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Die neue Welt · 1936-05-08 · Heft 559 (8.5.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 559 (8.5.1936)
Date
1936-05-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Freilag/ den 8« Mai 1936 10 lahrgang Nr« SSO V*b« b» Zeitung vom Verleger versendet »Journal expgdle par rfidlteur" REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER r. BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich 8 L40. vierteljahrig S 4.—, **, vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ko 15.—. jährig Dinar 40.—; Bomänien monatlich Lei 40.—,. vierteljährig Lei 120.—; Deutsch... Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—» vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich ... Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Bi Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: IX,Universitätsstr.8,Tel.A-20~2-78 — Erscheint Dienstag u.Freitag monatlich Zloty 1.50, 4 Dinar 14.—, viertel- <rk 1.—, vierteljährig .erteljährig Lire 14.-; Richtige Leibbinden...... und Stützmieder, als Resultat umfassender Erfahrung u. Zusammenarbeit mit Aerzten. Leicht, weich, kein Druck, kein Verschieben, Beratung gerne unverbindlich: FACHFIRMA Bondaaen-mTriolgsdi WIEN, TABORST.R. 22 o Fa§du$mii§ und Judentum Juden haben jüdische Politik zu machen, d. h. eine Politik, die grundsätzlich auf die Betreuung der Rechte des jüdischen Volkes gerichtet ist und ebenso grundsätzlich alles vermeidet, was geeignet ist, die Rechte anderer Völker zu berühren. Als Italien in den Konflikt mit Abessinicn, England und dem Völkerbund . geriet, haben gewisse jüdische Personen, Gruppen und Zeitungen gegen diesen Grundsatz verstoßen und sich in die „antifaschistische" Kampagne gegen Italien hineingedrängt oder hineindrängen lassen. Die Folgen sind prompt eingetreten. In dem den Juden sonst gewiß nicht schlecht gesinnten Italien ist eine Stimmung entstanden, welche gegen' das Weltjudentum als einem Instrument von »Bolschewismus und Freimaurerei-*■ gerichtet ist. Der römische Korrespondent der „Neue Zürcher Zeitung" charakterisiert in einem'.Artikel „Faschismus:und Judentum" diese Stimmung. Er schreibt u. a.; ( •' „Einerseits heißt es, das fasonistaschc Regime sei j u d c n f r c u n d 11 c h, andererseits bezichtigt män-os defc Antisemitismus. So behaupten zum Beispiel n ationalsozialistische charfraachor, Mussolini sei in der Entwicklung des -Faschismus auf halbem Wege steckengeblieben, weil er die .Rassen- und Judenfrage überhaupt nicht gekannt habe. Zu gleicher Zeit fabeln jüdische Internationalisten von Judenverfolgungen im faschistischen Italien . . . Die Wahrheit liegt diesmal nicht in der Mitte, sondern ganz außerhalb dieses Problemkrelses. Eine Jüdenfrage gibt es nämlich in Italien überhaupt nicht. Der Grund, daß das Judentum in Italien unproblematisch ist, liegt vor allem in der geringen Zahl der auf italienischem Boden lebenden Judon. Sie beziffern sich auf kaum 40.000, machon also nur etwa 0,12 Prozent der Gesämtbevölkerung aus. Wären die Juden aber quantitativ auch stärker vertreten, so würde dem italienischen Volk mit seiner stärkeren Formenergie trotzdem kein Schaden und kein Problem erwachsen; die italienische Volkskraft ist groß genug, die Juden zu absorbieren. Der Germane hat gegenüber dem Lateiner die geringere Formkraft inne; darum wird in germanischen und vollends in slawischen Ländern das Judentum leicht zum Problem, und darum ist in germanischen und slawischen Ländern der. Antisemitismus oft nichts anderes als die Üeberkompensierung eines Minderwertigkeitsgefühls. Die Natur und Kultur des lateinischen Menschen bewahrt ihn vor AntU semltlsmus; wird er trotzdem zum Antisemiten, so handelt es sich um einen Privatsport. Mithin kann die nationalsozialistische Fassung des Judcnnroblems für Italien nio beispielgebend wirken, geschwelge denn als Zeichen einer fortgeschritteneren Entwicklung faschistischer Gedanken gelten. Italien steht der Judenfrage neutral gegenüber. Ganz anders erscheinen, aber die Dinge auf dem Plan der auswärtigen Politik. Hier ist das Verhältnis zwischen Faschismiis upd Judentum durch dio Stellungnahme des Regimes zuny ^internationalen Judentum fixiert, und umgekehrt. Es V^äre verfehlt, von der innenpolitischen Toleranz des Faschismus und seiner Ablehnung der antisemitischen Exzesse ohneweiters auf eine außenpolitische Judenfreundlichkeit zu sehließen. Diese Unterscheidung ist unlängst in der italienischen Presse ausführlich erörtert worden. Dabei stellte Giuseppo L-ongo im „Regime Fasclsta" fest, daß in den großen „plutokratischeh" Ländern und auch in anderen, wo Judentum und Freimaurerei Hand in Hand schreiten, dio Juden stets Italien fein dlioh auftreten. Italienische Zeitungskorrespondentcn meldon aus London, daß dort ansässige Italiener öfters öffentlich von Juden beschimpft würden. In Stockholm und in Kopenhagen weide die öffentliche Meinung systematisch gegen das faschistische Italien durch Presseorgane aufgewiegelt, dio größtenteils jüdischen Kapitalsgruppen gehören sollen. In Harbin haben Juden und Freimaurer die Solidarität aller Logen zugunsten. Englands gefordert, das „der Schutzhort der Juden" sei, und gegen Italien, das „Juden- Verfolgungen durchführt". Und während das faschistische Italien Tausende von jüdischen Emigranten gastfreundlich aufnehme und ihnen sogar im Lande Existenzmöglichkelten biete, bekämpfe das internationale Judentum den Faschismus als politische und soziale Lehre oder suche doch das Prestige des neuen Regimes zu treffen,. Gegenüber der Solidarisierung des Judentums mit der Freimaurerei und dem Kommunismus im Kampfe gegen das faschistische Italien Wune, de« Jüdi'§die Einwanderung bleibt unbedingt aufrecht Aus London berichtet Tel.-Comp. unterm 6. Mai: Kolonienministcr Thomas erklärte heute in Beantwortung einer Anfrage im Unterhaus, daß ihm nichts davon bekannt sei, daß die Unruhen in Palästina von Jtalien oder einem anderen Lande gefördert worden seien. Zur gegenwärtigen Lage in Palästina bemerkte der Minister, daß im allgemeinen zwar Ruhe herrsche, daß es aber immer wieder zu vereinzelten Zusammenstößen komme. Der Kolonienministcr erklärte weiter: „Ich bin davon überzeugt, daß diese Unruhen der Ausfluß der arabischen Unzufriedenheit sind. Die Araber haben ja auch damit gedroht, den Aussland so lange fortzusetzen, bis die jüdische Einwanderung eingestellt sei. Wie ich bereits bei einer früheren Gelegenheit betont habe, kann sich die englische Regierung durch keine Drohungen von ihrer Politik abbringen lassen und die Einstellung der jüdischen Einwanderung kann unter keinen Umständen in Frage kommen. 3772 Einwanderer 'im März . Aus Jerusalem (6. Mai): Im Monat März sind in Palästina 3772 Juden eingewandert. Außerdem erhielten 267 jüdische Touristen die ständige Aufenthaltserlaubnis. Unter den Einwanderern befinden sich 461 Kapitalisten mit mindestens je 1000 Pfund Eigenkapital. Aus Haifa (6. Mai): Im Verlaufe der letzten Tage sind wiederum 500 jüdische Einwanderer und Touristen im Hafen von Haifa gelandet. Aus Warschau (6. Mai): Am 5. Mai ging ein weiterer Transport von 450 Auswanderern aus Polen nach Palästina ab. Wie bereits bei den Auswanderungstransporten zu Beginn der Unruhen wollte auch jetzt nicht ein einziger der vorgemerkten Olim von der Ali ja zurückstehen. (J. T. A.) Die Regiefing und die arabische Mordhetze A. »*,!-.••«,* t Vii-jjt unserem palästinensischen Dr.-R.-Korrespondenten ,... TclA v iv, Anfang Mai. Ära 22. April mächte der Oberkommissar^Visi$en. Zunächst besuchte er das arabische Spital in Jaffa. Dann kam er ins Tel-Aviver iSpital und später fuhr er zum arabischen Bürgermeister" von Ramleh, bei dem er den Tee einnahm. Bei seinem TelrAviver Aufenthalt lehnte er die Einladung zu einem Be- @egen MUMtitüt flJrefilauer Überaug. rotrffam . " Sauctbtnnn suchN der Stadtverwaltung ab. Das Benehmen des Oberkommissärs, dessen Antwort auf die Pogrome diese Absage war, und seine freundschaftliche Unterhaltung mit den arabischen Führern machten einen tiefen Eindruck auf die palästinensische Judenschäft. Warnungen in den Wind Bisher hat die Palästina-Regierung ihre nachgiebige Stellungnahme und freundschaftliche Beziehung zu den Exzedenten nicht geändert. Sechs Tage nach den Geschehnissen ist es noch intimer zu keiner gerichtlichen Untersuchung Faschismus nicht neutral und passiv bleiben, und seine internen Beziehungen zum Judentum dürften nicht länger die außenpolitische Stellungnahme beeinflussen und bestimmen. Daher die, allerdings immer noch vereinzelten Angriffe der italienischen Presse gegen das internationale Judentum, von denen anfangs die Rede war. Soweit das Judentum in der antifaschistischen Front mit der Freimaurerei und dem Bolschewismus verbündet ist, kann es, so meint man hier, nicht verlangen, daß Italien den jüdischen Angriff mit Judenfreundlichkeit beantworte, \ Bei der Feststellung, daß es heute eine „jüdischfreimaurerlsch-bolschewistlsche Front" gegen den Faschismus gibt, verfällt das realistisch denkende Italien nicht dem Köhlerglauben an die „überstaatlichen Mächte", der heute in Deutschland um sich greift. Das faschistische Italien kämpft gegen die antifaschistische Internationale, nicht gegen Gespenster. Wenn heute die polltische Spekulation von einigen Keimen antisemitischer Gedanken in Italien auf eine neuerliche Verbrüderungsaktion zwischen Rom und B e r 1 in schließen würde, so wäre dies ein ganz grober Fehler. Die faschistische Abwehr des „internationalen, antifaschistischen Judentums" hat nichts mit Rassenlehren zu tun. Man spricht auf antifaschistischer Seite gern kurzweg von „Faschismen" und behauptet, der Faschismus und der Nationalsozialismus seien Parallelerscheinungen. Diese Parallelen treffen sich aber erst in der Unendlichkeit — das heißt nie. Das korporative Italien, das den Klassenkampf ausschalten will, wird sich um so mehr hüten« zu einem Rassen kämpf Anlaß zu geben. Es bekämpft außenpolitisch jenes Judentum» das sich der antifaschistischen Front angeschlossen hat« genau so, wie es dl© antifaschistischen AngUkaner bekämpft, nicht etwa, weil sie Anglikanef, «ondern weil sie AntWaschisten sln^4* gegen die Schuldigen gekommen. An 21. April erklärte! der Oberkommissär,- daß jeder, der mit einer Waffe1 in der Hand angetroffen würde, strengste Bestrafung (bis zu 3 Jahren Kerker) zu erwarten habe. Und wirklich, als am nächsten Tage mehrere Araber mit Gewehren erwischt wurden, nahm man ihnen ~ die Gewehre ab, ohne sie weiter zu bestrafen. Auch hat die Regierung nichts unternommen, um die arabischen Demonstrationen in Jerusalem von Freitag, den 24. April, zu verbieten, obwohl Hunderte arabischer Agitatoren die Dörfer bereisten und die Araber zur Beteiligung an den Demonstrationen in Jerusalem aufmunterten, so daß vorauszusehen war, was man vom aufgeregten arabischen Mob zu erwarten habe. Die Warnungen der hebräischen und englischen Presse, die Regierung möge diese Demonstrationen nicht erlauben, blieben ohne Widerhall und es ist nur ein Zufall, daß diese Demonstrationen in Jerusalem nipht zu einem neuen Unglück führten. Andererseits ist bekannt, daß die Regierung jüdische Demonstrationen auch harmloser Natur nicht erlaubt und erst kürzlich einen friedlichen jüdischen Aufzug in den Gassen von Tel-Aviv verbot, obwohl, es sich um eine harmlose Demonstration vor den Türen des polnischen Konsulats gegen die ungeheuren antijüdischen Exzesse üi Polen gehandelt hatte. Radio London Besonders starkist die Erregung unter der jüdischen j ugend. Man weist darauf hin, daß die erste Verlautbarung des Oberkommissärs über den Ausbruch der Unruhen mit einer offenen Beschuldigung gegen die Juden als die Ur heb er der Exzesse verknüpft gewesen war. Obwohl es dank der Intervention der jüdischen Vertreter gelungen ist, diesen unrichtigen Teil der Verlautbarung zu ändern, befand sich der Anfangstext mit der Beschuldigung gegen die Juden bereits in London, und so ist es zu erklären, daß die Londoner Radioerklä.rung des Kolonienministers Thomas antijüdisch eingestellt war. ' Die ununterbrochenen Warnungen der Regierung, wonach sie gegen alle Ruhestörer mit den schärfsten Perserteppiche zu staunend billigen Nachsataonpreisen Herrliche Qualitätsware zu jedem annehmbaren Preis! PERSER- UND ORIENTTEPPICHE B R KANZAH I, PARKRING 12 Elngart» Wcihburgga j$« Gartenbau- Objektt

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