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Die neue Welt · 1936-05-26 · Heft 564 (26.5.1936) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 564 (26.5.1936)
Date
1936-05-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 564 vom 26. Mai 1936 DIE NEUE WELT Seite 7 Ein Hafen für Tel Aviv! Von Dir'. J, Ä d I e f; (Tel»Aviv KT ' Der Stadtrat von Tel-Aviv hat vor kurzem den hc-.. deutsamen Beschluß gefaßt, die Errichtung eines eigenen-Hafens für Tel-Aviv zu erstreben, als Ersatz, für Jaffa. Die Gründe dieses Beschlusses sind heute, nach: den Ereignissen der letzten Zeit, wohl sonnenklar. Keinem Juden darf mehr zugemutet werden, sein Leben und sein Eigentum-der Willkür von Mördern, Plünderern und Streikhetzern im arabischen Jaffa auszusetzen. Da die Palästina- Regierung die Stillegung des Jaffaer Hafens durch die arabischen Agitatoren nicht zu verhindern vermochte, hat' sie kein Argument mehr gegen die Forderung der Juden vorzubringen. Es ist daher zu erwarten, daß sie alsbald mit der Stadt Tel-Aviv, mit der Handelskammer, mit dem Kommlssiönärverband und anderen interessierten Wirt*' sc'häfts- und Beruf3verbänden in Fühlung tritt, um das Projekt des Tel-Aviver Hafens nach der technischen,- organischen und finanziellen Seite hin zu bearbeiten Und' der Realisierung schleunigst zuzuführen. Schon in den? letzten Wochen haben zahlreiche wichtige .-jüdische Firmen ihre Kontore und Warenlager von Jaffa nach Tel-Aviv verlegt. Ein entscheidender Schritt, den, man* keineswegs wieder zu revozieren gedenkt! Aber nicht nur das elementarste Sicherheitsbegehren hat den Tel-Avivern den Wunsch nach einem eigenen Hafen, unabhängig von Jaffa, eingegeben. Wichtig erscheint, gerade heute daran zu erinnern, daß schon lange1 vor den letzten Unruhen, vor mehr als drei Jahren','der Bau eines eigenen Hafens für Tel-Aviv gefordert worden'1 ist, unter unabweisbar zwingenden Gesichtspunkten der Verkehrs-und Wirtschaftspolitik. : Am 3. Februar hat eine Kommission der jüdischen. Handelskammer für Tel-Aviv und Jaffa dem britische^ Distriktskommissär . von Südpalästina eine Denkschrift überreicht, in der ein separater Tel-Aviver Hafen zunächst einmal für den Hoiz- und Baumaterialienimport verlangt, wurde.- In dem Memorandum fand.sich der schlüssige Beweis,, daß alle.Verbessemngen im Jaffaer Hafen infolge, der dortigen ungünstigen topographischen Verhältnisse nur kostspieliges Stückwerk bleiben und den Bau. eines völlig neuen Hafens auf geeignetem Gelände und in unmittelbarer Nähe des palästinensischen Wirtschaftszentrums hur verzögern, , nicht aber, entbehrlich machen, könnte. , ., Nun ist iri« diesen Tagen die Hafendenkschrift von 1933wieder aktuell geworden. Es sei erwähnt, daß sie'.als Ständort der neuen Hafenanlagen die Mündung des •JärkpnflüBBes»vorschlug, dortdinu.Njardßn.i,T,el?A.vivSi. wo . sich das Makkabi^Stadion und seit August'1933 auch das Levanter, Messegelände' befinden. Für die Wahl, dieses Standorts führte'die Denkschrift neben der günstigen Lage noch folgendes an: Der natürliche Sci^tz, den der Unterlauf des Järkoh den Leichtern bei Sturmwetter bietet, der reichlich verfügbare Raum für Lagerplätze unmittelbar neben den Landestellen, die Möglichkeit, die 'Hafenanlagen ohne Störung durch vorhandene Bauten von Anfang an -ganz - rationell zu ' planen, also einen vorbildlichenfmodernen Hafen zu schaffen. ' ';.•• Es ist charakteristisch, wie die Paläötina*Regierüng damals das sorgsam' durchgearbeitete Projekt aufnahm. Erst' zeigte sie sich wohlwollend: Als aber bald darauf im Sommer 1933 mit der neuen jüdischen Masseneinwainderüng das große jüdische Passagier- und Frachtgeschäft für das arabische Jaffa begann und im November 1933 auch Haifas neuer Hafen eingeweiht wurde, da wandte sich mit einemmal das Bla-tt. Hören wir, was unsere Handelskammer darüber in ihrem Jahresbericht für 1932/33 sagt: „Alle diese Anstrengungen blieben schließlich erfolglos, da in der Zwischenzeit die Behörden sich doch entschlössen hatten, den Jaffaer Hafen zu verbessern." : Ein Jahr später, im Sommer 1934, fiel dem Verfasser dieser Ausführungen die Aufgabe zu, sich über das Häfehproblem Tel-Avivs öffentlich zu äußern. Damals formulierten wir unsere Ansicht, wie folgt: „Ein altes Kleid wird nicht schöner, wenn man ne.ben ijehn Flicken noch den elften setzt. Die jetzigen Arbeiten eur'Modernisierung.'.des Jaffaer Hafens kosteu ein' gewaltiges Geld, zumal da der „Wakf", die mohammedanische Kirchengüterverwaltungr der die zur Verbreiterung der Hafenstraße benötigten. .Grundstücke gehören, der Regierung gewiß rechts schenken.wird. (Bemerkung, die d^r Autor heute beim Zitieren einfügt: Ahnt der .liebe Leser was? Hat er gelegentlich schon von jenen uralten Zusammenhängen gehört, die im Orient zwischen Politik und Geschäft, zwischen politischem Geschäft und geschäftlicher Politik, zu bestehen pflegen?) Wird das Resultat schließ- lieh dem Aufwand entsprechen? Wir haben heute in Haifa einen-neuen Hafen, der schon jetzt zu klein ist! Es . wäre nicht angenehm, nunmehr in Jaffa dasselbe zu erleben. Ob groß oder klein, einen Nachteil wird der Jaffaer; Hafen stets aufweisen, die Einschnürung durch das eng! bebaute Jaffa, die. Unmöglichkeit einer mit künftigem Verkehrszuwachs rechnenden städtebaulichen Planung, dazu die abseitige Lage gegenüber der Industrie- und Handelsmetropole; ToNAviv, die der renovierte. Jaffaer Häfen doch in erster Linie bedienen soll. Daß man diese Fragen heute überhaupt so ausführlich aufwerfen muß, ' geigt, mit bedruckender Klarheit, mit welchen oft .grotesken '. Widerständen und' Quertreibereien seiner bürokratischen ': ypitiBM&x. das jüdische Palästina zu ringen hat." ^Resigniert «teilen wir heute, zwei Jahre später, fest,, daß-wir mit unseren'damaligen .Ausführungen nur leider allzu recht behalten-.Jiaben. Die Regierung hat seitdem. Hunderttausende?.von guten Palästina-Pfunden, zu achtzig .Prozent aus der Tas<she der jü-d is ch en Steuerzahler, in den Jaffaoiv Hafenausbau, hineingesteckt, dem vom Jerusalemer Mufti und Oberhetzer kontrollierten „Wakf" für ein . altes, , verwahrlostes Friedhofsgelände eine enorme A b f i n d u n g gezahlt, Häuser' 'abgerissen,;Straßen gebaut,- dort ausgeschachtet, da zugeschüttet und damit doch nur , einen traditionellen Anlegeplatz für Leichter — nicht- ,.*Ür die\ rtaghtwie vor draußen, auf der Reede ankernden pa;mpfef —, etwas moderner ausgestaltet, (der bei' heftigen wjriterstürmen öicht benützt werden kann und natürlich, dar-tien- Lösch- und Ladeverkehr nach wie .vor. die arabischen Bootsleute' rnbnopolisieren, auch dann nicht; ■ wenn *es p^ritisctf'^tüÄT-''''- ' Wir hoffend daß Stadtverwaltung und Kaufmannschaft Tel-Aviv sich jetzt nicht wieder damit begnügen 'werden, der Regierung ein Memorandum vorzulegen und daa weitere geduldig abzuwarten. Die Verhältnisse an der Jarkön-Mündung lassen einen sofortigen Beginn des Hafenbetriebs' zu. Am5 Unken Ufer des Jarkon ist bereits jetzt ■eifte umfangreiche Anlegestelle für Leichter ausgebaut, der heutige Ländeplatz ''unserer j ü d i s c h e n Marinesehule, aus deren Zöglingen auch mit Leichtigkeit sich das Kader eines jüdischen : Bootsmannkorps aufstellen ließe. . Auch Lagerhallen und Vez-waltungsräume für die Passagier- und Zollabfertigung sind schon heute verfügbar, . dank der dort vorhandenen Bauten des Messegeländes. Kaum' etwa hundert Meter von' der Jarkon-Mündung steht ' auch bereits seit einiger Zeit ein L e u c h 11 u r m, der bei NäCht * den" Dämpfern den Weg zürn Tel-Aviver Hafen " weisen würde. Es braucht vorläufig nichts Neuesin größerem Umfange gebaut, kein gewaltiges Kapital investiert,- sondern nur das bereits -Vorhandene an Bauten ' uh'dEinrichtungen' dem-neuen' Zwecke angepaßt zu werden. Selbstverständlich'ist für die: spätere Anlage eines richtigen •Hafens,: wo die' Dämpfe? 'unmittelbar, frei von der Ver- ' mitt'lung des Lei'ciiterVerkehrs, am Kai festmachen können, Hikdß&te£k&UUt MäAuSttfo4' jf vraiwswpvwvv'i^' #** ff^wpv»^ OLGA KADIfCH, BAD VÜSLAUI Für Kinder von 3 Jahren aufwärts. Beste Erfolge auch bei schlecht essenden u. schwerer erziehbaren Kindein. Erstklassige Verpfleoung. Von Aerzten empfohlen. Sport, Spiel, Unterricht Ganzjährig geöffnet jetst SCHUBERTPLATZ 3 IN NEU ADAPTIERTER VILLA jedwede Möglichkeit geboten durch zweckmäßige Errichtung von Molen und Kais und durch Ausbaggerung eines genügenden Tiefgangs im Jarkon-Mündungsbereich. Führende Bürger Tel-Avivs sind bereit, falls die Regierung nicht selbst aus ihrem gegenüber jüdischen Zwecken stets ängstlich gehüteten Ueberschuß die unmittelbar notwendigen Aufwendungen bestreiten will, auf freier gemischtwirtschaftlicher Basis, im Zusammenwirken mit der Stadt Tel-Aviv, eine Hafengesellschaft zu errichten. Die Rentabilität gilt für gesichert. Man ist gewiß, daß eine Emission von Aktien zur Beschaffung des Grundkapitals sofort um ein Mehrfaches überzeichnet werden würde. Auch der Gesichtspunkt wird viel beachtet, daß der eigene jüdische Hafen in der jüdischen Stadt eine Arbeitsbeschaffung, großen Stils darstellen würde. So steht Tel-Aviv heute vor dem historischen Beginnen, auf die Jaffaer Gewaltakte in; der unseres Volkes würdigen Weise zu antworten, mit einer aufbauenden Tat, im Dienste einer stolzen Zukunft der. jüdischen Siedlung und Produktio'- Wie wir hören, erwartet man, daß den neuen Hafenvon Tel-Aviv bereits im ersten Betriebsjahr etwa 2000 Dampfer frequentieren würden, mit einem Umsatz an Import- und Exportwaren von insgesamt rund i8 bis 20 Millionen pal. Pf. Ungefähr 1600 jüdische Arbeiter, und Angestellte würden im Hafen- und Lagerhausbetrieb ganzjährige Beschäftigung finden, dazu noch Aushilfskräftc, in der Orangenexportsais'on und die Bauarbeiter, behh Hafenbau. So ist unserer Stadt ein neues großartiges- Ziel ihrer Expansion gesetzt, wiederum ein „Märchen'', das ,in „Altneuland" zur Wirklichkeit reift! .-.•:'

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