Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 559 (8.5.1936)
- Date
- 1936-05-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 559 vom 8. Mai 1936 DIE NEUE JWÜLT * Seite 3 ewt Sie <te$eil$<Jta|rfielie ffi|Uckten kcJ>e#t wenn Sie beruflich viel zu sprechen haben, dann verwenden Sie zur Belebung und Erfrischung ODOL. ODOL ist das ideale Mundpflegemiffel, ODOL verhindert Gärungs¬ und Fäulnisvorgänge im Munde. Durch eine Mundspülung mit ODOL" überwinden Sie Ihre Müdigkeit und vermeiden unangenehmen Mundgeruch. ODOL schüfzf Ihre Gesundheit, erfrischt und belebt. (L83) n-_>» ist das Kennzeichen für ein weifer vervollkommnetes ODOL, dessen antiseptische Wirkung, in hervorragendem Maße gesteigert worden ist.' Bakteriologische und klinische Versuche haben die überlegene bakterizide Wirkung wissenschaftlich erwiesen. Erzeugt nach den von der W. V. d. Zahnärzte Wien« approbierten Rezepten liehen und pharmakognestlschen Institut* der Universität In Wien. und unter ständiger Kontrolle der zahntirzt* SUfynund feeud Der deutsche Dichter Thomas Mann, den Drang und Talent in die Bezirke des Unbewußten führten, von . da bis zu den Legenden des Alten Testaments, also ins „Hebräische", - machte kürzlich die'Feststellung, daß .man - in•!der Wissenschaft•/' der Seele, . eine Epoche ,,v a r Freud" und eine „n a c h Freud" kennen werde. Damit ist die Bedeutung Siegmünd Freuds eindeutig gekennzeichnet. An seinem 80. Geburtstag, nachdem er ein halbes Jahrhundert unermüdlicher Forscherarbeit zurückgelegt hat, wird Prof. Freud von der ganzen Kulturwelt als einer der geistigen Wegweiser der Menschheit gefeiert und gewürdigt werden. (Deutschland, das im April 1933 seine Werke verbrannt hat, schließt sich spontan aus.) -Die Ergebnisse . seiner Forschung werden durchleuchtet, die Wirkungen dieser auf andere Gebiete analysiert werden. Das ist Sache der Fachpresse. Wir blicken auf das Werk Siegmund Freuds als auf das Werk eines Mannes, der immer ein exakter Forscher war; dessen Darstellung der Psychoanalyse das Resultat eines Wahrheitsfanatikers, Denkers und Beobachters ist im Sinne der großen jüdischen Denker und Wahrheitssucher Maimonides und Spinoza, und darum haben wir auch das Recht und den Mut, Freud als einen j ü di s c h e n. Gelehrten zu bezeichnen. So wie es eine Menschheitsgeschichte ohne die Geschichte des Alten Testaments nicht gibt, so ist auch kein psychologisches Denken ohnei die Idee Siegmund Freuds möglich. Das unerbittliche Ringen um dfe; Wahrheit (wie Jaakpb mit dem Engel rang!), das Sich-opfern für die Wissenschaft sind besondere Kennzeichen jüdischen Dehkercharak« ters, und wenn auch Siegmünd Freud .seiner äuß eren Gefühlslage nach nicht viel Gememsam.es mit seinen jüdischen Volksgenossen hat, wenn er auch die Symptome einer Volksgemeinschaft nicht hinausgestellt und betont, ja die Religion, jede Religion in das Gebiet der Illusion verwiesen hat, so wurde er im jüdischen Volk stets als Jude empfunden. Sein Sichdistanzieren von allem, was. volklich . undstammverwandt ist, war stets nur eine harte Prüfung auf die unbarmherzige Wahrheit, das Negieren jeden S t a n d- Punktes; die Sucht, um den Preis der Selbstverleugnung zur absoluten Wahrheit zu gelangen. Für einen Forscher seiher Art war keine Einschränkung zugunsten spezifisch jüdischer Werte möglich. Und gerade die Objektivität, der Verzicht auf alles, was außerhalb seines Denkbezirkes lag, macht auch seine Größe als Jude aus. Wir freuen uns eines solchen Mannes — denn er ist trotz allem unser. Das sei an seinem 80. Geburtstag gesagt. o. r. Reoenmüntel ä£ Getauftes jüdisches Ehepaar als Nazipropagandi'§teti verhaftet Aus Jerusalem (6. Mai): Die Tel-Aviver Polizei verhaftete das aus Deutschland stammende Ehepaar Dr. Paul Zubak und Margarete geb. Towman unter der Beschuldigung, nationalsozialistische Propaganda betrieben lind einen Bevölkerungsteil gegen den anderen aufgehetzt zu haben. Bei Durchsuchung ihrer Wohnung in Tel-Aviv .wurden für Deutschland bestimmte Berichte und Notizen über die Arbeit deutscher Juden in Palästina gefunden. Gegenüber den Behörden gaben sie sich als Vertreter einer ausländischen Filmgesellschaft aus. Sie wohnten ursprünglich in Nazareth und übersiedelten dann nach Tel-Aviv. Von dort aus unterhielten sie Beziehungen mit den Jaffaer Arabern, die sie für den Nazismus zu gewinnen suchten. (J. T. A.) Watkeuyüe$et „Oesinnung0 ,yjcdc dieser Anstalten (Misrachi-Schule, Tech' tiiache Schule, Tarbuth-Gymnosium in Wina) hat 'ihre eigene geistige Atmosphäre. Wenn wir — etwa unter dem Eindruck der Verbrüderungsreden zwischen Bialik und Schätom Asch —■ manchmal meinten, der sogenannte Sprachenkampf sei eine überwundene Angelegen- Jieit, so wird man in Polen eines Besseren belehrt. Es gibt tiier judaistisch arbeitende Jiddischisten, die zwar Hebräisch können, aber ays ,Prinzipe nicht hebräisch sprechen. Es ist eine Sache der Gesinnung'," „Jüdische Rundschau", „Polnische '• Reisebriefc'V Gegen das Palästina» Parlament «Eine beschränkende Bodengesetzgebung ist noch keine Lösung der Agrarfrage. Der arabische Fellache verlangt positive Hilfe für die intensive Entwicklung seines Bodens. Es ist zu hoffen, daß die Palästina- Regierung einen Weg findet, um ein positives Programm der Entwicklung mit den Vorschlägen zum Schutze der kleinen Landbesitzer zu vereinen. Mehr als durch eine verfrühte Einführung parlamentarischer Institutionen können Frieden und Gedeihen Palästinas am besten durch eine progressive Agrarpolitik gefördert werden." Englische Wirt/schaftszedtschrift „Economlst" (London). Antwort auf die ApriI*Exzesse ,jDer Regierung sagen wir: J)ie einzige Berechtigung ihrer Herrschaft in diesem Lande ist der Aufbau der jüdisclmattonalßn Heimstätte und die Sicherheit des ■Lebens ihrer Einwohner," ■ - - Raw M.'Ostrowski (Tel-Aviv), April 1936. - Was die Palästina-Regierung tun soll . jJSs wird vermutlich nicht viel nutzen, den rebellischen Fanatikern, den echten und den bezahlten, den eingebildeten wie den zaudernden, mit der Waffe in der Hand zunächst Raison beizubringen; denn, dreht sich der 'Bändiger um, springt ihn aus' dem nächsten Hinterhalt der scheinbar Gebändigte wieder an. Will man aus diesen grauenhaften Tagen des gegenseitigen Töiens, Mißtraueiis",' Herausforderns eine Lehre ziehen, so die, daß alles geschehen muß, Friedensstörer so bloßzustellen, daß sie zur Verantwortung gezogen werden müssen, 10er auch immer sie seien." „Bohemia" (Prag), 30. April 1936. RUDOLF GOLDSTEIN, II, Taborslr. 54 ZIVIL- UND UNIFORMSCHNEIDER Die passende Taktik „Nach Berliners Tod hat man gefunden, daß die Geldgebarung der von ihm geleiteten Betriebe nicht den Grundsätzen guter Versicherung entsprach... Diesem XJebelstand mußte abgeholfen werden, und die Behörde hat recht, erfüllte nur ihre Pflicht, als sie eingriff. Eine andere Frage ist, ob der Eingriff mit solchem Aufwand an vorzeitiger Oeffentlichkeit, mit solcher Sensationsaufmachung vor sich gehen mußte, wie es geschah. Die Ueberraschnngstaktik gegenüber den Bestochenen wäre vielleicht angebrachter gewesen als die gegenüber den Versicherten." „Prager Tagblatt", 30. April 1936. Die jüdische Struktur „Skandinavien ist das Land, wo die Anzahl der Juden verschwindend klein ist, wo die Mischehen unverhältnismäßig zahlreich sind und xoo der Antisemitismus eigentlich keine Bedeutung hat. Und doch haben neuerliche Untersuchungen der wirtschaftlichen Lage der dänischen Juden ein sehr interessantes und bezeichnendes Material zutage gefördert, aus dem zu ersehen ist, daß auch in diesem klassischen Lande der jüdischen 'Assimilation von einer eigentüviltyhen, von ,der Gesamtbevblkerung^ differenzierten Struktur der jüdischen 'Bevölkerung gesprochen werden kann." ,jV Dr. W. Kaplun-Kogan „Die Juden Dänemarks". Das älteste Kaffeehaus im 9. Bezirk ist das Cafe" Ruthmayr, IX., Kolingasse 14. Billige Preise, Einkclmer- System. E Nur verschoben Die blutigen Angriffe arabischer Pogromisten gegen die friedliche jüdische Bevölkerung in Palästina sollten naturgemäß auf die Entscheidungen des britischen Kolonialamts bezüglich der Einsetzung des Gesetzgebenden Rates Einfluß haben. Wie bekannt, hat die englische Regierungeine arabische Delegation nach London eingeladen, um mit ihr bezüglich palästinensischer Fragen Beratungen zu pflegen. In, welcher Weiae sich die jüngsten Ereignisse bei diesen Beratungen auswirken werden, läßt sich zur Zeit nicht sagen. Hie*u liegt bloß eine Meldung vor: Aus London (3. Mal): In faer Sitzung des britischen Unterhauses richtete der Konservative Hall-Caine an den Kolonienminister die Frage, ob die Regierung es nicht für ratsam halte, die Anwesenheit der arabischen Palästina-Delegation in London dazu auszunutzen, um eine Round-Table- Konferenz arabischer und jüdischer Führer in London zu arrangieren. Die gleiche Frage stellte der jüdische Konservative Marcus Samuel. Auf beide Fragen erwiderte der Kolonienminister J. H. Thomas, die Regierung habe die arabischen Führer nach London geladen, um ihnen Gelegenheit zu geben, ihre Sache der Regierung darzulegen. Man wird es verstehen, daß die Regierung vor der Anhörung der arabischen Delegation nicht in der Lage sei, eine Erklärung in dieser Sache abzugeben, Marcus Samuel fragte weiter, wann der Kolonienminister glaube, daß die Besprechungen mit den -Arabern zu Ende sein könnten. Darauf antwortete J. H. Thomas, daß infolge der beklagenswerten Ereignisse in Palästina--die Abreise der arabischen Delegation verschoben wurde. Demnach ist die Frage der arabischen Delegation nicht ad acta gelegt, sondern bloß auf einen späteren Zeitpunkt verlegt worden. Der Kolonienminister Thomas steht also immer noch — trotz der erwiesenen Tatsache, daß seine Araber zu den schrecklichen Bluttaten gehetzt haben — auf dem Standpunkt, daß man mit der arabischen Delegation verhandeln werde. ■"■■^^'''■^■'^wf«»« In« u. ausländische Hausbesitzer verwalten ihre | WIENER HÄUSER durch behördlich konz. Realitätenkanzlei | Dr. MAIR PA1S H Wien I, Frqni-Josefs-Kai 1, Tel. R.21-5-30 iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiiiiiiiiii