Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 562 (19.5.1936)
- Date
- 1936-05-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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TM. Universitätsbibliothek Preis 10 Groschen Dienstag* den 19« M*f f#S6 16» lahrgang Nr» Sftft V* b. b* & Z«itung vom Verleger versende! *" „Journal exp6d!6 par rfidlteuT* REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig ö 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—i Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lira 6.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Fran«|. 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: IX, Universitäfsstr.8, Tel. A-20-2-78 - Erscheint Dienstat» u. Freita? Tolerant auMCosten der Juden Von Dr. M. Marcus, Tel-Aviv. , -Ein an Arbeit und Erfolg und Ehren reiches Leben ist dahingegangen — ein eigenartiger, immer an die gute Sache des Judentums glaubender und ihr dienender Mensch, den alle respektierten, die ihn kannten; denn man fühltey e$mit, einer Persönlichkeit zu; tun zu haben, die in Freud und Leid-gleicherweise beherrscht war und dessen politische Träume und Extravaganzen das Ziel, die Befreiung des jüdischen Volkes, nie in Gefahr brächten. Nahum Sokolow, der Schriftsteller, Politiker, Diplomat, der kluge und geistreiche und von edler Bildung erfüllte Mensch, trat unter der Suggestion Theodor Herzls — obwohl er anfänglich von der Emanzipation und Europäisierung alles Heil erwartete und; Zionsliebe (Chowewe Zion) für ihn mehr ein Humanitätsbegriff war — in die zionistischen Reihen, leitete als eine Art Staatssekretär die Zionistische Organisation, war seit 1911 Exekutionsmitglied, führte gemeinsam mit Dr. Weizmann während des Weltkriegs \ in Xpndon die politischen Verhandlungen, die die Balfour-Deklaration und' das Palästina-Mandat zur Folge hatten. Daß Sokolow zum Präsidenten der Zionistischen Exekutive gewählt wurde, war auf Grund seines Prestiges, seiner diplomatischen Talente, seines Ansehens und des Respekts, den man dem Senior der Bewegung, dem. Grandseigneur des hebräischen und jiddischen Schrifttums, entgegenbrachte, eine Selbstverständlichkeit. Im Jahre 1931 ging sein Traum in Erfüllung: Auf dem 17. Kongreß in Basel wurde er zum Präsidenten der Zionistischen Organisation gewählt, auf dem 18. Kongreß in Prag (1933) wiedergewählt, um allerdings auf dem Luzerner Kongreß 1935, wieder Chaim Weizmann Platz zu machen. In allen Ehren schied Sokolow von seinem verantwortungsvollen Platz. Als Ehrenpräsident der Zionistischen Organisation und Präsident des Keren Hajessod widmete sich der Verblichene schriftstellerischer Arbeit, die einen großen Teil seines Lebenswerkes, über das wir noch ausführlich berichten werden, ausmacht. Jüda§dier Weltkongreß , . Das Pariser Büro des Kongresses gibt bekannt: \ Der Jüdische Weltkongreß wird in der Zeit vom 8. bis 15. August in Genf tagen. Die Wahllisten werden am 15. Juni abgeschlossen sein. Alle Wahlen, bzw. Nominierungen in den verschiedenen Ländern müssen bis zum 5. Juli erfolgen. ... * ' In den Vereinigten Staaten haben der Präsident des American Jewish Congress, Dr. Stephen S. Wise, und der Ehrenpräsident der Zionistischen Organisation Amerikas, Louis Lipsky, einen Appell zur Teilnahme am Jüdischen Weltkongreß an die amerikanische Judenheit gerichtet. Der ApPe11 wurde bisher von fünfzehn großen jüdischen Körperschaften, unter ihnen von der Union der Orthodoxen Kongregationen, zustimmend beantwortet. Die nationale Konvention wird am 13. und 14. Juni in Washington tagen und die Delegierten des amerikanischen Judentums tür den-Jüdischen Weltkongreß wählen, Tel-Aviv, Mitte Mai. Das politische Spiel der arabischen Rädelsführer und Hetzer wird mit Hilfe des passiven Widerstandes der ... Palästina-Regierung fortgesetzt. Die offiziellen Berichte, welche die Regierung herausgibt, beginnen und enden mit dem stereotypen Refrain: „Die Lage ist im allgemeinen ruhig." Aber was sich hinter diesem „Ruhigsein" verbirgt, kann man klar aus der täglichen reichen Chronik der Gesch'ehnisse ersehen und daraus eine Vorstellung von der grenzenlos unverantwortlichen Haltung der Palästina-Administration erhalten. Ständig kann man von Angriffen auf Autos, von Brandlegungen an Häusern, Geschäften, Getreidefeldern, vom Bestreuen der Straßen mit Nägeln zur Störung des Verkehrs, von Bombenwürfen usw. lesen. Die Massenüberfälle, die offenen Mordtaten, haben aufgehört, aber nicht aufgehört haben die einzelnen meuchlerischen Ueberfälle und verbrecherischen Akte, welche die Sicherheit und Ordnung im Lande stören. Und obwohl bereitl mehr als zwei Wochen seit Beginn der Unruhen vergangen sind/weiß die palästinensische Schutztruppe, die Vertreterin des britischen Imperiums, noch immer nicht, was sie, mit der kleinen Schar von Hetzern und Terroristen anfangen soll, welche ihre Gewalttaten offen vor den-Augen-derer begehen, deren Pflicht es ist, Sie Ordnung im Land aufrechtzuerhalten.. Anstatt die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen, die wilde Hetze der arabischen Zeitungen, abzustellen, die Urheber der Brandstiftungen und Ueberfälle zu bestrafen, jeden Versuch der Ruhestörung zu unterdrücken, drückt' die Regierung ein Auge zu und läßt sich in freundliche Gespräche mit den arabischen Führern ein und mit beispielloser Toleranz duldet sie die Fortsetzung der ungesetzlichen Handlungen, welche ein Spott und Hohn auf die ewigen Versicherungen des Oberkommissärs und des Kolonienministers sind, daß sie mit allen Mitteln die Gewalttaten unterdrücken werden. * Die Hauptschuldigen: die Hetzer, die Organisatoren des Streiks, die Erreger der Demonstrationen, die Inszenierer des „Volkszorns", die Demagogen im Gewände des Mufti-Bürgermeisters und die gutbezahlten arabischen Regierungsbeamten, all die, welche schon längst hinter Schloß und Riegel sitzen sollten, werden zu Repräsentanten des arabischen Volkes erhoben und eingeladen, ihre Bedenken vorzubringen, und werden mit dem Versprechen begütigt, daß ihre Forderungen erfüllt und ihre Wünsche der Zentralregierung in London unterbreitet werden, und schließlich werden sie nach London., zu einer Besprechung eingeladen; Der Oberkommissär, der zur Wahrung von Ruhe und Ordnung verpflichtet ist, empfängt ständig arabische Delegationen, die Forderungen stellen, welche im Gegensatz zum Mandat stehen, ohne ihnen präzis zu sagen: Solche Forderungen können wir nicht berücksichtigen, well sie nicht dem Grundsatz der Konstitution des Landes, dem Mandat entsprechen. Und deshalb werden diese Führer immer , dreister. Der ganze Rummel mit dem Streik wäre niemand im Land Zu Schewuoth - nach Polen bequem und billig. Reservierte und numerierte Plätze. Nähere mkA * 4-504 Pf. S. TOCKEB. IX. UecMenslclnslraBe 2 Der englisch-jüdische Board of Deputies hat mit 105 gegen 81 Stimmen eine Teilnahme am Weltkongreß abgelehnt; die Minderheit von 81 Stimmen stellt aber die größte Minderheitengruppe dar, die bisher im Board in irgend einer Frage statuiert wurde. Das in England bestehende. Komitee für den Jüdischen Weltkongreß veröffentlichte Dokumente, die beweisen, zu welchen Manövern der Vorsitzende des Board Neiville Laski greifen mußte, um die Mehrheit von 24 Stimmen gegen den Kongreß zu erreichen. Die Zeitung „Jewish Chronicle" bezeichnet diese Manöver als „Fehlgriff". * ',"*', In Frankreich hat das Komitee für den Jüdi* cshen Weltkongreß vierzig lokale Sektionen. Am .13. Mai -&$talORätffl j^Ko^eie^^rS.ektloa«Bi Vlstef ran. angegangen, wenn er nicht der Deckmantel für allerhand verbrecherische Akte wäre, wenn die Regierung mit den Mitteln, die ihr zu Gebote stehen, wollte, daß das Land nicht zürn Schauplatz von Unruhe und Gewalt wird, wenn die Regierüng die Möglichkeiten für Gewalttaten und Ueberfälle verhindern wollte — so daß im Verlauf des Streiks deutlich geworden wäre, wer die produktiven wirtschaftlichen Kräfte des Landes sind. Das ganze wirtschaftliche Leben könnte trotz des Streiks der arabischen Mehrheit in vollem Umfang aufrecht bleiben und es könnte der Welt gezeigt werden, wer baut und schafft und Leben ins Land bringt und wer der Nutznießer dieser jüdischen Aktivität ist. Aber die Regierung setzt ihr unerhörtes System der ultraliberalen Toleranz zu Lasten der Juden und ihr vorsichtiges Anrühren der Pogromisten und Unruhstifter fort. Man verhätschelt und verzärtelt sie und sie glauben daher, daß sie sich alles erlauben dürfen und der Menge versichern können: „Die Regierung ist mit uns." . Wer die Palästina-Administration kennt und wer von früher her ihrem, antizionistischen, äntijüdischen Profil begegnet ist, wird sich über die Geschehnisse nicht wundern. In der langen Reihe , der Sabotageakte der Palästina-Administration gegen den Zionismus in all den An Sonntagen „F R A N C 0 P 0 L" - Sonderfahrten noch POLEN u. Czernewitz Nächste Abfahrten: 24. Mai u. 7. Juni, Rückfahrt: 9. Juni „Francopot", III, Schwarzenbergplatz 7, Tel.U-16-4-90 „Ccdok'V I. Kärntnerstraße 32, Telephon R-23-4-88 Gerngroß, VII, Mariahilferstraße 42. Tel: 3*38-2-68 Jahren, der Einschränkung jüdischen Rechtes und jüdischer Forderungen, in der Fortsetzung der Politik, welche mit der Errichtung des Legislativen Rats (Parlaments) gekrönt werden sollte, sind die jetzigen Unruhen und. deren Nachwehen die weitere logische Konsequenz. Es werden wieder Netze gesponnen, in welchen der Aufbau des jüdischen Heimes sich: verfangen soll. Es wird heute auch jenen, welche bisher mit fatalistischer Gleichgültigkeit den Treibereien der Palästina-Regierung zugesehen haben, klar, daß die große Gefahr nicht von Seiten der arabischen Politiker, sondern von Seiten der Regierung kommt, welche gegen uns arbeitet, welche hinter den Kulissen ein schändliches Spiel treibt — gegen uns und vielleicht auch gegen günstige Kräfte maßgebender englisch e r Kreise, von denen wir so oft gehört haben. Es wird heute — auch für Gegner der Judenstaatszionisten — klar, daß wir uns nicht früher von der latenten Gefahr befreien werden, als bis eine grund« legende Aenderung der Haltung der Administration eintritt, als bis diese von allen antizionistischen Elementen gereinigt sein. wird. Uns genügt nicht ein „guter Oberkommissär", — wir brauchen einen Oberkommissär, der seine Pflicht zur Einhaltung von Ruhe im Land versteht und der seine Politik auf das Mandat stützt, Wir benötigen Beamte, welche nicht die jüdischen Rechte sabotieren," sondern uns bei der Erfüllung unserer schweren Aufgabe helfen. Andererseits ist eine zielbewußte zionistische Politik notwendig, welche wmammmmmmmmmmmmmmmmmmmmammmmmmmmmmmamm zösische Staatsmänner äußerten sich zustimmend zur Kongreßidee. * In Belgien hat die Jahreskonferenz des Zionistischen Landesverbandes dem Jüdischen Weltkongreß zugestimmt. Laut Beschluß des Rates der jüdischen Gesellschaften in Brüssel und Antwerpen werden die Wählen in kurzem stattfinden. * Aus N e w Y o r k: Dr. Stephan S. Wise erhielt einen von 78 Mitgliedern des Kongresses der U. S. A. (Parlament der U. S. A.) unterschriebenen Brief, in welchem gegen die Judenverfolgungen in D e u t s oh 1 an d protestiert und dte Idee, des Jüdischen Weltkongresses ge* m& srtrd. ' -w