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Die neue Welt · 1936-05-01 · Heft 557 (1.5.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 557 (1.5.1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen freffag, den 1« Mai 1#J6 % ^aiig Nr« 557 V« b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp6dl6 par l'editeui^ REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN f Oesterreich monatlich 8 1.40, TiertelJährig 8 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ko 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bnmfnien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monaUich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lira 14.—; Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit B bezeichnet« AnaelgOtt sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätssir. 8, Tel. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Weltpolitik der Woche Es ist notwendig, die Ereignisse der letzten Monate Revue passieren zu lassen, um Verständnis für die gegenwärtige Situation der Weltpolitik zu gewinnen. Die Leser werden sich erinnern, daß Italien seine Ansprüche an Abessinien kolonialer und moralischer Natur schon lange vor seinen kriegerischen Operationen ansagte. England hörte damals nur mit halbem Ohr zu und erweckte bei Italien — und auch bei den anderen Mächten — den Glauben, daß man diese Ansprüche in irgend einer Form, die niemand verletzte, befriedigen könnte. Als dann Mussolini, durch die immerwährenden Irritierungen seitens der englischen Regierung ungeduldig gemacht, in Abessinien losschlug, ließ diese durch den Völkerbund Italien als Angreifer deklarieren und als Folge dieser Kennzeichnung Sanktionen beschließen, die heute noch in Kraft sind. Der Völkerbund hatte also hier Entschlossenheit gezeigt, wenn auch die Wirkung der Sanktionsmaßnahmen durch Nichtteilnahme einiger Völkerbundmitglieder so gering war, daß Italien ohne fühlbare Einbuße an militärischen und wirtschaftlichen Machtmitteln seinen kolonialen Feldzug fortsetzte und heute bereits vor der gegnerischen Hauptstadt Addis Abeba steht. v»f .W; Die Energie des ''"'englischen Außenministers gegenüber dem „Angreifer" Italien hatte sich also nicht bezahlt gemacht. Mussolini setzte seine Opera-, tiorien zur Purchsetzütig :Sfeiner Ktie^gsziele fort und selbst die Drohungen Edens (in Genf und in. London)* hatten keine greifbare Wirkung. Die seinerzeitigen englisch-französischen Friedensvorschläge, an denen deren Verfasser Laval-Hoare scheiterten, scheinen heute überholt. Die europäische Lage hat sich inzwischen geändert. Denn das Verhältnis Frankreich- Deutschland ist in ein neues Stadium getreten. Es geht jetzt nicht mehr um die Frage, ob die letzten Reste des Versailler Vertrages (de jure oder de facto) abgetragen werden. Es geht um die Stellung Frankreichs in Europa als geistig-sittliche Macht und als Wahrerin völkerrechtlich zustandegekommener Verträge. Wenn Hitler-Deutschland durch seine Handlungen den Glauben an Recht und Sitte zerstört und außerdem noch Frankreich seine Bündnisverpflichtungen (z. B. gegen die Tschechoslowakei und die Kleine Entente) unmöglich macht, dann sind die europäischen Machtverhältnisse derart in Unordnung s geraten, daß ein unbeschreibliches und höchst gefährliches Chaos entsteht. Und alle Kenner der Läge wissen, daß Hitler-Deutschland dieses Chaos anstrebt. Darum wirken die bisherigen Bemühungen der englischen Regierung, zu einer Stabilisierung der Lage zu kommen, geradezu absurd. Nachdem den Friedensangeboten Hitlers vom Mai 1935 und vom März 1936 kein weiterer Versuch Deutschlands gefolgt war, für den Frieden etwas Positives zu tun, unternimmt es Mr. Eden, mit einem „Fragebogen" Deutschland zu einer Deklaration seiner Absichten zu bewegen. Die englische Regierung will Deutschlands Aspirationen inbezug auf deren Nachbarländer und auf Kolonien kennenlernen. Es mutet also — und das mit Recht — Hitler-Deutschland aggressive Absichten, bzw. Raubzüge in der Nachbarschaft zu. Der Fragebogen kann also nur den Zweck haben, vom präsumptiven Gewalttäter zu erfahren, was für Raubzüge er vorhabe, um ihn durch Ueberredungskünste und Beuteangebote vom Angriff abzuhalten. Wahrlich, in der politischen Geschichte der Menschheit ein noch nicht dagewesenes Unternehmen! Diese Situation, so grotesk sie auch erscheinen mag, hat eine tragische Seite. Die Bemühungen der englischen Regierung, mit Hitler-Deutschland zu einem erträglichen Ausgleich zu kommen, um es von einem zu engen Kontakt mit Italien abzuhalten, das in seinem Kolonialfeldzug isoliert bleiben soll, diese Bemühungen erwecken da und dort den Anschein, daß sie der Reflex von Deutschlands Stärke, daß sie ein deutscher Erfolg sind. Wenn in außerdeutschen Ländern die Naziagitation wieder mächtig eingesetzt hat, ja, wenn die Nationalsozialisten in den deutschsprachigen Gebieten und Inseln zuversichtliche Mienen zur Schau tragen, dann tun sie es im Hinblick auf iden Umstand, daß um Hitlers-Gunst von Mächten ge- Wer inszenierte die Palästina-Unruhen? In unserer Ausgabe vom 21. April stellten wir fest, daß auf Grund der Sache und der bisherigen Erfahrungen sowohl die hakenkreuzlerische Propaganda als auch die bolschewikischen Emissäre schon seit langem ihr Spiel in Palästina treiben und daß der Ausbruch von Unruhen im Vordem Orient den Interessen Berlins und Moskaus diene. Hiezu meldet der Londoner „Daily Telegraph" u. d. 87. April: „Es liegen bestimmte Gründe zu der Annahme vor, daß die letzten Geschehnisse in Palästina durch eine ausländische Macht hervorgerufen wurden. Fremdes Kapital wurde verteüt, um die Araber gegen die jüdische Bevölkerung aufzuwiegeln und eine revolutionäre Bewegung hervorzurufen. Das plötzliche Reichwerden zahlreicher arabischer Führer ist in die Augen springend und gibt die Möglichkeit, die Fäden der arabischen Bewegung und ihre Verbindung mit dem Ausland festzustellen." Der Korrespondent des „Daily Telegraph" gibt nicht bekannt, um welches Land es sich handelt. SENK FUSS EIN LAG EN M Modell „P e d i f r i t", jedem Einzelfall P/W^>s>v fachgemäß angepaßt, haltbar, wissen- "^■^■^ schaftlich modernst konstruiert FACHFIRMA Hnndagen-^ikalpsch WIEN, TABORSTR. 22 »Phönix« und Jüdischer Nadonalfond!§ Als vor drei-Wochen der Generalsekretär der Vaterländischen Front im Wiener, Radio die, „Zionisten" (vor den jetzt verbotenen. Organisationen der Hakenkreuzler und Sozialdemokraten).'- unter jenen anführte, die vom zusammengebrochenen Phönixgroße Geldsummen, anscheinend widerrechtlich, bezogen hatten, da bemächtigte sieb der Judenschaf ^beirc^tigterweise Erregung. Die „Neue- Welt" schrieb damals:; -r; „Keine zionistische Gruppe:hat unsaubere Gelder bezogen. Kein zionistischer Führer hat.sich auf Kosten des „Phönix" Paläste eingerichtet oder ist vierspännig Neue Millionen 0 Gewinnchance in Sicht! Schon am 12. Mai d.; J. beginnt die neue .Klassenlotterie, bei der wieder außer dem Millionenhaupttreffer weitere namhafte Haupttreffer und Gewinne, und zwar solche im Betrage von S 200.000—, 100.000.—, 60.000.—, 50.000.—, 40.000,— und 30.000.— usw. im Gesamtwerte von über S)1/« Millionen Schilling zur Verlosung gelangen. Es ist daher höchste Eile geboten, im altbekannten Haupttreffer-Bankhaus S c h e 1 h a m m. e r & Schattera am Stefarisplatz, oder seiner Filiale in Hietzing, Hadikgasse 60 a, ein Los zu erwerben, denn im Besitz eines Schelhammerloses ist auch für Sie das Glück in Sicht. Dortselbst wurde das letztemal der Millionen-Hauptreff er mit einem in 8 Anteilen, verkauften Los gewonnen. E oder hundertpferdig einhergefahren. Wo sind; die zionistischen Führer und Funktionäre, die „Zionisten", die sich „schmieren" oder „bestechen" ließen? Wir,kennen sie nicht! Man soll sie nennen, man.soll sie ergreifen, man soll sie bestrafen! Die von Herrn Oberst Adam genannten Zionisten warten begierig auf die von ihm angekündigte restlose, schonungslose Aufklärung." * „Es gibt eine Verbindung zwischen „Phönix" und den Zionisten. Das ist der Provisionsvertrag, welchen der „Phönix" vor mehr als zehn Jahren mit dem Jüdischen Nationalfonds (Fonds zum Erwerb, von Siedlungsboden für das jüdische Volk in Palästina) abgeschlossen hatte. Ein Vertrag der Art, wie ihn der „Phönix" und fast alle anderen Gesellschaften mit hunderten Organisationen abgeschlossen haben. Er besteht einfach darin, daß der „Phönix" für alle Versicherungen, die der Jüdische Nationalfonds durch seine über die ganze Welt verbreiteten' Organe dem „Phönix" zuführt, buhlt wird, die substantiell und moralisch dem Dritten Reich jeden Eroberungsappetit nehmen könnten. Das gegenwärtige „Unbehagen" in Europa ist auf die Ueberzeugung zurückzuführen, daß starke Mächte, vornehmlich England, die Entscheidung verzögern, anstatt sie jetzt gleich, unter - günstigeren Umständen als später, herbeizuführen. Während des Frage- und Antwortspiels wird Hitler-Deutschlands offensive und defensive Rüstung immer gefährlicher und die Angst vor dem Krieg läßt die Erreichung von Zielen zu, die nicht einmal durch den Krieg selbst zu erreichen wären. o. r* die übliche Provision bezahlt. Eüie glatte Sache und eine für den „Phönix" so gute Sache, daß die anderen Gesellschaften bemüht waren, den „Phönix" aus dem Geschäft mit dem Nationalfonds zu verdrängen, um selbst hinein- zukommen. Der Jüdische Nationalfon'ds hat diese österreichische Versicherungsgesellschaft in Ländern populär gemacht, in welche sie nie gedrun- „g.e.n. vwäre,*,;Er hat ihr Kunden zugeführt, die sie nie erreicht hätte... 1\ Das ist das Geschäft, des „Phönix" mit den Zionisten. Hätte er nur solche „zionistische" Geschäfte gemacht, dann gäbe es keinen Fall „Phönix"." Nun ist die von der „Neuen Welt" und von zionistischer Seite begehrte und dringend erwartete, rest-< lose, schonungslose Aufklärung erfolgt. Am 28. d. M. hat die" Regierung die Liste der Geldempfänger bekannt- •-. gegeben, unter ihnen, und allen voran, den „Jüdischen N a t i o n alf onds" mit 50 0.0 0 0 S chi 11 ing, die er unter dem Titel „für Ueberprovision" erhalten hat. Damit ist voll bestätigt, was die „Neue Welt" behauptet hat. Es gibt keine bestochenen und geschmierteil „Zionisten". JDer Jüdische Nationalfonds hat einfach bezogen, was ihm zufolge eines vor den Augen aller Weit vor mehr als zehn Jahren mit dem Phönix abgeschlossenen geschäftlichen Vertrages gebührte. 3m mflUlUUSW »erlange ans örüdtHdi ©einen äüetn o.emifcf)t mit Souctörunu Daß die Bezahlung des Jüdischen Nationalfonds — 500.000 S im Laufe der Jahre — durch seine dem Phönix geleisteten Dienste voll aufgewogen wurde, ist aus der nachfolgenden Tabelle zu ersehen, welche die durch , den Fonds dem Phönix vermittelten Versicherungen In Oesterreich und 14 anderen Ländern enthält. Die Summen beziehen sich auf Pf und Sterling (1 Pfund ist rund 27 S). Polizzen- Versich. Summe Land anzahl in Pf. St. 54.493 10,540.807 2. Oesterreich ..... 11.457 1,662.080 3. Rumänien...... 6.679 1,586.719 4. Tschechoslowakei . . . 10.678 1,537.949 5. Frankreich u. Nordafrika 1.778 1,009.742 6. Palästina...... 2.979 861.016 7. Polen ....... 3.674 860.037 8. Ungarn....... 4.969 806.394 9. Jugoslawien..... 2.662 515.860 896 411.824 11. Belgien ....... 680 272.354 12. Aegypten ...... 155 102.282 675 64.535 12 6.650 15. Großbritannien u. Irland 537 982.229 Summe . . . 102.324 21,220;578 Wie zu ersehen, ist also die Leistung des Fonds für den Phönix eine ganz respektable gewesen. Er hat Ihm Versicherungen in der Höhe von mehr als 21 Millionen Pfund, also mehr als 570 Millionen Schilling zugeführt, davon in Oesterreich 45 Millionen und in Palästina 21 Millionen. Das ist eine Abrechnung, bei welcher man die Oeffentlichkeit wahrlich nicht zw scheuen hat. Die Bekanntgabe über Beziehungen der „Zlo*

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