera Verstärkung erhalten hatten. Die Araber wurden von Militärabteilungen verfolgt. Im Gebirge, wo sich mehrere Gruppen der Demonstranten verborgen hatten, kam es immer wieder zu kleinen Feuergefechten mit den Rebellen. Nach den bisher vorliegenden Berichten ist ein englischer Soldat in diesen Gefechten gefallen. In den Straßen von Jaffa wurde eine größer« arabische Demonstration veranstaltet. Die Teilnehmer an der Kundgebung wurden nach erbittertem Kampf durch Militär vertrieben. Die Palästina-Regierung hat eine Reihe weiterer Maßnahmen zum Schutz der jüdischen Bevölkerung in den Vorstädten von Jerusalem, insbesondere im Bet H a k e r e m, getroffen. Die Bewachung ist zum Teil der Polizei, zum Teil einer Einwohnermiliz übertragen worden. Die Kosten für die Erhaltung der Miliz werden von der Regierung und der Bevölkerung gemeinsam getragen. Auf Anordnung des High Commlssioner wird die Palästina-Polizei vom 1. Juni an um fünfhundert Mann verstärkt. •wo BAD VOSLAU PENSION ROSENBERGER (JETZT TAUBER), REITERSTRASSE 11 bietet zu PFINGSTEN und für Sommertufent« halt erstklassige KUohft u. reichliche Mahlzeiten Pensionspreis« aufwärts von S 7.50 Auskunft: BlrkenfeUf. Wien II, Schiffamtsgasse 17. von 1 bis 3 Uhr Telephon A-49-7-s7, uho E. Reischer, Telephon B-24-604 „Ungelöst! Unlösbar?" Ein Schweizer zur Palästina-Frage Ein Schweizer Nichtjude, als Verehrer Theoddr Herzls und seiner Judeoataats-Idee bekannt, nimmt die Unruhen in Palästina zum Anlaß, um England zu energischem Handeln in der Richtung der Schaffung eine» jüdischen Palästina aufzufordern. Den Hauptpunkt seiner Ausführungen bildet der Vorschlag der Umaiedlung der palästinensischen Araber, analog der Umsiedlung der griechischen Bevölkerung Kletoasien» nach dem türkisch-griechischen Krieg. Nationalrat Doktor A. Oeri, Delegierter der Schweiz beim Völkerbund und Chefredakteur der „Baseier Nachrichten", schreibt in einem Leitartikel „Ungelöst! Unlösbar?" seines Blattes: „Auch in England beginnt man einzusehen, daß man sich die Aufgabe in Palästina, zu leicht gedacht und gemacht hat. Man hatte sich vorgestellt, aller möglichen Schwierigkeiten durch Anwendung des in Indien und in anderen Teilen des britischen Reiches mit so viel Erfolg den Einheimischen gegenüber angewandten Rezepts „Divide e t. i m p e r a" Herr werden zu können. Nun zeigt es sich, daß es auf die Dauer nicht ausreicht, Araber und ■ Juden weislich gegeneinander auszuspielen und im Notfall ein paar Regimenter einzusetzen. Das Palästinaproblem ist brennend geworden. Auch wenn diesmal die äußere Ordnung noch mit müitäriechen Mitteln wieder hergestellt werden kann, darf man gar. nicht daran denken, wie die Lage würde, wenn die britische Besatzung einmal in einem kritischen Moment aus . dem Lande weggezogen und zum Beispiel nach Aegypten geworfen werden müßte." „Die' Lösung wäre sicher leichter gewesen, wenn', man sie unmittelbar nach dem Kriege mutig in die Hand genommen hätte, so lange die arabischen Nationalstaaten noch nicht konsolidiert waren und die britische Unterstützung noch dringend nötig hatten. Damals hätte man tun können, was man im Vorderen Orient seit Jahrtausenden immer wieder getan hat: Man hätte die paar hunderttausend verarmten Araber Palästinas aussiedeln und anderwärts in Syrien— an Siedlungsland fehlt es keineswegs! — unter günstigen Bedingungen ansässig machen können. Heute würde, da die palästinensischen Araber, dank den Juden, zu prosperieren begonnen haben, ein solcher Bevölkerungsschub ungleich größere finanzielle Opfer fordern. Und doch zwingt er. sich erst recht auf. In viel größerem Mäßstab — es handelte sich um ändert» halb Millionen Menschen — ist das Experiment mit dem griechisch-türkischen Bevölkerungsaustausch versucht worden und ist gelungen. Aber allerdings erst nach der fürchterlichen Kriegskatastropha in Kleinasien! Soll man für Palästina auch den Zwang einer Katastrophe abwarten?" „Im griechisch-türkischen Falle hat der Völkerbund das erfolgreiche Massenexperiment unter seine Aegide genommen. Stellt sich heute nicht gerade ihm" In-u« ausländische Hausbesitzer verwalten ihre I WIENER HÄUSER 55 durch behördlich konz. Realitätenkanzlei I Dr. MAIR PAIS §§ Wien I, Fron*Josefs.Kai 1, Tel. R.gl.SjlO sbss WRHBHBBHnKUBKBB^BtnBBn0nBMKBBn^&BB*_ ~y Erstklassige Referenzen! iiiiiiiiiRM!iiiMyiH«iimiiiJ«B

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