Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 556 (28.4.1936)
- Date
- 1936-04-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE NBUB WEM SdteS Vor den Augen der Polizei Originalbericht der „Neuen Weift" Trr. 688 vom 2§. April 1936 Milde Worte de« Oberkommisfär* Aus Jerusalem (23. April): Ein offizielles Kommunique" der Palästina-Regierung teilt mit, daß der High Commissioner Sir Arthur Wauchope eine Abordnung arabischer Führer, bestehend aus Ragheb Bey Nashashibi, Jamaal al Hussein!, Abdulla Atif Selah und Yakoub Ghusseini, im Regierungsgebäude empfing und an sie die folgende Ansprache hielt: „Ich bin dessen sicher, daß wir alle hier die Un« ruhen, die zu so tief beklagenswerten Verlusten an Menschenleben geführt haben, bedauern und verurteilen. Solche Unruhen können nichts Gutes bringen, sie sind die direkte Ursache von viel Erbitterung im Lande. Ich rechne auf Sie, meine Herren, daß Sie Ihren Einfluß dahin geltend machen werden, daß allen Versuchen zur Ruhestörung, welche Formen immer sie annehmen, Schach geboten wird, daß alle ungesetzlichen Akte vermieden werden und daß jeglichem falschen Gerücht, das dazu angetan ist, die Oeffentlichkeit zu beunruhigen, entgegengetreten werde. Ich bitte Sie auch, allen jenen, auf die Sie einen Einfluß auszuüben vermögen, zu sagen, daß die Polizei nicht zögern wird, jegliche sich irgendwo bemerkbar machende Unruhe zu unterdrücken. Ich meinerseits hege die große Hoffnung, daß es zu weiteren Unruhen nicht mehr kommen wird. Ich bedaure es auch sehr, daß viele Schuljungen von den Schulen ferngehalten werden. Ich ersuche Sie, meine Herren, Ihren Einfluß dahin auszuüben, daß die Schulpflicht eingehalten wird." (J. T. A.) Di§* rifcf §kommflssär etwas schärfer Aus Tel -Aviv (23. April): Die Tel-Aviver Stadtverwaltung Uberreichte dem Kommissar des Süddistrikts, Major R. E. H. Crossbie, ein Memorandum, das folgende Forderungen enthielt: 1. Die Regierung möge Vorkehrungen treffen, die den Schutz von Leben und Eigentum der jüdischen Einwohner in vollstem Maße garantieren; 2. Unterdrückung der antijüdischen Propaganda unter den Arabern; 3. die an dem Aufruhr Schuldigen sollen zur Verantwortung gezogen werden; 4. Wiederherstellung der Verbindungen zwischen Tel-Aviv und dem übrigen Palästina; 5. Wiedereröffnung des Jaffaer Hafens; 6. Regierungshilfe für die Flüchtlinge aus Jaffa und den Vororten, die jetzt in Tel-Aviv untergebracht sind. In dem Memorandum wird mitgeteilt, daß die Stadtverwaltung von Tel-Aviv für etwa 3500 Juden aus Jaffa Und -Umgebung, die in öffentlichen Gebäuden in TelrAviv untergebracht wurden, zu sorgen hat, und daß weitere 2500 Juden in Privathäusern der Stadt untergebracht sind. Crossbie erklärte in seiner Erwiderung, er werde die Forderungen der Stadtverwaltung an die Regierung In Jerusalem weiterleiten und von sich aus an Ort und Stelle alle Vorkehrungen treffen, um die Ruhe zu sichern. Die Lage habe sich gebessert, wenn sie auch noch nicht normal sei. _ Einem weiteren Bericht zufolge habe Dlstriktskommissar Major Crossbie den Jaffaer Arabern ge~~ droht, daß er, falls die Angriffe nicht aufhören, den Juden Waffen geben werde. Er warnte insbesondere Vor einer Fortführung der provokatorischen antijüdischen Propaganda. Die arabischen Führer In Jaffa Bolen'erwidert haben, sie lehnen die Verantwortung, für das Banditenunwesen im Lande ab. Die Regierung verbot die arabische Tageszeitung „El J a m i a h AI I s 1 am i a h" wegen Veröffentlichung von Angriffen auf die Regierung. Die Tageszeitung „H a j a r d e n", Organ der Neu- Zionistischen Organisation, wurde nach mehreren Vei-- Warnungen unter Präventiv-Zensur gestellt. Die Tel-Äviver Advokatenkammer stellte an die Regierung die Forderung, alle richterlichen Institutionen infolge der mangelnden Sicherheit in Jaffa von Jaffa nach Tel-Aviv zu verlegen. Die Advokatenaicmmcr beschloß ferner, daß während einer zweimonatigen Dauer keiii jüdischer Anwalt vor dem Jaffaer Polizeirichter erscheinen soll. ■ t . . . .. Eine muffige Tat des Rabbi Ussel Aus Tel-Aviv: Eine sehr mutige Tat des sephardiächen Oberrabbiners von Tel-Aviv Rabbi Usiel wird jetzt bekannt: Als Araber die kleine Synagoge in der jemonitischen Vorstadt von Tel-Aviv Nevej Schalohi in Brand steckten, stellte sich Rabbi Usiel den Angreifern entgegen und beteiligte sich persönlich an der Löschung: des Branden und an der Rettung der Sefer Tliora und der anderen Ritualien. (J. T. A.) Die ersten Verurteilungen Aus Jaffa (28. April); In . Jaffa wurden mehrere Araber, zu je. 15 (!) Piaster Geldstrafe von einem britischen Richter verurteilt, weil sie Dolche getragen hatten. In derselben Verhandlung wurden mehrere Juden, die nach Eintritt der Polizeistunde noch auf der Straße angetroffen wurden, zu Geldstrafen von je drei Pfund (!) verurteilt. (J. T. A.) Hunderte deutsche Juden hadi Palästina abgereist Aus Berlin wird gemeldet: Ungeachtet der Ereignisse in Palästina schifften sich am 33. April einige hundert deutsche Juden an Bord des Dampfers „Toi* A v i v" mit dem Xlejc Haifa ein. Die Nazipressp nutzt dio Palästina-Ereignisse zu verschärfter autijüdischer Propaganda aus, nie überschreibt die Palästina-Nachrichten mit jUcsentitelii wie „Pogrome wie nie zuvor", „Araber brennen jüdische Häuser nieder", „Araber gegen jüdische Parasiten". Vortrag Naheim Goldmann JDr. Nahum Goldmann (Genf), Mitglied der Zionistischen Exekutive (London) und bevollmächtigter Vertreter der Jewish Agency for Pajestine beim Völkerbund, spricht Donnerstag, «Jen 3 0. d. M., um Vif) Uhr abends im Festsaal des Hotel Continental, H., Taborstraßo 4, Uber „Dio Lage im Zionisaus und die Vorfälle In Palästina", Ein Mitglied der Leitung der Judenstaatspartei in Palästina schreibt uns am 19. April, dem ersten Tage der Unruhen. Heute nachmittag hätte in Jerusalem eine Konferenz aller zionistischen Parteien zwecks Gründung des palästinensischen Territorialverbandes stattfinden sollen. Um 11.30 Uhr verließ ich mit mehreren Herren Tel-Aviv in einem Taxi, um als Delegierter der Judenstaatspartei rechtzeitig in Jerusalem einzutreffen. Zwar hatte man in Tel-Aviv schon gehört, daß in Jaffa etwas los sei, aber keiner dachte an schwere Ereignisse. Der Ernst der Situation wurde uns aber sofort klar, als wir die Herzlstraße verließen und uns der Jerusalemer Chaussee näherten. Hunderte von Arabern standen dicht zu beiden Seiten, die meisten trugen mit Steine gefüllte Säcke und begleiteten unser Automobil mit provozierenden Zurufen. Kein einziger Polizist war zu sehen, obzwar die Massenhaftigkeit der Ansammlung und die Feindseligkeit der Stimmung ganz auffallend waren. Diese „Sorglosigkeit" der hier amtierenden Polizei stand in einem krassen Gegensatz zur Haltung der Polizei in Tel-Aviv, wo gestern ein paar hundert friedlich marschierender jüdischer Jugendlicher von drei Lastwagen mit zirka 100 Polizisten begleitet würden. Nur zwei englische Polizisten standen beim Eingang der Jerusalemer Chausee, die uns den Weg als frei bezeichneten und uns so mitten in einen bewaffneten Pöbel schickten, den sie bemerkt haben mußten. Angesichts der plötzlich aufgetauchten Gefahr nahm unser Chauffeur höchste Geschwindigkeit. Aber das nützte wenig, denn sofort begann man auf uns aus Gewehren zu schießen und mit schweren Steinen (aus den Säcken) zu werfen. Wir mußten uns niederlegen. Plötzlich standen wir vor einer Barrikade und nur durch Umreißen des Autos konnte der Chauffeur den tödlichen Zusammenstoß verhüten. Das Auto zerbrach, meine zwei Begleiter wurden verletzt und ich kam wie durch ein Wunder heil davon. Noch immer war von der Polizei nichts zu sehen. Wir mußten in der Richtung nach Mikweh Israel fliehen. Ich glaube nicht, daß wir unser Ro^onmfsnf 61?'^L?g?s^ 8 Denkschrift über die Lage der luden in Oesterreich Entschließung der österreichischen Kultus« gemeinden Die Delegierten der in der Arbeitsgemeinschaft der israelitischen Kultusgemeinden des Bundesstaates Oesterreich vereinigten Gemeinden haben bei ihrer am 26. April 1936 in Wien unter dem Vorsitz des Präsidenten Staatsrat Dr. Desider Friedman n stattgehabten Tagung, bei welcher sämtliche angeschlossenen Gemeinden vortreten waren, nach Erörterung der gemeinsamen Angelegenheiten im Hinblick auf die erste Lage der österreichischen Judenschaft und auf dio gegen sie von verschiedenen Seiten unternommenen Angriffe beschlossen, eine Denkschrift Uber die Lage der Juden in Oesterreich zu verfassen und der österreichischen Bundesregierung zu unterbreiten. Ein Aufruf der Exekutive Die Zionistische Exekutive hat einen Aufruf än.d^s jüdische Volk erlassen, worin zunächst das tröstende Bewußtsein zum Ausdruck gebracht wird, daß die Weitjudenheit tief besorgt ist um das Schicksal des jüdischen Werkes am Wiederaufbau Palästinas. In dem Aufruf wird weiter gesagt, daß das zionistische Werk, das eine Schöpfung für den Frieden darstellt, durch Angriffe aufgehetzter Pogromisten gestört werde, daß aber die jüdische Gemeinschaft in FaMtatina. fest und nicht hilflös dastoho. Sie sei überzeugt, daß keine feindliche Kraft imstando sein werde, die gelegten Fundamente zu erschüttern. „Wir wenden uns", sagt der Aufruf weiter, „mit lautem Ruf an alle Juden der GaluthJ&nder, sie möchten möglichst große Anstrengungen machen» um unser Werk wirtschaftlich, politisch und moralisch zu stutzen. Es muß eine großzügige Mobilisation der finanziellen Mittel durch die nationalen Fonds Kcren Hnjessod und Kercn Kajemeth für dio Verbreiterung der jüdischen Einwanderung, _ des BodonkaufH und der Kolonisation In Palästina unternommen werden. Zur Erfüllung dieser Aufgabe rufen wir dio ganze Judenheit auf. Die Exekutive der Zionistischen Organisation und der Jewlsch Agenoy In Jerusalem." Guter Rat ist nicht immer teuer. Besichtigen Sie die große Auswahl moderner Möbel in unseren Ausstellungsräumen. Diese sind trotz hoher Qualität verblüffend bltlig. Möbel-Edelmann, VIII., Lerchenfeldevstraßo 13. Großo Auswahl! Teilzahlungen! Ziel erreicht hätten, wenn uns nicht knapp vor den VeN folgern ein jüdisches Lastauto aufgenommen und nach Mikweh Israel gebracht hätte. Dort fanden wir bereit* eine große Zahl schwer beschädigter jüdischer Autos und verletzter Passagiere. Erst nach zwei Stunden kamen aus Jerusalem schwerbewaffnete Soldaten, die uns nach Tel-Aviv eskortierten. Jüdische Chauffeure erzählten entrüstet, daß von einem arabischen Auto herab arabische Agitatoren den Pöbel dirigierten, ohne daß dabeistehende britische Polizisten auch nur den geringsten Versuch unternommen, hätten, die Hetzer zu behindern. Ich kann feststellen: 1. Daß es sich um keinen zufälligen oder spontanen Volksausbruch, sondern um eine gutorganisierte, von einer zentralen Stelle aus vorbereitete und planmäßig geleitete Aktion handelte, die unmöglich der Polizei verborgen geblieben sein konnte. So war heute früh in Tel-Aviv kein einziger! der Araber zu sehen, die sonst ihre Waren schon um 6 Uhr morgens in den Straßen schreiend anbieten, Bi« mußten eben zum „Aufstand" einrücken. Es Ist unmöglich, daß sich an einem Arbeitstag Tausende von Arabern auf den öffentlichen Wegen sammeln, vielfach mit Steinsäcken ausgerüstet, wenn sie nicht von einer: zentralen Stelle hindirigiert worden wären. Aber die Polizei bemerkte nichts. 2. Der arabische Pöbel ist mit modernen Waffe n ausgerüstet und weiß sich ihrer zu bedienen. 3. Die Polizei hat die jüdischen Autos unverwarnt ins Feuer geschickt und auch nicht den Versuch gemacht, den Pöbel vorher zu zerstreuen und die Agitatoren festzunehmen. Für die in den regierenden Kreisen herrschenden Stimmungen sind zwei Vorfälle charakteristisch: Am 16. wurden von Arabern bei Tulkerem zwei Juden getötet. Am 17. wurden bei Petach Tihwah zwei Araber tot aufgefunden. Sofort hat die Polizei per Radio den Vorfall bezüglich der Araber bekanntgegeben und das Publikum aufgefordert, bei der Ausforschung der Mörder zu helfen. Ueber den Mord an den Juden hat man geschwiegen. Im heute ausgegebenen offiziellen Kommunique wird kein Wort von Ueberfällen gesagt und nur von einem spontanen arabischen Ausbruch gesprochen. Man . kann sich vorstellen, daß die Erregung der jüdischen Bevölkerung über dieses Verhalten der Behörden eine ungeheure ist. Was der britische KoIonienlitiiiii§ter sagt Aus Lohdon, 26. April: Die Ereignisse in Palästina haben auch im englischen Unterhaus ein Ecbe gefunden. Graham White richtete an den Kolonienminister die Frage, ob er über die Unruhen in Palästina irgend welche Erklärungen abzugeben habe. Kolonienminister J. H. Thomas erwiderte, e« werde dem Hause ein Bericht über die Unruhen vorgelegt werden, in dem 16 jüdische und 5 nichtjüdische Tote sowie 75 jüdische und 72 nichtjüdische Verletzte verzeichnet sind. Er wolle diese Gelegenheit benützen, um zum Ausdruck zu bringen, daß die Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung in Palästina ausschließlich Sache der Regierung Seiner Majestät sei, und daß gegen diejenigen, die das Gesetz verletzen, alle Machtmittel werden eingesetzt werden. Die Regierung werde sich: davon weder durch Aufruhr noch durch irgend welche Drohungen abbringen lassen. Auf die Frage des Unterhausmitgliedes S i l v e rman, ob die jüngsten Ereignisse in Palästina die Administration nicht davon Uberzeugt hätten, daß der Zeitpunkt für die Einsetzung einer Gesetzgebenden Körperschaft Jetzt, nicht reif sei, erwiderte Kolonienminister Thomas, er hoffe nicht, daß der Abgeordnete mit seiner Frage zum Auadruck bringen wollte, daß eine Entscheidung oder eine Aeußerung, die im Unterhaus gefallen sei, für die Unruhen verantwortlich sei. ■ Kolonienminister J. H. Thomas schloß: „Welt mehr bin ich daran interessiert, jedermann in Palästina zu sagen, daß die Regierung Seiner Majestät entschlossen Ist, Gesetz und Ordnung aufrechtzuerhalten, und daß sie dies auch tun wird." Coloncl We dg wo od fragte, ob der Kolonienminister wisse, daß die von den Arabern hauptsächlich gebrauchte Waffe das Messer sei, und ob die Regierung veranlassen wolle, daß die Entwaffnung sa k t i o n sich auch auf diese Waffenart erstreckt. Minister Thomas erwiderte: „Ich habe Heine Erfährung mit Messern, aber ich werde die Sache untersuchen." (J. T. A,)\ l!lltlWII>W|HHHHIIIllHHtWIHllHIWTtMI>HHIIIIWIIHHIMIIIWIIIMH......IHMH......IIIIIIIIHIHimilllHIIUHIUIMHIWWtlltf«^ £udwi$Uatdt cwtiett: Samstag, 2. Mai: „Heinrich Heine" Sonntag, 3. Mai: „Franz Kafka" Montag, 4. Mai: „Peter Altenberg" Fraitag, 8. Mai: „Aus dar Bibel und biblische Geschichten' Jüdische Kulhiritellc, I, Kai 1, Telephon R't0.f>l*< Beginn der Vorlesungen- 1915 Uhr ^.^,,,■.,^^■^-,■■11,1.......,nnm.mnn......T...-nnTrmr.....-,-.....pp^-p...^