Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 561 (15.5.1936)
- Date
- 1936-05-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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185 Preis 20 Groschen Freitag, den!$♦ Mal 1936 10 961 V* b« b» vom Verlefer versendet -tu.! expMJe par rediteu*" REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig ö 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60, vierteljährig Zloty 4.50: Tschechoslowakei monatlich fcc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bomänien monatUch Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Dentschland monatlich Mark.t--. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 80.—, vierteljährig; Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich, Redaktion i*. Verwaltung: IX, Universitäisstr. 8, Tel. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. rrettag GUMMISTRÜMPFE wunderbar leichte Sorte „Paradruit" Lastex für Empfindliche FACHFIRMA Bondogen-rntkojasch w,e Tab0 r,,r. 22 Der |udi§dhe Ministerpräsident Während in Deutschland die Juden von Staats wegen nicht nur politisch und wirtschaftlich verfolgt, sondern in einer Weise erniedrigt und beschimpft werden, die nicht zu übertreffen ist, setzt Frankreich einen Juden an die höchste Stelle, die es zu vergeben hat. Der Jude Leon Blum wird Ministerpräsident Frankreichs! Gibt dieses Geschehen den Juden Anlaß zu freudiger Genugtuung, ist-es ein Lichtstrahl, der durch die schwere, beklemmende Wolke dringt, die über dem jüdischen Volke liegt? Nein! Es ist nur ein neuer Beweis für die Abnormalität der Verhältnisse, unter welchen das alte Volk lebt. Während das Vqlk/|n^Qualen um ein bißchen Leben ringt und immer tiefer" und tiefer hinuntergestoßen wird, steigt da und dort einer zu schwindelnder Höhe auf. Dieses sonderbare Spiel; des jüdischen Schicksals ist nicht netf. :Öft-hat -es''sich wiederhblt,; nie zu Ehren und Nutzen der Juden. Das jüdische Yolk hat nie seine Freude an Führern erlebt, die es änderen Völkern gegeben hat. * *> ' ■ Lassen wir einen Nichtjuden sprechen! Der heute bekannteste aller französischen Journalisten, Jules Sauerwein, dem weder Voreingenommenheit gegen das Judentum, noch auch Haß gegen die von Leon Blum vertretene politische Richtung nachgesagt werden können, schreibt: „Ferner ist sich der, Chef der Sozialisten Leon Blum bewußt, daß er, wenn er die Regierung über- ' nimmt,, eine antisemitische Bewegung entfesselt. Er erinnert sich bei dieser Gelegen- heit daran, daß vor einigen Wochen hervorragende Glaubensgenossen stark dem Abgeordneten Mandel abrieten — aus demselben Grunde —, seine Kandidatur auf den Regierungsvorsitz aufzustellen. Und da besaß -Mandel doch die Sympathien der Rechten, das heißt der Finanz, wogegen Leon Blum als Zerstörer der berühmten silbernen Mauer erscheint. In den Unterredungen, die Blum privat mit Sarraüt pflegte, legte er diese Besorgnisse an den Tag. D e n n o c h entschied er sich, das Minimum seines Programms durchzuführen." „In Wirklichkeit wird Blum gezwungen sein, : sowohl seine außenpolitischen Sympathien wie sein v Innenprogramm beiseite zu lassen. Er könnte An Sonntagen „F R A N C 0 P 01" - Sonderfahrten noch POLEN ufl Czernowits Nächste Abfahrten: 24. Mai u. 7. Juni, Rückfahrt: 9. Juni „Francopol", III, Schwarzenbergplatz, Tel. U-16-4-90 „Cedok", I. Kärntnerstraße 32, Telephon R-23-4-88 Gerngroß, VII, Mariahilfersträße 42. Tel. B-28-2-68 . zwischen den Diktatoren eine Wähl treffen und ein wenig kühler gegen Mussolini bleiben, wobei er unter einer Decke mit England auf eine Annäherung : mit Deutschland hinarbeiten könnte. Eine . grausame Notwendigkeit für einen Mann, . bei dem der Haß gegen den Hitlerismus so tief und so aufrichtig ist." Die Rechnung Sauerweins ist leider einfach und richtig. Die jetzt verdrängte Rechte wird jedes Kampf" mittel gegen die siegreiche Linke benützen, das sich ihr bietet. Warum soll sie sich nicht auf die jüdische Ab stammung des gegnerischen Führers werfen? Etwa, weil das der französischen Mentalität nicht entspricht? Wer so rechnen will, der möge erst in der jüngsten Geschichte Frankreichs nachlesen. Er yyird den Fall Dreyfus finden. Auch damals gab Jüdfedier Weltkongreß Aus Genf: Der für den 8. August 1936 einberufene Jüdische Weltkongreß wird" seine Tagungen im Gebäude des Genfer kantonalen Parlamentes, dem sogenannten „Batiment Electoral", abhalten. Dieses Gebäude, das dem Kanton Genf gehört und in der Praxis nur für Ausstellungs- und Kongreßzwecke benützt wird, hat in den letzten sechs Jahren auch als Versammlungsort der alljährlichen Versammlung des Völkerbundes gedient. Die diesjährige Internationale A'rbeitskonferenz und auch die diesjährige in September 1936 zusammentretende Völkerbundversammlung werden zum letztenmal noch im Batiment Electoral tagen, da der große Versammlungssaal des neuen Völkerbundpalais' erst Ende 1936 vollkommen fertiggestellt sein wird. Dank diesem Umstand wird der Jüdische Weltkongreß bei Beziehung des Saales im Batiment Electoral von einer ausgezeichneten technischen Inneneinrichtung dieses Saales Gebrauch machen können, die dort für die m af utem ÜJlagcnfütart fj imb fonftlfleii erftrauhttitflOM her Q3erbauuufTsorranc i , ..,^ ■, -n^^ffim^i^fW^M'- Nach einigen ruhigen Tagen kam' es >vHeder^ zu Meineren. und größeren Attacken der Araber in verschiedenen Teilen des Landes, so daß sich die Palästina- Regierung genötigt sah, Trüppenverstärkungeh aus Aegypten vorzunehmen und die Militärbereitschaft zu erhöhen. Wir bringen im nachstehenden die Meldungen der J. T. A. zu den Ereignissen, datiert vom 11. Mai: B$ie Auswirkungen des Terrors Aus Jerusalem: Wie aus Kairo telegraphiert wird, sind weitere Truppentransporte aus Aegypten nach Palästina. mit Eisenbahn und Kraftwagen unterwegs. In Jaffa, dem Ausgangspunkt der Unruhen, wurden an verschiedenen Straßen und Plätzen Drahtverhaue errichtet. Neue Militärabteilungen wurden nach Jaffa gebracht. es einen erbitterten Kampf zwischen der Linken und der Rechten und einem Juden in der Mitte. Damals mußten sich die Gegner des Regimes ihren Juden mühsam aus einem Büro des Generalstabes holen und mit Hilfe komplizierter Fälschungen erst den Beweis erbringen, daß der Jude Dreyfus auf das Schicksäl Frankreichs irgend einen Einfluß nehmen konnte. Heute haben sie es leichter. Der das Schicksal Frankreichs beeinflussende Jude muß nicht erst erfunden werden. Er ist greifbar. Er sitzt auf dem höchsten Ministerstuhl des Landes. Damals schrien sie, der Jude Dreyfus habe Frankreich an Deutschland verraten. Sauerwein deutet an, daß Leon Blum gezwungen sein könnte, Beziehungen zu Hitler-Deutschland zu pflegen. Warum sollen die Gegner jetzt nicht schreien, daß der Jude Blum Frankreich an Deutschland verrät? So die Rechten. Und die Linken? Wird es gut gehen, dann hat eben die sozialistische Politik gesiegt, werden sie sagen. Wird es schlecht gehen, dann werden sie darauf kommen, daß der Jude Blüm eine untragbare Belastung für die Partei und Sache war. Der durch Blum verkörperte Sozialismus kann Erfolg haben, das durch Blum verkörperte Judentum kann nur verlieren. Es ist kein Anlaß zu jüdischer Freude, wenn ein Jude irgendwo Minister wird. r. st. Zur Schwoftnach Polen bequem und billig. Reservierte und numerierte Plätze. In Vorbereitung;: Billige Ferien-Reisen nach Polen. Nähere Auskünfte bei Dr J. XOCKER, IX, 1^»» 2 Tel. A-H*5Q4 Zwecke der Internationalen Arbeitskonferenz und der im September nachfolgenden Völkerbundversammlung noch eingebaut ist. * Aus Warschau: Im Beisein des Vorsitzenden des Komitees für den Jüdischen Weltkongreß Dr.Nahum Goldmann hielt das für Polen gegründete Organisationskomitee für den Jüdischen Weltkongreß eine Sitzung ab und beschloß: Die Vertretung des polnischen Judentums auf dem Jüdischen Weltkongreß wird aus demokratischen Wahlen hervorgehen. Die Wahlen finden in ganz Polen am Sonntag, den 12., oder Sonntag, den 19. Juli 1936, Statt. Jeder Mann oder Frau von 18 Jahren aufwärts erhält gegen eine kleine Geldleistung eine Wahlkarte, die das Stimmrecht zum Kongreß verleiht. Der polnische Außenminister Oberst Beck, empfing privatim den Vorsitzenden des Komitees für den Jüdischen Weltkongreß Dr. Nahum Goldmann. Dr. Goldmann informierte den. Außenminister über die in allen Ländern der Welt getroffenen Vorbereitungen zum Jüdischen Weltkongreß. , v. mejrrJn Palästina * V'1 \* Die Regierung hat angeor^düiet^'däli^ kehr zwischen Tel-Aviv und Jaffa im Interesse der Sicherheit und der besseren Uebenvachungsmöglichkeit wiederum unterbrochen werde. Zahlreiche Regierungsämter wurden aus Jaffa nach ">.l-Aviv überführt. Bekanntlich ist vor einiger Zeit das faer Distriktsgericht nach Tel-Aviv jgt worden, doch ist gleichzeitig angeordnet worden, daß alle Prozesse, an denen Araber beteiligt -sind, von Tel-Aviv an das Gericht in Jaffa verwiesen werden., ' Der Jerusalemer „Times"-Korrespondent berichtet, daß gute Beobachter des Lebens in Palästina der Ansicht sind, daß die Kundgebungen des Streikkomitees meh-r theatralischer Natur sind und daß keine errist- > zunehmende Bewegung dahinter steht. Die Methodendes Postenstehens und Streikterrors werden die Bürger' nicht an der Steuerzahlung hindern können. Ernster zu nehmen sei die Entschließung des Streikkomitees, Agenten in alle Teile des Landes zu entsenden, um die Stimmung-der Araber gegen die Juden neu zu entfachen. . Es scheint aber, daß einige Regierungskreise die optimistische Auffassung des „Times"-Korrespondenten nicht teilen, sondern glauben, daß die ganze Haltung der arabisch en Führer die eines passiven Widerstandes gegen die Staatsgewalt ist und daß, wenn es den Führern gelingt, die Massen der Araber für den passiven Widerstand zu organisieren, der Regierung. unabsehbare Schwierigkeiten erwachsen können. kleine Störungen Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope, der den Beduinendistrikt im Süden und den Distrikt Ai-Arls/h besucht hat, kehrte soeben nach Jerusalem' zurück.'' Ebenso wie der Freitag, der 8. Mai, verliefen auch der Samstag und der Sonntag ruhig. Es passierten einige Zwischenfälle, die nicht von großer Bedeutung sind. In Bat-Schlomo bei Sichron-Jakob wurde ein jüdisches Feld angezündet, der Brand konnte von den Kolonisten sofort gelöscht werden. In T i b e r i a's wurde gegen einen jüdischen Laden eine Bombe geschleudert, die aber keinen Schaden verursachte. In Bet Alpha kam es zu einem Kugelwechsel zwischen jüdischen Wächtern und Arabern, die jüdische Felder anzünden wollten. Der Anschlag wurde abgewehrt, es gab keine Verletzten. Bei Jenin haben Araber von der Regierung gepflanzte Bäume ausgerodet. Perserteppgcftte tu staunend &iB3igen NachsaFsbirgweisen Herrliche Qualitätsware zu jedem annehmbaren Preis! PERSER* UND ORIENTTEPPICHE I, P^RKPINQ 12 H.R KANZAH Einsang Weihburggasse GartQnpau-Qb jek't«