Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 559 (8.5.1936)
- Date
- 1936-05-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2711613-2712150-2712184--5771-2719433- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
TTf «■ 559 vom 8. Mai 1036 .-«fei* —— --»4. ........» ..Umn.ii . i llllVfl-t»! nm mvvw&i/i i wtrrtnr, turnt muri - ntmtn Seite 5 A* Almi (New York): ,,B foi**Bid§diani*mm'' gegen Zionismus in Amerika Die Exekutive der „ICAR", jener Organisation, die sich mit der Jüdischen Kolonisation in Sowjetrußland befaßt (ric'otiger: mit der Propaganda für das Biro- Bidschan-Projekt!>, bat auf ihrer letzten Sitzung den Beschluß gefaßt, eine jüdisofce Delegation nach Biro- Bidschau ru entsenden. Vertreten werden sein: Führ6r vom Arbeiter-Ring, vom ' ProfesslOBlsten»Verein, vom Jüdisch-Nationalen Arbeiter*Verband (poale-zionistisch), vom Internationalen Arbeiterverbaod (kommunistisch) «wie Vcrtnrter der Logen B'ne Britb und Britb Abraham, außerdem Repräsentanten verschiedener Laodesorganisa* tianen ur/d Persönlichkeiten au« verschiedenen kulturellen Körperschaften. Wenn man seinerzeit, als dieses Biro-Bidschau- Projekl aufkam, afl£eüomirven hat. daß es sich als eine Konkurrenz gegen den Zionismus, gegen zionistische Arbeit, gegen Eres Israel ausspielen werde, so ist diese Annahme von dimals zur Tatsache von heute geworden —' ob man will oder nicht! Das ist ganz War an der Art der Propaganda für Biro^Bidschaa zu erkennen. Jüdische Schriftsteller und Vorsteher verschiedener Organisationen werden zusammengerufen und man (erzählt ihnen, daß Biro-Bidschan, dieses gesegnete Biro- BtdschAn, die einzige verläßliche Hilfe und Rettung für dk«'Jüdische Volk sei. . . . Hunderte'von Broschüren und Sammelbücher werden verbreitet und selbst unsere guten und braveu Poeten läßt man nicht in Ruhe: auch sie rriüssen Biro-Bidschan besingen. . . . Und sie besorgen es prompt: sie jauchzen, sie bejubeln, verb.errlieb.en dieses Biro-Bidschan mit seinem Himmel und seinen Sternen, mit seinen Bergen und Tälern, mit seinen wunderbaren Gärten und Vögeln, mit seinen Gewässern und Blumen... alles in jenem Biro-Bidschan, das sie niemals gesehen, von welchem sie bis vor nicht allzu langer Zeit vielleicht gar nicht wußten, daß es irgendwo auf dieser Erdkugel existiert. . . . Aber damit nicht genug, trommelt man Massenmeetings zusammen, hält große Konferenzen und lange Beratungen ab, ordnet prachtvolle Bankette ein uöw----Biro-Bidschan! Biro Bidscimn, die letzte Mode ...! Unlängst fand solch ein Bankett statt, und zwar zu Ehren des russischen Gesandten in Amerika, Troj.a.nowsky. Unter den Anwesenden sah man viele Menschen, die im jüdischen, öffentlichen, Löben eine mehr oder minder maßgebende Rolle spielen,,-die-man bisher auf allen zionistischen Kundgebungen, Zusammenkünften und Banketten antreffen konnte und oft vorne in der ersten. Reihe. ... Nim sind sie da und wärmen sich am neuen Licht, an der neuen-Sonne, die vom neuen i.Zion" ausstrahlt, vom neuen „Zion" in Asien. (Bloß ein Unterschied: anstatt arabischer Nachbarn hat man hier mongolische.) Es muß gesagt werden: Die R6d6 des Gesandten war hervorragend! Sie muß besonders hoch eingeschätzt werden in dieser traurigen Zeit, wenu in' allen anderen Reden blinder' Haß gegen das Judentum Wütet.- frojanpwsky, der von der großen und bedeutenden historischen Rolle des Judentums, vom Recht des jüdischen Volkes, zu lfeben, zu leben und zu genießen, wie jedes andere Volk, sprach, mau muß sagen, er sprach meisterhaft, großartig— und wenn man bedenkt, daß so der Vertreter von 160 .Millionen Menschen spricht, die in einem Lande wohnen, in welchem der Jude bis vor nicht länger Zeit Völlig rechtlos gewesen ist; so wird jeder verstehen, daß solche Reden besonders angenehm und wohltund für das jüdische Öhr klingen. ... .Das fesselt Menschen, Vorsteher verschiedener Organisationen, Schriftsteller. Dichter, und macht sie zu Propagandisten für Biro-Bidschaii. Bis daher wäre aber ajlles noch schön und gut: wenn nicht ein verdächtiger „Kreuzzug" jüngst. eingesetzt hätte, . der Kreuzzug. £e's „Joint" gegen den Zionismus, gegen Ercz Israel, gegen zionistische Fonds!! Führer des „Joint'« durchreisen kreuz und quer das ganze Land und bemühen sich, die zionistische Aufbauarbeit in Urez Israel zu diskreditieren, und behaupten glattweg: nur der „Joint" allein sei der wirkliche Helfer des jüdischen Volkes! v ' Es ist allgemein bekannt, daß bis vor kurzem beide Organisationen („Joint" und -Zionistische Organisation) eine gemeinsame Sammelaktion in Amerika durchgeführt haben,. und als diese Kampagne nach zweijährigem Be-? stände Ende 1935 ihr Ende nahm, gaben sie eine gemeinsame Erklärung an die amerikanische Judenschaft heraus, in welcher ihre gegenseitige Freundschaft für alle Zukunft ausgedrückt wird. ... Es ist ferner Tatsache, daß in vielen Gemeinden Amerikas noch heute gemeinsame Aiktionen durch* geführt werden — bloß in den Führern des „Joint" hat der alte Haß gegen Erez Israel^ gegen den Zionismus wieder sein Haupt erhoben, obwohl einige „Joint*'* Führer. Mitglieder der Jewish Agency sind.... Noch ehe die Tinte auf der gemeinsamen Loyalitätserklärung trocken war, hielt Rabbi Jona Weiß (kein Verwandter von Rabbi Stephen Wise) eine scharfe antizionistische Rede und daran schloß sich ein faktischer Kreuzzug gegen alles Zionistische..... Ein Kampf, eine Hetze, die in den letzten Monaten solche aggressive Formen angenoüu»eu hatten, daft sich die zionistischen Organisationen gezwungen satten» in ihren offiziellen Blättern und in der ge- 1 samten jüdischen Presse Amerika* gegen diese« Trfi- , b«n öffentlich schärfsten Protest zu erheben. ES Wird daher keinen wundernehmen, wenn es in der jüdischen'Gasse heißt: Der „Joint" hat Biro-Bidschan unter 'Seine Obhut genommen! Ihr Zionistenhabt euer Ercz Israel, wir vom „Joint" unser Biro Bidschan . . .! Felix M. War bürg kam von seinem letzten Beauöh in Erez Israel ganz begeistert zurück, weshalb es einfach nicht zu verstehen ist,, daß er dieses Treiben geschehen läßt. Obwohl Warburg selbst sich nicht an der anUziotiistischeu Hetze beteiligt — die in ihrer Art sehr stark, an die Erklärungen der sogenannten traurigberühmten „Protestrabbiner" gegen Herz! erinnert — weiß doch jeder, daß ein Wort von War bürg dieser .ganzen f schändlichen Hetze Sofort ein Ende bereiten würde.; Bei diesem Verbauen bleibt eines unverständlich: Weshalb ziehen die zionistischen Mitglieder der Bad Gasteln Kurhotel Bristol Thermalbäder im Hause Fließendes Wasser Mäßige Preise Restaurant nvs Jewish Agency ihre niehtzlonistisehen Kollegen nicht zur Rechenschaft? Beide haben ein Locarno-Abkommen unterfertigt, beide Teile sind an diesen Vertrag gebunden, und wenn der deutsche Partner, die „deutschen Jehudim" in Arne» rika. diesen Vertrag' brechen, ihren ganzen Einfluß gegeü den Zionismus, gegen seine Fonds, gegen Erez Israel ausnützen und die zionistische Sache in jeder Hinsicht diskreditieren — weshalb ruft man diese Herren nicht zur Verantwortung? Es sei denn, daß der Bruch von Verträgen wirklich.die neue Mode sein sollte — auch bei uns ... Oft schon nach einmaligem Putzen beseitigt Chlorodont den mißfarbigen Zahnbelaj} und üblen Mundgeruch Tube S. -.90 Oesterr. Erzeugnis RUNDSCHAU Der Negu§ gehl nach Palästina Aus London: Wie Reuter meldet, hat sich Kaiser Halle S e 1 ä s s i e ritit der K&iserin und den Kindern bereits an "Bord der „Ehtreprisc" begeben und dürfte am, Freitag in Haifa landen. Der Wunsch der abessinischen kaiserlichen Familie, sich in Jerusalem niedCrZulä&jen, entspringt wohl dem Glauben, der von allen bisherigen abessinischen Herrschern hochgehalten wurde, daß die •Herrscherdynastie clireM vom K ön 5 g Si ä 1 o m'o'^äTstkmmt. Der Säge nach war der . erste König der, jetzigen Dynastie der Negusse ein Söhn des"'Königs Salomo und der Königin von' Säba (vgl. I. Kön. 30 und-'II.-Chronik 9). "Dieser Kns.be soll am Hofe in JerüsaJenY im j ü d isehen Glaub en "erzogen, als Menelik I. zum 'König der, Abessinier ' im Tempel zu Jerusalem gekrönt und von Asarja, dem Sohne des Oberpriesters Zadok, nebst zwölf Aeltesten, die das jüdische Gesetz kannten, nach Abessinien gebracht Worden sein. Vieles in der etwas dunklen Geschichte Abessitiieus und seiner Herrscherhäuser deutöt darauf hin, daß die jüdische Religion durch Epochen hindurch die' S t aat Sreiigion gewesen ist. Die Falaschas, die dunklen Juden Abessjnienö, deren Zähl gegenwärtig kaum ' fünfzigtaüseüd'beträgt,'haben das ganze Reich "zeitweilig beherrscht'. Im Verlauf der späteren Geschichte setzte eine •vöti" Rom.'"" genährte kämpferische' Chri5tiahTStcifiingßbewegüng ein. die das jüdische Element in Abessinien völlig in den Hintergrund drängte- und auch 'das'Herrscherhaus dem Christentum zuführte. Viele Jahrhunderte hindurch wurden die Falaschas, wägen ihrer Religion, die' sie bewaffnet verteidigen mußten, verfolgt. Welche Schicksale" dem Falascha-Staium, der mit dem Stamm Amhara zusammen wohnt, während der gegenwärtigen kriegerischen Wirren bes^hieden waren, ist jetzt noch nicht bekannt; ma.n weiß nur, daß ein großer Teil von ihnen in den abessinischen Aiunccu gekämpft hat. Die §A&nde van Gent Die „Basier N a t i ö n a 1 - Z e i t u u g" bringt einen Leitartikel; „Die, Schande 'des deutschend Flücht* lingselends", und. weist, darauf hin, daß zwar Ende Jänner 9ln neuer Oberkommissär in der Person Sir Neill Malcolms bestellt worden ist,,.der, die Büaberufuog einer Regierungskonferenz für den 2. Juli d. J. angekün-, digt hat, daß aber schon diese reichliche Fristbemessung beweise, daß die Dringlichkeit der Aufgabe offenbar bei den .Regierungen' noch nicht begriffen worden ist. Das gemächliche Tempo, mit welchem die völkerbundliche Fürsorge für "die deutschen Flüchtlinge vom ^nfahg an betrieben wurde, ist b e s c h a m c n d- Am Anfäng war der Fehler begangen worden, daß .mani aus Rücksicht auf H i 11e r - D e u t s c M and dem , Oberkommissär keinerlei offizielle Stellung einräumte, so daß; sein Amt gewissermaßen iu der Luft schwebte. Damit sind zwei wertvolle Jahre v e r 1 ö r c n g 6g attgen, während derer weder eine organische wechselseitige Verbindung der Hilfsstellen unter kommissarischer Leitung uhd Anlehnung au die . Genfer Institution hergestellt werden konnte, noch ein autoritatives Auftreten des: Kommissars als eines amtlichen Funktionärs des Völkerbundes möglich war. Durch die provisorische Neuordnung ^vom Jänner ist das Koni-: missariat endlich dem VölKerbund eingegliedert worden. Damit ist aber die notwendige Eingliederung und Mitarbeit der privaten Hilfsstellen noch keineswegs, gerc^ gelt. Das vor einigen Wochen an die Privatorganisätionen gerichtete Rundschreiben Sir Neill Malcolms enthältdar? über vorläufig erst negative Anhaltspunkte, nämlich, erstens die Feststellung, dalö.der bisherige Beirat der Privatorganisationen, wie er dem früheren Oberköm- Verband der Judenstaatszionisten, Sektion X. Bezirk Im KinOjWaJdmUllerpark', X, Mesengasse 38 Montag, 11. Mal "~ 9 Uhr ab«ndi des grandiosen FHmwe/ke» ai _ . i «i * HOTEL SMETANA BAD LÜHACOVICE, C. S. R. Vom 15.- bis 31. Mai Zimmer mit Pension Kc 35.- bei-307. ErrtfÄBlgung der Kurtaxe, 20% aller Kurpro?eduren Voranmeldung erbeten Gegründet 1872 Karten von 3 —.80 bis S 1.50 bei' allen Ausschußmitgliedern und im Sektionslokal, Wien X, Herndlgasse 13 missär zur Seite stand, -nun in Wegfall kommt, und zweitens die' Anweisung, daß die einzelnen B e is t a n d s g e s u che von Flüchtlingen fortan allein in die Kompetenz. 'der privaten Hilfsstellen fallen. Mit anderen Worten, die oberste Stelle der Flüohtlingsbetreuung wird zunächst mit den höchst eindrucksvollen, lehrreichen, aber allerdings auch recht peinlichen Einzelfällen überhaupt nicht in Berührung kommen. Das sei sehr zu bedauern. Die dringendste Aufgabe, die von der für Juli einberufenen Konferenz unbedingt sofort^und lvüt unverzüglicher Wirksamkeit gelöst werden müßte, ist die:I?a ß? frage. Es sei die zweite große Volke r-bu n.d» schände, daßjseit .drei .Tabren den Flüchtlingen aus "dem Hitler-Staat kein bräuchbares Ausweispapier , zur Verfügung gestellt worden sei. Die Vorstellung .ist "unerträglich, daß internationalu Verbrecher - mit gefälschten. Pässen oder „schwarz" jederzeit die Grenze ungehindert passieren können, während hilflosen Flüchtlingen vielleicht existenzwichtige Grenzübertritte untersagt sincL nur weil die Staaten bisher zu bequem waren', sich mit dieser peinlichen Frage zu befassen. Damit verführen und zwingen sie die gehetzten Paßlosen zur Kriminalität. Indem sie dieBe meist trotz ihrer Lage recht vitalen EJxistenzen völlig ins Elend stoßen,- schaffen sie eine Schicht erbitterter und verzweifelter Menschen, die ihre Staatsordnung bedrohen und ihnen mehr Sorge und Kosten verursachen können, als jede Hilfsaktion. Die Lösung der Flüohtlipgsi'rage — so schließt der Artikel — ist nicht nur eine Probe der Gesinnung, aondern .au-ü der staatsnaanaisclien Vernunft ia <ta QüfätmUu* t