Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 564 (26.5.1936)
- Date
- 1936-05-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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187 'W*' PreJs 10 Groschen DIettifag/ den 26« Mai 1036 10« Jahrgang -^tsbibiM^ Nr« S64 V« fu b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expcdle par reditettr" REVUE HERAUSGEBER; ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oestorreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel« jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. _j Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: lX,Univer$itätsstr.8,7eLA-20-2-78 — Erscheint Dienstag&ßreitag Zur Flüchdingsfrage Aua Prag: Die „Hilfsstelle für deutsche Flüchtlinge in der C. S. R." hat dem hier weilenden Flüchtlingskomraissär des .Völkerbundes Sir N e H1 Malcolm für die bevorstehende Genfer Flüchtlingskonferenz eine Reihe von Vorschlägen übergeben. Daa Memorandum berichtet, daß die Tschechoslowakei seit Beginn des nationalsozialistischen Regimes ttt Deutachland 8000 Flüchtlinge aufgenommen hat, von denen mehr als 6000 in andere Länder fortgezogen sind. Unterstützt werden zurzeit 973 Emigranten (661 Männer, 216 Frauen und 96 Kinder) mit durchschnittlich 6.40 tsch. K pro Tag einschließlich der Wohnung. 60 Prozent der Flüchtlinge könnten produktive Arbeit leisten, wenn sie einen Arbeitsplatz hätten. Im Verlauf der vergangenen drei Jahre wurden au3 privaten Mitteln etwa acht Millionen tsch. K.aufgebracht. Die Zahlungslust der Spender nimmt ab, die wenigen Ersparnisse der Flüchtlinge sind aufgezehrt, die deutschen Devisenbestimmungen machen eine Unterstützung der Emigranten fast unmöglich. Die weitere Unterstützung der Emigranten kann nur erfolgen, wenn S,t a a t und Völkerbund eingreifen. Daa Memorandum schließt mit folgenden Vorschlägen: ' .1. Für .die; Emigranten,,,soll ein international anerkannter Paß ausgegebe'n^lverden, der keineu Visumsbeschränkungen unterliegt und vom Konsulat des Aus- Btellungslarides verlängert wird. 2. Flüchtlinge, die-von den Gastländerrr-atrsgewieseri worden sind, sollen amnestiert Werden, weil; sieb viele illegal im Gastland aufhalten und so keine Möglichkeit haben, sich die für eine Ausreise notwendigen Ausweispapiere zu beschaffen. . . 3. Bei Neugeborenen soll, wie in den Westlichen Ländern, das „Jus soli" gelten: es soll das Kind die •Staatsangehörigkeit des Landes erhalten, in dem es geboren ist. 4. Eine größere Zahl von A r b e i t s b e w i 11 i g u n- ■g eh soll erteilt werden, insbesondere für Unternehmungen, die von kapitalbesitzenden Emigranten gegründet werden. 5. Den jugendlichen Emigranten sollen zumindest Lehrstellen bewilligt und eröffnet werden, damit sie einen Beruf erlernen. 6. Den deutschen Flüchtlingen soll dieselbe Freizügigkeit eingeräumt werden, wie den russischen nach der Nansen-Konvention. 7. Die Weiteremigration der Flüchtlinge nach Skandinavien, Rußland, Palästina, Nord- und Südamerika soll durch Schaffung eines internationalen Fonds und eines von Fachkräften geführten Büros ermöglicht werden. 8. Es ist ein Olearing-Fonds zu schaffen, der zu konstruktiven Plänen zu verwenden ist. Er soll gespeist werden aus Ländern, in denen die Zahl der deutschen Emigranten weniger als tausend beträgt, aus einer fünfprozentigen Einkommensteuer der begüterten Emigranten und aus dem Erlös einer unter der Aegide des Völkerbundes herausgegebenen Emigrantenbriefmarke. Vor der Palästi'nasDebaf te im Volkerbund Aus Genf. (22. Mai): Die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes tritt am 27. Mai zu ihrer ordentlichen Frühjahrstagung zusammen. Die Kommission wird u. a. den Jahresbericht für 1935 der Mandatarmacht in Palästina prüfen. Dieser Bericht —- ein Buch von zirka 300 Druckseiten — war schon vor den letzten Ereignissen in Palästina gedruckt und beschäftigt sich daher nur mit den Ereignissen im Berichtsjahr 1935. Seine Veröffentlichung wird in den ersten Tagen des nächsten Monats in Londorf erfolgen. Die Palästina-Debatte wird wahrscheinlich am 1. Juni beginnen und zwei bis drei Tage dauern. Die Jewisch Agency hat, wie alljährlich, der Mandatskommission durch Vermittlung der Mandatarmacht ein Memorandum über die Entwicklung des jüdischen Nationalheims im Jahre 1935 zukommen lassen. A.y ...... Jüdischer Weltkongreß Kollektive Sicherheit für die Juden Von Dr. Stephen S. iWise (New York), Präsident des American Jewish Congress und des Comite des Delegations Juives Wir haben die Früchte der Emanzipation verloren oder sind daran, sie zu verlieren. Generationen werden dahingehen, ehe das jüdische Volk in Palästina endgültig Ruhe findet. Was soll bis dahin geschehen? Sollen die Juden, jeder für sich im Reich der Dunkelheit, gegen die Unterdrücker und Zerstörer der jüdischen Rechte und des jüdischen Lebens kämpfen? Oder soll ein einheitlicher und geschlossener Versuch zu gründlicher und umfassender Betrachtung des Problems gemacht werden? Der Antisemitismus Ist keine örtlich begrenzte Frage. Er ist das unvermeidliche Ergebnis der Berührung von Juden und Nichtjuden oder des Lebens von Juden inmitten von Nichtjuden. Er besteht in jedem Land: bisweilen überstürzt, bisweilen vertagt, bisweilen verschwiegen, bisweilen bestritten... Aber er besteht und wütet von J a p a nV.b is Amerika in der ganzen Welt: in milderen Formen in zivilsierten Ländern, wie Frankreich, England und Amerika, in wilder, brutaler Form in den Ländern Mittel- und Osteuropas. Wir haben aus den Erfahrungen anderer Juden viel zu lernen. . Wenn die ^deutschen Juden vor 25 Jahren mit den * russischen und rumänischen Juden in einem jüdischen Weltkongreß zusammengesessen hätten, hätten, sie von diesen vielleicht lernen können, wie man sich intellektuell, rassenmäßig und geistig gegen das Unglück wappnen kann, das sie jetzt heimgesucht hat. Wir Juden, die wir in alle Länder verschlagen und verstreut <sind, lernen nichts von einander, weil wir es nicht wagen, Erfahrungen auszutauschen, weil wir uns sinnloserweise einbilden, daß zwar die Juden in anderen Ländern unterdrückt worden sind, wir selbst aber immun seien. Der Jüdische Weltkongreß muß ein für allemal aus dem jüdischen Leben die Auffassung verbannen, daß Unterstützung und Philanthropie zum Allheilmittel aller jüdischen Leiden und alles jüdischen Elends werden könnten. Daß Wohltätigkeit von vielen als eine Lösung betrachtet wird, liegt an dem Mangel an Selbstachtung zahlreicher Juden, die sich einbilden, Unterstützung könne mehr sein als nur ein Palliativ, daß Wohltätigkeit mehr auszurichten vermag, als versuchsweise und vorübergehend Ungerechtigkeiten zu mildern oder die Abgründe einer unvollkommenen und zwecklosen sozialen Lebensordnung zu überbrücken. Heutzutage sind in der gesamten jüdischen Welt die Philanthropen, das heißt Leute, die der Meinung sind, daß Wohltätigkeit und Unterstützung dauernde Probleme zu lösen vermag, zu Führern im jüdischen Leben erhoben worden oder haben sich meistens selbst zu Führern erhoben und maßen sich nun an, auf den Wegen der Philanthropie die Zukunft des jüdischen Volkes zu bestimmen. Das ist ein großes Unglück. Der Jüdische Weltkongreß will die Juden auffordern, zusammen nachzudenken und die Fragen des jüdischen Lebens und der Erhaltung des jüdischen Volkes öffentlich und freimütig zu erörtern. Auf diesem Kongreß werden die Vertreter des organisierten Judentums darüber entscheiden, welches die grundlegenden Probleme des jüdischen Lebens sind und wie sie behandelt werden sollen. Er wird gleichzeitig die nicht jüdische Welt auffordern, sich mit diesen jüdischen Problemen zu befassen, die nicht aus dem jüdischen Leben an sich erwachsen, sondern aus der Beziehung der Juden zu anderen Völkern, aus dem Mangel an Gastfreundschaft von Nichtjuden gegen Juden, aus den Ungerechtigkeiten mächtiger Völker in der ganzen Welt gegen das jüdische Volk. Welches Beispiel könnten wir Juden geben, wenn wir nur den Mut zur wahren jüdischen Solidarität aufbrächten! Ich möchte hier nicht die Frage erörtern, ob Juden einander treffen sollen, um in aller Oeffentlichkeit ihre gemeinsamen Probleme zu erörtern. Die Gründe für ein derartiges Vorgehen sind so deutlich, daß jede, weitere Rechtfertigung eine Beleidigung der Intelligenz des jüdischen Volkes ist. Der beste Beweis dafür ist die Tatsache, daß es Juden gibt, die sich davor fürchten, sich mit den Juden anderer Länder zu treffen. Gerade diese Furcht erfordert einen Kongreß, der sich mit ihr befassen muß. Die Psychosen, die dieser Furcht zugrunde liegen, müssen aus dem jüdischen Leben verschwinden. Der jüdische Weltkongreß soll die Juden zu der Erkenntnis bringen, daß sie in aller Sicherheit einander zur billige Reisen nach POLEN Abfahrt: 7. Juni Anmeldungen: Reiseburo „O R BIS" I. Kärntnerstraße 41, R-si-5-78 Oesterreichisches Verkehrs-Büro I. Friedriehstraße 7, B.27-500, 1. Gräben 20, U-29.0-3» Beratung über die jüdischen Fragen treffen können- und aus Selbstachtung ,treffen müssen. Er wird den Beweis dafür erbringen, daß es Führerschaft im jüdischen Leben gibt, die nicht nur im Reich der Philanthropie zu liegen braucht. Er wird uns und der ganzen Welt zeigen, daß wir Juden ein einheitliches Ganzes sind, daß das Schicksal eines Juden das Schicksal aller Juden, daß die Leiden eines Juden die Tragödie aller Juden ist, daß wir für einander einstehen müssen, wie ein altes jüdisches Wort sagt. Und die Zusammenkunft von Juden verschiedenster politischer und wirtschaftlicher Einstellung ist die beste Antwort auf die Lügen der Verleumder, die behaupten, alle Juden seien entweder Kapitalisten oder Kommunisten. Die Juden, die ihr Judentum als eine Ehre, als eine Pflicht zur Verantwortung auffassen, werden auf dem jüdischen Weltkongreß vertreten sein. Die Aengstlichen, die sich vor ihrem Judentum fürchten, die dem Urteil unserer Feinde recht geben, daß Jud« sein ein Schandmal sei, mögen getrost den jüdischen Weltkongreß meiden. Aber der jüdische Weltkongreß wird stattfinden und der jüdischen Sache in der ganzen Welt dienen. Der jüdische Weltkongreß wird genau wie der zionistische Weltkongreß den Auftakt bilden zu einer neuen Aera der Selbsterkenntnis, des Selbstrespekts und der Selbstdisziplin. Der jüdische Weltkongreß wird die Organisation des jüdischen Mutes und der jüdischen Selbstachtung werden. „Es lebe der Dizengoff*Hafen!" Aus Tel-Aviv, 34. Mai (J. T. A.): Der Aus? ladung des ersten Dampfers an der neuen Anlegestelle in Tel-Aviv wohnten Tausende von Juden bei. Die Menge rief: „Es lebe der Dizengof f< Hafen!" Gleichzeitig kam es in Jaffa zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Hafenarbeitern und Bootseigentümern einerseits und dem arabischen Streikkomitee andererseits. Mit dem Rufe „Wir wollen nicht das Brot verlieren, wir wollen Frieden mit den Juden!" forderten die Hafenarbeiter Abbruch des Streiks. Die Streikführer ließen Mitglieder des Obersten Nationalen Ausschusses kommen, die eine Ansprache an die Hafenarbeiter hielten und versicherten, Tel-Aviv werde niemals Hafen werden. Es wurde eine Versammlung der Hafen- und Dockarbeiter einberufen, in der die Streikfrage entschieden wird. Der Waad Leumi hat anläßlich* des Ausladens des ersten Dampfers am Strande von Tel-Aviv an den Bürgermeister Meir Dizengoff eine Glückwunschbotschaft gerichtet, in der es heißt: Möge dies der erste Schritt zur Errichtung des ersten jüdischen Hafens sein. Perserteppiche zu staunend billigen Nachsaisonpreisen Herrliche Qualitätsware zu jedem annehmbaren Preis! PERSER- UND ORIENTTEPPICHE I9 PARKRING 12 B. R.KANZAH Einsang Weihburggasie Gartenbau-Objekt©