Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 562 (19.5.1936)
- Date
- 1936-05-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Wr. 582 vom 10. Mal im DIE NÜttfi WEtT Seitot 'Jeanette., ■!/k%nafcL 'ÄJ/' J/i&HXK ^ädt^ -: '■ ' .. ME WUHPERVÖ^E'i;^. AtlWATTUMÖPERETIF ••: .iee'iE^:^.. .. -----y._ W- S van DYKE •.. ' •; /<^FK OPEßN STAFA V, VOTIVPARK ix Aus aller Welt Dee tca&mt pMtastittos gestotSe* Fddmarschall Lord Allenby, einer der britischen Heerführer im Weltkrieg und der Eroberer Palästinas, ist am Donnerstag, den Uf. Mai, im Alter von 75 Jahren einem Herzschlag erlegen. Feldmarschall Lord Allcnby übernahm im Juni 1917 das Kommando des britischen Expeditionskorps in Aegypten. Kurz darauf eröffnete er den Feldzug gegen die türkische Armee in Palästina mit einer groß angelegten Offensive, die nach mannigfachen Wechselfällen zur Einnahme Jerusalems (Ohanukka 1917) führte. Am 11. Dezember 1917 sog Allenby in Jerusalem ein und wurde von den Juden als Befreier vom türkischen Joche begrüßt. Allcnby stand den zionistischen Ansprüclicn auf Palästina und der nach der Eroberung des Landes von OrößbHtannien eingeleiteten und in der Balfour-Deklaration feierlich verkündeten prozionistischen Politik zunächst durchaus ablehnend gegenüber. In späteren Jahren aber bekehrte er sich zur prozionistischen Politik und unterstützte vielfach die zionistischen Bestrebungen auf Errichtung des Nationalheims. Bei Eröffnung der Hebräischen Universität am 2. April 1925 hielt er als Gast des neuen Palästina eine enthusiastische Bede über das jüdische Aufbauwerk im Lande. Die Juden Palästinas drückten Allenby ihren Dank für die Befreiung des Landes durch die Benennung mehrerer Straßen, so z. B. einer der Hauptstraßen in Tel-Avty wich ihm 'aus. Die nöüe Brücke über den Jordan wurde ebenfalls nach dem Eroberer Palästinas Allenby-Brücke benannt. Ermordung eines Chaluz in Wilna Aus Warschau (17. Mai): Aus Wilna wird gemeldet: Der junge Chaluz Jakob Feldman, Sohn des bekannten Zionisten Israel Feldman, wurde, als er mit Bekannten eine Straße in Wilna passierte, von zwei Nationaldemokraten überfallen, die mit Eisengewichten auf ihn losschlugen und mit Messern auf ihn einstachen. In sterbendem Zustande wurde er ins Hospital überführt; eine sofort an ihm vorgenommene Operation konnte ihn nicht mehr retten, kurz nach derselben erlag er seinen Verletzungen. Das Schicksal des jungen Chaluz, der unmittelbar vor der Alija nach Palästina stand, hat auf die jüdischen'Kreise einen erschütternden Eindruck gemacht. Die Mörder Feldmans, konnten verhaftet werrden. In Warschau haben Huligans in der Nacht den jüdischen Friedhof geschändet. Im Eisenbahnzug Warschau—Otwock überfielen Huligans den jungen Rabbiner Melech Aszkenasi, Sohn des „Kobjeler Rebbe", und mißhandelten ihn. Der Hauptrat der natiönaldemokratischen Partei Polens veröffentlicht eine Proklamation „gegen Kommunisten und Jude n", in der ausgeführt wird, daß die in Frankreich, Spanien und in anderen Ländern gebildete „Volksfront" nichts weiter sei als eine „jüdische Front" zur Verbreitung des Kommunismus. Ansicdlung von Juden aus Polen in Blro-Bidschan Aus New York: Das amerikanische Komitee für die Ansiedlung von Juden in Biro-Bidschan hat. einen Betrag von 10.000 Dollar nach Moskau überwiesen, um die Uoberführung von fünfzig jüdischen Familien aus Polen in das jüdische autonome Gebiet zu ermöglichen. Die Bibel in 705 Sprachen Aus London: Die Bibel ist, nach einem Bericht der britischen Bibelgesellschaft, im letzten Jahr in weitere 13 Sprachen übersetzt worden und ist nun in 7 0 5 verschiedenen Sprachen vorhanden. Erhöhter Zustrom assimilatorischer Kreise zum Hechaluz Au3 Berlin: Vor kurzem fand eine Sitzung des Deutschen Hechaluz statt. Dr. Georg Joscphthal sprach über die Situation im Hechaluz. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß dor Zuwachs des Hechaluz mehr als im vergangenen Jahr aus bisher assimilierten und unjüdi sehen Kreisen stammt. Das Durchschnittsalter der Menschen, die neu zur Hachschara (Vorbereitung* für Palästina) kommen, ist immer noch um 26 bis 27 Jahre, also ein Alteiv in dem die berufliche, seelische und geistige Neuorientierung schon auf erhebliche Schwierigkeiten stößt. Heime für 6000 jüdisdie Jaffa*l"luditlinge Aus Tel-Aviv (14. Mai): Eine Sitzung der Leiter dor jüdischen Institutionen beschloß nach einer Ansprache von Bürgermeister Dizengoff, einen 25.000-Pfund-Fonds zu schaffen, um neue Heime für etwa 6000 jüdische Jaffa-Flüchtlinge zu schaffen, die in ihre alton Heime nicht mehr zurückkehren können. (J.T.A.) Gespannte Lage In Jeru§alem Aus Palästina liegen folgende Nächrichten über die Lage vor: Aus Jerusalem (14. Mai): Am Mittwoch, den 13. Mai, wurden in der Jerusalemer Altstadt, am Ausgang des jüdischen Viertels, zwei Juden in einem Zeitabstand von drei Stunden von Arabern angefallen und erschossen. Die Todesopfer sind der 45jährige Reuben Klapholz und der 67jährige Rabbiner Alter Cohen. In beiden Fällen konnten die Mörder unerkannt entkommen. Die Regierung hat den Ausnahmezustand über die Jerusalemer Altstadt verhängt. Nach sieben Uhr abends darf sich niemand in der Altsadt sehen lassen. Seitens der Leitung der Polizei wird der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Mörder unter den arabischen Streikagitatoren, bzw. Terroristen, zu suchen sind. u * Nach der Ermordung von Klapholz und Cohen in der Jerusalemer Altstadt schössen unerkannt entkommene Araber zweimal auf einen jüdischen Passanten im gleichen Stadtteil. Der Passant blieb unverletzt. Gegen ein Polizeirevier in der Altstadt wurde ein Bombenanschlag verübt. Die Polizei führte im Klub der arabischen Jugend eine Hausdurchsuchung durch. Die Polizei nimmt an, daß von diesem Klub die terroristischen Akte geleitet werden. In Jaffa veranstalteten 6000 Araber neuerdings eine lärmende Straßenkundgebung, bei der Rufe „Tötet die Juden!" ausgestoßen wurden. Gegen die jüdisch* Wirkwarenfabrik „Gerew" in einer Jaffaer Vorstadt wurde ein Bombehanschälg verübt. In Half a wurde die Wohnung des jüdischen Vizebürgermeisters Shabbetay Levy in Brand gesteckt, das Feuer wurde jedoch rechtzeitig gelöscht. Aus verschiedenen Gegenden des Landes werden neue Fälle von Brandstiftung gemeldet. In Ejn C h a r o d wurde, nun zum zwölften Male, jüdischer Besltas in Brand gesteckt. Auch in Kfar Gideon, Kfar Tabor und im Emek Sebulun wurden neuerdings jüdische Felder angezündet. Die Brände wurden zum Teil mit Hilfe der Polizei gelöscht. Einige Araber wurden als Urheber verhaftet. In Nord-Scharon wurden 400 Dunam Felder, die Arabern gehören, durch Feuer vernichtet. In der Tel-Aviver Randsiedlung Machne Josse! drangen Araber in ein jüdischen Haus ein, vernichteten die Einrichtung und steckten sie in Brand. Anschläge wurden gegen die Eisenbahnlinie Jerusalem — Tel- A v i v versucht. An verschiedenen Stellen wurden Pakete mit Dynamit auf die Schienen gelegt. Der jüdische Zugführer bemerkte rechtzeitig die Gefahr und hielt den Zug an. (J. T. A.) Der High Commissioner verspridit ♦ ♦ ♦ Aus Jerusalem (15. Mai): Am Donnerstag, den 14. Mai, nachmittags, empfing der High Commissioner Sir Artur Wauchope eine jüdische Abordnung, die von ihm verlangte, daß die Regierung endlich Ordnung und Sicherheit im Lande wiederherstelle. Sie 'gab auch die Erklärung ab, daß dieser entschlossen sei, sich jedem Versuche einer Einschränkung der jüdischen Einwanderung als Folge der gegenwärtigen Lage entgegenzusetzen. Der High Commissioner versprach, daß er nunmehr die erforderlichen Maßnahmen zur endgültigen Herstellung der Ordnung im Lande ergreifen werde. Die Ruhe werde kommen, er sei nur nicht in der Lage, zu sagen, wann. Die jüdische Delegation erklärte, daß — falls die Regierung die Ruhe im Lande nicht wiederherzustellen vermöge — die jüdische Jugend selbst wissen werde, was sie zum Schutz des jüdischen Jischuws zu tun habe. (J. T. A.) für Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-21-5-31 Massenprozesse gegen Araber ' Aus Jerusalem (14. Mai): Die palästinensischen Gerichte bereiten nicht weniger als 250 Prozesse gegen Araber vox', die der Teilnahme an verbotenen Straßenkundgebungen, an verbrecherischer Agitation, an Morden und Brandstiftungen bezichtigt werden. Scheich Muhammed Shanin, der den Ueberfall auf die große Tabakfabrik „Maspero" in Jaffa am 19. April geleitet hat, wurde zu zwölf Monaten Gefängnis verurteilt. 300 arabische Arbeiter des ,,Nesher"-Steinbruchs bei Haifa, die in den Streik getreten waren, kehrten zur Arbeit zurück. Der High Commissioner ordnete an, daß sämtliche nach dem 19. April im Hafen von Haifa statt in Jaffa entladenen Güter von den Löschgebühren befreitwerden. (J.T.A.) Die jüdischen Kolonisten fordern Schaden» ersafz Aus Jerusalem (14. Mai): Eine Abordnung der jüdischen Kolonisten besuchte den High Commissioner und stellte an ihn die Forderung nach Schadenersatz für die durch die Brandstiftungen und Terrorakte der aufrührerischen Araber entstandenen Schäden. Der High Commissioner erwiderte, seine erste Sorge sei, Vorkehrungen zu treffen, daß sich solche vandalische Akte nicht wiederholen, 800 arabischo Saboteure werden demnächst von den Gerichten abgeurteilt werden. Zur Frage des Schadenersatzes könne er sich noch nicht äußern. (J.T.A.) „Das zionistische Ideal die hoffnüngs* reichste Losung der Judenfrage1' Aus Johannisburg meldet die J. T. A.: Bei der Eröffnung der Keren-Hajcssod-Kampagne in Südafrika wurden Begrüßungskundgebungen einer Reihe hervorragender südafrikanischer Persönlichkeiten verlesen, darunter Botschaften des Ministerpräsidenten General Hertzog und es Justizministers und früheren Ministerpräsidenten General Smuta; In dem Schreiben General Smuts', heißt es; „Das zionistische Ideal bleibt die hoffnungsreichste Lösung der Judenfrage. Palästina bietet jetzt die einzige nationale Gelegenheit für jüdische Siedlung. Die Politik der Balfouv-Dcklaration hat die zionistischen Aspirationen vollständig revolutioniert; halt der Fortschritt in seinem gegenwärtigen Umfang au, dann ist das Ideal seiner Verwirklichung näher, als man es vor Jahren als möglich träumen konnte," Stille Bestattung der Jerusalemer jüdischen Opfer Aus Jerusalem (17. Mai): Die Bestattung der in der Jorusalomer Altstadt von Arabern ermordeten Reuben Klapholz und Alter Cohen geschah auf Anordnung der Polizei in aller Stille. Die Polizei verhaftete den Juden Schalom Frankenthal, gegen den ein Araber die Beschuldigung erhoben hat, daß er aus einem Revolver, Schüsse abgegeben habe. Obwohl bei Frankenthal keine Waffe gefunden wurde, wird die Haft aufrechterhalten, sogar das Angebot einer Kaution von 1000 Pfund zwecks vorläufiger Enthaftung Frankenthals wurde abgelehnt mit dem Hinweis, daß es sich um einen Mordversuch (!) handle. Die arabischen Mitglieder der Jerusalemer Handelskammer traten aus derselben aus. Diese Institution war zuletzt die einzige, in der Juden und Araber zusammengearbeitet hatten. Der italienische Konsul in Jerusalem versandte eine Mitteilung an die palästinensische Presse, in der den Behauptungen, daß italienische Agenten eine Rolle bei den jetzigen Unruhen spielen, entgegengetreten wird. (.T. T. A.) Die vatikanischen Kreise und die Ereignisse in Palästina Aus Rom (17. Mai): Die vatikanischen Kreise verfolgen mit großer Aufmerksamkeit die Ereignisse in Palästina; in diesen Kreisen wird es im allgemeinen als peinlich empfunden, daß das „Heilige Land" wieder einmal der Schauplatz von Unruhen und Blutvergießen ist. Die katholische Presse berichtet sehr ausführlich und objektiv über die Ereignisse. „Osservatore Roxriano", das offizielle Organ des Vatikans, nennt die' Forderung der Araber nach Einstellung der jüdischen Einwanderung eine Attacke auf die „Magna Charta des Zionismus, die Balfour-Deklaration", und einen Versuch, „die Bewegung für Wiederaufleben des jüdischen Volkes um die Berge von Zion zu ersticken". Der Artikel schließt: „Entweder die Araber legen die Gewehre hin und ergeben sich in ihr Schicksal, oder es entbrennt wieder der Kampf mit seinen blutigen Ungeheuerlichkeiten. Wir hoffen, daß sich Massakers, wie sie 1929 vorgekommen waren, auch nicht in beschränktem Maße wiederholen." (J. T. A.) Aktionskomitee triff am 21« Juni zusammen Aus Jerusalem (15. Mai): Die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation hat das Aktionskomitee zum 23. Juni einberufen. Es handelt sich nicht um eine außerordentliche Sitzung, sondern um die normale Jahres- Session des A, C, der aber im Hinbliok auf die gegenwärtigen Ereignisse in Palästina erhöhte Bedeutung zukommt. Der Präsident des A. C. hat bereits die Einladungen an die ,A. C.-Mitglieder versandt. (J. T. A.\ Letzte Nadtriditen au§ Palästina Unruhige Tage Aus Jerusalem. (17. Mai.) Am Freitag, den 15., dem Wochenfeiertag der Mohammedaner,: ist es in Jerusalem und in Jaffa zu neuen ernste n Unruhen gekommen. Auf dem großen Tempelplatz vor den Moscheen in Jerusalem versammelte sich nach dem Gebet eine unübersehbare arabische Menge und formierte »ich zu einem Deraonstrationszugc durch die Stadt. Es kam an einigen Stellen des Tempelplatzes zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten, an einer Stell« machte die bedrängte Polizei von der Schußwaffe Gebrauch, wobei es einigo Vorwundete gab. Schließlich gelang es der Polizei, den geplanten Demonstrationszug zu verhindern. Zu einem ernsten Zusammenstoß kam es auch am Donnerstag, den 14., beim Jaffa-Tor in Jerusalem, als eine arabische Menge versuchte, das Begräbnis eines durch einen englischen Polizisten erschossenen Streikterroristen in eine antijüdische Kundgebung umzuwandeln. Die Teilnehmer am Trauerzug versuchten, in die Jaffastraße einzudringen. Es entstand eine ungeheure Panik. Die jüdischen Läden wurden in großer Kilo geschlossen. Schließlich gelang es der Polizei, die Menge zu zerstreuen, per arabische Streikterrorist war erschossen worden, als er einen anderen Araber, der sich dem Streik nicht angeschlossen hatte, mit dem Messer angriff. In den inneren Jerusalemer Stadtteilen hält die Spannung an, aber auch in den Außenbezirken ist die Lage unsicher. Don judischen Arbeitern, die an der Peripherie von Jerusalem beschäftigt sind, wurde der Hat ertoilt, die Arbeit einzustellen. Die, städtischen Autobusse fahren nicht mehr bis zum Jaffa-Tor, (Sämtliche jüdischen C4eschäfte zwischen dem Hauptpostamt und dem Jaffa-Tor sind geschlossen. Die Räumung der Altstadt durch die Juden geht weiter vor sich, Panzerautos